„Darkride“: Vom Fügen und Auseinandernehmen

Ich glaube, inzwischen kennt ihr meinen Romanentwurf „Darkride“ schon ein wenig, oder? Dabei weiß ich gar nicht so genau, was ich euch bis jetzt vom Inhalt erzählt habe und was nicht. Es kann also sein, dass die folgenden vier Absätze euch fürchterlich redundant vorkommen, dann möchte ich euch bitten, sie einfach zu überspringen. Ansonsten seid gerne eingeladen, eine kleine Beschreibung der Ausgangslage zu lesen:

Das „Dreamland“ ist der größte Freizeitpark Deutschlands. Vor wenigen Jahren in der Nachbarschaft eines kleinen Ortes mit immensen Mitteln aus dem Boden gestampft ist es ein Mekka der Freizeitparkfans geworden. In diesem Sommer steht die Veröffentlichung des neuesten Themenbereichs, der sogenannten „Ghost World“ an. Parallel hierzu veranstaltet das „Dreamland“ einen Kongress der Freizeitparkforen, die sich im Internet etabliert haben.

Der unbestrittene Stargast kommt allerdings von weither. Ein japanischer Edelfan hat sich angesagt. Peinlicher Weise wird ausgerechnet dieser Japaner ermordet in einer der Themenfahrten des Parks aufgefunden.

Oberkommissar Jakob Dillken erhält den Auftrag, unter Wahrung größter Diskretion den Mord aufzuklären. Hinter dem „Dreamland“ stehen oberste politische Kreise, die einen Skandal abwenden wollen. Das Schlimme: Dillken hasst Freizeitparks und er fürchtet Achterbahnen.

Während er versucht, zwischen verrückten Fans, genervten Anwohnern und unnachgiebigen Bossen seinem Job nachzugehen, scheint ihm der Darkride-Killer immer mindestens einen Schritt voraus zu sein.

Ich hatte „Darkride“ ja schon als potentiellen Titel ins Gespräch gebracht, mit dem ich mich ggf. bei dem einen oder anderen Verlag bewerben würde. Konkret geht es dabei ja um das Label be des Bastei-Verlags, denen zwar meine Schreibe, nicht aber mein Konzept zu „Der Beobachter und der Turm“ gefallen hatte.

Da ich im Augenblick ein paar Tage Leerlauf habe, bis es mit „Der Morgen danach“ weitergeht, dachte ich mir, ich könnte mich ein wenig mit Textprobe und Exposé für „Darkride“ beschäftigen.

Der erste Schritt bestand allerdings darin, das Manuskript noch einmal zu lesen. „Darkride“ war der letzte Roman meines Schreibrauschs, der zwischen Oktober 2011 und Mai 2013 anhielt und in dessen Rahmen fünf Romane mit ungefähr 2.500 Seiten entstanden. Allerdings hatte ich auch nach ihm direkt mit einem weiteren Manuskript angefangen, bevor ich die Reißleine zog, weil ich Angst hatte, in einen schriftstellerischen Burnout zu geraten.

Das bedeutet, dass ich den Roman in seiner Gesamtheit bis heute nicht wieder gelesen hatte. Es ergab sich einfach nie die Zeit oder der Anlass dazu – und noch seltener der Punkt, an dem beide Dinge mal übereinstimmend vorhanden gewesen wären.

Aber was bot sich besser an als die Fahrt mit dem Zug nach Leipzig und von Leipzig zurück!? Ganz klare Antwort: Das war die Gelegenheit. Und so lud ich mir das Manuskript auf mein Convertible und habe mich die gut 11 Stunden, die ich insgesamt unterwegs war, damit beschäftigt.

Und ich muss sagen, ich bin gleich in mehrfacher Hinsicht überrascht. Negativ überrascht, um damit zu beginnen, bin ich davon, wie viele offensichtliche Tippfehler, Schreibfehler und Grammatikfehler in dem Manuskript sind. Da sah die Rohfassung von „Der Morgen danach“ vollkommen anders aus. Aber ich denke, daran kann man ablesen, dass es eine gute Entscheidung war, bald nach „Darkride“ das Schreiben erst einmal wieder für eine Weile auszusetzen. Ich war einfach übertaktet.

Die positiven Überraschungen überwiegen allerdings. Ich habe ja nun schon zwei aufwändigere Überarbeitungsrunden hinter mir und kann allmählich auf etwas wie einen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Und aus diesem heraus kann ich nur feststellen, dass der Plot des Romans Sinn macht, die Figuren in ihren Perspektiven (ich habe drei Perspektivträger) glaubwürdig sind und dass es nur wenige Füllszenen gibt. Klar, Kürzungen tun jedem Roman gut (und das aus meinem Munde …), aber mich haben jetzt keine Passagen angeschrieen, die so öde und die Handlung ausbremsend sind, dass sie unmittelbar herausgerissen gehörten.

Die positivste Überraschung, nein, eigentlich mehr Bestätigung, war dann aber der Umstand, dass sich die Geschichte wirklich von vorne bis hinten wie geplant liest – obwohl sie nicht geplant war.

Nein, nicht falsch verstehen, ich hatte, als ich begann, grobe Ideen. Der Ausgangspunkt war der tote Japaner. Ich wusste einiges über meinen Kommissar und auch über einige der Leute, mit denen er es im „Dreamland“ zu tun bekommen würde.

Was ich zum Zeitpunkt des Arbeitsbeginns nicht wusste war, wer der Täter ist, was sein Motiv darstellt und wie ich es in die Handlung einbauen kann.

Und das bei einem Krimi.

Doch auch wenn ich das nicht wusste, so haben sich die einzelnen Teile doch passend zusammengefügt. Ja, es scheint wie eine Fügung, dass am Ende ein in sich stimmiger und stringenter Kriminalfall entstanden ist, den ich für logisch aufgebaut und ansprechend präsentiert halte. „Darkride“ ist mein größtes Plädoyer dafür, dass es funktionieren kann, auf der Basis einer Idee in ein Manuskript zu starten und dann als Discovery Writer weiter zu machen.

Tja – jetzt muss ich dieses gefügte Manuskript nur auseinanderreißen, um ein anständiges Exposé daraus zu machen. Und ich muss mir überlegen, ob die berühmten ersten dreißig Seiten wirklich passend sind, wie sie sind, um den Stoff auch interessant zu machen. Dabei wissen wir doch sowieso alle, was da passiert: Eine Leiche wird gefunden. Nicht die originellste Eröffnung für einen Krimi, aber hey, es hat schon seinen Grund, dass das immer wieder so gemacht wird.

Im Moment bekomme ich noch nicht den richtigen Dreh, wirklich mit der Arbeit anzufangen. Aber die kommenden zwei Wochen habe ich Urlaub (Osterferien), da sollte sich vielleicht die Zeit und die Motivation finden lassen.

Ansonsten tretet mir gerne beizeiten in den Hintern! 😉

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3 Gedanken zu “„Darkride“: Vom Fügen und Auseinandernehmen

  1. Nein, ich hatte von „Dreamland“ noch nicht wirklich viel mitbekommen – liest sich aber sehr gut, was Du uns da anbietest (abgesehen von „peinlicherweise“, das auch nach der Rechtschreibreform noch zusammen geschrieben wird 🙂 . Ah, und ich weiß, wie großartig das ist, wenn man ein lange ungelesenes Manuskritpt aus der Schublade holt und dann denkt: Mann, das ist gut 🙂 Da freu ich mich richtig mit Dir! Liebe Grüße!

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