Leipziger Allerlei 2017 (6) Warum ich nicht wieder zur Autorenrunde gehen würde …

… und ich sie trotzdem für eine gute Sache halte.

Kommen wir heute zu einem ganz konkreten Thema. Und zwar war ich ja am vergangenen Samstag bei der Leipziger Autorenrunde, die zum fünften Mal im Rahmen der Buchmesse angeboten wurde. Ich hatte euch ja in einem eigenen Beitrag davon erzählt.

Im Vorfeld war ich mir ja nicht so ganz sicher gewesen, was ich da und davon zu erwarten hatte. Nur, dass ich vielleicht ein Problem mit den vorhandenen Menschenmassen bekommen würde, war mir eine Sorge wert.

Aber schon am zweiten Tag meines Messebesuchs war ich soweit abgehärtet, dass mir das zu erwartende Kuddelmuddel, das entsteht, wenn 210 Autoren versuchen, sich einen Platz am Tisch ihrer Wahl für den Vortrag ihres Vertrauens zu suchen, nichts mehr ausmachte.

Vor die Autorenrunde selbst hatte das Schicksal jedoch eines meiner persönlichen Messe-Highlights gesetzt. Da der eigentliche Mit-Ausrichter Leander Wattig „dank“ eines Verkehrsstaus nicht rechtzeitig zur Eröffnung da war, ließ es sich der eigentlich nur für die „Keynote“ vorgesehene Autor Sebastian Fitzek nicht nehmen, neben seinem launigen Vortrag auch noch Fragen der Anwesenden zu beantworten.

Und dazu muss ich sagen: Über die Romane von Fitzek kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Gerade seine neueste Veröffentlichung „Achtnacht“ empfinde ich als absolut überkonstruiert. Aber ein Entertainer ist der Mann! Nicht nur, dass er mehr oder weniger frei sprach, er sprach auch die meisten der Anwesenden an. An dem Tisch, an dem ich zu dem Zeitpunkt saß, saß auch eine ältere Dame, die sich erst ein wenig spöttisch lächelnd abwandte, als Fitzek das Podium enterte. Aber als er dann seine Anekdoten zum Besten gab, konnte auch sie sich das Lachen nicht verkneifen.

[Exkurs: Am besten gefiel mir ja die Geschichte mit der Ausdauer, die man haben müsse. So habe er seinen ersten Roman „Die Therapie“ an 15 Verlage geschickt, von denen 13 ihm sagten, dass da nie im Leben was Vernünftiges draus wird und zwei sich bis heute nicht gemeldet hätten,]

Jedenfalls würde ich sofort zu einer Fitzek-Lesung gehen, wenn sie mal in meiner Nähe ist.

Zur nächsten Autorenrunde … eher nicht so wirklich.

Ich muss sagen, dass das alles schon sehr professionell und auch durchdacht aufgezogen wurde. Die Location war absolut angemessen für den Anlass, das Catering prima und der Service engagiert. Auch die meisten der Experten, die ich gehört habe, waren mit Leidenschaft bei der Sache und gaben sich alle Mühe, zu ihrem Thema ihr Wissen zu streuen und Fragen der Anwesenden zu beantworten.

Und da kommen wir zu meinem Hauptknackpunkt: Sie konnten letztlich mit all diesen Bemühungen dennoch nicht auf einen für alle gleichermaßen grünen Zweig kommen. Es ging einfach nicht. Ein Ding der Unmöglichkeit. Und das ist dem Format der Autorenrunde geschuldet.

Die Runde steht grundsätzlich Autoren aus allen „Stadien“ ihrer persönlichen Entwicklung offen. Das aber bedeutet, dass man Leute dabei hat, die schon seit Jahren mit dem Thema Schreiben, Veröffentlichung und dergleichen intensiv befasst sind, und ebenso auch Leute, die gerade eben erst mit dem Schreiben anfangen. Und nun hat man acht bis zehn, manchmal auch mehr, dieser Menschen an einem Tisch sitzen und der Experte muss oder versucht zumindest, auf alle diese Leute individuell einzugehen. Was er alleine schon wegen der knappen Zeit von nur 45 Minuten pro Durchgang gar nicht leisten kann.

Mein „Negativbeispiel“ war die Runde, die ich zum Thema „Autorenwebsite mit WordPress“ besucht habe. Da reichte das Spektrum der Zuhörer von „ich habe noch nie in meinem Leben über einen Blog auch nur nachgedacht“ bis hin zu „ich will mit meinem seit zwei Jahren bestehenden Blog [Anmerkung: Das wäre dann dieser hier] auf eine eigene Domain umziehen“.

Entschuldigung, aber da kann ein Dozent doch nur bei verlieren, oder etwa nicht!?

