Dort unten im Keller …

Keller sind Orte, die in vielerlei Hinsicht die Fantasie eines Menschen beflügeln können. Denn sie können alles Mögliche beinhalten: Schätze, Tand, Krimskrams, Krempel, Gediegenes und je nach Autor auch die eine oder andere Leiche. Keller gehören für die Literatur zu den symbolträchtigen Orten – auch wenn ihnen eher selten ein Loblied gesungen wird.

Ich träume oft von Kellern. Meine Träume gehen im Wesentlichen so: Ich bin gerade frisch in eine Wohnung oder ein Haus eingezogen und ich weiß, dass ich irgendwo noch eine andere Wohnung habe, in der es noch einen oder mehrere Keller gibt, die ich leer räumen muss. Je nachdem, wie es mir gerade geht, verbinde ich damit angenehme oder weniger angenehme Erwartungen.

Ausgehend von meinem reichhaltigen Erfahrungsschatz mit Kellern, den ich aus bisherigen Umzügen und Wohnorten gesammelt habe, habe ich dann teils sehr konkrete Bilder vor Augen.

In meiner ersten eigenen Wohnung in einem Haus, das, wie sich herausstellte, mehr oder weniger in den Grundwasserspiegel hineingebaut worden war, hatte ich sogar zwei Keller. Der eine war ein muffiges Kabuff, in dem man eine Europalette auf den Boden legen musste, damit die Dinge, die man dort lagerte, nicht nass wurden.

Und in dem anderen lebten die Spinnen.

Ich habe niemals vorher und Gott sei Dank nie wieder seitdem einen Raum gesehen, in dem so viele Spinnen auf kleinster Fläche zusammenlebten. Und wir reden hier teilweise von Hausspinnen, die mühelos die Körpergröße eines 10-Cent-Stücks erreichten. Wenn ich nicht vorher schon Angst vor Spinnen gehabt hätte, da hätte sie mich ereilt.

In meinen Träumen bin ich oft in diesen beiden Kellern, beziehungsweise habe das Gefühl, dass dort noch Dinge auf mich warten, die ich nicht einfach liegen lassen sollte. Da ich in der Realität bereits vor über 18 Jahren aus diesem Haus ausgezogen bin weiß ich, dass es sich hierbei nur um etwas Metaphorisches handeln kann.

Wie alles in meinem Leben beziehe ich auch das mit auf das Schreiben. In jener Wohnung unmittelbar am Rhein habe ich ein paar Skizzen in eine Datei gemacht. Diese Datei nannte ich, wie passend, meinen „Ideenkeller“. Wenig überraschend war eine Skizze darin die Grobfassung einer Kurzgeschichte rund um eine Riesenspinne. Erwähnte ich, dass ich jenen Keller gehasst habe?

Wenn ich nun heute von Kellern träume, dann glaube ich, dass mich mein Unterbewusstsein an Dinge erinnern möchte, die noch nicht so verräumt sind, wie es vielleicht besser für mich wäre. Manchmal nehme ich in den Träumen gezielt Dinge in die Hand, die mir einen Aufschluss darüber geben, wo ich vielleicht ansetzen könnte. Zu anderen Gelegenheiten bleibt es vage, nur ein Gefühl.

Denn heute sitze ich im Keller und habe dort mein Reich, meine Schreibwerkstatt, meine Mediathek. Klar, auch hier krabbelt schon mal ein achtbeiniges Viech durch die Gegend, aber auch damit habe ich meinen Frieden gemacht (Pech für das Viech, im Übrigen). Und da wir inzwischen im Eigentum leben, gibt es auch nirgendwo mehr einen Keller, in dem noch Altlasten stehen.

Dennoch kommen diese Träume. Und manchmal wüsste ich gerne, was genau sie mir sagen wollen. Ich glaube, dass dort noch die eine oder andere gute Geschichte auf mich warten könnte.

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