Warum die #Ehefueralle auch für Autoren wichtig ist

Wer heute auch nur einen schnellen Blick in die sozialen Netzwerke wirft, der kommt nicht, aber auch so gar nicht, an dem Hashtag #Ehefueralle oder seinen nahen Anverwandten vorbei. Für diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben (unter welchem Stein wart ihr die Woche über?): Der Deutsche Bundestag hat heute früh in einer historischen Abstimmung beschlossen, dass die Institution der Ehe auch für Paare geöffnet werden soll, die nicht dem klassischen Bild eines Ehepaares, also einem Mann und einer Frau, entsprechen.

Es ist nur schwer vorstellbar, wie groß die Magenschmerzen bei einigen Abgeordneten der Parteien gewesen sein müssen, die aus ebenso traditionellen wie überholten Gründen gegen diese Neuregelung gestimmt haben. Aber so sehr sie auch von der Vorstellung angewidert gewesen sein möchten, die Abstimmung hat ein deutliches Ergebnis gezeigt: Die Ehe für alle wird kommen. Ganz egal, ob Frau Merkel dagegen gestimmt hat (hat sie), oder ob es der CSU gefällt (was es nicht tut).

Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich froh bin, dass dieses Zeichen gesetzt wurde und diese Möglichkeit geschaffen worden ist! Auch wenn ich in meinem direkten Bekanntenkreis nur wenige homosexuelle Paare habe, also nicht „direkt“ betroffen bin, so habe ich doch genügend wunderbare Menschen kennengelernt, die eben in irgendeiner Weise gay oder queer waren, dass es mich schon deswegen freut, dass sie nun bald, wenn sie denn möchten, mit allen Rechten und Pflichten, die daraus erwachsen, getraut werden können wie jedes „normale“ Paar. Und ich wünsche mir, dass es schon bald nicht mehr nötig sein wird, das böse Wort „normal“ zu benutzen, weil es dann wirklich für alle Menschen zur Normalität gehören wird.

Das aber nur vorneweg.

Mein auf diesen Themenbereich gedrilltes Autorenhirn hat sich natürlich sofort darauf gestürzt, was diese einschneidende gesellschaftliche Veränderung für das, was wir schreiben und wie wir schreiben, bedeuten könnte.

Vor allem denke ich da an den sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden Bereich der „Gay Romance“. Wem der Begriff nichts sagt: Es handelt sich dabei im Wesentlichen um ganz normale Liebesromane, bei denen es nur eben nicht darum geht, dass Frau Mann für Happy End sucht, sondern dass Mann Mann oder Frau Frau sucht.

Zwischenruf: Ich könnte mir vorstellen, dass alleine schon die Existenz so einer Literaturgattung einigen derjenigen, die heute im Bundestag mit „Nein“ gestimmt haben, schon einen mittleren Darmverschluss zufügt.

Durch die gesetzlichen Beschränkungen, denen homosexuelle Paare in Deutschland noch unterliegen, war es für die Autoren dieser Romane nie möglich, wirklich zu thematisieren, was in Konstellationen aus Mann und Frau ganz selbstverständlich ist. Ein alleinerziehender, schwuler Vater, der auf der Suche nach einem neuen Ehemann ist? Eher schwierig. Eine Lesbe, die sich von ihrer Frau scheiden lässt, was zu einem Rosenkrieg um das gemeinsame Vermögen führt? Geht gar nicht.

Das Schöne an dieser Veränderung ist, dass sich die Möglichkeiten für Autoren erweitern, sie aber nicht dazu gezwungen werden, diese auch zu nutzen. Das passt im Übrigen durchaus auch zu dem, was man in der Debatte um die Ehe für alle in den letzten Tagen lesen und hören konnte. Denn auch da wurde immer wieder herausgestellt, dass das Erlangen von Freiheit für die einen nicht die Freiheit der anderen beschneide.

Aber alleine, diese Möglichkeiten nun zu haben, macht die Spannweite dessen, über das wir Autoren schreiben können, um ein Vielfaches größer. In gesellschaftspolitischer Hinsicht ist es ein Quantensprung, was wir in dieser Woche erlebt haben.

Eine Einschränkung muss ich dazu allerdings direkt nachschieben. Wenn ein Roman, der jetzt gerade in der Entstehung ist, seine Prämisse darauf fußt, dass Lukas und Hank nicht heiraten dürfen, weil dies gesetzlich verboten ist, könnte das für den Autor ein Problem werden. Aber ich denke, das sind nur die Wenigsten.

Also lasst uns keine Probleme aufbauen, wo keine sind, sondern uns an diesem Tag einfach darüber freuen, dass unsere Welt nicht nur ein Stück freier, sondern auch ein Stück bunter geworden ist. Ich denke, da beißt die Maus keinen Faden ab, selbst wenn das Gesetzgebungsverfahren natürlich noch nicht durch diese Abstimmung abgeschlossen wurde.

Ich freue mich auf eine kommende Zeit von neuer Freiheit für reale und erdachte Menschen, egal in welchem Genre, egal vor welchem Hintergrund.

Ich bräuchte da mal eure Meinung, bitte

Ich gebe zu, das wird jetzt so ein wenig wie die sich selbst erfüllende Prophezeiung oder das Fragen nach Dingen, die man eigentlich schon selber weiß. Aber weil ich eben ein schlechter Prophet bin (siehe meine ausbaufähigen Erfolge beim Lotto spielen) und manchmal Dinge, die ich weiß, gerne infrage stelle, wende ich mich an euch.

Und zwar geht es darum, wie ich diesen Blog füttere. Wie ich schon zu früheren Gelegenheiten erwähnt habe, schreibe ich nach keinem festen Redaktionsplan. Es gibt da ja diese feinen Pläne, die man sich aufstellt und in denen zum Beispiel drin stehen kann, dass man jeden Montag einen Werkstattbericht veröffentlicht, oder dass man einmal pro Monat eine exklusive Kurzgeschichte bringt, oder dergleichen lustige Dinge mehr.

Nein, ich kann von wenigen Ausnahmen abgesehen behaupten, dass ich spontan schreibe. Deswegen modern einzelne Entwürfe auch schon mal über Monate hinweg vor sich hin und fangen an zu riechen, weil immer spontan etwas dazwischen kommt.

Jetzt stehe ich aber immer mal wieder vor der Überlegung, ob das für euch, meine Leser, denn so sinnig ist, oder ob ihr euch lieber etwas anderes wünschen würdet. Damit fast zwangsläufig einher geht auch die Frage nach der Frequenz der Beiträge. Ich weiß, dass sie mitunter sehr hoch ist, aber das ist eben der „Nachteil“ an diesem spontanen Bloggen. Wenn etwas gesagt werden will, dann sag ich es.