Der arme Mann hat sich am Ende einigermaßen gut aus der Affäre gezogen, aber auch meine etwas speziellere Fragestellung konnte er nicht eingehen. Genauso ging es mir auch an anderen Tischen, die ich besucht habe.

Ich weiß auch, woran das liegt – und das soll jetzt nicht so klingen, als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen. Wer diesen Blog verfolgt, der weiß, dass ich mich sehr intensiv mit dem Schreiben und allen seinen Aspekten auseinander setze. Ich verbringe fast jeden Tag Zeit damit, mich in allen möglichen Themen einzulesen und auf dem Laufenden zu halten. Ich habe Literatur gewälzt. Ich tausche mich mit anderen Autoren aus.

Viele der anderen Autoren, die dort waren, scheinen das nicht zu tun. Daraus mache ich ihnen keinen Vorwurf. Im Gegenteil, ich finde es toll, dass sie eine Veranstaltung wie die Autorenrunde besuchen, um sich zu informieren und in bestimmte Themengebiete reinzuschnuppern. Und sicherlich stellen meine Erfahrungen in gewisser Weise auch nur Momentaufnahmen dar. Wenn ich mich zu Zeitpunkt x statt an Tisch y an Tisch z befunden hätte, hätte mein Erleben vielleicht vollkommen anders ausgesehen.

So aber, wie meine Erfahrung war, werde ich wohl auf einen neuen Besuch der Autorenrunde verzichten. Obwohl ich sie als Format toll finde. Obwohl alle Beteiligten einen sehr guten Job gemacht haben. Und obwohl ich generell eine vorsichtige Empfehlung ausspreche.

Für mich persönlich hat es halt nur einfach nicht gepasst.

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5 Gedanken zu “Leipziger Allerlei 2017 (6) Warum ich nicht wieder zur Autorenrunde gehen würde …

  1. Interessante Einblicke. Zwar war ich schon öfter auf der Buchmesse in Frankfurt, streune aber in der Regel alleine herum, um möglichst viele meiner Interessen zu bedienen. Mit Autorenrunden habe ich mich bisher nicht befasst, da ich davon ausging, dass es sich hierbei um leeres Geplänkel handelt, wo jeder mal etwas sagen und sich ins rechte Licht rücken will und das ist/wäre Zeitverschwendung. Diese Form der Selbstdarstellung kenne ich zur Genüge von Elternabenden. Nun habe ich einen etwas anderen Blick darauf. Die differenzierte Kritik beziehe ich in kommende Überlegungen mit ein.

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  2. Guter Punkt, ich denke, die Offenheit für Autoren in allen „Entwicklungsstadien“ ist zugleich größte Stärke wie auch potenziell größte Schwäche des Modells. Ich persönlich (als jemand, der sich ebenfalls auch im Alltag viel mit anderen Autoren austauscht usw.) hatte das Glück, in Tischrunden zu landen, wo es nicht negativ ins Gewicht fiel, und spiele deshalb eher mit dem Gedanken, nächstes Jahr wieder hinzugehen.

    Ein Stück weit, denke ich, konnte man oft auch vorab aus den Vortragsthemen herausfiltern, ob das für einen interessant ist, aber klar, manchmal klingt auch etwas spannend und ist dann mit viel weniger Tiefgang umgesetzt, als man es für sich selbst erwartet und erhofft hätte. Ich empfand von „meinen“ sechs Tischrunden rückblickend fünf als wirklich gut und teils meine Erwartungen übertreffend, aber ich gebe zu, dass ich auch versucht hatte, mir möglichst wenig zu erhoffen.

    Und Fitzek war ein echtes Highlight, keine Frage!

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    • Hallo Sabrina,

      ja, die Erfahrungen und Standpunkte zur Runde werden zwangsläufig vom einen Extrem zum anderen reichen. Nicht umsonst ist das Format ja jedes Jahr wieder ausgebucht.

      Ich weiß nicht, ob ich so weit gehen und sagen würde, dass es bei mir negativ im Wortsinne war. Ich hatte halt eine Runde, die für mich viel zu oberflächlich geblieben ist, eine, in welcher die Expertin mehr oder weniger offen zugab, dass sie das Schreiben jetzt dran gibt, weil sie damit nicht genug verdient und weitere, die mir nicht viel Neues vermittelt haben.

      Einer meiner Mit-BartBros hat mir eine eigentlich ganz coole Methode genannt, die für mich wahrscheinlich auch hätte funktionieren können. Er hat sich Themen ausgesucht, zu denen er noch gar nichts weiß. Klingt einfach, hätte bei mir halt bedeutet, dass es auch Themen sind, die für mich gerade nicht drängend sind. Aber so hätte ich vielleicht meinen Horizont erweitert.

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