Lange Tage und angenehme Nächte: Gedanken zu einer kommenden Romanverfilmung

Vorsicht, der folgende Beitrag könnte Spuren von Genöle eines halbwegs enttäuschten Fans enthalten.

Diejenigen unter euch, die mit den Worten vor dem Doppelpunkt etwas anfangen können, werden schon wissen, worum es mir im heutigen Beitrag geht. Für alle anderen kommt hier ein wenig Basiswissen 🙂 .

Bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts begann der Autor Stephen King damit, eine Reihe von Kurzgeschichten zu schreiben, die lose durch die Person eines Mannes miteinander verknüpft waren. Bei diesem Mann handelte es sich um Roland, den letzten Revolvermann in einer Welt, die sich weitergedreht hat. Irgendwann kam jemand auf die geniale Idee, diese Geschichten zu bündeln und in einem Buch zusammenzufassen. Der Rest ist ebenso Legende wie der erste Satz dieses Buches:

Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.

Gemessen an dem, was King bis dahin geschrieben hatte, war das Buch anders. Es schreckte einiger seiner Leser ab, war für viele andere aber ein echter Erfolg. Und da King weitere Ideen aus der Welt des Revolvermannes kamen, folgten auf „Schwarz“, wie der Roman im deutschen heißt, weitere Bände.

Bald wussten die Leser, dass das Ganze auf ein Ziel zusteuerte, nämlich auf den Dunklen Turm, eine Art zentraler Achse vieler Welten und Dimensionen. Und die Leser mussten erfahren, dass es Kräfte gab, die nichts sehnlicher erreichen wollten, als den Einsturz dieses Turmes.

Roland war derjenige, der sich, zusammen mit einigen Gefährten, die er sich im zweiten Band, „Drei“, rekrutierte, diesem Ansinnen entgegen stellte.

Stephen King machte nie einen Hehl daraus, dass die Reise zum Dunklen Turm für ihn zu einer Art Hauptwerk geworden war. Und so gab es selbst in den Romanen, die rein äußerlich nichts mit dem Turm-Zyklus zu tun hatten, immer wieder Anspielungen auf das Epos, das schlussendlich aus sieben Romanen plus einem nachträglich eingefügten achten Teil bestand.

Da die Romane um den Dunklen Turm außerdem bald schon zu Kings erfolgreichsten Werken zählten, gab es recht bald Gerüchte um eine in Planung befindliche Verfilmung. Um genau zu sein, gibt es kaum ein Hollywoodstudio, das in den letzten Jahrzehnten nicht damit in Verbindung gebracht wurde und es wurden eine ganze Reihe von teils sehr prominenten Regisseuren und Schauspielern genannt, die angeblich schon sehr konkret an dieser Verfilmung arbeiten sollten.

Doch dann geschah lange gar nichts. Bis dann, im letzten Jahr, Sony Pictures ankündigten, jetzt endgültig den Film, oder besser wohl eine Reihe von Filmen, ankündigten.

Und damit komme ich nach der langen Einleitung zu dem, was ich sagen wollte.

In dieser Woche wurde der erste Trailer des Films auf deutsch veröffentlicht, den ich mir natürlich angesehen habe. Vorab hatte ich schon die eine oder andere Personalentscheidung mit einer hochgezogenen Augenbraue zur Kenntnis genommen. Roland, der Revolvermann, wird von Idris Elba gespielt, den ich als Schauspieler sehr schätze. Allerdings ist er, nun ja …

Stephen King hat selber oft genug angegeben, dass die Person, die er vor Augen hatte, als er Roland schuf, der Clint Eastwood aus den Western war, denen dieser seinen Stempel aufgedrückt hatte. Nun ist der gute Clint inzwischen natürlich zu alt, um die Rolle zu spielen. Aber ehrlich: Inwiefern ähnelt Elba Clint Eastwood?

Und der Mann in Schwarz, einer der gefürchtetsten Gegenspieler des King’schen Universums wird von Matthew McConaughey dargestellt, der inzwischen zwar von der Romanze ins Charakterfach gewechselt ist, aber auch nicht wirklich Evil Incorporated verkörpert.

Aber gut, das alleine soll ja noch nichts aussagen. Deswegen ging ich frisch und unvoreingenommen an den Trailer heran – und muss sagen, dass ich gar nicht weiß, was ich jetzt dazu sagen oder davon halten soll.

Auch wenn vorher bekannt war, dass keine werkgetreue Verfilmung der Romane vorgenommen werden soll, sondern es sich mehr um so eine Art Sequel handelt, frage ich mich doch, wieso man den Geist der Vorlage an manchen Stellen so weit verbiegen musste, dass es schon wehtut, dem Material zuzuhören, das so überanstrengt wird.

Der Film nimmt sich Elemente aus den Büchern und kombiniert sie mit einer erfundenen Handlung. Okay, man könnte auch sagen: Hey, ein Hollywoodfilm, der sich nicht an die dahinter stehenden Romane hält! Stoppt die Druckerpressen, das muss auf Seite eins!

