Die Psychologie des Scheiterns

Zuerst einmal bedanke ich mich, mal wieder, bei allen aufmunternden Worten, die mich gestern, nach meinem Tag mit den drei demotivierenden Erlebnissen, auf den verschiedenen Wegen erreicht haben. Es tut immer wieder gut, wenn man mitbekommt, dass da draußen Menschen Anteil an dem nehmen, was man tut!

Aber wie sah das aus, bevor ich mich mit eurer Hilfe selbst wieder aus dem Schlamm gezogen habe? Ich muss gestehen, dass ich mich, insbesondere war die Ablehnung von „Darkride“ angeht, eine kleine Weile darin gesuhlt habe.

Psychologisch wäre das bestimmt ein hochinteressanter Verlauf gewesen, wenn denn gerade ein Profi in der Nähe gewesen wäre, um mir mit geschickten Fragen meine Gedanken und Gefühle zu entlocken.

Ich versuche mal, das zu rekonstruieren, ohne etwas dazu zu dichten:

Zwei Nackenschläge hatte ich schon eingesteckt an diesem Tag, als auf einmal mein Posteingang in seinem Browsertab anfing, zu blinken. Ich hatte schon ein schlechtes Gefühl, als ich ihn öffnete und als ich dann sah, wer mir da geschrieben hatte, war da ein ganz dringender Wunsch, die Mail einfach nicht zu öffnen. Einfach so zu tun, als habe ich sie nicht bekommen. Nicht jetzt, nicht heute, gar nicht.

Natürlich siegt in solchen Fällen dann doch die Neugierde über das schlechte Gefühl. Wobei es ja auch da das Phänomen gibt, dass man geradezu süchtig nach der Erfüllung der schlechten Prognose ist. Ungefähr das Gefühl, das man hat, wenn man seinen Steuerbescheid öffnet.

Ich las den kurzen Text, las ihn noch einmal und konnte praktisch spüren, wie in mir etwas zerbrach. Ja, das klingt melodramatisch, aber so war es. Eine Hoffnung war zerbrochen und fiel klirrend zu Boden.

Mein Ego legte sich daneben.

In dieser Absage wurde unter anderem schließlich gesagt, dass meine Sprache die beiden Verlagsmenschen, die sie sich angeschaut haben, nicht überzeugt hätte. Und das ist etwas, das man einem Autoren hervorragend sagen kann, wenn man ihn richtig demoralisieren möchte.

Und jetzt machte ich eine sehr seltsame Erfahrung, nämlich die, gleichzeitig im Schlamm zu wühlen und von oben auf mich herab zu sehen. Der Teil von mir, der sich eine Schüppe suchte, um sich einzugraben, war der festen Überzeugung, dass er es nie schaffen würde, dieses Manuskript, oder ein anderes, an einen Verlag zu bringen. Wie auch? Ist ja schlecht!

Diesem Teil war es auch völlig egal, ob es da ein anderes Manuskript gibt, das auf Veröffentlichung wartet, oder auch eine geschätzte Fantastillarde an Verlagen, denen man mit dem Manuskript auch noch auf den Geist gehen könnte.

Nein, dieser Teil fing schon an zu rechnen, was es kosten würde, den Roman auf eigene Faust herauszubringen – und ob sich eine solche Investition für einen Roman, der sprachlich ja so wenig überzeugend ist, überhaupt rentieren kann.

Kurz gesagt: Der kleine Wicht in seinem Dreckloch war drauf und dran, die Brocken einfach hinzuschmeißen. Mal wieder.

Und dann gab es noch die Warte, von der ich mir das Ganze etwas übergeordnet ansah. Der Teil von mir, der da auf seinem Balkon stand, schwankte zwischen Mitleid, Ekel und Belustigung. Weil er eben genau wusste, dass die Gedanken des Schmuddelkindes nicht der Realität entsprechen.

Ich würde gerne sagen, dass der eine Teil die Ratio und der andere Teil das Gefühl verkörpert hat. Aber so war es nicht. Beide Teile fühlten, beide Teile dachten.

Und ich hätte mir wirklich einen Profi gewünscht, mit dem sich das alles hätte aufdröseln lassen.

Aber eines kann ich sagen, glaube ich. Es ist die Psychologie des Scheiterns, wenn man sich auf einen dieser beiden Teile, die ja in sehr vielen von uns stecken, fokussiert und den anderen nicht mehr wahrnimmt. Sind wir nur noch down, dann fehlt uns der Mut, Dinge zu probieren, an ihnen dran zu bleiben und uns zu entwickeln. Und wenn wir nur noch herunterschauen, dann werden wir zu arrogant, um wirklich nachhaltigen Erfolg haben zu können. Weil man sich so keine Freunde macht.

