»Schmerzlos«: Bringt’s was?

Nach dem (leider nicht nur tages-)aktuellen Einschub gestern schreibe ich heute noch einmal etwas über die »Schmerzlos«-Anthologie. So langsam hat sich das Gefühl ein wenig gesetzt, die erste Aufregung ist verflogen – bis das Printexemplar bei mir eintrifft und ich drin blättern kann.

Ich möchte heute noch einmal einen Gedanken aufgreifen, den ich vor einigen Tagen schon verfolgt habe. Und zwar hat meine Autorenkollegin Eileen Blander in den Kommentaren zu diesem Beitrag zwei Fragen gestellt, die ich für nicht ganz unwichtig halte:

Was habe ich davon, in einer Anthologie zu erscheinen?

Hilft mir das in irgendeiner Art und Weise?

Es wäre für mich jetzt das Leichteste und Naheliegendste, einfach „Ja“ zu sagen und gut ist. Aber ich möchte das noch ein wenig differenzieren.

Natürlich bringt die Teilnahme an einer Anthologie nicht den großen Ruhm, den man mit einer Romanveröffentlichung erzielen kann. Gegebenenfalls erzielen kann, muss man wohl besser sagen. Denn auch hier ist es ja fraglich (leider), ob man wirklich eine große Leserschaft erreicht.

Aber eine Anthologie hat gegenüber einem Roman einen großen Vorteil: Man reicht in der Regel recht kurze Texte ein, die man zwar auch sauber erarbeiten sollte, die sich aber wesentlich schneller schreiben lassen. Mein in »Schmerzlos« veröffentlichter Beitrag entstand im Wesentlichen innerhalb eines Tages. Der Rest waren Kürzungen, um auf das Höchstmaß der Wörter zu kommen, und Überarbeitungsschritte. Wenn man sich erst einmal in ein Verfahren reingefuchst hat, das einem gut liegt, kann man auf diese Weise sicherlich recht schnell eine Geschichte für die meisten Anthologieausschreibungen erstellen.

Eileen überlegte unter anderem, ob denn eine solche Veröffentlichung dabei hilft, den Namen eines Autors bekannt zu machen. Das ist sicherlich auch eine Frage dessen, in welcher Anthologie man veröffentlicht wird und wie groß das Renommee der Herausgeber ist. Grundsätzlich gilt aber hier aus meiner Sicht auch, dass steter Tropfen den Stein höhlt. Eine Veröffentlichung einer Kurzgeschichte ist immer besser als keine Veröffentlichung einer Kurzgeschichte.

Wieder aus meiner Sicht betrachtet greift es hier auch, jedenfalls für Autoren in meiner Situation, was Veröffentlichungen angeht, zu kurz, auf eventuelle Preise oder Gewinne zu schielen. Man könnte den oben geschriebenen Satz jetzt abwandeln und sagen, dass jede bezahlte Veröffentlichung besser ist als eine, für die man nicht bezahlt wird. Sicher, kein Widerspruch. Aber ich, ganz am Anfang dessen, was mal meine schriftstellerische „Karriere“ werden soll, rechne da noch anders.

Ich rechne nicht in Euro und Cent, ich rechne in Erfahrungen! Es war für mich eine unglaubliche Bestätigung, in diese Anthologie aufgenommen zu werden. Es hat mich auch für Versuche entschädigt, bei denen es davor (und danach) nicht geklappt hat. Denn es hat mir das Gefühl gegeben, dass das, was ich da geschrieben habe, jemandem gefallen hat. Und zwar so gut gefallen, dass er es etwas anderem vorgezogen hat. In der Auswahl für die Anthologie nämlich.

Es ist eine kleinere Ausgabe des Gefühls, wenn auf einmal das Manuskript des Romans, das man an einen Verlag geschickt hat, Interesse weckt. Denn auch da weiß man, dass es dafür sicherlich auch ein paar Manuskripte gegeben hat, die keinen Gefallen fanden.

Für »Schmerzlos« musste ich zum ersten Mal einen „Autorenbogen“ ausfüllen, der dann auf der Webseite der Ausrichter veröffentlicht wurde. Wieder eine neue Erfahrung, die ich nun schon gemacht habe und von der ich sicherlich noch einmal profitieren kann.

Und dann ist da noch der große, übergeordnete Punkt im Hintergrund: Jede geschriebene, jede abgeschlossene Geschichte bringt mich in meiner sprachlichen Entwicklung weiter. Nicht nur jeder Roman, sondern auch jede gut aufgebaute Kurzgeschichte. Weil ich Übung habe und auch dort, ich wiederhole mich, Erfahrungen sammle. Vielleicht mal einen anderen Stil ausprobiere. Oder eine andere Perspektive einnehme. Ein anderes Genre für mich teste.

Das soll nun nicht bedeuten, dass ab sofort alle Autoren „nur noch“ Kurzgeschichten schreiben sollten. Wer mit dem Format nicht glücklich ist – und ich selbst war es jahrelang nicht – der muss sich das nicht zwingend antun. Aber wer ohnehin Spaß an Short Stories hat, dem kann ich eigentlich nur ans Herz legen, es auch bei Anthologien zu versuchen.

