»Ist das nicht eher ein Frauenroman?«

Gestern hatte ich euch ja von den Büchern berichtet, die ich neu ins Bücherregal stellen kann. Zu einem dieser Bücher gab es eine witzige Begebenheit, die ich euch kurz schildern mag.

Es handelte sich ja bei allen Büchern um Geburtstagsgeschenke und wie das so ist, schauen sich die anderen Gäste, so sie denn mit Büchern etwas anfangen können (und ich habe zum Glück eine Menge Menschen um mich herum, bei denen das so ist), auch die „Auslage“ an.

In dieser befand sich nun ja auch der Roman „Club der letzten Wünsche“ von Tamy Fabienne Tiede. Ich darf an dieser Stelle für die, die den Roman nicht kennen, einmal den Klappentext zitieren:

Was würdest du tun?

Unter freiem Himmel schlafen, ans Meer fahren, dich ein letztes Mal Hals über Kopf verlieben?

Diese Fragen schwirren in Jesslyns Kopf, als sie die erschütternde Diagnose erhält: Sie hat Krebs. Dabei gibt es noch so vieles, was sie unbedingt erleben will. Also schreibt sie eine Liste, die ihre letzten kleinen und großen Wünsche erhält. Zum Glück hat sie gute Freunde, die ihr bei deren Erfüllung zur Seite stehen und ihr zeigen, dass das Leben – so kurz es vielleicht sein mag – wundervolle Momente bereithält.

Das Buch fiel meiner Cousine in die Hände, sie schaute sich das Cover an, stutzte, las den Klappentext, stutzte erneut, schaute dann erst ihren Lebensgefährten und dann mich ein wenig ratlos an und fragte dann: »Ist das nicht eher ein Frauenroman?«

Und ich muss gestehen: Ich hatte mir bis zu diesem Moment überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, weil das eigentlich für mich kein wirkliches Thema (mehr) ist. In meiner Art, zu lesen, haben sich nämlich in den vergangenen zwei Jahren enorme Veränderungen ergeben – spätestens seit dem Moment, in dem ich angefangen habe, mich für das Schreiben von befreundeten und mir persönlich bekannten Autorinnen und Autoren zu interessieren.

Früher wäre ich an einem Roman wie „Club der letzten Wünsche“ vorbei gegangen und zwar nicht, weil ich gegen „Frauenthemen“ generell eingenommen gewesen wäre, ansonsten müsste ich meine vollständige Serien-Edition von „Sex and the City“ rituell verbrennen, sondern weil ich einfach nie auf den Gedanken gekommen wäre, dass mich so etwas als Roman interessieren könnte.

Aber durch die Vernetzungen, die bei mir stattgefunden haben, hat sich dies geändert. Ich lese inzwischen die Autorenseiten von Frauen (und Männern), die scheinbare Frauenromane schreiben. Der Roman, den ich gerade lese, „Ellas Schmetterlinge“ von Eva-Maria Obermann, ist ein reinrassiger Frauenroman – wobei ich den manchmal etwas abwertend benutzten Begriff Chick-Lit fast noch lieber mag.

Und ich lese auch bei ganz vielen Buchbloggerinnen und -bloggern mit, verlasse mich auf deren Urteile und lasse mich neugierig davon machen. Auf diesem Weg landete auch „Club der letzten Wünsche“ auf meinem Wunschzettel.

Aber das konnte ich in dem Moment so kurz alles gar nicht erklären, weil ich aus den genannten Gründen auch nicht (mehr) darauf vorbereitet war, eine Erklärung abzugeben. Deswegen habe ich irgendwie herumgedruckst und nur gesagt, dass ich mir da keine Scheuklappen auferlege. Das war sozusagen die Kurzfassung von dem, was ich jetzt, für euch, ein wenig weiter ausgeführt habe.

Was mich jetzt ja mal dringend interessieren würde: Wie sieht es denn bei euch so aus? So ein wenig kann ich euch, meine Stammleser und -kommentatoren ja inzwischen einschätzen, aber vielleicht mögt ihr mir dennoch verraten, ob ihr auch Romane lest, die eigentlich gar nicht für euch als Zielgruppe geschrieben zu sein scheinen. Habt ihr das immer schon gemacht? Hat sich da was verändert? Und wenn ja, warum? Oder seid ihr felsenfest bei den für euch „natürlichen“ Genres geblieben?

