Es musste ja so kommen: Ich und meine Ideen

Zweimal habe ich in den letzten paar Tagen kluge Sätze zum Thema „Autoren und ihre Ideen“ abgesondert. Einmal ging es darum, ob man mehrere Projekte gleichzeitig schreiben solle/könne und einmal ging es um die Frage, wie Ideen festgehalten werden können.

Und ich kam beide Male mit meiner mir manchmal zu eigenen Arroganz und gab zu Protokoll, dass ich natürlich keinerlei Notizbuch führe. Weil meine Ideen in meinem Kopf bleiben. Deswegen schreibe ich mir auch sonst nichts auf. Nein, auch keine Romanideen, denn die bleiben ja in meinem Kopf.

Es musste ja so kommen.

Gestern Abend lag ich in meinem Bett und konnte mal wieder nicht einschlafen. In meinem Kopf ratterte erst eine ganze Weile Musik vor sich hin, was besonders fies ist, weil man/ich gerade in solchen Situationen, wo es eigentlich um die Entspannung geht, diese Ohrwürmer am schlechtesten los werde. In diesem Sinne einen schönen Gruß an Anna Depenbusch, wo immer sie sich auch heute gerade aufhält. „Stadt Land Fluss“ kann einem durchaus irgendwann den Nerv rauben, so schön der Song auch ist 😉 .

Aber das nur am Rande.

Jedenfalls dämmerte ich dann doch irgendwann weg. Und im Wegdämmern formte sich in meinem Kopf auf einmal eine Geschichte. Eine ziemlich ausgefeilte sogar. Leider keine für mein kleines „30“-Problem, das wusste ich sofort. Aber doch eine Geschichte, die man ja vielleicht einfach so mal schreiben könnte. Als Fingerübung. Für Spaß. Und wenn sie nun einmal schon in fast vollständiger Länge in meinem Kopf war.

An meinem Nachttisch liegt mein Smartphone. Auf meinem Smartphone läuft Evernote. Damit könnte ich theoretisch in kurzer Zeit eine Notiz erstellen. Verdammt, ich könnte sie sogar aufsprechen!

Aber ich dachte mir, dass ich gerade so schön am einduseln war, und ich ja schon so lange um den Schlaf gekämpft hatte, dass ich auf keinen Fall riskieren sollte, dass ich nach dem Herumhantieren mit der Technik wieder wach sein würde. Zumal ich heute, trotz Urlaubs, recht früh aufstehen musste.

Und da setzte meine gottverdammte Arroganz ein. Ich dachte mir nämlich, voll und ganz von mir überzeugt, dass die Idee heute auch noch da sein würde. Dass sie nur auf mich wartet.

Ihr werdet wissen, wie die Sache ausgegangen ist. Mir fiel heute Vormittag erst mit einigen Stunden Verspätung wieder ein, dass da überhaupt eine Kurzgeschichte gewesen war. Und worum es darin ging ist völlig weg.

Nun ja, es ist nicht völlig weg und das macht es noch schlimmer. Es fühlt sich wie ein Phantomschmerz an. Ich weiß und fühle, dass es da ist, aber ich kann es nicht erreichen. Und ich könnte auch niemand anderen davon überzeugen, dass ich wirklich jemals eine Idee gehabt habe, weil ja objektiv keine da ist. Das ist nicht nur nervig und frustrierend, es tut wirklich weh. Phantomschmerz eben.

Deswegen ziehe ich jetzt die Kutte des Büßers an, male mir ein Aschenkreuz auf und tue Buße. Wenn mir wieder einmal eine total tolle, schon vollständig ausformulierte Idee kommt, dann werde ich sie mir sofort notieren. Egal wo, egal wie, egal worauf.

Denn das Schlimmste habe ich noch gar nicht verraten. Selbst wenn mir jetzt während meines Nachdenkens die Ideen für drei ganze Kurzgeschichtenbände kämen, wäre ich doch nicht zufrieden damit, weil eben die eine nicht dabei wäre – oder ich sie nicht mehr erkenne.

Es musste ja so kommen.

Und jetzt darf hämisch gelacht und mit dem Finger auf mich gezeigt werden. Ich habe es verdient *grummel*.

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9 Gedanken zu “Es musste ja so kommen: Ich und meine Ideen

  1. Kenn‘ ich, das ist ganz schön fies. Andererseits lass Dich trösten: Ich träumte einmal DIE ultimative Geschichte großartigster Natur und schrieb sie im Dreiviertelschlaf in einem kurzen Satz auf (bei mir liegt halt immer ein Notizblock am Bett), schlief wieder ein, seelig und beruhigt. Und konnte am nächsten Morgen entziffern: „Junge verliebt sich in Mädchen“ 🙂

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  2. Ach was, die kommt wieder. Wenn die Geschichte einmal im Kopf war, ist sie da noch irgendwo und meldet sich wieder. Ob der Zeitpunkt dann aber besser ist …?
    Ich mache Notizen, allerdings an mindestens drei verschiedenen Stellen, die ich, wenn ich sie brauche, nie alle zusammen habe. Auch nicht so clever. 😉

    Gefällt 1 Person

    • Ja, die leidige Sache mit der Selbstdisziplin. Eigentlich wüsste man ja, wie man es besser und richtig macht, aber dann macht man es doch wieder gar nicht – oder irgendwie ineffizient.

      Wollen wir hoffen, dass du recht hast und die Idee sich wieder meldet! 🙂

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