Ich hasse es, wenn kein Plan funktioniert!

Wie ihr wisst, habe ich im Moment Urlaub. Und für den Urlaub macht man sich was? Man macht sich Pläne! In meinem Fall war der Plan, an einigen von meinen Projekten ein wenig zu arbeiten. Oder, wie im Fall der angedachten Einreichung von „Darkride“, überhaupt erst einmal damit anzufangen.

Da ich über das Wochenende und auch am Montag irgendwie nicht den richtigen Druck dahinter bekommen hatte, mich damit zu beschäftigen, stand für mich fest, dass gestern der Tag sein würde, an dem es nun kein Zurück mehr gäbe. Ich würde mir eine neue Fassung meines Manuskripts erstellen und dann damit anfangen, den Teil noch einmal zu überarbeiten, der die Leseprobe für den Verlag darstellen soll.

Also ging ich, hochmotiviert … zunächst einmal unter die Dusche. Wieso ich euch das erzähle? Weil das so ziemlich der letzte Moment war, an dem noch alles klappte, wie es geplant war.

Nach dem Duschen setzte ich mich auf mein Bett, um mir ein Paar Socken anzuziehen, da kam meine Tochter aus der zweiten Etage nach unten. »Papa, der Strom ist weg.«

»Wie, der Strom ist weg? Ich habe mir gerade noch die Haare geföhnt.«

»Ja, bei mir ist kein Strom mehr.«

Okay, dachte ich mir, dann hat vielleicht der Föhn den FI-Schalter rausgehauen. Kann ja mal passieren. Sollte es zwar nicht, aber möglich ist ja alles. Ein schneller Versuch zeigte mir, dass auch die erste Etage keinen Strom hatte. Mit Ausnahme des Badezimmers. Komisch …

Das Erdgeschoss hatte auch Strom, der Keller natürlich nicht. Aber wozu haben moderne Handys eine Funktion, auch als Taschenlampe zu dienen? Also frohgemut an den Sicherungskasten, diesen aufgemacht … und gestutzt. Übelst gestutzt. Wieso sind denn da alle Sicherungen drin? Da muss doch mindestens eine rausgesprungen sein, sonst macht das doch gar keinen Sinn!?

Also noch einmal durchs Haus und eine Bestandsaufnahme gemacht. Der Keller, inklusive der Gasheizung und der beiden Hobbyräume, war ohne Strom. Im Erdgeschoss funktionierte alles, bis auf den Backofen. Der erste Stock war tot, mit Ausnahme des Badezimmers. Der zweite Stock ebenfalls tot.

Nun war guter Rat erst einmal teuer. Meine Frau, inzwischen von einem Arzttermin nach Hause gekommen, probierte einen Elektriker zu finden. Was in den Osterferien gar nicht mal so einfach ist. Gerade, als sie einen an der Strippe hatte, ging auf einmal in unserem Wohnzimmer die Steuerungstafel der Heizanlage wieder an. Also bekam sie auf einmal wieder Strom.

Der Elektriker meinte, das würde auf die Stadtwerke schließen lassen (die von nichts wussten, wie ich mit einem Telefonat heraus bekam). Er würde aber dennoch mal kommen. In der Zwischenzeit standen dann auch die Nachbarn von nebenan vor der Tür, bei denen sich die gleichen Probleme zeigten. Der Elektriker konnte auch Aufschluss geben, dass an der Straßenecke bereits ein Wagen der Stadtwerke (die ja von nichts wussten, ähem) stehe. Er würde dann mal wieder gehen.

Die Jungs an der Ecke meinten, sie müssten jetzt erst einmal herausfinden, wo sie denn die Straße aufzubuddeln hätten. Das könne dann so ungefähr zwei bis sechs Stunden dauern. Da war es ungefähr Mittag.

Wir beschlossen dann, da wir ja eh keinen Strom hatten, dass wir genauso gut einkaufen fahren könnten. Die Kinder brauchen neue Schuhe.

Kaum in der Stadt angekommen, klingelte das Handy meiner Frau. Die Nachbarin. »Ja? Wie, die müssen … Wieso das denn? Wir sind extra gefahren, weil die ja sagten … okay, wir sind in spätestens einer halben Stunde da.«

Den Jungs an der Ecke war eingefallen, dass sie, um den Schaden genau lokalisieren zu können, in jedem Haus der Straße die Hauptsicherungen rausdrehen müssten. Na, nur gut, das wir in einer kleinen Straße wohnen.