Ich bin sehr gespannt auf eure Gedanken hierzu! 🙂

Der Sonntagsreport vom 30.07.2017 – Neue Bücher im Regal und nur noch 23 Jahre arbeiten

Hallo ihr Lieben,

na, ich hoffe, es war für euch keine allzu große Enttäuschung, dass das Universum dann doch noch weiter existiert hat, nachdem der letzte Report erst am Montag erschien. Ich muss gestehen, ich war damit ganz zufrieden, auch wenn das bedeutet, dass schon wieder eine Woche Urlaub vorbei ist.

Und jetzt, Schluck, ist nur noch eine einzige übrig. In einer Woche um diese Zeit sitze ich hier an meinem PC (oder sonst wo) und bibbere dem Moment entgegen, in dem ich wieder in mein schnuckeliges Büro gehen darf. Immerhin hat mir mein Versicherungsmensch diese Woche gesagt, dass ich nach seiner Einschätzung auf jeden Fall noch unter die Regelung fallen müsste, mit 65 abzugsfrei in Rente gehen zu dürfen, weil ich bis dahin genügend Dienstjahre auf dem Buckel hätte.

Da ich gerade in dieser Woche Geburtstag hatte, kann ich festhalten, dass das in Bezug auf mein Arbeitsleben ungefähr Halbzeit bedeutet. Ich bin in diesem Jahr seit 23 Jahren im Job und würde dann, wenn er Recht hat, noch 23 Jahre arbeiten müssen. Damit darf dann fröhlich gerechnet werden, wie alt ich denn geworden bin. Ich gebe noch einen Tipp: Ich bin jetzt die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest 😉 .

Wie dem auch sei, irgendwie stand die ganze Woche dann auch schon wieder unter dem Eindruck dieses liebenswert-schrecklichen Freudentags. Ich feiere meinen Geburtstag gerne, irgendwie. Aber noch lieber mag ich den Moment, wenn die Feier vorbei ist und der Druck von mir abfällt. Aber das kennen wohl viele von euch, oder? Man hat immer das Gefühl, alles gut im Sinne der Gäste machen zu „müssen“. Ich setze das in Anführungszeichen, weil man es ja gerne macht. Und freiwillig. Irgendwie 😉 .

Nun gut, kommen wir zu den positivsten Begleiterscheinungen, die so ein Geburtstag hat: Geschenke!

Ich gehöre zu den Menschen, denen die Dinge, die sie sich wünschen, wohl nie ausgehen werden. Dagegen spricht schon meine Multimedia-Sucht. Ich habe bei Amazon einen Wunschzettel, auf dem so um die 130 Positionen drauf stehen. Die haben natürlich nicht alle dieselbe Priorität. Oft geht es einfach darum, dass ich eine nette Vorschau zu einem Buch oder einem Film gesehen habe und mir den Titel dann auf meinen Merk-/Wunschzettel setze. Sonst würde ich es nämlich wieder vergessen.

Deswegen hat auch das eine oder andere Buch seinen Weg in mein Regal gefunden, bzw. wird ihn kommende Woche noch finden. Ich habe nämlich, neben „Naturalien“, auch ein wenig Geld geschenkt bekommen, um mir selbst noch Wünsche zu erfüllen. Und das habe ich, wie früher schon mal gesagt, bei reBuy getan. Das ist immer gefährlich, weil am Ende mehr im Warenkorb liegt, als man eigentlich wollte. Aber diesmal habe ich mich wirklich (fast) auf Artikel beschränkt, die ich mir sowieso schon gewünscht hatte.

Anyway, bevor ich euch noch lange mit meinem Geburtstag zutexte, kommt hier die Liste der Neuzugänge, inklusive der, die kommende Woche noch geliefert werden:

  • Sophie Kendrick – Das Gesicht meines Mörders
  • Eric-Emmanuel Schmitt – Adolf H., Zwei Leben
  • Tamy Fabienne Tiede – Club der letzten Wünsche
  • Sanne Averbeck – Die Gästeliste
  • Julia von Rein-Hrubesch – Das Flüstern der Pappeln
  • Leon Uris – Exodus
  • Nala Martin – Safeword
  • Jean-Luc Banallec – Bretonische Verhältnisse
  • Charles Whiting – Der Zweite Weltkrieg: Die Schlacht um den Ruhrkessel
  • Ralph Giordano – Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte. Die Pläne der Nazis nach dem Endsieg
  • Andreas Izquierdo – Romeo & Romy
  • Victor Klemperer – Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1933-1945 (8 Bände)
  • Georg L. Mosse – Die Geschichte des Rassismus in Europa

So, und wie schon geklärt, es sind nur noch 23 Jahre, bis ich Zeit habe, das alles auch zu lesen 😉 . Immerhin bin ich inzwischen durch meine „KL“ durch und habe auch das aktuelle Buch bald durch, zu dem es dann auch wieder eine neue Ausgabe meiner Reihe „Das Schreiben der Anderen“ geben wird. Und so viel kann ich schon sagen: Es wird wieder nicht der von vielen erwartete Verriss werden. Leute, schreibt doch mal einfach schlechte Bücher!

