Wie kürzt man einen Bus?

Ich habe es dann gestern doch geschafft, den ersten Entwurf meiner Kurzgeschichte fertig zu stellen, mit der ich mich für die Ausschreibung des Bundesverbands junger Autoren bewerben möchte. Wie ich ja geschrieben hatte, waren mir dann kurz vor knapp doch noch die eine oder andere Idee gekommen, wie sich mit der ominösen Zahl 30, die ja unbedingt in der Geschichte vorkommen soll, etwas anfangen ließe.

Und bevor ich viele Worte darüber verliere, worum es denn gehen soll, zeige ich euch einfach mal die ersten beiden Sätze der Rohfassung:

Nachts tobt das Leben, hier, auf der 30. Wenn die Nachtschwärmer von ihren Touren heimkehren und es keine andere günstige Möglichkeit mehr gibt, nach Hause zu kommen, als mich und meinen Bus.

Die Idee kam mir tatsächlich, als ich, beim Warten an einer Haltestelle, den Aushang mit den verschiedenen Bus- und Straßenlinien von Duisburg betrachtete und die Linien mit meinen Blicken nachzeichnete. Dabei fiel mir auf, dass die meisten der Nachtexpresslinien einen Rundkurs fahren und in meinem Kopf fing es an zu arbeiten.

Nein, ich werde jetzt nicht erzählen, was genau während der Fahrt passiert, die ich im Folgenden beschreibe. Aber ich kann euch verraten, dass ausnahmsweise mal niemand zu Schaden kommt, es keine mystischen Vorkommnisse oder gar Monster gibt. Es wird eine Busfahrt, wie sie sich jeden Tag – oder vielmehr jede Nacht – in der Realität genau so abspielen könnte.

In meiner Fantasie ist die 30 ein Gelenkbus. Oder auch Knickbus, wie man mancherorts, glaube ich, dazu sagt. Das Problem ist jetzt nur wieder das Altbekannte: Dieser Bus hat rein längentechnisch keine zwei Segmente, sondern eher deren fünf. Böse Zungen würden sagen (und Achtung, jetzt folgt ein Insider für Fußballfans), dass ich ihn gebraucht von Felix Magath gekauft habe.

Die Geschichte für die Anthologie darf nämlich nicht viel mehr als 8.000 Zeichen (ja, Zeichen!) haben. Ich sehe schon die ersten meiner langzeitigen Leser belustig lächeln. Ja, lacht ihr nur und ihr habt ja recht! Der Rohentwurf von „Auf der 30“ umfasst runde 12.000 Zeichen. Ja, das ist ein Drittel, das ich kürzen muss.

Problematisch ist, dass es bei einer Geschichte dieser Kürze gar nicht so leicht fällt, Elemente wirklich ganz rauszunehmen. Bei einer Romanüberarbeitung finden sich immer genug Segmente, die man mehr oder weniger ohne Verlust streichen kann. Hier mal ein Absatz, da mal ein Dialog. Aber ich behaupte, dass ich für diese Geschichte nur ganz behutsam Dinge wegnehmen kann, weil sie ansonsten in ihrer Struktur ein Problem bekommt.

Und jetzt stehe ich hier mit dem ehemaligen Mannschaftsbus des FC Schalke 04 (Fortsetzung des oben genannten Insiders) und muss zusehen, wie ich ein paar der Elemente rausflexe. Oder abschraube. Wegbeame. In einer anderen Dimension verschwinden lasse.

Ich bin allerdings zuversichtlich, dass ich das schaffen kann. Inzwischen habe ich zum Thema „Streichungen“ ja schon Erfahrungen gemacht.

Aber falls euch noch was Kreatives einfällt, wie ich diese Buselemente loswerde (fortzaubern?), dann zögert bitte nicht, mir davon zu schreiben! Damit meine 30 unfallfrei an ihr Ziel kommt.

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18 Gedanken zu “Wie kürzt man einen Bus?

