Projekte drängen mit Macht ans Licht

Manchmal habe ich diese Tage, an denen mir partout nichts einfallen will, worüber ich einen Blogeintrag schreiben könnte. Gut, nicht schlimm, dann mache ich halt etwas anderes. Und dann passiert es, so wie heute, dass mich auf einmal der Blitz trifft und durch Zufall ein Thema sich geradezu mit Macht aufdrängt.

Ja, mit Macht. Ich benutze dieses Wort bewusst hier, wie auch in der Überschrift. Lasst es mich erläutern.

Für meine Kurzgeschichte „Auf der 30“ sollte ich, nachdem ich die paar wenigen Änderungswünsche des Lektorats eingebaut hatte, eine kurze Vita von höchstens 500 Zeichen schreiben. Auch wenn ich anfänglich erst meine üblichen Probleme hatte, ging es hinterher ganz gut zustande. Ich glaube, an manche Dinge kann man sich echt gewöhnen.

Als ich feststellte, dass ich nach dem Üblichen (ich bin, schreibe seit, träume meinen Traum) sogar noch Platz übrig hatte. Platz, den ich nicht ungenutzt lassen wollte. So überlegte ich kurz und kam schließlich auf folgenden Satz:

Weitere Projekte sind bereits geplant und drängen mit Macht aus seiner mit Ideen und Entwürfen gut gefüllten Schublade.

Ich brauche euch ja nichts davon zu erzählen. Wer hier schon länger als, sagen wir, eine Woche mitliest, der wird zwangsläufig über meine fixen Ideen gestolpert sein, die sich „Darkride“ und „Der Beobachter und der Turm“ nennen. Deswegen hätte der Satz alleine vielleicht auch noch nichts weiter bewirkt, als dass ich recht zufrieden mit meiner Arbeit auf den Senden-Knopf drückte und damit die Kurzgeschichte zurück ans Lektorat gab.

Kurz darauf erhielt ich aber noch einen Kommentar meines lieben Kollegen und Stammlesers Simon Segur zu eben jener Kurzgeschichte, in dem er bemerkte: »Du hast ja einen richtigen Lauf.«

Tja – eine ziemlich dumme Kombination von Gedanken. Denn jetzt gibt es wirklich, mal wieder, dieses kleine Männchen in meinem Ohr, das mir einflüstert, ich müsse diesen Lauf ausnutzen, dessen Vorhandensein ich beim besten Willen nicht leugnen kann. Und ja, ich glaube daran, dass man eine Glückssträhne haben kann. Nennt es Schicksal, nennt es göttliches Wirken, nennt es auch einfach nur Zufall. Aber manchmal passiert so etwas einfach.

Und wenn ich nun die Zeit ungenutzt verstreichen lasse, endet dann mein Lauf, ohne dass ich etwas produktives aus ihm herausgeholt habe? Stünden jetzt meine Sterne gut, um vielleicht noch eines dieser ominösen „weiteren Projekte“ an den Start zu bringen?

Ja, ich weiß, diese Gedanken sind nicht gerade neu und originell an dieser Stelle. Das ist das Los, das ihr als Leser eines Blogs tragen müsst, in dem der Autor (herrlich doppeldeutig an dieser Stelle) über sein Leid klagt 😉 .

Ich habe ja diese beiden, dem Grunde nach, fertigen Bewerbungsunterlagen. Ich müsste mich „nur noch“ dazu überwinden, mich auch irgendwie mit ihnen zu bewerben. Es existieren für mich sogar feste Arbeitsabläufe, die ich gerne umsetzen würde. Aber ich tue es nicht.

Denn bei aller Angst, einen Lauf verpassen zu können, ist meine Angst, mich zu überlasten und am Ende gar nichts auf die Kette zu bringen, nicht weniger groß. Ich habe jetzt eine Geschichte in einer Anthologie veröffentlicht, eine weitere wird veröffentlicht werden. Und ich stecke im Lektorat von „Der Morgen danach“. Das alles neben meinem Beruf, neben meiner Familie, neben meinem sonstigen Leben.

