In letzter Minute

Geht euch das auch so, dass ihr immer wieder Dinge in letzter Minute erledigt, obwohl ihr das eigentlich gar nicht wollt?

Es gibt sie ja, die professionellen Prokrastinierer, die alles so lange aufschieben, bis es sich gar nicht mehr vermeiden lässt, sich dem oder den Dingen zu stellen, die da so zu erledigen sind. Da spielt es keine Rolle, ob es die dringende Hausarbeit fürs Studium ist, das Abendessen für das Date for two oder das Aufräumen, weil die liebe Schwiegermama ihren Besuch angekündigt hat. Ist doch noch Zeit, mindestens ein Viertelstündchen …

Eigentlich bin ich niemand, der das planmäßig so macht. Bevor meine Frau, so sie dies hier lesen sollte, sich verschluckt und ich reanimieren muss: Ja, ich gebe zu, dass es mir auch sehr oft passiert, dass ich Dinge erst in letzter Minute angehe. Aber das ist eigentlich nie so geplant oder beabsichtigt. Das passiert mir einfach.

Und so ist es mir jetzt auch in Bezug auf diesen Urlaub und das Schreiben wieder gegangen.

Wir erinnern uns. Ich hatte für diesen Urlaub vor, die neue Bewerbung mit meinem Roman „Darkride“ so weit fertig zu machen, dass ich diese noch in dieser Woche an den Verlag schicken kann. Dazu kam die vage Idee einer Kurzgeschichte, um bei einem Wettbewerb damit mitmachen zu können.

Die Ostertage kamen und gingen und es passierte … nichts. Ich setzte mich an den PC um mich um das Exposé des Romans zu kümmern und machte Papyrus ohne getane Arbeit wieder zu, um lieber ein wenig im Internet zu surfen. Weil ich schlicht keine Idee hatte, wie ich das Exposé schreiben solle.

Ich spielte in Gedanken mit verschiedenen Szenarien für die Kurzgeschichte, brauchte dafür aber Papyrus gar nicht erst zu öffnen, denn mir fiel zum Kuckuck kein Ansatz ein, irgendwas mit dieser dummen 30 anzufangen, was nicht vollkommen abstrus, abgeschmackt oder konstruiert wäre.

Die Tage gingen dahin. Auf einmal hieß es wieder, sich mit „Der Morgen danach“ beschäftigen. Was ja auch ganz gut ausgegangen ist und geklappt hat, aber damit waren natürlich alle Ressourcen erst einmal wieder gebunden.

Und dann, auf einmal, gestern, wo die Gedanken eigentlich schon wieder davon weggingen, knallte auf einmal die Inspiration für das Exposé voll rein. Okay, im Endeffekt war es einiges an Transpiration, die vielen Manuskriptseiten auf den wenigen Exposéseiten zusammenzufassen. Aber ich habe jetzt ein Exposé, mit dem sich arbeiten lässt.

Und das stand für heute auch auf der Agenda. Ich wollte mich, in letzter Minute, um das Exposé kümmern. Wollt ihr raten, was passiert ist?

Natürlich! Ich hatte heute morgen nicht nur eine, sondern sogar zwei Ideen, wie sich diese vermaledeite 30 als Aufhänger einer Geschichte verwenden ließe. Und so bin ich dabei, diese jetzt noch zu Papier zu bringen, was ich ca. zur Hälfte geschafft habe.

Ihr seht also, bei mir läuft im Moment alles in letzter Minute. Morgen ist mein letzter Urlaubstag und rein theoretisch könnte ich an diesem noch alle Ziele, die ich mir gesetzt hatte, erfüllen. Aber ich werde das jetzt nicht übers Knie brechen. Und wisst ihr auch, wieso?

Weil ich keine Lust habe, dass ich dann übermorgen, nach der Stunde Null, schon wieder völlig erschöpft in den Beruf reingehe. Nein, kein Interesse. Und auch meine Chefin hätte da wohl wenig Spaß dran. Schließlich erinnerte auch Leserin Jule mich die Tage an die Bedeutung des Wortes „Erholungsurlaub“. Nicht zu Unrecht!

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen, erholsamen Abend und einen schönen, erholsamen Sonntag. Ach ja, übrigens, morgen ist Welttag des Buches! Nur so als Idee, falls ihr nicht wisst, was ihr so machen könnt mit eurem Sonntagnachmittag.

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8 Gedanken zu “In letzter Minute

  1. Ja, extrem komisch, wie wir Menschen ticken – dieses „auf die letzte Minute“ kennen wir wohl alle 🙂 Andererseits: Ist doch großartig, dass Du noch Ideen für die „30“ bekommen und auch Inspiration fürs Expo geschöpft hast. Wäre zwar ein paar „Minuten“ früher auch nicht schlecht gewesen, aber mir passiert’s oft genug, dass meine Kreativität kalt bleibt. Auch nach der letzten Minute 🙂 In diesem Sinne: Wünsche Dir einen irgendwie auch erholsamen letzturlaubstagigen Sonntag!

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    • Wenn man polemisch sein wollte, könnte man sagen, dass dieses Hinausschieben eines der Charakteristika ist, die uns am deutlichsten von unseren tierischen Vorfahren abheben. Andererseits haben die auch eher weniger Gelegenheit, noch eben das Computerspiel zu spielen – oder das Buch auszulesen 😉 .

      Ich bin mir sicher, dass deine Kreativität in den passenden und wichtigen Momenten hellwach ist. Das hast du doch schon oft genug „bewiesen“.

      Dir auch einen schönen Sonntag!

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  2. Na ja, ich schiebe beruflich nichts wirklich auf, sonst ginge ich unter. Aber Privat im Haushalt, warte ich für grössere Aktionen (Fensterputzen, Küchenkästen rausputzen) auf Energie Motivationsschübe. Die kommen von alleine an gewissen Samstagen, dann wirble ich rum und mache es. Ohne so einen Schub, fange ich lieber nicht an. Keine Ahnung warum ich so ticke, aber es ist ausschliesslich im Haushalt so 😉

    Gefällt 2 Personen

    • Zu deinem Beruf sage ich mal nichts, was ich nicht schon auf deinem Blog gesagt habe 😉 .

      Das mit den Energieschüben kenne ich auch, die kommen nur leider irgendwie sehr selten. Eigentlich wollte ich meine Filmsammlung diesen Urlaub noch neu einsortiert haben. Hier stapeln sich die Neuerwerbungen. Bin ich auch nicht „zu gekommen“.

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  3. Hallo, Tag auch!
    Mit zusammengebissenen Zähnen nach dem besten Ansatz zu suchen, und vorher mal schön die Finger von der Aufgabe zu lassen… das kann man Aufschieberitis nennen. Ich würde es „hardcore-Optimierung“ nennen.
    Im Unterschied dazu kann ich mich (nach der Unterscheidung zu bloßer Faulheit) diesem Schlendrian ganz gut hingeben. Kaffee dazu.
    Gruß
    Bruno

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    • Hallo Bruno und danke für deinen Kommentar!

      Ja, so eine unterschiedliche Sicht- und Herangehensweise an die Dinge kann schon ganz schön hilfreich sein. Gut, den Kaffee würde ich persönlich jetzt weglassen 😉 .

      Grüße
      Michael

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