Noch ein paar Gedanken zum Autoren-Altenheim

Meine Idee vom netten kleinen Altenteil, auf das sich alle meine Autorenkolleginnen und -kollegen zum (hoffentlich noch weit entfernten) Ende ihres Lebens hin zurückziehen können, ist ja ganz gut angekommen.

Immer wieder wurde gesagt, dass es eine schöne Fiktion oder auch Vision sei. Das hat mich dazu gebracht, noch einmal darüber nachzudenken. Also konkret darüber, ob sich so eine Idee nicht wirklich verwirklichen lassen würde.

Also erst einmal die ernüchternden Fakten: Natürlich sind wir Autoren alle unterschiedlich alt. Wenn ich in den Spiegel (oder noch schlimmer: in den Personalausweis) schaue, dann muss ich mir gestehen, dass auch ich inzwischen in einem Alter bin, in dem ich durchaus als Papa unserer jüngeren Mit-Autorinnen infrage käme, wenn ich mich früh genug um Nachwuchs bemüht hätte. Dementsprechend komme ich auch viel schneller aufs Altenteil.

Der zweite Aspekt ist die räumliche Entfernung. Schon jetzt ist es ja schwierig, sich mal im echten Leben über den Weg zu laufen. Dafür sind wir einfach zu sehr in ganz Deutschland bzw. dem benachbarten Ausland verteilt.

Aber das sind Punkte, die doch eigentlich, streng genommen, nur die konkreten Personen aus meiner kleinen faktischen Fiktion betreffen.

Nehmen wir an, dass sich die Idee vom Autoren-Altenheim auf einer breiteren Front realisieren ließe. Es gibt heute schon Künstlerkolonien, wie unter anderem Wikipedia zu berichten weiß. Einige von denen auch ausdrücklich für Künstler, die sich ihrem Lebensabend nähern. Und auch, wenn diese zumeist von bildenden Künstlern genutzt werden, steht doch letztlich einer auf Autoren ausgerichteten Kolonie nichts im Wege.

So eine Kolonie könnte durchaus vergleichbar zu einem Altenheim geführt werden. Zugegeben, es wäre ein exklusives Altenheim. Aber es könnte Einrichtungen in verschiedenen Preisklassen geben, ganz so, wie es auch heute schon der Fall ist.

Was sich aber nicht unterscheiden dürfte, wären die Betreuungs- und Erbauungsinhalte, die in diesen Einrichtungen angeboten würden. Das ist jetzt auch nichts Besonderes, sondern ein Anspruch, den ich auch heute schon an Alten- und Pflegeheime hätte, nämlich dass dort auch unabhängig von der Größe des jeweiligen Geldbeutels gute Arbeit geleistet wird, die dem Bewohner zugewandt ist.

Auf diese Weise wäre alles möglich: Vom kleinen Heim in der Innenstadtlage bis hin zur ausgewachsenen Künstlerkolonie an der Nordsee oder im Schwarzwald. Ich stelle mir eine Kooperation vor zwischen einem gesundheitlichen Träger und einem Verband, der über die inhaltliche Ausrichtung für ein auf Schriftsteller zugeschnittenes Programm wacht. Bestandteile dieses Programms wären etwa Lesungen, wie ich sie in meiner Fiktion beschrieb, aber es wären auch viele andere Dinge möglich.

Das Gehirn eines Schriftstellers lebt in der Kreativität und von der Kreativität. Ich gehe davon aus, dass die meisten „von uns“ bis ins hohe Alter hinein diese Kreativität behalten und pflegen wollen. Das kann man fördern. Die Wissenschaft ist dabei, die Formeln der Kreativität zu erkunden (da gab es gerade neulich einige interessante Artikel im „Focus“ zu).

Diese Erkenntnisse könnten alle in ein gesamtheitliches Konzept einfließen, das von Autoren für Autoren gemacht wird und uns allen zugute kommt.

Sicher, das Konzept hat seine Haken und Ösen. Weil es eben kein richtiges Konzept ist, sondern nur eine kleine Spinnerei. Ein Gedankenspiel. Allerdings eines, das sich auch ohne zu viel Aufwand an Phantasterei in die Realität umsetzen ließe. Wenn man denn wollte.

Oder in einen netten kleinen Roman, fällt mir an der Stelle ein. Seht ihr: Alleine schon der Gedanke an ein fiktives Paradies für alternde Autoren hat in mir kreative Energien geweckt. Was wohl erst die reale Umsetzung bewirken könnte!?

Vielleicht sollte mal jemand bei den entsprechenden Autorenverbänden vorfühlen. Freiwillige vor! 😉

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2 Gedanken zu “Noch ein paar Gedanken zum Autoren-Altenheim

  1. Tja, wie gesagt, ich wär sofort dabei. Wichtig ist bei der Überlegung natürlich auch die familiäre Anbindung, also im Alter dann vor allem Kinder, will man mehr bei denen sein oder bei lebenslangen Freunden.
    Und von 60 bis 99 wäre schon ein Alter, das Zusammenleben, Zusammenarbeiten und sich umeinander kümmern möglich machen würde. Ich bin natürlich für Nordsee 🙂

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    • Ja, das mit den Kindern ist so eine Sache. Aber in gewisser Weise ist das ja bei jedem Alterssitz so. Nicht jeder hat das Glück, nahe bei seinen Kindern sein zu können, oder von denen besucht zu werden. Da ist man dann wenigstens unter Gleichgesinnten.

      Bei der Nordsee ziehe ich mit 🙂 .

      Gefällt 1 Person

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