#Inspirationsfeuer – Der Tanz um die kleinen Flammen

Im April war es, dass Eva-Maria Obermann für die Rechargers eine Aktion ankündigte, in der es um das Thema Inspiration gehen sollte. Über den Hashtag #Inspirationsfeuer waren die, die mitmachen wollten, dazu aufgerufen, von ihrer Inspiration zu berichten, von Dingen, die sie inspirieren, von Inspirationen, die sie anderen geben können. Da ich meine Hand bei so etwas ja immer nur schwer still halten kann, habe ich mich zur Teilnahme gemeldet.

Als die Aktion dann startete, schlugen neben netten Worten von Eva-Maria auch zwei Grafiken bei mir auf, welche die unglaublich talentierte Elenor Avelle erstellt hat. Zu früheren Gelegenheiten hatte ich bereits bewundert, was für lebensnahe Abbilder von Künstlerkollegen sie erstellt. Und nun gab es da auf einmal auch ein Bild von mir, einmal in groß und solo und einmal als Linksaußen einer ganzen Schar kreativer Geister:

Ich muss gestehen, ich war beeindruckt. Und beeindruckt. Und in dritter Konsequenz immer noch beeindruckt.

Auf einmal war ich mir gar nicht mehr so sicher, ob ich etwas Bedeutsames zum Thema Inspiration zu sagen habe. Ich meine, wer bin ich denn schon!? Ich bin kein bedeutender Autor mit einer Fülle von Veröffentlichungen, die es bis ins Feuilleton der Zeitungen geschafft hat. Ich bin ja gerade mal froh, dass ich das Wort Feuilleton unfallfrei schreiben kann. An der Aussprache übe ich noch.

Ich bin auch kein großer Impulsgeber für irgendjemanden. Ich gebe keine Schreibtipps, ich verfasse keine Ratgeber, ich halte keine Workshops ab und mich selbst auch eigentlich ganz gerne im Hintergrund.

Niemand kann von sich behaupten, dass er oder sie schon einmal den Ratschlag bekommen hätte, der seine oder ihre Kunst auf das nächsthöhere Level gehoben hätte. Gut, es kann immerhin auch niemand behaupten, dass ich das Gegenteil zu verantworten gehabt hätte. Kleine Dinge, nicht wahr?

Also – was hatte ich denn über Inspiration zu sagen?

Ich überlegte und überlegte und sah auf dem Kalender, dass die Tage im Juni immer weniger wurden. Aber ich fand immer noch nicht den großen Punkt, auf den ich eingehen, die große Erkenntnis, die ich vermitteln, oder die gewaltige Erfahrung, auch die ich verweisen konnte.

Das #Inspirationsfeuer schien bei mir an einem Ende angelangt zu sein, an dem ihm der Brennstoff ausging, an dem es verlöschen musste.

Und dabei wäre es wohl auch geblieben, wenn mir nicht der Zufall zur Hilfe gekommen wäre. Dieser Zufall lief mir in Gestalt einer E-Mail über den Weg, die meine Lektorin mir schickte. Darin teilte sie mir mit, dass sie noch ein wenig Zeit benötigen würde, um mir Rückmeldung über den aktuellen Stand der Dinge zu geben, weil sie sich gedanklich noch einmal reinfuchsen wolle. Es könne durchaus sein, dass wir noch einmal intensiv an eine gewisse Passage heran müssen.

Ich konnte spüren, wie sich rechts von mir der Erdboden ein wenig erhitzte. Zum Glück tat er das nur im übertragenen Sinn, denn ansonsten wäre wohl mein Kellerbüro abgebrannt, aber der Ursprung war klar: Da war ein kleines orangenes Flämmchen entstanden. Nicht die Riesenflamme, nach der ich die ganze Zeit gesucht hatte, aber ein kleines Feuerchen, das eine angenehme Hitze abstrahlte.

Ich sah mich in meinem Raum um, sah mir auch meine Arbeitsmaterialien, im Wesentlichen also den PC und das ihn umgebende Chaos, mit neuen Augen an. Und ich merkte, wie in meinem Kopf eine gewisse Leichtigkeit Einzug hielt.

Ohne es zu bemerken, hatte ich über die ganze Zeit hinweg, seit ich meinen letzten Schwung Seiten ins Lektorat geschickt hatte, darauf gewartet, dass von dieser Seite aus der Hammer fallen und mich mit neuer Arbeit versorgen würde, die meine ganze Aufmerksamkeit blockieren würde. Gleichzeitig hatte mein Kopf aber alle möglichen andere Projekte immer und immer wieder gewälzt. Allerdings nur für sich, in sich selbst – und damit nicht in einer Art und Weise, die mich glücklich hätte machen können.