Im Endeffekt könnte ich mich auf den Standpunkt stellen, dass es nur darauf ankommt, womit ich mich wohl fühle. Dumm ist halt nur, dass ich in manchen Phasen nicht weiß, womit ich mich wohl fühle. Oft setze ich mich selber unter Druck, jetzt bloß heute noch einen Beitrag zu schreiben, oder es eben auch mal einfach nicht zu tun.

Das sind natürlich Dinge, die sich mit einem Redaktionsplan wieder entschärfen ließen. Wenn da drin stünde: Neuer Artikel am Sonntag, Dienstag, Donnerstag – dann wäre es völlig klar, wann ich etwas zu schreiben und wann ihr etwas zu lesen hättet.

Aber ist das mein Ding? Ist das euer Ding? Nimmt das „Mein Traum vom eigenen Buch“ vielleicht am Ende sogar etwas von seinem eigenen Charakter? Oder ist es ein Schritt weiter auf dem Weg zur „Professionalisierung“ als Autor. Denn natürlich bindet die momentane Vorgehensweise auch Zeit.

Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.

Deswegen frage ich einfach mal nach Meinungen, bitte. Vielen Dank an euch im Voraus, wenn ihr euch einen kurzen Moment Zeit nehmt, um mir bei meinen Gedankenwirrungen unter die Arme zu greifen 🙂 .

In meinem Kopf tanzen sie Ringelreihen

Seitdem ich letzte Woche erkannt habe, dass ich die ganze Zeit über dadurch in meiner Kreativität blockiert wurde, dass ich darauf wartete, dass das Lektorat endlich weitergeht, hat sich in meinem Denken etwas verändert. Oder sagen wir, dass ich es einfach mal darauf schiebe.

In meinem Kopf sind auf einmal alle möglichen Dinge, Projekte, Überlegungen und dergleichen gleichzeitig zugange und tanzen einen regelrechten Ringelreihen miteinander. Da fassen sich abgeschlossene Projekte an den Händen, die man ja jetzt eigentlich in der Zwischenzeit schon mal überarbeiten könnte. Auf der anderen Seite sind noch nicht abgeschlossene Romanprojekte, allen voran „Foursome – FFMM“ und „Der goldene Tod“.

Nebenher laufen kleinere Gedankenspiele, was ich zum Beispiel mit dem Blog anstellen könnte, oder mit der Autorenseite, oder, oder, oder.

Ich muss dringend aufpassen, dass ich mich nicht in all diesen Möglichkeiten völlig verzettel. Denn dann passiert am Ende mal wieder überhaupt nichts. Und ich hätte nicht einmal mehr die schöne Ausrede, dass es am Lektorat liegt.

Ich denke, was ich gerade erlebe, sind Anzeichen einer gewissen „Professionalisierung“, ohne wirklich professionell aufgestellt zu sein. Bisher habe ich meine Projekte größtenteils nacheinander, voneinander unabhängig, erarbeitet. Wenn ich in einem Roman steckte, dann gab es nichts anderes. Erst wieder, wenn der Roman abgeschlossen war.

Jetzt aber, wo die Arbeit an „Der Morgen danach“ aufgrund von wirklich positiven (um das immer wieder zu betonen) Arbeitsabläufen zwischendurch zwangsläufig stagniert, sollte und kann ich nicht immer nur untätig herumsitzen. Das wäre kontraproduktiv und am Ende auch demotivierend.

Aber wo nun ansetzen, in diesem munteren Tanz der Optionen?

Während ich noch auf die verschiedenen Seiten des Tanzsaals blickte, trat ein neuer Tänzer in mein Sichtfeld. Und zwar gab es im letzten „Tempest“ eine Ausschreibung für eine positive Utopie, Umfang bis zu 40.000 Zeichen. Eine Kurzgeschichte also, wenn auch länger als die, die ich zuletzt geschrieben habe.

Der Gedanke an diese Story verselbständigte sich so weit, dass ich erst ein paar Bilder im Kopf hatte (und es kommt nicht so oft bei mir vor, dass ich wirklich Bilder sehe, die einem Comic entstammen könnten), danach einen Handlungsrahmen und schließlich, seit gestern auch einen vorläufigen Namen.

Seit gestern kann ich sagen, ich arbeite an einer Science-Fiction-Story namens „Die Bewahrer des Wahren“ (oder auch „Die Behüter des Wahren“, da bin ich mir noch nicht so sicher).

Ja, die Geschichte hat sich vorgedrängelt. Ja, andere warten schon länger auf ihr Recht. Nein, deswegen kann ich da trotzdem nichts gegen machen. Denn die Story hat mir förmlich die Pistole auf die Brust gesetzt.

Eine positive Utopie. Mal sehen, ob ich so etwas überhaupt (noch) kann.

In diesem Sinne werde ich jetzt mal den Ringelreihen auflösen, versuchen zu beschwichtigen, wo ich kann, und dann an „Die Bewahrer des Wahren“ weiterschreiben, denn die ersten paar Seiten sind schon im Kasten.

Es fühlt sich doch immer wieder gut an, eine neue Geschichte zu entdecken!

Das Schreiben der Anderen: „O Tannenbaum (Codex Aureus 4)“ von Nike Leonhard

Man soll ja antizyklisch handeln in vielen Bereichen seines Lebens. Das hört man jedenfalls immer wieder. Dadurch soll es leichter sein, sich gewissen Dingen zu entziehen, weil man nicht mit anderen um die gleichen Ziele konkurriert und sich dadurch immer wieder in die Quere kommt.

Weihnachten ist ein Paradebeispiel für diese Vorgehensweise. Nachdem mit Sicherheit kein Radiosender dieses Landes darauf verzichtet hat, uns schonend darauf hinzuweisen, dass am Samstag in sechs Monaten Heiligabend sein wird, ist es jetzt eigentlich die beste Zeit des Jahres, um sich schon mal Gedanken wegen der Weihnachtsgeschenke zu machen.

Oder um eine Weihnachtsgeschichte zu lesen. Falls es denn wirklich eine ist. Nun, schauen wir mal.


Ein Buch mit einem Tannenbaum vorne drauf, gelesen im Juni. Warum eigentlich nicht? Schließlich ist es in vielen Romanen so, dass die Figuren Weihnachten, Ostern, Sommersonnenwende, Halloween oder irgendein obskures Ritual aus einer anderen Welt feiern, während wir am Strand liegen und schwitzen.