Danach steht dann Arbeit auf dem Programm. Zum einen hat meine Lektorin angekündigt, mir bald einiges an Material zu schicken und zum anderen habe ich hier noch einen Krimi liegen, für den ich mich als Testleser gemeldet hatte. Da freue ich mich schon drauf, mich da ein wenig rein zu vergraben.

Und bald geht es dann auch hier auf dem Blog wieder seinen gewohnten Gang. Spätestens in einer Woche. Wisst ihr jetzt auch Bescheid, nicht wahr? Ich habe jedenfalls einiges an Artikeln in Vorbereitung/Planung.

Damit entlasse ich euch dann jetzt auch in den Sonntagabend und hoffe, ihr werdet einen guten Start in die kommende Woche haben. Macht was draus!

Euer Michael

Alle Männer gehen in den Puff und der Gärtner ist immer der Mörder

In Ergänzung zu meinem kürzlich geschriebenen Artikel über das Spiel mit den Erwartungen des Lesers habe ich heute eine Beobachtung bei mir gemacht, die ich noch einmal nachschieben möchte, weil sie viel von dem verrät, wie das mit den Erwartungen von Menschen funktioniert.

Ich musste heute mit unserem Wagen in die Werkstatt, weil das Tagfahrlicht seit zwei Monaten nicht funktioniert. Ja, so lange hat es gedauert, bis das Ersatzteil da war. Na ja, geschenkt. Die kürzeste Route zu meinem Autohändler des geringsten Misstrauens geht durch Duisburgs größtes Rotlichtviertel rund um die (auch überregional bekannte) Vulkanstraße. Ja, das ist die Gegend, über die ein ehemaliger Stadtplanungsdezernent mal gesagt hat, dass man schon am zweitklassigen Rotlichtviertel erkennen könne, dass Duisburg ein Problem habe. Keine Ahnung, ob der Mann über, ähm, Insiderwissen verfügte.

Nun gut, jedenfalls gibt es da eine Reihe von großen Laufhäusern und entsprechend einen ständigen Strom von Männern, die auf der Straße unterwegs sind, um in dieses oder jenes Haus hinein zu gehen.

Habt ihr gemerkt, was gerade passiert ist? Ich habe etwas unterstellt und ich würde beinahe darauf wetten, dass die meisten unter euch meiner Unterstellung übergangslos gefolgt sind. Wer im Rotlichtviertel unterwegs ist, der ist da unterwegs, weil er gewisse Bedürfnisse befriedigen will. Lassen wir die ganzen moralischen Erwägungen mal beiseite (wie es auch die Kommunen inzwischen tun, die vollkommen selbstverständlich eine „Sexsteuer“ erheben und damit ein Interesse an florierenden Geschäften haben), so haben wir doch die Erwartung, dass jeder, der dort herumläuft auf das Eine aus ist.

Verdammt, mir selbst passiert es ja, dass ich mir im Vorbeifahren die Männer anschaue und mir überlege, auf welchen Typ Frau die es wohl heute abgesehen haben. Und das, obwohl ich weiß, Obacht (!), dass in unmittelbarer Nähe zum „Vulkan“ mehrere Firmen angesiedelt sind, angefangen mit den Duisburger Stadtwerken auf der einen Seite und aufgehört mit der Firma Siemens auf der anderen Seite.

Ist es also vollkommen ausgeschlossen, dass die Männer, die da unterwegs sind, einfach auf dem Weg zu oder von ihrem Arbeitsplatz sind? Nein, ist es nicht. Aber ist es unwahrscheinlich? Möglich. Doch wenn das so ist, dann hat es vielleicht damit zu tun, dass auch die Männer, die dort unterwegs sind, sich vollkommen klar sind, was man von ihnen denken könnte.