Verlange ich zu viel von mir? Tue ich zu wenig dafür? Oder sollte ich die ganzen scheiß Gedanken einfach mal beiseite schieben und einfach versuchen, zu genießen, was da ist – alles zu seiner Zeit!?

Manchmal ist dieses ganze „Autor sein“ einfach wahnsinnig anstrengend.

Advertisements

6 Gedanken zu “Projekte drängen mit Macht ans Licht

  1. Viele Fragen, auf die ich natürlich keine Antwort weiß – nicht mal für mich selbst. Was ich Dir aber sagen kann, ist: Du machst auf jeden Fall nicht zu wenig. Neben Job und Familie noch derart engagiert für das eigene Schreiben einzutreten – das finde ich bewundernswert!

    Gefällt 2 Personen

    • Okay, jetzt bin ich ein wenig beschämt. Bewundernswert, echt? Ich fühle mich sehr geschmeichelt!

      Danke für deine Einschätzung meines Pensums. Ich glaube, ich habe da echt ein Problem mit meiner Eigenwahrnehmung. Es fühlt sich halt immer nach „zu wenig“ an. Nach „du könntest, nein müsstest mehr tun“.

      Gefällt 1 Person

  2. Beim Lesen dachte ich schon: Und wenn du eine grüne Welle hast, fährst du ganz schnell, damit du alle grünen Ampeln erwischst? Ein Lauf bleibt nur ein Lauf, wenn du ihn auch Lauf sein lässt.
    Wenn ich einen schmerzfreien Tag habe und dann alles mache, was ich an schmerzvollen Tagen nicht machen kann, weil ich ja jetzt die Gelegenheit habe, geht es mir am Tag danach viel schlechter als an „normalen“ schmerzvollen Tagen. Wahrscheinlich hätte ich mit ein bisschen mehr Ruhe zwei schmerzfreie Tage gehabt, oder wenigstens einen moderateren zweiten Tag. Ich glaube, mit einem Lauf ist es nicht anders.

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Julia, dein Kommentar hat mich gewaltig zum Nachdenken gebracht. Die Analogie zu deinen Schmerzen ist ein sehr starkes Bild, gerade, weil ich ja, wie du weißt, so meine Probleme mit Überlastung habe – wenn auch aus anderen Gründen.

      „Ein Lauf bleibt nur, wenn du ihn auch Lauf sein lässt“ – ein schöner Satz. Über den ich jetzt noch ein wenig weiter nachdenken werde.

      Nein, alles kann und werde ich sicher nicht machen. Aber ich kann halt nicht „nichts“ machen, sonst hat der Lauf ja keine Chance, sich zu verlängern. Aber wie ich Simon gerade schon schrieb: Meine Eigenwahrnehmung ist scheinbar gestörter, als ich dachte.

      Vielen Dank an dich für diesen wirklich wertvollen Kommentar!

      PS: Nein, das Prinzip mit der grünen Welle habe ich schon verstanden 😉 .

      Gefällt 2 Personen

  3. schreibst du diese zeilen um des schreibens willen,
    oder um über quälende gedanken zu reflektieren ?
    selbstauferlegte zwänge und ängste – wo soll das denn hinführen ?
    relax, man – befreie dich von diesem druck.
    du kommst zum schluss dieser erkenntnis ziemlich nahe.
    auch wenn du sie als frage formulierst – die guten lösungsansätze sind bereits vorhanden.

    Gefällt 2 Personen

    • Hallo Wolfgang!

      Nein, sicher schreibe ich sie nicht um des Schreibens Willen. Ich hoffe, der Eindruck ist nicht aufgekommen, auch wenn ich mich über eine entsprechende Eingangsbemerkung an das Thema heran robbe.

      Tja, wo soll das hinführen … das ist eine gute Frage und genau deshalb schreibe ich solche Gedanken manchmal auf. Reflexion, wie du schon sagst.

      Vielen Dank für deine Bestätigung, dass Lösungsansätze da sind. Denn das bedeutet, dass da etwas ist, auf dem ich aufbauen kann.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s