Dabei ist Velona, der Heldin dieser Geschichte, so gar nicht zum Feiern zumute. Denn Velona ist eine Dryade. Noch dazu eine sehr junge und unerfahrene Dryade. Und so kommt es für sie aus vollkommen heiteren Himmel, dass plötzlich Menschen in ihrem Zuhause auftauchen und Hand an ihren besten Freund, ihren Seelenverwandten legen.

Eine Dryade, für die, die es nicht wissen, ist eine Art Baumgeist, aber keine Fee. Sie geht eine besondere Form der Symbiose mit dem Baum ein, den sie dafür erwählt hat. Sie hegt ihn und beschützt ihn und versucht, ihn immer weiter gedeihen zu lassen. Geht es ihrem Baum schlecht, geht es auch ihr schlecht. Und wenn die Verbindung zu innig wird, kann sie sogar lebensbedrohend werden.

Aus dieser tiefen Bindung heraus schießt Velona auch alle Warnungen ihrer älteren Schwester in den Wind und klammert sich an den Baum, als er von den Menschen mit einem riesigen Metallungetüm aus dem Wald herausgebracht hat, in dem er gestanden hat. Sie landen in einer Art Baumgefängnis für so gut wie tote Bäume, die trotz ihrer Schwäche gefesselt werden. Ein schrecklicher Ort für die Dryade.

Die Welt um sie herum ist ihr vollkommen fremd – und sie ist alleine. Zum ersten Mal in ihrem Leben hat sie keine Artgenossin um sich herum, die ihr helfen könnte. Dazu kommt die Schwäche. Mit Hilfe einer Ratte findet Velona etwas zu essen in einem nahestehenden Wald toter Bäume. Die Ratte ist es auch, die ein wenig Licht ins Dunkel dieses grauenhaften Ortes bringen kann.

Die Menschen kommen bei Tag in gefährlichen Monstern, den sogenannten Stinkekisten oder auch Stinksten. Diese Wesen spucken die Menschen aus, die sich einen Baum aussuchen, der gleich darauf samt der Menschen wieder von den Stinksten gefressen werden, bevor sie davon rauschen.

Und schneller, als es ihr lieb ist, gerät auch Velonas Baum ins Zentrum der Geschehnisse …

Mehr muss, nein, mehr möchte ich auch gar nicht von der Geschichte verraten. Denn diese ist wirklich sehr fantasievoll und schön geschrieben – trotzdem es nicht durchweg um ein schönes Thema geht. Der Titel und die kurz angerissene Handlung verdeutlichen, denke ich, schon ganz gut, mit welchem Szenario Velona konfrontiert wird.

Nike Leonhard selbst bezeichnet diesen vierten Band ihres Geschichtenzyklus „Codex Aureus“ als urbane Fantasy. Mir persönlich drängte sich beim Lesen verschiedentlich ein anderes Etikett auf, das man dieser Geschichte anheften könnte: „O Tannenbaum“ ist für mich ein Märchen. Ein streckenweise grimmiges Märchen, aber doch eine Erzählung, die sich auch unter den Klassikern der märchenhaften Erzählkunst nicht fehl am Platze fühlen müsste.

Dafür spricht natürlich zunächst die Hauptperson selbst. Der kleine Waldgeist bringt schon für sich genommen eine Sichtweise auf die Welt in der wir leben mit, die sich stark von der unterscheidet, die wir selber aufwenden können, um uns zurecht zu finden. Dazu kommt noch eine nicht ganz unwichtige Besonderheit: Velona ist, nach den Maßstäben ihres Volkes, noch ein Kind, eine ganz unerfahrene Dryade. Das hat sie mit den Protagonisten vieler Volksmärchen gemein, deren Hauptpersonen auch Kinder oder zumindest Menschen mit einem kindlichen Gemüt sind.

Der Schreibstil passt sich dieser Erzählform an. Die Begegnungen, die Velona mit Tieren und Menschen hat, werden direkt, relativ schnörkellos und auf diese Weise leicht und fließend erzählt. Die Fortschritte, welche die Dryade dabei macht, das Geschehen zu begreifen, sind logisch aneinander gereiht und – sehr wichtig, wie ich finde – so auserzählt, dass man auch dann mitfiebert, wenn aufgrund der eigenen Erfahrungen und des allgemeinen Settings eigentlich schon klar ist, was eigentlich gerade passiert.

Handelt es sich nun bei „O Tannenbaum“ um eine Weihnachtsgeschichte? Ja – und doch wieder nicht. Denn in der Tat geht es hier auch um Themen, die das ganze Jahr über ihre Bedeutung haben. Liebe fällt einem da als erstes Stichwort ein, denn eine bedingungslosere Liebe als die zwischen einer Dryade und ihrem Baum wird man wohl nur schwerlich finden. Aber auch andere Aspekte, die ich jetzt nicht gerne verraten möchte, kann man in dieser Geschichte entdecken.

Beim Lesen schwebte mir die ganze Zeit ein Bild vor den Augen, für das ich den Begriff „Märchen“ noch einmal aufgreifen möchte. Ich stelle mir vor, wie diese etwas andere Weihnachtsgeschichte auf Kinder wirken würde. Und ich kam zu dem Schluss, dass es insbesondere eine Szene gibt, die mich stutzen lässt, ob „O Tannenbaum“ kindgerecht ist. Und nein, ich meine damit nicht das Ende, das im Stile vieler Märchen ein wenig ambivalent daher kommt. Stichwort: Rache.

Wenn hier nur ein klein wenig entschärft würde, entstünde ein wirklich tolles Weihnachtsmärchen, das man auch kleineren Kindern erzählen kann. Vielleicht möchte die Autorin hierüber ja noch einmal nachdenken und eine entsprechende Version als Ergänzung nachschieben. Zeit wäre noch, es ist ja erst Juni.

Als Fazit bleibt mir nur zu sagen, dass ich mich auch mit diesem Teil des Codex Aureus wieder sehr gut unterhalten gefühlt habe. In Anbetracht des geringen Preises, der für diese Geschichte aufgerufen wird, sehe ich keinen Grund, nicht zum Kauf zu raten. Ich bin gespannt, was Nike Leonhard als nächstes einfallen wird!


Unter dem Label „Das Schreiben der Anderen“ veröffentliche ich Rezensionen, die ich zu Romanen von Autoren geschrieben habe, mit denen ich in den Sozialen Netzwerken oder auf andere Weise verbunden bin. Es handelt sich hierbei ausdrücklich nicht um Gefälligkeitsbesprechungen. Dies wäre nicht in meinem Sinne und auch nicht im Sinne der Autoren, die ich bespreche.