Ich spreche da aus eigener Erfahrung, denn wie der Zufall es so will, liegt mein eigener Arbeitsplatz in Sichtweite eben dieser bewussten Gegend. Und wenn ich, was schon mal vorkommt, in der Mittagspause einen kleinen Spaziergang mache, dann nehme ich immer einen großen Sicherheitsabstand wahr, denn ich will ja nicht, dass jemand auf die Idee kommt, ich könnte zur Mittagsstunde …

Ihr seht also, wie schnell man in Erwartungshaltungen abrutscht, weil das Gehirn auf der Grundlage von Erfahrungen (gerne auch aus Funk und Fernsehen gesammelt) Überlegungen anstellt und Schlussfolgerungen zieht. Alle Männer, die auf der und um die Vulkanstraße herum laufen, gehen in den Puff. ISSO.

Genauso, wie in (älteren) Krimis immer der Gärtner der Mörder ist. Ja, ja, heute lachen wir über dieses Klischee und lassen vollkommen außer acht, dass es nur zu einem Klischee werden konnte, weil über einen gewissen Zeitraum hinweg die Damen und Herren Kriminalautoren es wirklich für den Gipfel der Originalität hielten, wenn das Gesinde hinter den mörderischen Vorgängen im Herrenhaus steckte.

Wenn, zum Beispiel, in einem Roman ein auch nur leicht missgebildeter Mensch auftauchte, dann war er wenigstens willfähriges Ausübungsorgan für den dahinter stehenden Schurken, der sich selbst nicht die Finger schmutzig machen wollte. Man vergleiche unter anderem bei Edgar Wallace. Dasselbe galt auch lange für Angehörige anderer Ethnien, wie zum Beispiel Afrikaner oder Asiaten.

Ich sehe uns Autoren in der Verantwortung, diese Klischees und Automatismen beim Schopf zu packen und aus unseren Werken herauszuziehen, wie es ja zum Glück in den letzten Jahren auch schon geschehen ist. Dadurch, dass Gärtner heute auch mal Opfer sein dürfen. Oder dadurch, dass Menschen anderer Herkunft auch mal den Kommissar geben dürfen. Und dadurch, dass auch Männer, die in einschlägiger Umgebung unterwegs sind, ganz normale Passanten sind – und nicht zuvorderst Puffgänger.

Wie immer gilt jedoch auch hier, dass jede Veränderung nur um der Veränderung Willen nicht per Definition gut ist. Denn viele Dinge werden so gemacht, weil sie eben einfach gut funktionieren. Es ist eine Frage der Abwägung, vor allem in Hinblick auf die Radikalität, die man an den Tag legt.

Und da freue ich mich, wenn ich zukünftig immer mal wieder von meinen Kolleginnen und Kollegen überrascht werde – nur, um dann vielleicht am Ende am meisten davon überrascht zu sein, dass der Gärtner doch der Mörder war und er deswegen auffiel, weil er immer – und zwar ausschließlich – nach seinen Morden im Rotlichtviertel abgehangen hat.

Alles ist möglich – und das ist auch verdammt gut so!

Der Sonntagsreport vom 24.07.17 – Ja, das ist ein Paradoxon, ich weiß

Hallo zusammen,

aus technischen Gründen kommt der Sonntagsreport, der eigentlich für den 23.07. fällig gewesen wäre, erst heute, am 24.07.17. Ich hoffe, dass das jetzt keine Paradoxen auslöst, in denen sich die ganze Erde auflöst und wir alle aufhören, zu existieren. Na ja, der einzige Trost wäre wohl, dass das dann keiner mehr so schnell mitbekommen würde, dass ich der Verursacher war. Ich könnte es nicht ertragen, wenn der letzte Gedanke eines Menschen wäre, was ich doch für ein Arsch bin. Wobei: Das würde ich ja dann auch nicht mehr mitbekommen, weil keiner mehr in der Lage wäre, mir noch eine wütende E-Mail oder einen Kommentar zu schreiben, weil ja alles so irrsinnig schnell ginge.

Äh … ja.

Ihr seht schon, der Urlaub bekommt mir wahlweise sehr gut oder aber überhaupt nicht. Das kommt wahrscheinlich darauf an, welchen Maßstab man an das Ganze anlegt. Gemessen daran, dass ich den Gedanken von der Arbeit und allem anderen frei bekomme, gelingt er mir ganz gut. Meine Familie und ich machen die eine oder andere Exkursion, wie ihr hier ja auch schon lesen konntet, und auch an Tagen, an denen wir zu Hause bleiben, bekomme ich meistens eine angenehme Balance zwischen Nichtstun und Aktivität hin.

