Muss ein Roman immer hart an der dreckigen Wahrheit sein …?

… oder darf es sich bei ihm auch einmal um eine Art „positive Utopie“ handeln?

Das ist eine Frage, mit der ich mich in der Art, die ich jetzt ansprechen möchte, tatsächlich gestern zum ersten Mal überhaupt in meiner Laufbahn als Autor beschäftigt habe. Denn bis jetzt war ich, mehr oder weniger stillschweigend, davon ausgegangen, dass ein Autor, der etwas auf sich hält, in seinem Roman so gut wie möglich die Realität abbildet. Auch dann, wenn diese Realität ihm vielleicht nicht besonders gefällt. Oder, je nach Genre, gerade dann, wenn sie ihm nicht gefällt.

Die Autoren von Fantasyromanen, Science-Fiction oder den angesprochenen Utopien haben es da von Natur aus etwas einfacher. Denn sie können die Wahrheit so weit biegen, wie sie es für nötig halten, um sich mit ihrer Geschichte wohl zu fühlen. Wenn ich möchte, dass ein Himmel immer voller rosaroter Schäfchenwolken hängt, dann siedle ich meine Geschichte einfach auf einem Planeten mit entsprechender Großwetterlage an und habe meinen Willen.

Aber wie sieht es aus, wenn ein Roman in der Gegenwart, in der Realität und noch dazu vor der Kulisse eines Kriminalfalls spielt? In einem Genre also, in dem Glaubwürdigkeit ein enorm hoch zu haltendes Gut darstellt?

Gestern habe ich mit meiner Familie den Movie Park Germany in Bottrop besucht. Dass ich ein großer Freund von Freizeitparks bin, habe ich ja früher schon durchblicken lassen und nicht umsonst spielt einer meiner Romane, „Darkride“, in einem solchen Park.

Und gestern wurde mir erstmals bewusst, was für ein Utopia das Wonderland, der Freizeitpark aus diesem Roman, eigentlich wirklich darstellt.

In meiner Vision eines Freizeitparks, der natürlich ein Optimum darstellt, eine Anlage, wie ich sie gerne bauen und besuchen würde, wenn ich das nötige Kleingeld dafür zur Verfügung hätte, ist so gut wie alles perfekt. Na ja, abgesehen von diesem Mordfall zu Beginn der Handlung, aber irgendwas ist ja immer.

Im Wonderland sind die Themenbereiche so gestaltet, dass sich für jeden Geschmack und für jede Altersstufe etwas findet. Das Wonderland ist immer und überall aufgeräumt. Eine Armee von Technikern sorgt dafür, dass alle Anlagen topgewartet sind und es praktisch keine Ausfälle gibt. Und es gibt auch, abgesehen von einem gewissen Geschäftsführer, niemanden, der wirklich miese Laune verbreitet.

Alles ist so, dass selbst mein freizeitparkhassender Protagonist nach einer kurzen Eingewöhnungszeit nicht mehr schreiend das Weite suchen will. Was er ja sowieso nicht könnte, weil er halt diesen dummen Mord aufzuklären hat.

Und dann war da gestern der Movie Park.

Dazu muss ich sagen, dass der Park es nicht leicht hat und auch noch nie hatte. Entstanden aus den Ruinen des ehemaligen Traumlandparks, aufgebaut von Warner, die nach kurzer Zeit aber den Park aufgaben und alle ihre Lizenzen mitnahmen, beinahe heruntergewirtschaftet vom amerikanischen Big Player Six Flags und jetzt seit einigen Jahren unter eigener Ägide tätig, gibt es eigentlich immer irgendeine Baustelle, die offen vor sich hin schwärt.

Man hat es zwar inzwischen geschafft, die Horden von marodierenden (anders kann man es nicht nennen) Jugendlichen etwas unter Kontrolle zu bekommen, die am laufenden Band die Anlagen beschmierten, aber in Bereichen wie Logistik (schon die Anfahrt ist ein Grausen) und auch Wartung und Instandhaltung gibt es ebenso viel Licht wie Schatten.

