Warum die #Ehefueralle auch für Autoren wichtig ist

Wer heute auch nur einen schnellen Blick in die sozialen Netzwerke wirft, der kommt nicht, aber auch so gar nicht, an dem Hashtag #Ehefueralle oder seinen nahen Anverwandten vorbei. Für diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben (unter welchem Stein wart ihr die Woche über?): Der Deutsche Bundestag hat heute früh in einer historischen Abstimmung beschlossen, dass die Institution der Ehe auch für Paare geöffnet werden soll, die nicht dem klassischen Bild eines Ehepaares, also einem Mann und einer Frau, entsprechen.

Es ist nur schwer vorstellbar, wie groß die Magenschmerzen bei einigen Abgeordneten der Parteien gewesen sein müssen, die aus ebenso traditionellen wie überholten Gründen gegen diese Neuregelung gestimmt haben. Aber so sehr sie auch von der Vorstellung angewidert gewesen sein möchten, die Abstimmung hat ein deutliches Ergebnis gezeigt: Die Ehe für alle wird kommen. Ganz egal, ob Frau Merkel dagegen gestimmt hat (hat sie), oder ob es der CSU gefällt (was es nicht tut).

Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich froh bin, dass dieses Zeichen gesetzt wurde und diese Möglichkeit geschaffen worden ist! Auch wenn ich in meinem direkten Bekanntenkreis nur wenige homosexuelle Paare habe, also nicht „direkt“ betroffen bin, so habe ich doch genügend wunderbare Menschen kennengelernt, die eben in irgendeiner Weise gay oder queer waren, dass es mich schon deswegen freut, dass sie nun bald, wenn sie denn möchten, mit allen Rechten und Pflichten, die daraus erwachsen, getraut werden können wie jedes „normale“ Paar. Und ich wünsche mir, dass es schon bald nicht mehr nötig sein wird, das böse Wort „normal“ zu benutzen, weil es dann wirklich für alle Menschen zur Normalität gehören wird.

Das aber nur vorneweg.

Mein auf diesen Themenbereich gedrilltes Autorenhirn hat sich natürlich sofort darauf gestürzt, was diese einschneidende gesellschaftliche Veränderung für das, was wir schreiben und wie wir schreiben, bedeuten könnte.

Vor allem denke ich da an den sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden Bereich der „Gay Romance“. Wem der Begriff nichts sagt: Es handelt sich dabei im Wesentlichen um ganz normale Liebesromane, bei denen es nur eben nicht darum geht, dass Frau Mann für Happy End sucht, sondern dass Mann Mann oder Frau Frau sucht.

Zwischenruf: Ich könnte mir vorstellen, dass alleine schon die Existenz so einer Literaturgattung einigen derjenigen, die heute im Bundestag mit „Nein“ gestimmt haben, schon einen mittleren Darmverschluss zufügt.

Durch die gesetzlichen Beschränkungen, denen homosexuelle Paare in Deutschland noch unterliegen, war es für die Autoren dieser Romane nie möglich, wirklich zu thematisieren, was in Konstellationen aus Mann und Frau ganz selbstverständlich ist. Ein alleinerziehender, schwuler Vater, der auf der Suche nach einem neuen Ehemann ist? Eher schwierig. Eine Lesbe, die sich von ihrer Frau scheiden lässt, was zu einem Rosenkrieg um das gemeinsame Vermögen führt? Geht gar nicht.

Das Schöne an dieser Veränderung ist, dass sich die Möglichkeiten für Autoren erweitern, sie aber nicht dazu gezwungen werden, diese auch zu nutzen. Das passt im Übrigen durchaus auch zu dem, was man in der Debatte um die Ehe für alle in den letzten Tagen lesen und hören konnte. Denn auch da wurde immer wieder herausgestellt, dass das Erlangen von Freiheit für die einen nicht die Freiheit der anderen beschneide.

Aber alleine, diese Möglichkeiten nun zu haben, macht die Spannweite dessen, über das wir Autoren schreiben können, um ein Vielfaches größer. In gesellschaftspolitischer Hinsicht ist es ein Quantensprung, was wir in dieser Woche erlebt haben.

Eine Einschränkung muss ich dazu allerdings direkt nachschieben. Wenn ein Roman, der jetzt gerade in der Entstehung ist, seine Prämisse darauf fußt, dass Lukas und Hank nicht heiraten dürfen, weil dies gesetzlich verboten ist, könnte das für den Autor ein Problem werden. Aber ich denke, das sind nur die Wenigsten.

Also lasst uns keine Probleme aufbauen, wo keine sind, sondern uns an diesem Tag einfach darüber freuen, dass unsere Welt nicht nur ein Stück freier, sondern auch ein Stück bunter geworden ist. Ich denke, da beißt die Maus keinen Faden ab, selbst wenn das Gesetzgebungsverfahren natürlich noch nicht durch diese Abstimmung abgeschlossen wurde.

Ich freue mich auf eine kommende Zeit von neuer Freiheit für reale und erdachte Menschen, egal in welchem Genre, egal vor welchem Hintergrund.

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