Der Sonntagsreport vom 11.06.2017 – Noch ein Wort zu Freizeitparks und Bussen

Hallo, ihr Lieben!

Wieder ist Sonntag und wieder möchte ich die Gelegenheit nutzen, die Woche ein wenig Revue passieren zu lassen. Und ich würde mich freuen, wenn ihr mir auf meine Reise folgt, denn diese Reise hat mich an insbesondere zwei Stellen zu sehr interessanten Betrachtungen meiner eigenen Autoren“psyche“ geführt, wenn man das so bezeichnen kann. Aber keine Sorge, ihr müsst euch jetzt nicht alle auf die Couch legen, damit euch Professor Doktor Frust die Welt besser erklären kann. Falls ihr euch schläfrig fühlen solltet, halte ich euch aber auch nicht davon ab 😉 .

Diese Woche spielten vor allem zwei meiner Geschichten eine große Rolle. Das war zum einen die Kurzgeschichte „Auf der 30“, die ja beinahe gegen meinen Glauben als würdig angesehen wurde, in eine Anthologie aufgenommen zu werden, und zum anderen mein Roman „Darkride“, der alleine schon durch die simple Tatsache ans Licht gezerrt wurde, dass ich diese Woche zweimal in einem Freizeitpark war.

Zweimal? Ja, ganz genau. Denn dekadent wie wir waren, haben wir unserem ersten Besuch im Movie Park am Montag direkt noch einen zweiten gestern folgen lassen. Und da unter der Woche so nett das Für und Wider von realistischer Darstellung abnutzungsbedingter Erscheinungen in einem solchen Park diskutiert wurde, habe ich mir die eine oder andere Ecke, die mich störte, noch einmal genauer angeschaut. Vorab: Von genervten Mitarbeitern blieben wir diesmal zum Glück verschont. Damit sieht man einiges direkt viel lockerer.

Zuvor möchte ich sagen, dass ein Aspekt, der im Laufe der Kommentare zu dem genannten Beitrag herausgearbeitet wurde, vielleicht im Ursprungsartikel zu kurz gekommen ist. Deswegen möchte ich ihn noch einmal klarstellen. Natürlich ist die Handlung der Akteure in einem Roman viel wichtiger als das Umfeld, in dem sie agieren. Und noch über diesen Handlungen kommt ganz klar die Geschichte selbst, die Storyline. Denn wenn das alles nicht zieht, dann können die Beschreibungen und die Atmosphäre noch so toll sein, es wird einfach niemand lang genug durchhalten, um sich das Ganze über 300 oder mehr Seiten durchzulesen.

Aber gut, zurück zum Movie Park. Ich hatte ja schon im letzten Beitrag angedeutet, dass der Park es nicht leicht gehabt hat in seiner Geschichte. Und das sieht man. Vor allem sieht man ihm das Sammelsurium an Attraktionen an, das die verschiedenen Besitzer hinterlassen haben. Da sind die Fahrgeschäfte, die noch aus der Anfangszeit als Warner Bros. Movie World stammen. Nehmen wir das Rafting „Mystery River“. Dies war ursprünglich mal „Die unendliche Geschichte“ mit einem wirklich tollen Theming. Als die Lizenz wegfiel, hat man das Ganze dann umgebaut. Und, bei Gott, man sieht es!

Die Warteschlange führt durch zwei als Bibliothek gestaltete Räume, die heute einfach keinen Sinn mehr haben. Früher war dies der Buchladen des Karl Konrad Koriander, komplett mit einer Pre-Show. Und in der Attraktion selbst gab es auch nicht irgendwelche Zwerge, die einander um einen Pilz jagen, das war nämlich die Rennschnecke, keine bewegungslosen Riesen aus Stein, das war der Steinbeißer, und, am deprimierendsten, keinen kleinen grünen Plastikdrachen, denn das war Fuchur, beinahe in Originalgröße.

Die Fahrt selbst ist nach wie vor top. Aber man ist doch die ganze Zeit damit beschäftigt, zu verdrängen, wie genial das alles mal ausgesehen hat. Darüber vergisst man glatt, sich vor dem hereinschwappenden Wasser zu schützen – was ich hinterher mit pitschnassen Klamotten gebüßt habe.

Aber auch an anderer Stelle herrscht manchmal „gewollt und nicht gekonnt“ vor. Hinter der Attraktion „Time Riders“, die im Inneren liebevoll ausgestaltet ist, zumindest für einen der klassischen Flugsimulatoren, erwartet einen ein Ausgang, der direkt an der uneingekleideten Hinterseite der Wellblechhalle vorbei führt.

Okay, natürlich weiß jeder, dass das Gebäude nichts anderes ist als eine solche Halle. Seit Google Earth kann sich jeder das ohne Probleme von oben ansehen. Aber man muss den Besucher nicht beim herauskommen so deutlich daran erinnern, im so die Illusion dessen nehmen, was er gerade erlebt hat. Gerade für Kinder ist das sehr ernüchternd, wie ich gestern festgestellt habe.

Ich könnte jetzt noch etwas zu den offensichtlichen Klebefolien, die eigentlich Fenster darstellen sollen, an der neuesten Achterbahn „Star Trek“ sagen, die erst in diesem Jahr eröffnet wurde, aber da verweise ich auf einschlägige Foren im Internet. Das artet sonst hier aus 😉 .