Ja, ich glaube, dass ich durch diese Blockade sogar die Freude daran verloren hatte, mir selbst auszumalen, wie es mit dem Schreiben weitergehen könnte. Und Zack: Da war wieder ein kleines Flämmchen.

Und dann kamen sie auf einmal wie ein Funkenregen hervorgesprudelt: All die kleinen und großen Projekte und Möglichkeiten. All das, was noch vor mir liegt oder was ich tun könnte. Einfach das Gefühl von Freiheit, in dieser Sekunde wirklich der Inspiration Folge zu leisten und ihr Angebot anzunehmen.

Und ich erkannte, dass ich die ganze Zeit auf ein Feuer gewartet hatte, dass es in dieser Form überhaupt nicht gab. Für mich ist Inspiration keine Riesenflamme, kein Waldbrand, kein Feuermeer. Für mich sind es die kleinen Flammen hier und da, das Zulassen von Ideen und das Spielen mit Möglichkeiten.

Zwei Dinge habe ich also gelernt und kann sie, ganz ohne dir etwas beibringen oder vorbeten zu wollen, an dich weitergeben:

Erstens ist es immer gut, wenn man versucht herauszufinden, ob die eigene Kreativität gerade durch irgendetwas gehemmt wird. Es ist nicht immer leicht, diese Gründe zu identifizieren, vor allem deshalb, weil sie sich oft als etwas Gutes tarnen. Ich will ja nicht im Traum behaupten, dass meine Lektorin mir was Schlechtes tun wollte. Meine Reaktion war allerdings eine ziemlich uninspirierte und damit auch für meine Kreativität ungesunde.

Und zweitens braucht es nicht immer das Feuerwerk. Klar, es wäre schön, wenn wir nur die inneren Fenster weit öffnen müssten und über uns würde ein immerwährendes Höhenfeuer aus Inspiration und Kreativität abgefeuert. Aber das ist nicht die Realität und es ist auch kein realistischer Anspruch.

Sich von diesem Denken frei zu machen und viel mehr auf die kleinen Dinge, die kleinen Flämmchen zu achten, das ist ein Weg, der einiges für uns kreative Menschen erleichtern könnte, wenn wir bereit sind, ihn zu gehen. Schritt für Schritt. Von Flamme zu Flamme. Von Idee zu Idee. Und irgendwann auch zum Erfolg. Wie immer jeder von uns den auch für sich selbst definiert.

Und damit möchte ich meinen kleinen Beitrag zum #Inspirationsfeuer auch beschließen. Links von mir ist gerade eine neue kleine Flamme entstanden und ich bin sehr gespannt, wohin sie mich führen will. Wohin auch immer: Ich bin mir sehr sicher, einige von euch dort zu treffen!

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4 Gedanken zu “#Inspirationsfeuer – Der Tanz um die kleinen Flammen

  1. Jetzt war ich erste einmal etwas erschrocken, weil ich dachte, hilfe, ich habe ihn erschlagen OO. Manchmal wäre ich sehr froh, wenn meine Inspiration ein Flämmchen wäre und keine alles verschlingende Feuersbrunst. Ich verbrenne mich daran nämlich ganz oft selbst. Richtig böse ist es, wenn zwei Inspirationsstürme gleichzeitig losbrechen oder mehr. Das tut dann richtig weh, weil ich gar nicht alles schaffe was ich will.
    Du bist ein aufgeschlossener inspirativer Ruhepol, den ich sehr gerne mag. Damit hast du schon einmal Eindruck auf mein Leben gemacht und ich weiß, dass du mit deiner Offenheit und deinem Respekt auch schon viele andere berührt hast. Das kann nicht jeder von sich behaupten 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Jetzt hast du mich nicht erschrocken, aber sehr, sehr berührt und sprachlos gemacht! Vielen, vielen Dank für deine Worte! Und das tolle Bild. Und überhaupt!

      Was du zu den Feuersbrünsten schreibst, kenne ich auch ganz gut. Ich suche dann noch nach Möglichkeiten, mich nicht einfach klein zu machen, den Kopf einzuziehen, sondern wenigstens irgendwo der Kreativität nachzugehen. Klappt nicht immer, aber meistens.

      Und man muss es auch mal positiv sehen: Man hat selten Langeweile 🙂 .

      Gefällt 1 Person

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