Und Freunde, Unterstützer, zu haben, in diesem Fall Besucher meines Blogs, Follower bei Twitter, oder auch einfach alle Menschen, die an mich denken, das ist eine Ressource, die über die Psychologie des Scheiterns hinweg helfen kann.

Gestern war gestern, heute ist heute. Und spätestens ab morgen geht es weiter. Beide Teile von mir, Hand in Hand. Okay – wobei bei einem von beiden schon vorher eine Dusche fällig sein dürfte 😉 .

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11 Gedanken zu “Die Psychologie des Scheiterns

      • Habe neulich erfahren, dass meine Mutter meinen Blog liest. Das war ziemlich merkwürdig für mich, eien ganz neue Erfahrung. Wie sieht das bei euch beiden aus? War das von Anfang an so oder kam auch irgendwann dieser komische „Mama liest mit“-Moment?

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      • Also ich kann sagen, dass das in der Tat ein wenig merkwürdig war. Wie ja überhaupt diese ganze Sache seltsam war, auf einmal unter dem vollen Klarnamen Beiträge zu veröffentlichen, also auch für jeden anderen in meinem Umfeld auffindbar zu sein. Aber ich habe das dann schnell beiseite gelegt und schreibe weiter so, wie ich vorher geschrieben habe und weiter schreiben möchte.

        Alles andere wäre nicht authentisch.

        Ich nehme an, dass deine Mutter auch schon länger wusste, was du so treibst, oder?

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  1. Ich denke auch, dass nach einer anfänglichen Zweifelattacke der Durchsetzungswille wieder im Vordergrund stehen sollte. Solange man selbst hinter den eigenen Texten und deren Aussage steht, muss man solche Aussagen als reine Geschmacksache einordnen. Es passt halt nicht immer, so what?
    Eine gewisse Arroganz steht außerdem demjenigen durchaus zu, der bereits mehrere Romane erarbeitet hat und die Überzeugung verbietet es, allzu viele Zugeständnisse an den Zeitgeist zu machen und die Texte zu verbauen, bis sie nicht mehr den eigenen Worten ähneln. Die Beurteilung der Sprache hängt zu stark von der Mode ab, die wiederum über Verkaufszahlen entscheidet, um als ernsthafte Bewertung gelten zu können.

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    • In Bezug auf die Texte hast du absolut Recht. Das mit der Arroganz habe ich nicht so ganz verstanden. Du meinst, dass man nicht so viele Zugeständnisse machen sollte, wenn man schon einige Romane auf dem Kerbholz, ergo wahrscheinlich auch seinen eigenen Stil gefunden hat? Das wäre für mich ja noch nicht arrogant.

      Arroganz wäre für mich z.B. wenn ich mich hinstellen und sagen würde: »Ach, was wissen die denn schon, die haben ja keine Ahnung.«

      Dafür bin ich dann doch ein zu kleiner Fisch im Karpfenteich. Die gesunde Mischung macht es, denke ich.

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  2. Oh lieber Michael! Ich scrolle gerade durch ein paar ältere WordPress-Beiträge und habe ganz offenbar die Sache um „Darkride“ verpasst!

    Ich glaube, einen virtuellen Drücker brauchst du jetzt nicht mehr, wo du wieder erhobenen Hauptes weiter arbeitest, aber ich schicke dir trotzdem einen. Solche Woret hätten mich auch geschmerzt, glaub mir! Das ist menschlich, zumal deine Hoffnung berechtigt war nach allem, was du hier sonst in der Sache erzählt hast.

    Aber deswegen ist das Feedback, dass dir einst gemacht wurde, nicht nichtig: Das in deiner Schreibe etwas Besonderes steckt. Vielleicht sprang der Funken in „Darkride“ nicht über, vielleicht tut er’s ja bei der nächsten Überarbeitung, oder es ist doch das nächste Buch, das dich weiterbringt. Dranbleiben ist alles, und wo sich eine Tür schließt, öffnet sich meist doch woanders eine neue – dauert vielleicht, aber ganz bestimmt 🙂

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    • Liebe Nora,

      den virtuellen Drücker kann ich irgendwie immer gebrauchen, denn auch wenn das Haupt inzwischen wieder oben ist, nisten sich die Zweifel ja doch irgendwo ein und hindern mich am weitermachen.

      Ob meine Hoffnung wirklich berechtigt war, weiß ich inzwischen nicht mehr. Vielleicht war es auch nur ein Strohhalm, an dem man sich festhalten will. Egal, vorbei ist vorbei und wie du schon sagst: Es geht trotzdem immer weiter!

      Lieben Dank für deine Worte, ich habe mich sehr gefreut 🙂 .

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