Da gibt es Ecken, wo man mal wieder mit einer Lackdose über Absperrungen herfallen könnte. Oder in einer Attraktion sind die künstlichen Felsen ganz real vom Zahn der Zeit angeknabbert. Den Gipfel schießen aber einzelne Mitarbeiter ab, bei denen das Wort „Freundlichkeit“ etwas ist, das scheinbar in der Erziehung zu kurz gekommen ist.

Klar, das sind Einzelfälle und die Tatsache, dass wir uns nach, reiflicher Überlegung, Jahrespässe für den Park gegönnt haben (er ist halt in einer halben Stunde für uns erreichbar und zumindest Kind 2 ganz wild auf Achterbahnen) beweist, dass das für uns keine Ausschlusskriterien sind.

Aber das bringt mich zurück zum Wonderland. Muss es da auch Ecken und Kanten geben, jenseits der geschilderten Perfektion? Fairerweise muss ich sagen, dass ich ein Vorbild für diesen Park hatte. Der Europa-Park in Rust bei Freiburg ist in vielerlei Hinsicht so, wie ich mir das Wonderland vorstelle. Nur, dass in meinem erdachten Freizeitpark Geld keine Rolex gespielt hat. Auch im Europa-Park sucht man Missstände wie die gerade beschriebenen überwiegend umsonst. Es gibt also auch „reale Utopien“, auf die ich mir berufen kann.

Und um ganz ehrlich zu sein: Ich hätte auch gar keine Lust, „meinen“ Freizeitpark in düsteren und ungepflegten Zuständen zu zeigen. Mein Park ist perfekt. Kleine Morde passieren in den besten Haushalten. Wenn mir das jemand so auslegen möchte, dass ich unrealistisch schreibe, dann kann ich in diesem bestimmten Fall ganz gut damit leben, denke ich.

Was meint ihr, muss man immer ein Höchstmaß an Realismus einfließen lassen oder darf es auch mal so sein, dass die Realität ein ganz klein wenig zu euphorisch gezeichnet wird?

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18 Gedanken zu “Muss ein Roman immer hart an der dreckigen Wahrheit sein …?

  1. Eine sehr gute Frage, lieber Michael. 👍😆
    Ich denke, es kommt darauf an, wie mit der Perfektion umgegangen wird. Eine Perfektion, die mit allen Mitteln ständig in den Vordergrund gerückt wird – egal aus welchem Grund und in welchem Zusammenhang (siehe auch Models, Künstler etc.), wirkt meist unnatürlich und künstlich/gekünstelt/gestelzt. Wenn es Teil einer Sache ist, die einfach so gehört (Glööckler z.B. und ich bin kein Fan von dem), dann ist es aber wieder ok.
    Soll heissen, wenn du nicht auf der Perfektion des Parks herumreitest, weil es vielleicht einen gewissen dringend nötigen Zusammenhang gibt, dann ist das völlig ok. Dann ist er halt perfekt, aber ist nicht wichtiger Teil des Ganzen, sondern nur für dich ein Gadget. Und das es dir gefällt, ist doch das wichtigste. Wenn du dich verbiegst, ist es nicht mehr dein Stil. Und dein Stil ist doch das, was deine Leser an dir schätzen sollen, oder? 😉
    Du machst es bestimmt richtig. Verlass dich auf dein Gefühl.
    Alles Liebe *daumendrück*
    Kitty

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    • Liebe Kitty!

      Erst einmal freue ich mich, dass du wieder einmal einen Kommentar bei mir hast liegen lassen! Ich weiß, wie knapp deine Zeit zumeist bemessen ist <3.

      Wenn ich so über das nachdenke, was du schreibst, dann würde ich beinahe sagen, dass ich die Perfektion des Parks eigentlich gar nicht wirklich thematisiere (das passt auch zu dem, was Nike und Evanesca anmerken). Dadurch, dass es zum einen diesen Mord gibt und zum anderen dadurch, dass mein Ermittler am liebsten irgendwo ganz anders wäre, wird diese Perfektion eigentlich permanent gebrochen.