Alle Besprechungen erscheinen, ggf. in leicht abgeänderter Form, auch bei Amazon. Die Bewertung orientiert sich am dortigen Wertungssystem.

Der Sonntagsreport vom 25.06.2017 – Noch mehr #Inspirationsfeuer

Eigentlich war es ja noch Samstag, der 24.06.2017, aber wer will da schon päpstlicher als der Papst sein, wenn es sich um die vorgerückte Abendstunde handelt? Am Ende eines langen Tages hatten wir, das waren meine vierköpfige Familie, plus die beste Freundin von Kind 2 plus mein Bruder und Familie (ja, ich weiß, nicht offiziell – verklagt mich doch) wieder im Eingangsbereich des Freizeitparks eingefunden, den wir den ganzen Tag über unsicher gemacht hatten.

Einlass war um kurz vor 10 Uhr gewesen, die Schließung erfolgte um 18 Uhr. Dazwischen lagen acht Stunden, in denen wir eine Menge Spaß hatten, einiges an Nervenflattern bei den kleineren Kindern, ein wenig „will ich nicht“ des größeren Kindes und auch die eine oder andere Premiere. Die beste Freundin ist zum ersten Mal überhaupt mit einer Achterbahn gefahren, Kind 2 zum ersten Mal eine Achterbahn mit Inversionen.

Ich hätte erwartet, dass sich langsam ein gewisser Sättigungsgrad eingestellt hätte. Schließlich war es für uns als Vierertruppe der dritte (!) Besuch in diesem Park in den vergangenen vier (!) Wochen. Aber manche Dinge werden scheinbar niemals alt und dazu gehört für mich der leichte Adrenalinkick, wenn sich die mechanische Höllenschleuder in Bewegung setzt, der ich mich für die kommenden paar Minuten mit Haut und Haaren anvertraue. Denn Vertrauen muss man schon haben, wenn man, zum Beispiel, in 60 Metern Höhe über dem Erdboden hängt und die Sitze des Turms, in dem man sitzt, sich nach vorne neigen. Und man muss auch vertrauen, dass nicht mitten im Looping die Sitzsicherung versagt.

Wie gut, dass ich in dieser Beziehung noch nie Probleme hatte. So konnten auch meine Kinder keine entwickeln. Das letzte bisschen, was sich an Respekt bewahrt hat, sehe ich als etwas Positives an. Klar, man muss keine Angst haben, aber es ist auch nicht schlecht, wenn man sich seiner Grenzen bewusst ist. Deswegen wird auch keines der Kinder gezwungen, irgendwo drauf zu gehen, wo sie nicht wollen. Na gut, ein wenig gekitzelt werden sie schon mal, aber das ist ja auch wieder okay. Manchmal braucht man Ermutigung, um sich zu überwinden. Denn, mal ehrlich: Eine Zwanzigjährige im Kinderkarussell sieht schon komisch aus, oder etwa nicht?

Nun, wie dem auch sei, wir waren jedenfalls wieder im Eingangsbereich, zusammen mit einer großen Zahl an anderen Besuchern, die nun den Ausgängen zustrebten, weil sie den Weg nach Hause antreten wollten.

Für den Moment hatten wir uns noch eine Bank gesichert, weil ein Teil von uns die letzten beiden Fahrgeschäfte noch abgrasen wollte, die sich nahe bei befanden. Aber dann war auch das vorbei und es ging eigentlich nur noch darum, wer noch einmal auf die Toilette musste, oder dringend noch was zu trinken brauchte. Schließlich musste mein Bruder noch in die Stadt, die es angeblich nicht gibt, und in der inzwischen schon eine ganze Menge Herzensmenschen von mir wohnen.

Mir gab es die Gelegenheit, die Atmosphäre dieses Ortes auf mich wirken zu lassen. Und, es war geradezu erstaunlich, ich wurde wieder davon eingefangen, welche Melancholie ein Freizeitpark am Ende seines Öffnungstages haben kann. Die Menschen, die sich vorher noch über das gesamte Areal verteilten und in irgendwelchen Warteschlangen verschwanden, kamen nun alle gleichzeitig zusammen, in ihren eigenen Gruppen, oder auch einzeln.

Hier wurde eine Busgruppe zusammengestellt, indem eine Frau einen grünen Zettel in die Luft hielt. Dort turnte eine Gruppe junger Mädchen, die scheinbar bei irgendeinem Turncontest im Park gewesen waren, noch eine letzte Übung vor dem zentralen Springbrunnen.

Auch die ersten Ride-Operator kamen, um den verdienten Feierabend anzutreten. Gut erkennbar an ihrer einheitlichen Kleidung waren sie noch vor einer Viertelstunde die Herren oder Herrinnen über ihre jeweilige Anlage. Nun nur noch ganz normale Menschen, die ohne ihre blaue Kluft in keiner Weise aufgefallen wären.

Musik lag in der Luft. Aber auch wenn es dieselbe Musik wie am Morgen war – Themen aus großen Kinofilmen – war die Spannung, die sie nun verbreitete, eine ganz andere. Morgens noch Erwartung, nun Melancholie.

Die nahe Achterbahn fährt noch, vielleicht ihre letzte Fahrt, um die Menschen, die noch warten, aus der Warteschlange zu bekommen. Wer zuletzt kommt, fährt zuletzt.

Irgendwie ist diese Welt, so künstlich sie auch ist, auf ihre Weise eine Realität, die neben der unseren existiert und der zumindest ich mich nur schwer entziehen kann. Ich weiß, dass die imposanten Gebäude, die überall im Park stehen, eigentlich nichts anderes sind als geschickt verkleidete Wellblechhallen. Immer mal wieder haben die Parkdesigner es sowieso versäumt, das hinreichend zu kaschieren. Aber ich will glauben, dass das Herrenhaus der Eingang zu einer anderen Dimension ist. Und ich will glauben, dass sich im Inneren des verfallenen Gebäudes wirklich ein Schrottplatz befindet, von dem wir im Zuge einer rasanten Fahrt Ersatzteile beschaffen müssen.

Aber dass ich all das glaube bedingt nun auch, dass ich den Abschied spüre. Und dass dieser Abschied etwas mit mir macht. Ich bin mir nicht sicher, was es ist, ob es nur der Anflug von Melancholie ist, oder … nein, je länger ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu einem ganz anderen Entschluss:

Es ist Inspiration! Ich fühle mich von dieser Atmosphäre inspiriert. Zunächst nur zu diesem Blog-Eintrag, aber wer kann schon sagen, was denn danach kommt und in welche Richtung es noch wirken kann? Das kann niemand.

