Das Spiel mit dem Publikum: Anna Depenbusch live in Düsseldorf

Eigentlich gehören Betrachtungen zu Live-Konzerten, die ich besucht habe, ja nicht unbedingt auf diese Webseite. Zu unterschiedlich ist meistens die Art und Weise der Rezeption. Zu unterschiedlich sind vielleicht auch die Zielgruppen. Aber bei dem Konzert, das ich gestern das Vergnügen hatte, zu besuchen, würde ich diese Punkte ein wenig anders bewerten.

Anna Depenbusch, eine meiner Meinung nach immer noch von vielen sträflich unbeachtete Hamburger Künstlerinnen, hatte in das Savoy Theater nach Düsseldorf geladen. Und alleine schon die Location weckte Assoziationen zu Veranstaltungen, die ansonsten vielleicht eher in den Bereich des geneigten Literaturliebhabers fallen. Das Savoy ist, wie der Name schon sagt, ein ehemaliges Theater, in dem heute Kleinkunst, Musik und Kabarett aufgeführt werden. Im Keller gibt es dazu ein (wohl ziemlich gutes) Programmkino.

Das bedeutet auch: Der ganze Saal ist natürlich bestuhlt, mit den typischen Sesselreihen, wie man sie aus alten Theatern kennt. Das war ein wenig eng, aber auch irgendwie gemütlich. Und es passte zum Anlass. Zumal ich mir, in weiser Voraussicht, eine Karte für die erste Reihe gesichert hatte. In dieser hatte ich nicht nur die beste Sicht auf das Geschehen, sondern auch völlige Beinfreiheit.

Meine Bilder von der Bühne vor dem Konzert sind leider nichts geworden und während des Konzerts fotografiere ich aus Prinzip nicht, deswegen kann ich euch leider nur beschreiben, was an Instrumenten aufgefahren worden war.

Anna war mit einer vierköpfigen Band angetreten, einem Schlagzeuger, einem Bassisten, einem Gitarristen und einer Multiinstrumentalistin, die nicht nur die Violine, das Cello, das Akkordeon, die Posaune, das Glockenspiel und was weiß ich nicht noch alles zum Klingen brachte, sondern auch noch eine fantastische zweite Stimme hatte. Anna Depenbusch selber spielte Klavier, Akustikgitarre und natürlich die Ukulele (!).

Und sie spielte mit ihrem Publikum. In einer Art und Weise, von der viele Autoren, die vielleicht einmal eine Lesung halten wollen, etwas lernen können. Denn die meisten ihrer Lieder sind nichts anderes als kurze Geschichten, wie sie auch selber erzählte. Und sie erzählte einiges zwischen den einzelnen Liedern. Von ihrer Entstehungsgeschichte, mal mehr, mal weniger ernsthaft.

Auf diese Weise wurde aus dem Konzert mehr als nur eine sture Abfolge von 23 Stücken. Es wurde eine Reise durch den Kosmos der mittlerweile fünf veröffentlichten Alben, der sich kaum jemand zu entziehen vermochte.

Nun muss man dazu sagen, dass Anna Depenbusch ein Charisma hat, dem man sich generell schwer verschließen kann. Man merkt, dass sie ihre Musik liebt und auch lebt. Dass ihr die Personen, von denen sie singt, nicht egal sind.

Wieder ziehe ich einen Vergleich zu einer guten Lesung, denn auch hier sollte der Autor versuchen, entweder durch seine Persona oder durch das geeignete Drumherum (wie z.B. geschickten Einsatz von Musik) das Publikum auf seine Seite zu bringen. Ganz ehrlich: Ich habe gestern Abend eine ganze Menge über eine gute Präsentation gelernt, die herrlich unprätentiös und ganz ohne den Einsatz von übertriebener Technik ausgekommen ist. Ein paar altmodische Glasleuchten auf der Bühne, rotes oder auch blaues Licht von oben, das reichte aus. Und wenn dann der Bassist zum Kontrabass griff und der Schlagzeuger nur sanft den Rhythmus strich, fühlte man sich wie in einem intimen Jazzclub.

Ihr merkt schon, ich bin ziemlich begeistert. Die Musik ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack, wie das eben bei deutschen Texten immer so der Fall ist, aber ich kann euch dennoch nur ein reinhören empfehlen. Zwei Beispiele gibt es anbei, zu denen auch jeweils eine zugehörige Geschichte auf der Bühne erzählt wurde (die ihr euch vielleicht denken könnt, wenn ihr die Lieder gehört habt *g).

Anna Depenbusch und Band sind mit dem aktuellen Album „Das Alphabet der Anna Depenbusch“ noch bis Ende April und dann im August wieder auf Tournee durch die Republik.

Termine siehe ihre Homepage.

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2 Gedanken zu “Das Spiel mit dem Publikum: Anna Depenbusch live in Düsseldorf

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