Nachdem sie das getan hatten, meinte einer von ihnen, sie hätten jetzt den Fehler gefunden, aber bis der behoben sei, müsste der Strom ganz abgeschaltet werden. Und, ach ja, das dauert jetzt auf jeden Fall zwei bis sechs Stunden. Da war es dann so um die vierzehn Uhr.

Na gut, es gibt ja auch Dinge, die man ohne Strom machen kann. Man kann zum Beispiel ein Buch lesen. Schade nur, dass sich irgendwann beim Nachwuchs Langeweile einstellte. Und die Beschäftigungsmöglichkeiten passten alle nicht so recht.

Meine Frau ging zwischendurch immer mal wieder schauen, was denn die Arbeiter so machen. Und konnte dann gegen kurz vor sechs vermelden, dass jetzt (!) ein Bagger angekommen sei. Meine Familie ging dann mal schauen, wie der Gehweg aufgebaggert wurde, während ich auf meiner Couch sitzen blieb.

Als sie eine halbe Stunde später noch nicht zurück waren, ging ich dann auch mal nach vorne (wir wohnen in einer Hinterlandbebauung). Und siehe da: Es hatte sich ein Nachbarschaftstreff gebildet. »Fernsehen gibt es ja keins«, wie einer von ihnen korrekt feststellte.

Im Laufe der Baggerarbeiten kamen dann die Altlasten zutage, die sich in solchen Gruben immer finden. Eine ältere Nachbarin erzählte, dass das letzte Mal, als vor ihrem Haus ein Loch war, im November 1944 war und dass dieses auf das Konto der Royal Air Force ging.

Man merkt bei solchen Gelegenheiten erst einmal, wie unterschiedlich seine Nachbarn sind. Während die einen interessiert sind und sich ganz normal mit den Arbeitern unterhalten, die ja nun wirklich nichts für die Störung können und alles tun, um sie zu beseitigen, gibt es auch immer den einen Nachbarn, der meint, er müsse sich von seiner „ganz freundlichen“ Seite zeigen. Ich denke, den gibt es in jeder Straße.

In diesem Fall kam er und fragte „freundlich“, ob denn wenigstens der Strom bald wieder laufen würde, der zwischenzeitlich ja gelaufen sei. Und wie es denn mit Schadenersatz fürs Tiefkühlgut aussähe. Das mag legitim sein, muss ich aber nicht den Mann fragen, der bis zum Hals in einer Baugrube steckt …

Meine Frau hatte übrigens zu diesem Zeitpunkt unser Tiefkühlgut schon mit Hilfe eines Nachbarn eine Straße weiter gerettet, von dem aus wir einfach ein Stromkabel über den Zaun geworfen haben. Ist doch immer gut, wenn man sich mit seinen Nachbarn versteht 😉 .

Irgendwann hatten die Jungs dann ihre Arbeit getan und maßen die Straße aus. Um festzustellen, dass am anderen Ende der Straße noch eine Schaltung ihren Geist aufgegeben hatte.

Also das ganze Spiel von vorn. Aufbuddeln, rausreißen, neu verkabeln …

Um eine lange Geschichte kurz zu beenden. Am Ende hatten wir von 11 bis 21 Uhr keinen Strom. Und es ist absehbar, dass wir in den kommenden Tagen zwischendurch auch keinen Strom haben werden, weil dann die Provisorien in etwas Dauerhaftes verwandelt werden müssen. Einer der Arbeiter sagte schon, dass seiner Meinung nach der ganze Gehweg aufgerissen gehört.

Im Ergebnis bedeutet das, dass gestern alle gefassten Pläne nicht geklappt haben. Ich habe keine Zeile geschrieben, wir haben nicht einkaufen können, und gar nichts. Und die Aussicht auf weitere Stromausfälle finde ich nun auch nicht sonderlich beglückend. Denn irgendwie steht man selber, welch Ironie der Geschichte, ja die ganze Zeit über unter Spannung. Weil man nicht weiß, wie es jetzt weitergeht. Da hätte also auch Schreiben am Tablet nicht geklappt – zumal ich meinen PC mit Faktor hundert vorziehe.