Aber ich verstehe es trotzdem nicht. Und gerade in diesem Fall nicht.

„Der dunkle Turm“ ist kein Abenteuerroman. Es ist auch kein Roman, in dem es um mystische Zaubereien ginge. Das alles sind vielleicht Randaspekte, aber im Wesentlichen handelt es sich um eine reinrassige Dystopie! Und davon, von diesem weltengefährdenden Element, bringt mir der Trailer viel zu wenig. Dafür bekommen wir CGI-Monster, die aussehen, als habe Peter Jackson sie im Schlussverkauf beim Hobbit rausgehauen.

Und was soll das, dass Roland offenkundig weite Teile der Handlung in unserer Welt verbringt? Gut, auch in den Romanen kommt er für kurze Episoden hierher. Aber er ist jemand, der seine Welt wieder in Ordnung bringen will. Der Turm steht in seiner Welt. Was macht er also hier?

Mit der Rolle, die der Junge Jake im Trailer spielt, fange ich lieber gar nicht erst an. Denn da ist fast gar nichts mehr stimmig zu der ambivalenten Chemie zwischen den beiden Romanfiguren.

Mir ist bewusst, dass ich wie ein enttäuschter Fanboy klinge. Ja, gut, das kann ich nicht einmal abstreiten. Aber ich werde es nie verstehen, wieso es Hollywood nicht hinbekommt, eine Vorlage, die Millionen von Fans hat, einfach so zu … ja, was denn!? Zu verunstalten? Zu demontieren? Zu ignorieren?

Halt, hier will ich nicht voreilig voreingenommen sein. Denn bis jetzt kennt man aus dem Film ja nicht mehr als diesen Trailer. Auch wenn dieser schon deutlich erkennbar macht, dass auch diese King-Verfilmung wieder den Malus haben wird, den viele Verfilmungen zuvor schon hatten: Sie sind nur bedingt Verfilmungen des Romans.

Ich habe den Verdacht, dass man, nachdem man sich immer und immer wieder fragte, wie man es denn hinbekommen könnte, die Romane werkgetreu zu verfilmen, irgendwann zu dem Entschluss gekommen ist, es jetzt einfach irgendwie zu machen, damit man mal vorwärts kommt.

Ach, ich weiß es auch nicht. Ich werde es einfach abwarten müssen, so wie alle anderen Fans mit mir, die von diesem Trailer enttäuscht worden sind. Und wer weiß, vielleicht haben wir uns am Ende ja alle geirrt, sagen den Machern der Filme unseren Dank und tun Buße für unsere Skepsis.

Die Zeit wird es zeigen. Wenn die Welt sich nur noch ein ganz klein wenig weitergedreht hat.

Und hier noch der Trailer, über den ich die ganze Zeit schreibe:

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6 Gedanken zu “Lange Tage und angenehme Nächte: Gedanken zu einer kommenden Romanverfilmung

  1. Vielen Dank für den Artikel – jetzt brauch ich ihn nicht mehr zu schreiben 🙂 Denn mir ging’s sehr ähnlich: Das Hauptgefühl: Ratlosigkeit. Roland als Schwarzen finde ich eigentlich recht erfrischend, obwohl dann ja wohl Odette weiß sein wird und die herrlichen Sticheleien um die Hautfarbe wegfallen? Letztenendes fand ich den Trailer schon gut gemacht, hatte aber dasselbe Gefühl wie Du: Wirklich verfilmen „konnten“ sie nicht, also haben sie einfach irgendwas „in diese Richtung“ gemacht. Das ja vielleicht (die Hoffnung stirbt zuletzt) mit Kings-Turmsaga wenig zu tun haben, aber vielleicht ganz gut sein wird 🙂 Liebe Grüße!

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    • Roland als Schwarzer hat mich am Anfang auch ein wenig gestört, weil ich den Sinn nicht sehe – abgesehen von „kann man so machen“.

      Aber wenn ich das richtig aufgeschnappt habe, spielen Susannah und Eddie in der kommenden Geschichte sowieso nicht mit. Also war das in der Beziehung auch schon egal.

      Ich denke sogar, dass der Film gut werden wird. Aber wie schaffe ich es, die Vergleiche nicht dauernd herzustellen? Gibt es da Pillen für, die vor dem Kino ausgegeben werden?

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  2. Dann gibt’s wohl auch keinen Billybumbler 😦 Wenn ich das richtig kapiert habe, kommen Susannah und Eddie in den nächsten Filmen?? Ist wirklich une einfach noch viel zu unklar, das Ganze. Und: So ’ne Pille hätt ich auch gern 🙂 Werde mir den Film auch nicht anschauen, bevor ich nicht noch einmal die Reihe mit „meinen“ Bildern im Kopf durchgelesen habe!

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    • Auf Oy würde ich jedenfalls nicht hoffen.

      Ich habe inzwischen auch etwas den Überblick verloren, von wie vielen Filmen wir jetzt eigentlich reden, ob es die flankierenden Fernsehserien geben wird, von denen mal die Rede war, usw.

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