Vor acht Jahren: Ein reales und ein fiktives Kind

Gestern haben wir den Geburtstag von Kind 2 gefeiert. Den achten. Schon den achten, möchte man sagen. Denn irgendwie kommt es einem gar nicht so lange vor, wenn man sich die Abläufe nicht vor Augen führt. Wie generell der gesamte Komplex Alter und Zeitverlauf sich ganz anders gestaltet, als man meinen sollte. Immerhin wird Kind 1 dieses Jahr auch schon 15 und ist damit, mein Vater erwähnte es scherzhaft, beinahe schon erwachsen.

Zwischen Kind 1 und Kind 2 gibt es allerdings, was die Wahrnehmung dieser Zeiten angeht, irgendwie auch Unterschiede. Das werden die meisten Eltern mir allerdings als etwas ganz normales bestätigen können, behaupte ich einfach mal. Beim ersten Kind war man noch sehr aufgeregt, wusste gar nicht, was auf einen zukommt und wollte bloß nichts falsch machen. Das ganze Leben war vollends auf dieses kleine Bündel Mensch ausgerichtet – sowohl vor der Geburt, als auch während der Geburt, als auch nach der Geburt.

Bei Kind 1 wäre es vollkommen undenkbar für mich gewesen, dass ich in der Zeit, als sie geboren wurde, mit irgendeinem Schreibprojekt zugange sein könnte. In der Tat habe ich mein bisschen Hirn zermartert und komme zu dem Schluss, dass es damals wirklich nichts gegeben hat, woran ich arbeitete. Das letzte Projekt, die Erstfassung von „Der Beobachter und der Turm“ war bereits im Jahr 2000 sanft entschlafen und der nächste Roman, „Es zwingt einen dazu“, kam erst 2005 in mein Blickfeld.

Und wie war es 2009? Da schrieb ich munter an meiner bis heute einzigen Geschichte für Kinder: „Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis„.

Bei Kind 2 hatten meine Frau und ich beschlossen, direkt nach der Geburt das Krankenhaus zu verlassen und mit ein wenig Unterstützung durch eine Hebamme zu Hause die Betreuung sofort zu übernehmen. Wir kannten uns ja schon aus. Und ich arbeitete nebenbei an meinem Kinderbuch, das ich allerdings nicht für besagtes Kind 2, sondern vielmehr für Kind 1 schrieb. Nachdem ich die Geschichte schon einige Jahre mit mir herumgetragen hatte.

Und so wurden, in gleichem Maße, in dem Kind 2 Teil unseres Alltags wurde, „Die dreisten Drei“ Teil meines Alltags. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass der Roman Ende Juni fertig war – inklusive Überarbeitung. Meine liebe Tochter wird noch eine Weile brauchen, bis sie „fertig“ ist. Vermutlich bis an ihr Lebensende – und das ist auch ganz in Ordnung so.

Ich musste nur daran denken, dass sich jetzt irgendwie ein Kreis schließt, denn für meine Geschichte von damals ist Kind 1 inzwischen zu alt. Aber Kind 2 könnte genau im richtigen Alter sein. Ob ich sie mal fragen soll, ob sie sie lesen will?

Und dann gab es ja immer mal wieder leichte Überlegungen, eine Fortsetzung anzustreben. Vielleicht wäre jetzt die Zeit dafür gekommen. Auch wenn es niemals ein Kind 3 geben wird. Da sei die moderne urologische Chirurgie vor 😉 .

Auf jeden Fall ein leicht verspätetes Happy Birthday an mein reales und an mein fiktives Kind. Und einen lieben Gruß an Kind 1, die nicht traurig sein soll, dass es passend zu ihrer Geburt keinen Roman gibt, an den ich mich erinnern kann. Selbst ein Autorenheini wie ich rechnet nicht nur in Büchern und Geschichten. Sondern auch in ganz alltäglichen Werten und Gefühlen.

Liebe, etwa.

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4 Gedanken zu “Vor acht Jahren: Ein reales und ein fiktives Kind

  1. Die Geschichte zum ersten Wunder der Geburt schrieb ja das Leben. Du könntest – falls es wirklich als Mangel erlebt wird – dieses Erlebnis schriftlich fixieren und am nächsten Geburtstag der Großen dem Geschenk anheften.
    Ich habe übrigens den Unterschied nach Anzahl der Kinder hauptsächlich an der Menge der Fotos festmachen können. Beim Anschauen hat sich Nr. 5 nämlich bitterlich beschwert, dass von ihm viel weniger Fotos existieren. Nervös war ich auch beim ersten mit 20 nicht, eher weniger und habe ganz auf meinen Instinkt vertraut. Er hat funktioniert – der Instinkt.

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    • Ich glaube nicht, dass das als Mangel erlebt wird. Dass Papa schreibt ist ja mehr so ein Hintergrundrauschen. Das ändert sich hoffentlich mit dem ersten Bestseller und wenn das Literarische Quartett aus meinem Wohnzimmer gesendet wird 😉 .

      Das, was du zu den Fotos schreibst, kann ich voll bestätigen.

      Gefällt 1 Person

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