Aber ich habe wieder einmal eines gelernt, als ich die Tore des Parks durchschreite und dem Wagen zu eile, um mich in den Stau der nach Hause fahrenden Autos einzureihen, der das besondere Gefühl schneller, als mir lieb ist, verblassen lassen wird:

Inspiration liegt oft direkt neben einem auf der Straße. Man muss sie nur zu erkennen wissen und sie aufheben. Und sie wachsen und gedeihen lassen. Kleine Flammen, ihr wisst schon.

Grafik © Elenor Avelle

#Inspirationsfeuer – Der Tanz um die kleinen Flammen

Im April war es, dass Eva-Maria Obermann für die Rechargers eine Aktion ankündigte, in der es um das Thema Inspiration gehen sollte. Über den Hashtag #Inspirationsfeuer waren die, die mitmachen wollten, dazu aufgerufen, von ihrer Inspiration zu berichten, von Dingen, die sie inspirieren, von Inspirationen, die sie anderen geben können. Da ich meine Hand bei so etwas ja immer nur schwer still halten kann, habe ich mich zur Teilnahme gemeldet.

Als die Aktion dann startete, schlugen neben netten Worten von Eva-Maria auch zwei Grafiken bei mir auf, welche die unglaublich talentierte Elenor Avelle erstellt hat. Zu früheren Gelegenheiten hatte ich bereits bewundert, was für lebensnahe Abbilder von Künstlerkollegen sie erstellt. Und nun gab es da auf einmal auch ein Bild von mir, einmal in groß und solo und einmal als Linksaußen einer ganzen Schar kreativer Geister:

Ich muss gestehen, ich war beeindruckt. Und beeindruckt. Und in dritter Konsequenz immer noch beeindruckt.

Auf einmal war ich mir gar nicht mehr so sicher, ob ich etwas Bedeutsames zum Thema Inspiration zu sagen habe. Ich meine, wer bin ich denn schon!? Ich bin kein bedeutender Autor mit einer Fülle von Veröffentlichungen, die es bis ins Feuilleton der Zeitungen geschafft hat. Ich bin ja gerade mal froh, dass ich das Wort Feuilleton unfallfrei schreiben kann. An der Aussprache übe ich noch.

Ich bin auch kein großer Impulsgeber für irgendjemanden. Ich gebe keine Schreibtipps, ich verfasse keine Ratgeber, ich halte keine Workshops ab und mich selbst auch eigentlich ganz gerne im Hintergrund.

Niemand kann von sich behaupten, dass er oder sie schon einmal den Ratschlag bekommen hätte, der seine oder ihre Kunst auf das nächsthöhere Level gehoben hätte. Gut, es kann immerhin auch niemand behaupten, dass ich das Gegenteil zu verantworten gehabt hätte. Kleine Dinge, nicht wahr?

Also – was hatte ich denn über Inspiration zu sagen?

Ich überlegte und überlegte und sah auf dem Kalender, dass die Tage im Juni immer weniger wurden. Aber ich fand immer noch nicht den großen Punkt, auf den ich eingehen, die große Erkenntnis, die ich vermitteln, oder die gewaltige Erfahrung, auch die ich verweisen konnte.

Das #Inspirationsfeuer schien bei mir an einem Ende angelangt zu sein, an dem ihm der Brennstoff ausging, an dem es verlöschen musste.

Und dabei wäre es wohl auch geblieben, wenn mir nicht der Zufall zur Hilfe gekommen wäre. Dieser Zufall lief mir in Gestalt einer E-Mail über den Weg, die meine Lektorin mir schickte. Darin teilte sie mir mit, dass sie noch ein wenig Zeit benötigen würde, um mir Rückmeldung über den aktuellen Stand der Dinge zu geben, weil sie sich gedanklich noch einmal reinfuchsen wolle. Es könne durchaus sein, dass wir noch einmal intensiv an eine gewisse Passage heran müssen.

Ich konnte spüren, wie sich rechts von mir der Erdboden ein wenig erhitzte. Zum Glück tat er das nur im übertragenen Sinn, denn ansonsten wäre wohl mein Kellerbüro abgebrannt, aber der Ursprung war klar: Da war ein kleines orangenes Flämmchen entstanden. Nicht die Riesenflamme, nach der ich die ganze Zeit gesucht hatte, aber ein kleines Feuerchen, das eine angenehme Hitze abstrahlte.

Ich sah mich in meinem Raum um, sah mir auch meine Arbeitsmaterialien, im Wesentlichen also den PC und das ihn umgebende Chaos, mit neuen Augen an. Und ich merkte, wie in meinem Kopf eine gewisse Leichtigkeit Einzug hielt.

Ohne es zu bemerken, hatte ich über die ganze Zeit hinweg, seit ich meinen letzten Schwung Seiten ins Lektorat geschickt hatte, darauf gewartet, dass von dieser Seite aus der Hammer fallen und mich mit neuer Arbeit versorgen würde, die meine ganze Aufmerksamkeit blockieren würde. Gleichzeitig hatte mein Kopf aber alle möglichen andere Projekte immer und immer wieder gewälzt. Allerdings nur für sich, in sich selbst – und damit nicht in einer Art und Weise, die mich glücklich hätte machen können.

Ja, ich glaube, dass ich durch diese Blockade sogar die Freude daran verloren hatte, mir selbst auszumalen, wie es mit dem Schreiben weitergehen könnte. Und Zack: Da war wieder ein kleines Flämmchen.

Und dann kamen sie auf einmal wie ein Funkenregen hervorgesprudelt: All die kleinen und großen Projekte und Möglichkeiten. All das, was noch vor mir liegt oder was ich tun könnte. Einfach das Gefühl von Freiheit, in dieser Sekunde wirklich der Inspiration Folge zu leisten und ihr Angebot anzunehmen.

Und ich erkannte, dass ich die ganze Zeit auf ein Feuer gewartet hatte, dass es in dieser Form überhaupt nicht gab. Für mich ist Inspiration keine Riesenflamme, kein Waldbrand, kein Feuermeer. Für mich sind es die kleinen Flammen hier und da, das Zulassen von Ideen und das Spielen mit Möglichkeiten.

Zwei Dinge habe ich also gelernt und kann sie, ganz ohne dir etwas beibringen oder vorbeten zu wollen, an dich weitergeben:

Erstens ist es immer gut, wenn man versucht herauszufinden, ob die eigene Kreativität gerade durch irgendetwas gehemmt wird. Es ist nicht immer leicht, diese Gründe zu identifizieren, vor allem deshalb, weil sie sich oft als etwas Gutes tarnen. Ich will ja nicht im Traum behaupten, dass meine Lektorin mir was Schlechtes tun wollte. Meine Reaktion war allerdings eine ziemlich uninspirierte und damit auch für meine Kreativität ungesunde.

