Der Sonntagsreport vom 25.06.2017 – Noch mehr #Inspirationsfeuer

Eigentlich war es ja noch Samstag, der 24.06.2017, aber wer will da schon päpstlicher als der Papst sein, wenn es sich um die vorgerückte Abendstunde handelt? Am Ende eines langen Tages hatten wir, das waren meine vierköpfige Familie, plus die beste Freundin von Kind 2 plus mein Bruder und Familie (ja, ich weiß, nicht offiziell – verklagt mich doch) wieder im Eingangsbereich des Freizeitparks eingefunden, den wir den ganzen Tag über unsicher gemacht hatten.

Einlass war um kurz vor 10 Uhr gewesen, die Schließung erfolgte um 18 Uhr. Dazwischen lagen acht Stunden, in denen wir eine Menge Spaß hatten, einiges an Nervenflattern bei den kleineren Kindern, ein wenig „will ich nicht“ des größeren Kindes und auch die eine oder andere Premiere. Die beste Freundin ist zum ersten Mal überhaupt mit einer Achterbahn gefahren, Kind 2 zum ersten Mal eine Achterbahn mit Inversionen.

Ich hätte erwartet, dass sich langsam ein gewisser Sättigungsgrad eingestellt hätte. Schließlich war es für uns als Vierertruppe der dritte (!) Besuch in diesem Park in den vergangenen vier (!) Wochen. Aber manche Dinge werden scheinbar niemals alt und dazu gehört für mich der leichte Adrenalinkick, wenn sich die mechanische Höllenschleuder in Bewegung setzt, der ich mich für die kommenden paar Minuten mit Haut und Haaren anvertraue. Denn Vertrauen muss man schon haben, wenn man, zum Beispiel, in 60 Metern Höhe über dem Erdboden hängt und die Sitze des Turms, in dem man sitzt, sich nach vorne neigen. Und man muss auch vertrauen, dass nicht mitten im Looping die Sitzsicherung versagt.

Wie gut, dass ich in dieser Beziehung noch nie Probleme hatte. So konnten auch meine Kinder keine entwickeln. Das letzte bisschen, was sich an Respekt bewahrt hat, sehe ich als etwas Positives an. Klar, man muss keine Angst haben, aber es ist auch nicht schlecht, wenn man sich seiner Grenzen bewusst ist. Deswegen wird auch keines der Kinder gezwungen, irgendwo drauf zu gehen, wo sie nicht wollen. Na gut, ein wenig gekitzelt werden sie schon mal, aber das ist ja auch wieder okay. Manchmal braucht man Ermutigung, um sich zu überwinden. Denn, mal ehrlich: Eine Zwanzigjährige im Kinderkarussell sieht schon komisch aus, oder etwa nicht?

Nun, wie dem auch sei, wir waren jedenfalls wieder im Eingangsbereich, zusammen mit einer großen Zahl an anderen Besuchern, die nun den Ausgängen zustrebten, weil sie den Weg nach Hause antreten wollten.

Für den Moment hatten wir uns noch eine Bank gesichert, weil ein Teil von uns die letzten beiden Fahrgeschäfte noch abgrasen wollte, die sich nahe bei befanden. Aber dann war auch das vorbei und es ging eigentlich nur noch darum, wer noch einmal auf die Toilette musste, oder dringend noch was zu trinken brauchte. Schließlich musste mein Bruder noch in die Stadt, die es angeblich nicht gibt, und in der inzwischen schon eine ganze Menge Herzensmenschen von mir wohnen.

Mir gab es die Gelegenheit, die Atmosphäre dieses Ortes auf mich wirken zu lassen. Und, es war geradezu erstaunlich, ich wurde wieder davon eingefangen, welche Melancholie ein Freizeitpark am Ende seines Öffnungstages haben kann. Die Menschen, die sich vorher noch über das gesamte Areal verteilten und in irgendwelchen Warteschlangen verschwanden, kamen nun alle gleichzeitig zusammen, in ihren eigenen Gruppen, oder auch einzeln.

Hier wurde eine Busgruppe zusammengestellt, indem eine Frau einen grünen Zettel in die Luft hielt. Dort turnte eine Gruppe junger Mädchen, die scheinbar bei irgendeinem Turncontest im Park gewesen waren, noch eine letzte Übung vor dem zentralen Springbrunnen.

Auch die ersten Ride-Operator kamen, um den verdienten Feierabend anzutreten. Gut erkennbar an ihrer einheitlichen Kleidung waren sie noch vor einer Viertelstunde die Herren oder Herrinnen über ihre jeweilige Anlage. Nun nur noch ganz normale Menschen, die ohne ihre blaue Kluft in keiner Weise aufgefallen wären.

Musik lag in der Luft. Aber auch wenn es dieselbe Musik wie am Morgen war – Themen aus großen Kinofilmen – war die Spannung, die sie nun verbreitete, eine ganz andere. Morgens noch Erwartung, nun Melancholie.

Die nahe Achterbahn fährt noch, vielleicht ihre letzte Fahrt, um die Menschen, die noch warten, aus der Warteschlange zu bekommen. Wer zuletzt kommt, fährt zuletzt.

Irgendwie ist diese Welt, so künstlich sie auch ist, auf ihre Weise eine Realität, die neben der unseren existiert und der zumindest ich mich nur schwer entziehen kann. Ich weiß, dass die imposanten Gebäude, die überall im Park stehen, eigentlich nichts anderes sind als geschickt verkleidete Wellblechhallen. Immer mal wieder haben die Parkdesigner es sowieso versäumt, das hinreichend zu kaschieren. Aber ich will glauben, dass das Herrenhaus der Eingang zu einer anderen Dimension ist. Und ich will glauben, dass sich im Inneren des verfallenen Gebäudes wirklich ein Schrottplatz befindet, von dem wir im Zuge einer rasanten Fahrt Ersatzteile beschaffen müssen.

Aber dass ich all das glaube bedingt nun auch, dass ich den Abschied spüre. Und dass dieser Abschied etwas mit mir macht. Ich bin mir nicht sicher, was es ist, ob es nur der Anflug von Melancholie ist, oder … nein, je länger ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu einem ganz anderen Entschluss:

Es ist Inspiration! Ich fühle mich von dieser Atmosphäre inspiriert. Zunächst nur zu diesem Blog-Eintrag, aber wer kann schon sagen, was denn danach kommt und in welche Richtung es noch wirken kann? Das kann niemand.

Aber ich habe wieder einmal eines gelernt, als ich die Tore des Parks durchschreite und dem Wagen zu eile, um mich in den Stau der nach Hause fahrenden Autos einzureihen, der das besondere Gefühl schneller, als mir lieb ist, verblassen lassen wird:

Inspiration liegt oft direkt neben einem auf der Straße. Man muss sie nur zu erkennen wissen und sie aufheben. Und sie wachsen und gedeihen lassen. Kleine Flammen, ihr wisst schon.

Grafik © Elenor Avelle

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