Leipziger Allerlei 2017 (5) Moloch Messe

Kommen wir zurück zu meiner kleinen Messeretrospektive. Nachdem ich euch schon einiges davon berichtet habe, wie es mir so ergangen ist, möchte ich auch noch ein paar Worte zum allgemeinen Moloch Messe verlieren – auch wenn das gefühlt schon jeder gemacht hat.

Wie ihr wisst, war das meine allererste Buchmesse und ich wusste im Vorfeld nicht so richtig, was mich erwarten würde. Klar, die Berichte aus Funk, Film und Fernsehen kannte ich, ebenso wie die Impressionen aus den Blogbeiträgen der vergangenen Jahre. Aber dann das erste Mal selber auf das Messegelände zu gehen, das war schon ein ganz besonderer Moment.

Ich hatte, ganz ehrlich, nicht damit gerechnet, wie verdammt groß dieses Gelände alles in allem sein würde. Ein paar Tage vor der Buchmesse war ich ja in den Dortmunder Westfalenhallen unterwegs und so leid es mir ja tut, das als Ruhrpottler sagen zu müssen: Mit Leipzig könnt ihr leider nicht mithalten.

Alleine schon die Glashalle, die man durch den Messehaupteingang betritt, ist ein echtes Schauspiel. Und als ich dann zum ersten Mal auf der berühmten Treppe mit dem Messelogo stand, hätte ich mir ein Tränchen der Ehrfurcht verdrücken können.

Aber dafür war einfach viel zu viel dem Auge und den Ohren geboten. Die Messe summt wie ein Bienenstock zur besten Blütezeit. Überall waren Menschen, mal mehr, mal weniger wichtig.

Die Glashalle gehörte den großen Medien. Hier finden sich die mobilen Studios der Fernsehstationen, in denen permanent irgendwelcher Content mit bekannten Namen aus der Literaturszene produziert wurde, von dem ich zumindest mich frage, in welchen bisher nicht bekannten Inseln der Kultur sie alle versendet worden sein sollen.

Die einzelnen Hallen waren dann grob thematisch geordnet, wobei sich vereinzelte Schwerpunkte eigentlich immer identifizieren lassen.

Die Halle 5 gehörte ganz klar den Selfpublishern und den assoziierten Dienstleistern. Hier fand man sie alle, sei es Books On Demand, sei es Amazon, seien es einzelne Verbände und Vereine (wie auch gewisse BartBroAuthors *g) bis hin zu Verlagen wie etwa Uschtrin, die sich sehr um die Selbstverlegerszene verdient gemacht haben.

Den meisten dieser Stände war gemein, dass sie relativ klein waren – jedenfalls wenn man sie mit den Monsterständen der wirklich „großen“ Verlage verglich.

Aber war ich sehr positiv zur Kenntnis genommen habe war, dass auch den Kleinen viel Aufmerksamkeit seitens des Publikums zuteil wurde. Es war auch bei den eher kleinen Namen des Verlagsgeschäftes eigentlich immer gut was los, wenn ich vorbeikam.

Zu einem Politikum haben sich im Nachhinein ja noch die Männer und Frauen (und Jungen und Mädchen) entwickelt, die ihre Keimzelle in der Halle 1 gehabt haben. Dort fand nämlich auch dieses Jahr wieder die Manga Comic Convention statt, die traditionell viele Cosplayer angezogen hat, die dann mit ihren teils sehr fantasievollen und aufwändigen Verkleidungen durch die Messehallen flanierten.

Ich möchte mich in die Debatte gar nicht groß einklinken. Es geht darum, ob man über ernste literarische und politische Themen diskutieren kann, wenn im Hintergrund leichtbekleidete junge Frauen herumlaufen. Die Leipziger Buchmesse hat zu dem Thema inzwischen eindeutig Stellung bezogen und ich belasse es mal dabei, euch einen entsprechenden Artikel beim mdr zu verlinken.

Wieso ich nun auf die Formulierung komme, dass die Messe ein Moloch ist? Ganz einfach: Es ist sowas von leicht, sich zwischen all den Ständen zu verlieren, die Zeit und den Raum zu vergessen, dass man gar nicht erst einen bestimmten Stand haben muss, zu dem es einen immer wieder zieht (wie bei mir vereinsbedingt geschehen), um irgendwann nicht mehr zu wissen, wo hinten und wo vorne ist.