Und zweitens braucht es nicht immer das Feuerwerk. Klar, es wäre schön, wenn wir nur die inneren Fenster weit öffnen müssten und über uns würde ein immerwährendes Höhenfeuer aus Inspiration und Kreativität abgefeuert. Aber das ist nicht die Realität und es ist auch kein realistischer Anspruch.

Sich von diesem Denken frei zu machen und viel mehr auf die kleinen Dinge, die kleinen Flämmchen zu achten, das ist ein Weg, der einiges für uns kreative Menschen erleichtern könnte, wenn wir bereit sind, ihn zu gehen. Schritt für Schritt. Von Flamme zu Flamme. Von Idee zu Idee. Und irgendwann auch zum Erfolg. Wie immer jeder von uns den auch für sich selbst definiert.

Und damit möchte ich meinen kleinen Beitrag zum #Inspirationsfeuer auch beschließen. Links von mir ist gerade eine neue kleine Flamme entstanden und ich bin sehr gespannt, wohin sie mich führen will. Wohin auch immer: Ich bin mir sehr sicher, einige von euch dort zu treffen!

Fieberträume

Puh, liebe Leute, was für Nächte, was für Träume …

Ihr wisst ja sicher, dass es für einen Autor eigentlich angeraten ist, sich ganz besonders intensiv mit seinen Träumen auseinander zu setzen. Denn die geben sehr oft Anreize für neue Geschichten oder können sogar dabei helfen, handfeste Schreibprobleme zu lösen.

Dass Träume nicht nur für Autoren eine wichtige Funktion erfüllen, ist ebenfalls nicht neu. Eine landläufig als korrekt angesehene Theorie besagt, dass Träume für den Menschen die Funktion erfüllen, dem Gehirn Gelegenheit zu geben, gewisse Dinge zu verarbeiten, und es ein Stück weit förmlich zu „resetten“.

Wenn das so ist, dann frage ich mich, was für einen kranken Scheiß mein Gehirn meinte, da verarbeiten zu müssen!

Ich habe in den letzten Tagen immer schon Probleme mit dem Kreislauf und allem Drumherum gehabt. Der Hintergrund war zunächst eine Medikamentenumstellung im laufenden Betrieb, bei der ein auf den Kreislauf wirkendes Medikament durch ein anderes ausgetauscht wurde. Das machte mir schon zu schaffen, als wir draußen noch Temperaturen so um die zwanzig Grad hatten.

Als dann aber in dieser Woche die Temperaturen immer mehr in die Höhe schnellten, nahmen auch die Probleme immer mehr zu. Denn jetzt kamen ja zu meinen sowieso schon vorhandenen Beschwerden noch die, welche auch alle anderen bei Höchsttemperaturen über 30 Grad plagten. Und in Kombination hat mich das Ganze dann gestern und heute richtig aus den Latschen gehauen. Wobei es heute über Tag langsam besser wurde, so dass ich den Arbeitsversuch am PC angehen und u.a. euch schreiben konnte. Gestern war an den PC nicht einmal zu denken.

Den gestrigen Tag habe ich zu 90% in meinem Bett verbracht und mehr oder weniger vor mich hin vegetiert. Aber ich will euch nicht mit den Einzelheiten langweilen. Nur mit dem, was ich in der Überschrift als Fieberträume bezeichnet habe.

Ich gehöre zu den Menschen, die hin und wieder wirklich Träume haben, die sie „nur noch“ aufzuschreiben bräuchten, um eine kleine Kurzgeschichte zu haben. Die Träume, die ich gestern hatte, bewegten sich jedoch alle am Rand des Irrsinns.

Ich träumte von einer Population Mäuse, die sich ein eigenes Königreich aufgebaut hatten. Keine Ahnung, ob es Menschen gab oder nicht. Aber es gab auf jeden Fall eine Spezies Vampire, welche die Mäuse angriffen und dezimierten. Das passierte in Folge 8.

Ja, richtig gelesen, in Folge 8, denn ich träumte das Ganze in Etappen. Eben in den Etappen, in denen ich zwischendurch weg sank. Das Doofe war nur, dass mir ausgerechnet Folge 7 fehlte, in der mit dem Bürgermeister irgendwas passiert sein muss, denn der lag am Anfang von Folge 8 ausgesaugt am Grenzstein des Königreichs. Der König selbst trat nie in Erscheinung.

Dann träumte ich noch von einer LKW-Spedition, die irgendwie die Hälfte der Zeit damit zubrachte, Rennen zu fahren. Rennen von der Sorte, bei der der LKW immer wieder in die Luft sprang, als ob er entweder ein Luftkissen unter dem Hintern hätte, oder der Untergrund so hügelig war, dass es unmöglich war, das Ding auf der Straße zu halten.

Dazu kamen jede Menge Klein- und Kleinstträume, die teilweise richtig quälend waren, weil sie sich immer wieder aufdrängten. Ein Gutes hatte das, ich wurde heute Vormittag irgendwann aus dem Bett getrieben, um langsam wieder auf die Beine zu kommen.

Aber mir war halt auch klar, dass es nach meinem letzten Traum nur noch schlimmer werden konnte: In dem war mein Vater von der evangelischen zur katholischen Kirche konvertiert, weil sein Töpferkurs nicht mehr angeboten wurde. Mein Vater ist seit gefühlten hundert Jahren Presbyter in seiner Gemeinde und eher konvertiert der Papst, als dass er es tut …

Fieberträume – ganz ohne Fieber. Nur ohne Sinn und Verstand. Also besser doch kein Traumtagebuch führen.

Also, nur mal angenommen …

Ich weiß ja nicht, wie es bei euch ist, aber hier ist es

WARM!

Da kann bitte keiner von mir erwarten, dass ich vollwertige Blogbeiträge schreibe.

Bis jetzt reicht es nur, hin und wieder die Eindrücke des Hitze-Tages bei Twitter zu hinterlassen. Und weil Twitter ja so ein flüchtiges Medium ist, sammle ich die hier einfach. Es kann also durchaus sein, dass der Beitrag noch größer wird, oder ihr schaut einfach auf meinem Twitter-Account rein.

Vorweg gibt es einen ganz für euch als treue Blogleser exklusiv:

Falls es wirklich warm sein sollte, dann muss mich wohl nicht wundern, dass der Drucker vor dem Drucken erst einmal abkühlt, statt aufzuheizen, oder?

Und dann waren da noch diese Kleinigkeiten:

Ich will ja nicht behaupten, dass es im Büro warm wäre, aber das Grillgut wäre jetzt soweit, auf der Tischplatte gewendet zu werden.