      Ich hatte die Perfektion allerdings sehr wohl im Kopf, als ich diesen Park "erschuf". Ich habe meinen inneren "Rollercoaster-Tycoon" (falls du das Computerspiel kennst) angeworfen und alles in den Park gestellt, was ich gerne haben wollte. Auftauchen tut davon im fertigen Roman vielleicht ein Drittel!? Wenn überhaupt.

      Ich verlasse mich auf mein Gefühl. Danke dir!

      Liebe Grüße
      Michael

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  2. Es kommt darauf an.
    Ich mag es, wenn Settings auch mal dreckig und kaputt sind. Schrieb zwei Dystopien (und plotte eine dritte), scheitere aber an Utopien. Und mag an „Star Wars“ nicht zuletzt, dass es ungeschönt hässliche und kaputte Seiten des Weltraums zeigt. Wüsten sind staubig und verfallen. Rostlauben sind rostig.
    Vielleicht hängt es damit zusammen, wie ich aufgewachsen bin. Nämlich unter anderem mit Tom und Jerry, Micky Maus und Co. Da sieht Gewalt so lustig-bunt aus. Und in einer der ersten Geschichten aus meiner Feder, einem Comic, bekommen die Antagonistinnen ihr Fett unter anderem weg, indem die Guten sie in eine Bärenfalle tappen lassen, die einer der Bösen in den Hintern schnappt.
    In der Realität wäre der Hintern ab und alles voller Blut.
    Auf den Panels einer Achtjährigen schreit die Böse. Nicht mal ihr Cape ist zerrissen. Und dann hauen die Bösen ohne den Diamanten ab, den sie stehlen wollten.
    Das gibt mir zu denken… und ich erwische mich auch heute noch dabei, wie ich Dinge verharmlose. Nur durch Zufall erfuhr ich, dass man z.B. am Verlust der Zunge sterben kann. Ich habe gar nicht darüber nachgedacht, in den ganzen Mittelalterromanen etc. leben die Leute danach ja munter weiter, sind halt nur stumm.
    Oh.
    Darum bin ich da sehr vorsichtig ^^

    Und hey, dein Freizeitpark sieht nur außen glossy aus, während innen ein Mord passiert. Das ist für Leute wie mich, die es in der Literatur eher dreckig-realistisch mögen, Stilbruch genug. Perfekte Fassade, verrottetes Innere 😉

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    • Ja, ich mag es auch, wenn es an der einen oder anderen Stelle so richtig dreckig oder kaputt ist. Wobei ich dir bei „Star Wars“ beinahe widersprechen würde. Da ist doch eigentlich alles ziemlich geleckt. Selbst die Rostlauben sind zumindest gefegt. Bei dreckigen und kaputten Seiten des Weltraums denke ich eher an „Alien“. Aber gut.

      Dieses „verharmlosen“, von dem du schreibst, gehört m.E. aber auch ein wenig zum Schreiben dazu. Das unterscheidet das, was wir tun, von Torture-Porn-Filmen. Und, ganz ehrlich, so gerne ich Filme wie „Saw“ oder „Hostel“ sehe, so wenig muss ich das alles detailliert in Buchform ausgebreitet haben. Da darf dann gerne ein wenig verharmlost, oder einigen wir uns auf abgeschwächt, werden.

      „Perfekte Fassade – verrottetes Innere“ – das merke ich mir für den Klappentext vor!

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      • Ich habe aus der Alien-Reihe nur „Prometheus“ gesehen und wusste: Ist nix für mich. Eigentlich bin ich nicht zartbesaitet, aber den fand ich eher… eklig ^^ und verfolge das Franchise nicht weiter. Aber Geschmäcker und so :).
        Ach, gefegt kamen mir einige der Rostlauben nicht vor. *denkt an „Das Erwachen der Macht“ und kichert* Kommt aber natürlich auf Zeitpunkt und Rostlaube an. Ich hatte beim Schreiben der Zeilen das Podrennen aus den Prequels vor Augen :D.