  1. Ach, das schaffst Du schon 🙂 Kürzen geht immer. Entweder Wörter (Adjektive und das ganze Zeug, Du weißt schon), Beschreibungen/Atmosphäre (lässt sich meist auch minimieren), Gedanken/Dialoge (je nachdem), kürzbare Denk-und-Sprachkombinationen (auch wenn dann etwas verloren geht oder „anders“ wird). Beispiel Dein zweiter Satz. Du könntest daraus machen: „Wenn die Nachtschwärmer von ihren Touren heimkehren und es nur noch mich gibt. Und meinen Bus.“ Natürlich muss der Leser ein bisschen mehr Gedankenarbeit leisten, aber kürzer isses 🙂
    Wünsche viel Spaß!

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      • Das freut mich, denn dann macht es gleich doppelt so viel Spaß, sie zu schreiben!

        Aber ich kann verstehen, was Simon meint. Gerade bei Kurzgeschichten, die auf so eine (für mich zumindest) extreme Kürze zurechtgestutzt sind, kann es leicht dazu kommen, dass man kleine Gedankensprünge einbaut – die man selbst ja gar nicht sieht. Und in der Kürze der Zeit habe ich ja auch nicht mehr so viel Gelegenheit zu(m) suchen (lassen).

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  2. Nachdem ich letztes Jahr vor dem gleichen Problem stand und nichts vom Plot streichen konnte, weil das bei einer KG ohne Nebenhandlungen einfach nicht geht: Ich hab alles an Beschreibung rausgekickt, was nicht absolut nötig war. Ging ein bisschen auf Kosten der Stimmung, brachte aber einige Sätze weniger.Von 2 auf 1 Adjektiv verkürzt. Gedanken verknappt. Füllwörter radikal eliminiert. Dialoge aufs Wesentliche zusammengekürzt („ich“ und „und“ rausgenommen. Dadurch reden sie zwar abgehackter, aber es brachte Zeichen).
    Abstriche bei der Annäherung der beiden HCs gemacht (das war das Einzige, was ich an Handlung rausnehmen konnte, ohne dass der Plot zusammenkracht).
    Am Ende überlegt, ob ich den langen Namen des HC nicht auf einen mit 3 Buchstaben austauschen sollte. Hier geht’s um jedes Zeichen! 😛
    Ging sich aber knapp aus (ich hatte noch 8 Zeichen übrig), und ich konnte meinen Wunschnamen behalten.

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    • Vielen lieben Dank für die zahlreichen konkreten Ideen! Ich denke, mit deinem Input, Simons gutem Zureden und Margaux‘ Werkzeug komme ich schon irgendwie hin.

      Das mit dem Namen habe ich auch schon mal gemacht. Das ist mir schwerer gefallen als alles andere, weil der Name eben einfach drin war in meinem Kopf. Aber es hat mich über (oder in dem Fall besser unter) die Hürde gebracht.

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  3. Wie witzig! Ich hatte das gleiche Problem: 12.000 Zeichen und fand keines davon zu viel!
    Na ja, nach ca. 5 Durchgängen, stillem Trauern, alle Zahlwörter durch Zahlen ersetzen und noch vielem mehr waren es dann doch gaaanz knapp über 8.000.
    Du schaffst es! Nimm die Sense. Und danach die Sichel. Zuletzt noch das kleine Küchenmesser, und schon passt es …

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    • Wirklich witzig 🙂 .

      Ich habe schon das eine oder andere gefunden, was sich streichen lässt. Interessant finde ich in dem Zusammenhang immer, wie sich mein Stil dabei in „meinen Stil“ verwandelt. Geht dir das auch so? Also dass am Ende dann meistens etwas dabei herauskommt, das unverkennbar von dir stammt?

      Wo ist noch diese Motorsense hingekommen …

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      • Sicher hoffe ich immer, dass mein Stil noch erhalten bleibt (und das schaffe ich in der Regel auch), aber manchmal habe ich auch das Gefühl, dass es in den Telegramm-Stil abrutscht. Gerade wenn man nach dem ersten Kürzen immer noch viel zu viel hat!
        Tja, nimm mal lieber eine mit Benzinantrieb, ein Akku hält nicht so lange 😉

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