Ich will ja nicht sagen, dass den Kollegen und mir heiß ist, aber auf den zusammenfließenden Schweißströmen haben Schiffe zu fahren begonnen.

Es ist ja nicht so, dass es hier im Büro irgendwie warm wäre, aber die Blumen auf den Bildern an der Wand sehen schon ganz vertrocknet aus.

Nur mal angenommen, es wäre warm hier… Das würde den Eiswagen erklären, der gerade den Büroflur entlang gefahren kam. Bin weg, ihr wisst wo.

Manche sagen ja, dass das bisschen Wärme aggressiv macht, aber …

SCHAU MICH GEFÄLLIGST NICHT SO AN, SONST KOMM ICH DIR DA RÜBER!

Hmtja.

Also ich will ja nicht sagen, dass es warm draußen ist, aber wenn statt der Straßenbahn eine Karawane kommt, dann weiß ich auch nicht mehr.

Hier scheint noch jemand zu glauben, es sei warm. Ich habe den Kater gerade beim FKK erwischt. Er konnte gerade noch sein Fell drüberziehen.

Vor acht Jahren: Ein reales und ein fiktives Kind

Gestern haben wir den Geburtstag von Kind 2 gefeiert. Den achten. Schon den achten, möchte man sagen. Denn irgendwie kommt es einem gar nicht so lange vor, wenn man sich die Abläufe nicht vor Augen führt. Wie generell der gesamte Komplex Alter und Zeitverlauf sich ganz anders gestaltet, als man meinen sollte. Immerhin wird Kind 1 dieses Jahr auch schon 15 und ist damit, mein Vater erwähnte es scherzhaft, beinahe schon erwachsen.

Zwischen Kind 1 und Kind 2 gibt es allerdings, was die Wahrnehmung dieser Zeiten angeht, irgendwie auch Unterschiede. Das werden die meisten Eltern mir allerdings als etwas ganz normales bestätigen können, behaupte ich einfach mal. Beim ersten Kind war man noch sehr aufgeregt, wusste gar nicht, was auf einen zukommt und wollte bloß nichts falsch machen. Das ganze Leben war vollends auf dieses kleine Bündel Mensch ausgerichtet – sowohl vor der Geburt, als auch während der Geburt, als auch nach der Geburt.

Bei Kind 1 wäre es vollkommen undenkbar für mich gewesen, dass ich in der Zeit, als sie geboren wurde, mit irgendeinem Schreibprojekt zugange sein könnte. In der Tat habe ich mein bisschen Hirn zermartert und komme zu dem Schluss, dass es damals wirklich nichts gegeben hat, woran ich arbeitete. Das letzte Projekt, die Erstfassung von „Der Beobachter und der Turm“ war bereits im Jahr 2000 sanft entschlafen und der nächste Roman, „Es zwingt einen dazu“, kam erst 2005 in mein Blickfeld.

Und wie war es 2009? Da schrieb ich munter an meiner bis heute einzigen Geschichte für Kinder: „Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis„.

Bei Kind 2 hatten meine Frau und ich beschlossen, direkt nach der Geburt das Krankenhaus zu verlassen und mit ein wenig Unterstützung durch eine Hebamme zu Hause die Betreuung sofort zu übernehmen. Wir kannten uns ja schon aus. Und ich arbeitete nebenbei an meinem Kinderbuch, das ich allerdings nicht für besagtes Kind 2, sondern vielmehr für Kind 1 schrieb. Nachdem ich die Geschichte schon einige Jahre mit mir herumgetragen hatte.

Und so wurden, in gleichem Maße, in dem Kind 2 Teil unseres Alltags wurde, „Die dreisten Drei“ Teil meines Alltags. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass der Roman Ende Juni fertig war – inklusive Überarbeitung. Meine liebe Tochter wird noch eine Weile brauchen, bis sie „fertig“ ist. Vermutlich bis an ihr Lebensende – und das ist auch ganz in Ordnung so.

Ich musste nur daran denken, dass sich jetzt irgendwie ein Kreis schließt, denn für meine Geschichte von damals ist Kind 1 inzwischen zu alt. Aber Kind 2 könnte genau im richtigen Alter sein. Ob ich sie mal fragen soll, ob sie sie lesen will?

Und dann gab es ja immer mal wieder leichte Überlegungen, eine Fortsetzung anzustreben. Vielleicht wäre jetzt die Zeit dafür gekommen. Auch wenn es niemals ein Kind 3 geben wird. Da sei die moderne urologische Chirurgie vor 😉 .

Auf jeden Fall ein leicht verspätetes Happy Birthday an mein reales und an mein fiktives Kind. Und einen lieben Gruß an Kind 1, die nicht traurig sein soll, dass es passend zu ihrer Geburt keinen Roman gibt, an den ich mich erinnern kann. Selbst ein Autorenheini wie ich rechnet nicht nur in Büchern und Geschichten. Sondern auch in ganz alltäglichen Werten und Gefühlen.

Liebe, etwa.

Übers Stöckchen gesprungen: 10 Fragen über Musik

Nennt man die Dinger, diese Blog-Kettenbriefe, heute eigentlich nicht mehr Stöckchen? Wie dem auch sei, bei Melanie von Lesezauber.net habe ich einen sogenannten TAG gefunden, bei dem es, steht schon im Titel, um Musik geht. Und nachdem es gestern ein wenig nachdenklich hier war, passt das vielleicht ganz gut zur Auflockerung. Außerdem, der eine oder die andere wird es bemerkt haben, kann ich mich eigentlich fast jederzeit über Musik unterhalten und austauschen. Wenn ich mit ein wenig mehr Talent/Durchhaltevermögen/Sturheit gesegnet wäre, würde ich in der Richtung auch gerne was machen.

Na ja, dafür kann ich einigermaßen schreiben. Ich doch auch was, oder?

Aber gut, gehen wir an die 10 Fragen:

1. Welches Lied hörst du gerade, bzw. hörst du gerade Musik?

Oh ja, im Moment läuft gerade Musik. Eine riesige Playlist aus allen meinen kürzlichen Neuerwerbungen. Ich erwähnte es am Rande, dass reBuy CDs für 29 Cent verkauft hat, nicht wahr? Und da habe ich zugeschlagen und einige Lücken aufgefüllt. In alle Stilrichtungen und zeitlichen Epochen hinein.

Gerade laufen, muss mir das peinlich sein?, die Spice Girls mit „Stop“ von ihrem zweiten Album „Spiceworld“.