        Echt? Für mich gehört das Verharmlosen nicht dazu, weil ich manchmal mitbekomme, dass es Menschen gibt, die… wie drücke ich das jetzt diplomatisch aus… öhm… von Intelligenz unbelastet genug sind *hust*, um Sachen auszuprobieren, die echt gefährlich sind.
        Wenn ich realistisch schreibe, heißt das ja nicht, dass dauernd gefoltert wird. (Wenn dann mal gefoltert wird, ist es aber umso wirkmächtiger und verstörender für Leser*innen und ich mag es, zu verstören. Das beste Kompliment einer Testleserin zur Folterszene in einem meiner Romane war „Mir ist schlecht geworden“. Ich bin zufrieden.)
        Reines Gesplatter finde ich eklig bis langweilig ^^.

        😀

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      • „Prometheus“ habe ich bis jetzt nicht gesehen, da kann ich also nichts zu sagen. Aber wenn du generell auch nur ein ganz klein wenig ein Faible für Sci-Fi und/oder Horror hast, dann solltest du dir den ersten „Alien“ auf jeden Fall irgendwann noch einmal zu Gemüte führen. Ohne diesen Film hätten sich beide Genres vollkommen anders entwickelt. Und die „Nostromo“ ist wirklich kein Ausbund an hübschem Raumschiff 😉 .

        Zu den Folterszenen: In Romanen finde ich verstörender, was eben nicht bis in alle Einzelheiten geschildert wird. Der Horror kommt aus den Auslassungen. So sehe ich das zumindest. Gleiches gilt auch für andere Gewalttaten, wie etwa Vergewaltigungen, etc.

        Äh – ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass in „Darkride“ weder gefoltert noch vergewaltigt wird 😉 .

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      • Dass ich ein Faible für beides habe, weißt du :D. Also wenn ich den Tipp in DER Form kriege, dann werde ich mir aus historischen Gründen auf alle Fälle irgendwann einen Blick gönnen :).

        Man kann ohnehin gar nicht alles beschreiben. Wenn man nicht auktorial erzählt, ist man in einem Kopf und in einer Gefühlswelt drin. Und dann kommt es darauf an, was ich als Autorin fieser finde – Täter, Opfer oder Zuschauer.
        (Ich fieses Ding)
        Wobei ich sowas nur so weit schreiben kann, wie ich es ertrage. Es gibt Grenzen, da muss ich auch die Szene ausblenden, weil ich nicht mehr kann.

        Lesen werde ich es trotzdem, wenn es irgendwann erscheint 🙂

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  3. Lieber Michael,

    ich mache gleich da weiter, wo Evanesca aufgehört hat: Genau dieser Stilbruch zwischen der perfekten Fassade und dem Mord (der verrotteten Hülle), hat doch im Krimi eine lange Tradition. Ich denke jetzt natürlich nicht an Dashiell Hammett oder Jacob Arjouni, sondern an Agatha Christie und die ganze Sparte Whodunnit/Landhauskrimi/Cozy-crime. Auch die Wonderworld, die Eddy Murphy in Beverly Hills Cop in Schutt und Asche legt, ist äußerlich perfekt.

    Es gibt also keinen Grund, den Freizeitpark in deinem Roman schmuddelig zu gestalten, nur weil der bei dir ums Eck es ist. Ich nehme stark an, dass du Gründe gehabt haben wirst, „deinen“ Park perfekt zu gestalten. Warum also etwas ändern?

    Liebe Grüße
    Nike

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    • Liebe Nike,

      vielen Dank für deine Worte, ich denke, du hast Recht damit. Wie ich gerade schon schrieb: Mein Freizeitpark ist natürlich mein privates Freizeitpark-Utopia. Solange ich das nicht permanent dem Leser unter die Nase reibe, sollte ich die Realität wohl nicht zuuuu sehr dehnen.

