In meinem Kopf tanzen sie Ringelreihen

Seitdem ich letzte Woche erkannt habe, dass ich die ganze Zeit über dadurch in meiner Kreativität blockiert wurde, dass ich darauf wartete, dass das Lektorat endlich weitergeht, hat sich in meinem Denken etwas verändert. Oder sagen wir, dass ich es einfach mal darauf schiebe.

In meinem Kopf sind auf einmal alle möglichen Dinge, Projekte, Überlegungen und dergleichen gleichzeitig zugange und tanzen einen regelrechten Ringelreihen miteinander. Da fassen sich abgeschlossene Projekte an den Händen, die man ja jetzt eigentlich in der Zwischenzeit schon mal überarbeiten könnte. Auf der anderen Seite sind noch nicht abgeschlossene Romanprojekte, allen voran „Foursome – FFMM“ und „Der goldene Tod“.

Nebenher laufen kleinere Gedankenspiele, was ich zum Beispiel mit dem Blog anstellen könnte, oder mit der Autorenseite, oder, oder, oder.

Ich muss dringend aufpassen, dass ich mich nicht in all diesen Möglichkeiten völlig verzettel. Denn dann passiert am Ende mal wieder überhaupt nichts. Und ich hätte nicht einmal mehr die schöne Ausrede, dass es am Lektorat liegt.

Ich denke, was ich gerade erlebe, sind Anzeichen einer gewissen „Professionalisierung“, ohne wirklich professionell aufgestellt zu sein. Bisher habe ich meine Projekte größtenteils nacheinander, voneinander unabhängig, erarbeitet. Wenn ich in einem Roman steckte, dann gab es nichts anderes. Erst wieder, wenn der Roman abgeschlossen war.

Jetzt aber, wo die Arbeit an „Der Morgen danach“ aufgrund von wirklich positiven (um das immer wieder zu betonen) Arbeitsabläufen zwischendurch zwangsläufig stagniert, sollte und kann ich nicht immer nur untätig herumsitzen. Das wäre kontraproduktiv und am Ende auch demotivierend.

Aber wo nun ansetzen, in diesem munteren Tanz der Optionen?

Während ich noch auf die verschiedenen Seiten des Tanzsaals blickte, trat ein neuer Tänzer in mein Sichtfeld. Und zwar gab es im letzten „Tempest“ eine Ausschreibung für eine positive Utopie, Umfang bis zu 40.000 Zeichen. Eine Kurzgeschichte also, wenn auch länger als die, die ich zuletzt geschrieben habe.

Der Gedanke an diese Story verselbständigte sich so weit, dass ich erst ein paar Bilder im Kopf hatte (und es kommt nicht so oft bei mir vor, dass ich wirklich Bilder sehe, die einem Comic entstammen könnten), danach einen Handlungsrahmen und schließlich, seit gestern auch einen vorläufigen Namen.

Seit gestern kann ich sagen, ich arbeite an einer Science-Fiction-Story namens „Die Bewahrer des Wahren“ (oder auch „Die Behüter des Wahren“, da bin ich mir noch nicht so sicher).

Ja, die Geschichte hat sich vorgedrängelt. Ja, andere warten schon länger auf ihr Recht. Nein, deswegen kann ich da trotzdem nichts gegen machen. Denn die Story hat mir förmlich die Pistole auf die Brust gesetzt.

Eine positive Utopie. Mal sehen, ob ich so etwas überhaupt (noch) kann.

In diesem Sinne werde ich jetzt mal den Ringelreihen auflösen, versuchen zu beschwichtigen, wo ich kann, und dann an „Die Bewahrer des Wahren“ weiterschreiben, denn die ersten paar Seiten sind schon im Kasten.

Es fühlt sich doch immer wieder gut an, eine neue Geschichte zu entdecken!

2 Gedanken zu “In meinem Kopf tanzen sie Ringelreihen

  1. Eine Utopie, das ist so mit das Schwerste überhaupt, finde ich. Bin da übrigens auch am überlegen, fand aber den Wunsch der Macher, man möge doch anstelle von Anführungszeichen bitte Möwchen verwenden, schon ein wenig seltsam 🙂 Na, mal schauen – ist ja noch Zeit. Ich bewundere jedenfalls jede und jeden, der eine positive Zukunftsgeschichte auf die Reihe kriegt (Storys leben halt von Konflikten).
    Und übrigens: „Hüter“ finde ich besser als „Wahrer“ (sonst klingt Wahrer der Wahrheit ein bisschen arg sprachspielerisch – es sei denn, so ist’s gedacht natürlich) 🙂
    Es grüßt!

    Gefällt 1 Person

    • Ja, findest du, dass die Utopie so schwer ist? Wenn ich jetzt ketzerisch wäre, würde ich sagen, dass man im Prinzip nur so etwas wie „Star Trek“ schreiben müsste, die Klingonen weg lässt und dann am Ende schaut, was übrig geblieben ist.

      Schwer finde ich, dass wir inzwischen so sehr auf die Dystopie als hauptamtliche Vorstellung von der Zukunft geeicht sind, dass alles andere beinahe nicht mehr als utopisch wahrgenommen wird.

      „Konflikte und Probleme“ dürfen aber doch explizit Bestandteil sein. Damit kann ich arbeiten. Und die Chevrons mache ich inzwischen selbst schon automatisch. Da finde ich die Vorgabe also gar nicht schlecht.

      Danke für deine Meinung zum Titel. Ja, da ist die Sprachspielerei mit mir durchgegangen, ich gestehe …

      Liebe Grüße!

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