Ich stehe dazu, dass ich die Mädels damals irgendwie cool fand und einige der Songs immer noch klasse finde. „2 Become 1“ zum Beispiel ist eine meiner liebsten Balladen. Und gemessen an den meisten Girlgroups, die danach gekommen sind, ist das qualitativ ziemlich weit vorn.

2. Welche Musikrichtung bevorzugst du?

Generell mag ich alles, was in irgendeiner Form mit Elektronik zu tun hat. Das geht los bei Kraftwerk, setzt sich über den klassischen Synthie-Pop der 80er fort, hier vor allem Bands wie OMD, Erasure, Camouflage, Alphaville, die Pet Shop Boys. Beginnend mit Front 242 geht es dann langsam in Richtung EBM/Electro. Und da ich ja, wie gesagt, vom Synthie-Pop komme, sind es dann die melodischeren Vertreter des gerne auch als Future Pop bezeichneten Seitenarms, wie VNV Nation, Apoptygma Berzerk, Covenant.

Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Gleichzeitig mag ich es auch durchaus rockig, teilweise auch krachig. Gerne darf es sich dann auch miteinander vermischen. So kann ich eine Band wie Project Pitchfork nur bedingt komplett dem Electro zuordnen, wenn bei einem Live-Konzert gleich zwei (!) Schlagzeuge auf der Bühne stehen.

Ihr seht schon, eigentlich höre ich (fast) alles. Ausnahmen bestätigen die Regel.

3. Mit was hörst du Musik?

Zu Hause höre ich Musik eigentlich zu 100% über meinen PC und die angeschlossenen 2.1-Boxen. Es handelt sich um ein Speedlink-Gravity-System, mit dem ich sehr zufrieden bin. Es erreicht auch auf hohen Lautstärken guten Klang und genügend Druck. Unterwegs kommen mein Smartphone und Sony-On-Ear-Kopfhörer zum Einsatz. Und im Auto kommt die Musik vom USB-Stick.

Generell bin ich, was Musik angeht, noch relativ traditionell unterwegs, weil ich Musik nicht etwa streame, sondern altmodisch kaufe. Selbst wenn ich MP3 kaufe habe ich einfach das Gefühl, die Musik wirklich zu besitzen und dass sie nicht nur so an mir vorbei rauscht. Das alte Sammlergen halt.

Dabei wäre ein Zugang zu Amazon Music Unlimited sogar vorhanden. Den nutze ich allerdings nur für Hörspiele. Da habe ich das Problem nicht. Komisch, oder?

4. Wer ist zur Zeit dein Lieblingssänger bzw. deine Lieblingssängerin?

So etwas habe ich eigentlich nicht und es wäre mit der angesprochenen Playlist auch schwer. Bei welcher Stimme ich aber immer innehalte und mich freue, sie zu hören, ist das zarte Organ von Chibi, der Sängerin von The Birthday Massacre, die in einem Moment wie ein Engel klingt, nur um im nächsten richtig rockig loszulegen.

5. Was war deine erste CD?

Das war das Album „Die Ärzte früher“ von Die Ärzte. Das habe ich 1989 zur Konfirmation geschenkt bekommen. Damals schien die ewige Streitfrage, ob die Toten Hosen oder die Ärzte besser, cooler und Zeug sind, ultimativ beantwortet zu sein, hatten sich die Berliner doch gerade eben aufgelöst, während die Düsseldorfer nach „Ein kleines bisschen Horrorschau“ auf einem ersten frühen Gipfel des Erfolgs angekommen waren.

Dass irgendwann mal sowohl Die Ärzte als auch Die toten Hosen zur Speerspitze des Deutsch-Rocks zählen würden, hätte damals wohl keiner geglaubt. Ach ja, Punk? Spielen die heute beide nicht mehr, tut mir leid.

6. Kannst du selber gut singen?

Nächste Frage. 😉

7. Magst du Schlager?

Ich könnte jetzt die augenzwinkernde Frage stellen, was denn genau mit Schlager gemeint sein soll. Denn Schlager meint heute ja deutlich etwas anderes, als es noch vor zwanzig Jahren gemeint hat. Sängerinnen wie Helene Fischer & Co., auf die die Frage sicher gemünzt ist, sind nach meinem Verständnis kein Schlager. Da bin ich halt deutlich im letzten Jahrtausend sozialisiert worden.

Aber die Antwort lautet in beiden Fällen: Nicht besonders.

8. Welches Lied hörst du, wenn du happy bist?

Da soll ich mich jetzt auf eines festlegen, ja? Aber sonst ist noch alles in Ordnung, ja? Okay, ich nenne jetzt eines von Tausenden Liedern, die ich dann hören könnte oder wollen würde. Oder vielleicht auch zwei, ein elektronisches, ein nicht-elektronisches.

VNV Nation – Nova (Shine A Light)

Anna Depenbusch – Karaokenacht

9. Welches Lied hörst du, wenn du traurig bist?

Selbes Spiel wie gerade, ein elektronisches, ein nicht-elektronisches:

Covenant – The World Is Growing Loud

Lacrimosa – Der Tote Winkel

10. Dein derzeitiges Lieblingslied

Das ist schwer zu sagen, weil sich im Moment kein Titel so richtig aufdrängt und weil ich viele Soundtracks und dergleichen höre. Aber um nicht ganz zum Schluss auf einmal ohne einen Song da zu stehen, nenne ich mal einen, der im Autoradio immer schön laut gedreht wird: „Children of the Dark“ von Mono Inc. featuring Joachim Witt, Chris Harms (Lord Of The Lost) und Tilo Wolff (Lacrimosa). Und das Video finde ich auch sehr gelungen, weil es die Spannweite dieser Szene so schön darstellt.

Und damit habe ich meine zehn Punkte auch „abgearbeitet“. Bei der einen oder anderen Frage war es doch tatsächlich schwieriger, als ich vorher gedacht hatte. Vorher war mein Gedanke nämlich: Mach mal Musik-TAGs. Ist ein schnell geschriebener Beitrag.

Auf drei bitte: Ha, ha, ha!

Ich muss ja gestehen, dass mich bei einigen von meinen Lesern sehr interessieren würde, was bei diesen Tags herauskommt. Simon Segur etwa, oder Jule. Vielleicht die liebe piri ulbrich? Bei Evanesca Feuerblut bin ich ja halbwegs im Bilde, was sie gerne hört.

Aber das ist ja kein Stöckchen, das man anderen an den Kopf wirft. Deswegen spreche ich hiermit Einladungen, aber keine Aufforderungen auf.

Ich wünsche euch einen schönen Abend, vielleicht, vielleicht aber auch nicht mit viel Musik!