Ein einziger Grund fällt mir ein, es vielleicht besser bleiben zu lassen: Wenn ihr gerade schon an drei Romanen gleichzeitig arbeitet, die ihr alle gerne veröffentlichen wollt und außerdem sowieso schon nicht wisst, wo ihr die Zeit hernehmen sollt, dann überlegt es euch gut. Denn, wie gesagt, auch so eine Anthologieteilnahme ist mit Arbeit verbunden, wenn man es gut machen will.

Ich hoffe, meine Sicht auf die zwei Fragen für euch verständlich dargestellt zu haben. Ansonsten lasst uns gerne über die Kommentare ins Gespräch kommen!

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10 Gedanken zu “»Schmerzlos«: Bringt’s was?

  1. Eileen Blander schreibt:

    Um das vielleicht nochmal besser darzustellen, welche Bedenken ich habe: Klar, eine Veröffentlichung ist eine Veröffentlichung. Allerdings kommt es ja auch darauf an, welche Ziele man verfolgt. Wenn es nur ums Veröffentlichen geht, dann go for it. Aber wenn es darum geht, sich eine kleine Fangemeinde aufzubauen, frage ich mich, ob die Anthologie wirklich das beste Mittel dafür ist, oder ob es nicht lohnender wäre, solche Geschichten z.B. online zu stellen. Nachteil: Das kann man bei einer Bewerbung wohl eher nicht in die Vita schreiben.
    Wenn man die Geschichten sowieso schreibt, okay. Aber ich schreibe sehr selten Kurzgeschichten, also frage ich mich, ob es die Energie, die ich auch in meine Romane stecken könnte, wert ist – was du ja auch aufgegriffen hast.
    Danke für den Beitrag 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Der für mich entscheidende Punkt ist wirklich, ob Kurzgeschichten zur eigenen Arbeit passen oder nicht. Ich schreibe auch sehr selten Kurzgeschichten, weil mir zumeist der Anlass dafür fehlt. Alleine deswegen bin ich eigentlich den Anthologien ganz dankbar, weil es mir einen Anlass gibt. Aber wie du auf meinem Blog siehst, habe ich ja auch eine ganz Reihe an Geschichten hier online gestellt.

      Auch nicht zu verachten ist, dass eine Short Story bei der Arbeit an einem Roman auch mal eine Atempause darstellen kann.

      Oder sie bildet die Keimzelle für etwas ganz Neues, einen eigenen Roman etwa. Mein aktuelles Projekt „Der goldene Tod“ etwa fing als Kurzgeschichte an. Und die Geschichte in „Schmerzlos“ könnte zusammen mit einigen Stories hier auf dem Blog auch Keimzelle für einen Roman oder sogar eine Serie sein.

      Man weiß nie, wo einen die Kreativität hinführt 🙂 .

      Gefällt 2 Personen

      • Eileen Blander schreibt:

        Das passiert mir jedes Mal, dass die Kurzgeschichte zu einer großen Geschichte führt. Deswegen will ich sie dann auch nicht veröffentlichen xD

        Gefällt 1 Person

  2. Sehr erschöpfende Darstellung – meinen herzlichen Dank. Ich sehe das wie immer wesentlich simpler und pragmatischer: Natürlich ist eine Anthologie super. Punkt und fertig. Zwar kein Roman, aber eine Veröffentlichung. Und warum solltest Du Deine Storys hier online bringen, wenn die Möglichkeit für eine Anthologie besteht? Fangemeinde? Deine Fangemeinde hast Du ja eben über Deinen Blog, Deine anderen Story schon aufgebaut (ich warte jedenfalls bereits auf den Kaufklick – wann kann man’s denn holen? Auf der Verlagsseite steht nur „vorbestellbar“ …) Außerdem sind Anthologie-Ausschreibungen ja oft mit Wettbewerben und Preisen verbunden – insofern gewinnt man bestenfalls noch Geld 🙂 Als Übung und Experimentierwiese sind Kurzgeschichten darüberhinaus einfach nur fantastisch.
    Wünsche noch einen schönen Tag!

    Gefällt 3 Personen

  3. Lieber Michael,

    Vielen Dank für den interessanten Einblick und die Fokussierung auf die zwei Fragen von Eileen Blander, die selber zum Nachdenken anregen.

    Was habe ich davon, in einer Anthologie zu erscheinen?
    Veröffentlichungen stelle ich mir in jedem Fall als eine Art Putschmittel oder Belohnung vor. Man fühlt sich bestimmt großartig, weil man etwas geschafft hat. Von daher würde ich das als schöne und motivierende Erinnerung sehen, wenn es einem mal nicht so gut geht.

    Hilft mir das in irgendeiner Art und Weise?
    Unterstützung des eigenen Selbstwertgefühls und, wie simonsegur angesprochen hat, sähe ich es ebenso als hilfreiche Übung, sein eigenes Schreiben zu verbessern oder simpel „in Übung“ zu bleiben.

    Liebe Grüße,
    Kiira

    Und noch mal, sehr cool! Glückwunsch! 🙂

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Kiira,

      freut mich, dass es dir gefallen hat und danke auch für deine Antworten auf die beiden Fragen.

      Den Aspekt, dass man so eine Veröffentlichung auch nutzen kann, um sich im Zweifel zu motivieren, hatte ich noch gar nicht so auf dem Schirm.

      Liebe Grüße
      Michael

      Gefällt 1 Person

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