Was ich mit den ganzen Beispielen sagen will ist Folgendes: Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich solche Ecken in „meinem“ Park nicht haben will. „Mein“ Park soll die Leute dazu einladen, gerne auch noch das dritte und vierte Mal zu kommen.

Aber das nicht nur, weil ich es eben so haben will, weil ich ein Freizeitparknerd bin, der ansonsten Tränen im Knopfloch sammelt. Sondern auch, weil es für die Handlung meines Romans von entscheidender Wichtigkeit ist!

Wie ihr wisst, geschieht in meinem Freizeitpark ein Mord. Soweit so schlecht. Aber noch schlechter, jedenfalls für den ermittelnden Beamten, ist der Umstand, dass der Park aufgrund seiner immensen Bedeutung für die Wirtschaft ringsherum und für das Prestige des ganzen Bundeslands, unbedingt geöffnet bleiben soll.

Und da habe ich mir die Frage gestellt: Würde irgendwer in der Landesregierung auch nur einen Finger für den Movie Park rühren, wenn man, zum Beispiel, im „Bermuda Dreieck“ eine Leiche verstecken würde? Ich glaube eher, der Park würde erst einmal bis Sankt Nimmerlein geschlossen werden. Was bei den exorbitanten Wartezeiten an den Kassen bestimmt nicht gleich auffallen würde 😉 .

Okay, genug zu diesem Thema geschrieben. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich trotzdem wieder in den Movie Park fahren würde und werde. Denn Achterbahn ist Achterbahn ist Achterbahn. Und eine Achterbahn, die einfach so auf Beton steht, ist besser als keine Achterbahn.

So, ich verspreche, dass ich mich zu dem anderen Thema ein wenig kürzer fasse, wenn ich mal so auf die Anzahl der Wörter im Text schiele. Das passt ja auch, geht es schließlich um eine Kurzgeschichte!

Als „Auf der 30“ ausgewählt wurde, in der Anthologie zum 30jährigen Bestehen des Bundesverband junger Autoren zu erscheinen, habe ich mich spontan sehr gefreut. Ich hatte einfach nicht damit gerechnet, dass dabei etwas herauskommen würde. Zum einen, weil es sich, mal wieder, um einen für mich eigentlich ungewohnten Stil handelte, in dem ich die Geschichte geschrieben habe, zum anderen, weil die ganze Vorgeschichte halt ein wenig skurril war.

Aber dann passierte etwas Seltsames. Die Freude war nicht verschwunden, aber sie flachte ab. Die wenigen Veränderungen, die ich nach dem Lektorat an der Story vornehmen sollte, machte ich relativ leidenschaftslos und schickte dann das entstandene Ergebnis wieder zurück. Und damit verschwand die Geschichte erst einmal wieder in meinem Hinterkopf.

Und seitdem beschäftige ich mich eigentlich mehr mit diesem Gefühl und diesen Gedanken, als mit der Story selbst. Die habe ich, in Gedanken, schon beinahe abgehakt. Aber die Reaktion ist sehr interessant.

Und heute, in diesem offenen Artikel, frage ich mich selbst: Bin ich als Autor schon so ein arroganter Sack geworden, dass ich mich nicht länger als 24 Stunden über eine kommende Veröffentlichung freuen kann?

Ich bin an diese Frage ergebnisoffen herangegangen und atme tief durch, wenn ich sie verneine. Denn das tue ich nicht. Ich denke nicht, dass es etwas mit Arroganz zu tun hat, wenn ich so reagiere. Ein besseres (und angenehmeres) Wort wäre: Professionalität! Ich denke, dass ich professionell mit dieser Einsendung umgehe.

Auch dafür finden sich Gründe, die vielleicht banal klingen, es aber nicht sind. Der Wichtigste, so scheint mir fast, ist die Tatsache, dass sowohl mein Kontakt zu den Ausrichtern, als auch der in umgekehrter Richtung, strikt im Businesstonfall gehalten ist. Das war seinerzeit bei den Cluewritern völlig anders. Beides war okay, aber es löst natürlich andere Reaktionen hervor.

Ein weiterer Grund ist, dass mir noch nicht so viele Informationen vorliegen, wie ich sie vielleicht bräuchte. Ich kenne keinen Zeitrahmen für die Veröffentlichung, habe keine Ahnung, was die weitere Vorgehensweise ist. So kommt das alles irgendwie und irgendwann auf mich zu und mein Verstand hat wahrscheinlich beschlossen, zurecht beschlossen, dass es keinen Sinn macht, jetzt die ganze Zeit über im Stand-by zu lauern, dass es in irgendeiner Form weitergeht oder neues Futter gibt.

Na, liest sich das nicht wesentlich netter als zu sagen, dass man arrogant ist? Für mich fühlt es sich jedenfalls netter an. Aber wenn ihr einen anderen Eindruck habt, dann scheut euch nicht, ihn mir zu nennen. Ich kann’s aushalten. Und wir kämen bestimmt in eine spannende Diskussion 😉 .

So, damit möchte ich auch wieder Schluss machen. Das Wörtchen „schon“ verkneife ich mir mal in Anbetracht des für einen warmen Sonntag sehr langen Artikel. Sorry!

Ich hoffe, ihr hattet dennoch ein wenig Freude am Lesen und bei der Einsichtnahme in meine Gedanken. Ich wünsche euch einen guten Start in die kommende Woche, die für den einen oder die andere von uns ja nur drei Arbeitstage umfassen wird. Für mich zum Beispiel …

Alles Liebe

Euer Michael