      Liebe Grüße
      Michael

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  4. Sebastian Schneider schreibt:

    Im Kern geht es doch um Spannung. Ob am Freizeitpark der Rost nagt und der Looping nur noch drei weitere Durchfahrten verkraftet, bevor er kollabiert, oder das Anlagendesign aussieht wie frisch aus dem „apple“ gepellt … es kommt darauf an, was Du draus machst. Sowohl der Schrott wie auch die Perfektion können atemberaubend sein. Oder auch nicht.

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    • Hallo Sebastian,

      danke für deinen Kommentar!

      Ja, du hast recht, dass es in der Hauptsache natürlich um den Gehalt der Story an sich geht. Aber denkst du nicht auch, dass die Kulisse mit dazu beiträgt, zumindest das Gefühl, das der Leser für eine Story entwickelt, zu beeinflussen? Ganz vernachlässigen würde ich diesen Punkt also nicht wollen.

      Wobei gerade Freizeitparks das perfekte Beispiel hierfür bieten: Zwei Achterbahnen vom exakt gleichen Typ des gleichen Herstellers, von denen eine in ein vernünftiges Theming eingebunden und die andere einfach auf Beton gestellt wurde. Die Beurteilung der Fans wird auf jeden Fall geteilt ausfallen. Dem normalen Publikum mag es dagegen egaler sein.

      Die Frage, die ich mir, glaube ich, stellen muss, ist die: Ist meine Geschichte als „Fahrt“ stark genug, um das normale Publikum mitzureißen.

      Ein interessanter Denkanstoß auf jeden Fall, den du mir da geliefert hast. Danke!

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      • Sebastian Schneider schreibt:

        „Aber denkst du nicht auch, dass die Kulisse mit dazu beiträgt, zumindest das Gefühl, das der Leser für eine Story entwickelt, zu beeinflussen?“

        Hallo Michael, doch doch, das denke ich auf jeden Fall. Ich meinte nur, dass sowohl eine schicke als auch eine abgewrackte Kulisse funktionieren kann, dass es aber im Kern möglicherweise nicht um den Zustand der Kulisse geht, sondern darum, wie eindringlich dieser Zustand für den Leser dargestellt ist. Ganz allgemein formuliert: alles geht, wenn es nur glaubhaft vor dem inneren Auge des Lesers erscheint. Wie tief er darin eintauchen kann.

        Ein neuer Gedanke: Wie oben schon von anderen geschrieben, kann Dein perfekt aufgebauter Park einen guten Kontrast zum Mord abgeben. Von wem wird der Park eigentlich in Deiner Geschichte beschrieben? Von Dir als Autor? Oder durch die Brille eines der Protagonisten? In letzterem Falle stellt sich vielleicht nicht so sehr die Frage nach dem „richtigen“ Setting (abgewrackt vs. perfekt), sondern eher danach, wie Du den Protagonisten den Park erleben lässt. Im Falle eines Mörders z.B. könnte die perfekte Welt des Parks sein schlechtes Gewissen verstärken. Oder sie heizt seinen Hass an auf die aalglatte Konsumwelt des Kapitalismus an, die ihn, den Verstümmelten, immer nur nach seinem Äußeren beurteilt hat.

        Also die Wirkung des Parks auf die Psyche des oder der Protagonisten. Dadurch wird die Umgebung eigentlich erst richtig spannend für den Leser. Wie sieht der Park aus und was macht das mit dem Helden?
        Wahrscheinlich trage ich Eulen nach Athen und denke eher an eigene Startschwierigkeiten zurück. Kennst Du sicher auch von früher. Da hatte man den Ehrgeiz, irgendein wahnsinnig spektakuläres Gebäude (riesiges Hochhaus etc) zu schildern und dachte allen Ernstes, das würde den Leser mitnehmen. Dabei ist es überwiegend die Reaktion des Helden auf seine Umgebung, die diese für den Leser erst interessant macht. Das Wechselspiel w. Außenwelt und Innenleben. Was die Außenwelt emotional auslöst.