Ich habe eine große Hochachtung vor allen Menschen, die es geschafft haben, sich im Vorfeld ein Programm für ihren Besuch auszusuchen und das dann auch durchzuziehen. Ich selber hatte um die 90 Stände auf dem Zettel, die ich mir gerne angesehen hätte und ich denke nicht, dass ich alle davon auch wirklich gesehen habe.

Dafür habe ich bei einem sonntäglichen Spaziergang mit zwei befreundeten Mitstreitern andere Ecken der Messe gesehen, die ich mir alleine wohl nicht angeschaut hätte.

Generell kann man nicht alles haben. Dafür findet einfach zu viel statt! Hier wird gelesen, dort diskutiert, da drüben wieder signiert und überall mehr oder weniger ausstaffiert. Es ist viel zu viel, der Geist kann das kaum aufnehmen und koordinieren schon mal gar nicht mehr.

Ganz ehrlich: Wenn das die kleine und familiäre Buchmesse gegenüber der großen Schwester in Frankfurt ist, dann weiß ich nicht, ob ich es mir antun soll, wirklich dorthin zu fahren.

Aber so ein Moloch zeichnet sich ja auch durch seine Anziehungskraft aus. Und diese wurde wirklich an allen drei Tagen, die ich dort war, voll entwickelt. Es ging gar nicht anders, ich musste zur Messe. Und es wurde mit jedem Tag selbstverständlicher, auf der Messe zu sein. Auch das ein Grund, der bei vielen wahrscheinlich zu diesem bereits beschriebenen Messeblues führt. Es bricht auf einmal ein Stück weg, das sich in rasender Geschwindigkeit als „Normalität“ in den Kopf gebohrt hat.

Die Messe wurde, nach den jetzt veröffentlichten Zahlen, von 208.000 Menschen besucht. Das ist eine ganze Menge und ein Zeichen dafür, dass der Moloch auch auf Menschen seine Auswirkungen hat, die sich nicht den ganzen Tag über mehr oder weniger mit dem geschriebenen Wort beschäftigen. Autoren sind zwar unter sich und ihresgleichen, schwimmen aber nicht im eigenen Saft.

Das ist gut so und zeigt uns, zeigt mir, wofür wir eigentlich schreiben. Und, wer weiß, vielleicht bin ich irgendwann auch einmal in einer Funktion als Aussteller auf der Messe. Oder auf einer anderen. Einige Beispiele zeigen, wie schnell so etwas gehen kann.

Egal, wohin mich mein erster Schritt auf das Leipziger Messegelände am Ende auch lenken wird, es gibt keinen Weg mehr zurück hinter diese Erfahrung.

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13 Gedanken zu “Leipziger Allerlei 2017 (5) Moloch Messe

  1. Frankfurt ist tatsächlich größer. Deutlich größer sogar, weil dort auch Verlage aus dem Ausland, Druckmaschinenhersteller und weiß nicht, was sonst ausstellen. Davon, dass Leipzig familiärer wäre, habe ich allerdings nichts bemerkt. Der Eindruck mag darauf beruhen, dass die Kleinen in Leipzig nicht ganz so sehr untergehen, wie in Frankfurt. Aber ich habe auf beiden Messen viele nette Menschen getroffen, gute Gespräche geführt und problemlos Kontakte geknüpft und vertieft.
    Also: Kein Grund, nicht auch nach Frankfurt zu kommen. ^^

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    • Man hört dieses Schlagwort „familiär“ ja so oft im Zusammenhang mit der Leipziger Messe. Wahrscheinlich ist es auch eine Frage der Definition. Nehmen wir die Halle 5, wo man doch sehr schnell die ganzen „Promis“ (ich bitte dringlichst um Beachtung der Anführungszeichen) der Szene auf einem Haufen hat. Auf meinem kurzen Weg vom Eingang zu Kias Stand am ersten Tag meiner Anwesenheit bin ich in Reihenfolge an Annika Bühnemann, Matthias Matting, Sandra Uschtrin und Wolfgang Tischer vorbeigelaufen und es stellte sich so ein Gefühl von „okay, kennste alle“ ein 😉 .

      Ich schließe Frankfurt mit Sicherheit nicht für mich aus. Muss man mal sehen, wie das von der Zeit und vom Budget her passt.

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    • Oh, dann haben sie die Zahlen noch einmal nach oben korrigiert – oder ich habe die 105.000 geschlabbert, weiß ich nicht so genau.

      So lange die 180.000 nicht alle auf mich ZU laufen, ist alles okay! 😉

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