In einem Satz: Ich hasse es, wenn kein Plan funktioniert!

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10 Gedanken zu “Ich hasse es, wenn kein Plan funktioniert!

  1. Oh je, aber Du kennst ja den Lennon-Spruch: Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen 🙂
    Und immerhin hast Du 1. Dich mit Deinen Nachbarn unterhalten und 2. eine schöne Geschichte geschenkt bekommen. Ich drücke jedenfalls die Daumen für die nächsten Tage!

    Gefällt 3 Personen

    • Das ist wohl wahr, was John Lennon da gesagt hat. Aber du kennst das bestimmt auch, wie schwer es ist, sich neu zu motivieren, wenn man eigentlich gerade motiviert war, sich hinzusetzen und es dann nicht klappt.

      Ich werde es nachher noch einmal probieren. Ansonsten sehe ich es schon kommen: Der Urlaub ist vorbei und ich habe genau gar nichts geschafft.

      Wäre auch nicht ganz untypisch pour moi.

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  2. Klar kenne ich das. Und hasse das. Andererseits ist das ja gerade das Schöne am Schriftstellersein: Egal was für ein Scheiß passiert – es kann/wird/darf/soll ins Schreiben einfließen. Auf jeden Fall bleiben meine Daumen gedrückt 🙂

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    • Liebe Julia, du hast ja nicht Unrecht. Aber im Moment muss ich mich ein wenig zwingen, ansonsten besteht durchaus die Gefahr, dass ich in eine längere Periode von „gar nichts“ falle. Das kenne ich leider schon. Dann küsst mich auch nix.

      Ich vergleiche das gerne mit jemandem, der Urlaub nimmt, weil er seine Küche renovieren muss. Auch das ist nicht wirklich erholsam und Spaß macht es auch nicht. Jedenfalls nicht, solange man nicht sieht, dass alles wieder neu und schön wird. Und dafür muss man sich manchmal halt in den Hintern treten.

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      • Ich hatte den Eindruck, dass du dich irgendwie sehr quälst und gerade in Hinsicht zu mancher Vorbelastung ist das eventuell mit Vorsicht zu genießen. Der Grat zwischen Selbstfürsorge und Selbstzerstörung (extrem drastisch gesagt) kann ziemlich schmal sein. Aber du weißt natürlich am besten, was bei dir wie hilft. 🙂

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      • Ich habe deinen Einwurf auch richtig verstanden und weiß, was du meinst. Deswegen danke ich dir auch ausdrücklich noch einmal dafür 🙂 .

        Aber du kennst mich: Vor der Selbstzerstörung liegen noch zehn bis fünfzehn Blogbeiträge, in denen das „Jammern“ immer schlimmer wird. Dann einfach gerne (!) wieder drauf ansprechen!

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  3. Mein Mitgefühl. Es ist deprimierend, wenn man so voller Ungeduld sich ans Werk machen will und dann unsanft ausgebremst wird. Bei mir sind es meist Anrufe meiner Mutter, die Einbrecher gehört hat, sich sooo krank fühlt oder unbedingt im Garten etwas aus- und eingegraben haben will. Oft auch meine erwachsenen Kinder, die Studiennachweise der Uni nach Neuseeland brauchen oder keine Zeit haben, eine Wohnungsbesichtigung zu machen, sich 20 km weiter ausgeschlossen haben usw. Ein Stromausfall allein würde mich weniger berühren, weil ich eh erst einmal viel mit der Hand schreibe. Ich habe mir angewöhnt, mindestens einen Absatz pro Tag oder Nacht zu schreiben, selbst wenn ich diesen am nächsten Tag wegen Minderwertigkeit wieder eliminiere. Dann habe ich nicht das Gefühl, mich zu sehr von meinem Projekt zu entfernen.

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    • Deine Gründe sind auch alle nicht von schlechten Eltern!

      Der Stromausfall hat mich vor allem deswegen ausgebremst, weil es mir ja um die Umarbeitung des bestehenden Manuskripts geht. Da macht es Sinn, das direkt im Dokument zu machen.

      Das mit dem Entfernen vom Projekt ist ein wahres Wort. Ich fühle mich manchmal auch ganz weit weg.

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