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      • Hallo Sebastian,

        der Park wird in meinem Roman aus drei Perspektiven geschildert (von denen im Übrigen keine die des Täters ist). Die Hauptperspektive ist die meines Ermittlers, der Freizeitparks eigentlich auf den Tod nicht ausstehen kann und deswegen auch für die Perfektion des Ganzen so gut wie keinen Blick hat. Dann habe ich den Leiter eines Fanclubs, der eigentlich alles im besten Licht sehen möchte, aber schnell merkt, dass bei diesem Besuch einiges anders ist, als normal. Als Dritten und Letzten im Bunde biete ich einen der Parktechniker auf, der zwar stolz auf das ist, was er leistet, aber eben auch einen recht neutralen Blick bewahrt. Ich versuche also, ein ausgewogenes Bild zu zeichnen. Zumal ja, wie auch schon angesprochen, von meinem ganzen „das muss in den Park, und das, und das, das sowieso!“ nur ein Bruchteil Eingang in die Story gefunden hat. Und von dem habe ich nochmal die Hälfte gekürzt …

        Lustig, was du zu dem Hochhaus schreibst. Genau so ein Gebäude taucht in einem meiner uralten Entwürfe auf, eine Art riesiger Bunker, in dem ausgewählte Menschen einen Atomkrieg überleben sollten. Natürlich mit riesigen Freizeitarealen und allem, was man sich für die Apokalypse so wünschen könnte 😉 .

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      • Sebastian Schneider schreibt:

        Hallo Michael,

        was du schreibst klingt sehr durchdacht; ich sehe dem Roman optimistisch entgegen.

        Dein Blog motiviert mich, an meinem eigenen Projekt weiterzuarbeiten. Danke dafür 😉

        Ich biete mich auch als Testleser an. Außenstehende tun sich manchmal leichter, die Stärken und Schwächen einer Geschichte zu benennen. Ich bin, was meine eigene Story angeht, betriebsblind und benötige Wochen bis Monate des Vergessens, um mit neutralem Blick an den Text heranzugehen. Und das bezieht sich nur auf Wortwahl und Stil. Bei Fragen zur Struktur und zum Spannungsaufbau tue ich mich noch schwerer. Geht Deine Lektorin auch auf letzteres ein oder verbessert sie nur Wortwahl und kleine Logikfehler?
        Über die Arbeit der Lektorin würde ich gern noch mehr erfahren.

        Zum Schluss: Dystopische Szenarien (Atomkrieg) haben mich auch immer gereizt.

        Wünsche ein inspirierendes Wochenende,
        Sebastian

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      • Hallo Sebastian,

        danke, ein größeres Kompliment, als dass mein Blog andere, in dem Fall dich, zum Weitermachen an ihren eigenen Projekten motiviert, konntest du mir nicht machen! 🙂

        Das mit dem Testleser behalte ich gerne im Hinterkopf, wenn ich soweit bin, das Gesamtwerk „Darkride“ aus der Hand zu geben. Im Moment ringe ich ja noch so ein wenig mit mir und habe ja auch drumherum einiges zu tun. Bei meinem Roman „Der Beobachter und der Turm“ habe ich vom Feedback der Testleser immens profitiert, deswegen weiß ich Testleser sehr zu schätzen.

        Das Lektorat, das du ansprichst, bezieht sich ja auf „Der Morgen danach“. Ich stehe noch ziemlich am Anfang, aber die Gespräche, die meine Lektorin und ich bis jetzt geführt haben, gehen durchaus auch auf Spannungsaufbau und insbesondere Struktur ein. Ich möchte da aber noch ein wenig abwarten, bis ich genaueres berichte. Sozusagen erst noch Erfahrungen sammeln 🙂 .

        „Meinen“ Atomkrieg habe ich bis auf Weiteres abgeblasen, aber in meinem Hinterkopf formt sich eine dystopische Welt auf der Grundlage einiger meiner Kurzgeschichten heraus. Mal sehen, ob und wann es dazu kommen wird, diese zu besuchen.

        Ich wünsche dir ebenfalls ein schönes Wochenende – vielleicht mit Arbeit an deinem Projekt?

        LG
        Michael

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