Gemessen an dem, was ich mir seinerzeit an Dingen vorgenommen hatte, die ich erledigen wollte, ist das jetzt nur so semi-erfolgreich bis jetzt. Wir rekapitulieren:

Ich wollte Ordnung in mein Ablagechaos bringen. Das habe ich zur Hälfte (na ja, etwas mehr) geschafft. Vor allem bin ich viele alte Arztrechnungen, Beihilfeabrechnungen und Versicherungsschreiben losgeworden, die keinen Menschen mehr interessieren (Jahrgang 2012, anyone?).

Was ich noch sortieren „muss“ oder vielmehr möchte, ist der Großteil an privaten Briefen, die teilweise auch schon sehr alt sind, aber zu dem Zeitpunkt, als sie entstanden, einen hohen emotionalen Wert hatten. Nein, keine Liebesbriefe. Meine Frau und ich sind seinerzeit so hopplahopp zusammengekommen (und -gezogen, das würde mir in einem Roman auch wieder keiner glauben), dass da keine große Zeit für Schriftverkehr blieb – Pfui! Ich habe genau mitbekommen, was ihr jetzt für Gedanken habt!

Eigentlich sind es nicht wenige Schriftstücke, die mindestens so uninteressant sind wie die alten Arztrechnungen. Aber ich traue mich noch nicht so richtig heran. Ein Karton, in dem ganz viel davon drin ist, steht seit wir ins Haus umgezogen sind, bei mir auf einem der Regale. Das wäre dann Februar 2012. Noch Fragen?

Beim Sortieren meiner Blu-rays war ich wesentlich erfolgreicher. Die stehen jetzt endlich wieder in alphabetischem Reih und Glied und es ist auch mehr als genug Platz vorhanden, um die Sammlung weiter expandieren zu lassen. Platz ist bei mir immer so ein Mangelgut. Aber für die nächsten zwei bis drei Jahre wird es reichen. Wenn ich nicht diesen Hang zu schlechten Filmen hätte, die meistens für recht kleines Geld zu haben sind, würde der Platz länger halten. Vielleicht würde es helfen, wenn ich nicht jeden verfügbaren Film des Studios The Asylum („Sharknado“) sammeln müsste, dessen ich habhaft werden könnte. Ist mir aber zu theoretisch, um dem Gedankengang nachzugehen.

Meine Buchsammlung habe ich auch noch nicht vollständig erfasst und euch auch noch keinen Beitrag dazu verfasst. Aber ich bleibe dran, versprochen!

Geschrieben habe ich auch nicht jeden Tag, was mich an manchen Tagen ganz schön gefuchst hat. Aber dann habe ich, zum Beispiel gestern, ganz lieben Zuspruch auf Twitter bekommen, dass ich mich nicht selber so unter Druck setzen sollte. Es muss nicht sein, dass jeden Tag geschrieben wird. Pausen sind wichtig.

Weiß ich ja alles, meine Lieben, aber irgendwie … weiß ich es auch wieder nicht. Ich habe im Moment Angst (oder nennen wir es abgeschwächt Sorge), dass ich wieder in eine Periode der relativen Unkreativität fallen könnte. Ich meine damit eine Zeit, in der ich so gut wie nichts produziere. Ja, gut, außer Blogartikeln. Und, ja gut, außer hin und wieder doch einer Seite an „Die Hüter der Wahrheit“. Von mir aus auch mit Ausnahme von Gedankenskizzen zu anderen Projekten.

Okay, ich sehe ein, dass der Punkt, objektiv betrachtet, Schwachsinn ist. Aber ich kann doch nichts dagegen machen, dass ich es so empfinde, oder? Oder!?

Nun, das werde ich weiter versuchen, herauszufinden und dann entweder damit oder dagegen etwas zu tun. Immerhin habe ich ja noch fast zwei Wochen Zeit, um den Urlaub zu gestalten, dass ich hinterher mit einem rundum guten Gefühl daraus hervor gehe.

Ach, eines fällt mir gerade noch ein: Ich muss auch dringend wieder mehr lesen! Zumindest will ich den dicken (und alles andere als trivialen) Wälzer in meinem Urlaub schaffen, den ich in Arbeit habe. Nikolaus Wachsmann hat mit „KL: Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager“ zweifelsohne ein Buch geschaffen, das das Zeug zu einem neuen Standardwerk hat. Aber es liest sich halt nicht mal eben so weg. Nicht mal, wenn man auf das Studium der unzähligen Fußnoten verzichtet.

Danach brauche ich auf jeden Fall leichtere Kost, das steht fest.

So, das sollte als Statusbericht für heute eigentlich genügen. Zumal er ja eigentlich schon ins Gestern gehört. Also denkt daran, wenn gleich die Erde explodiert, dann war ich das schuld. Dann müsste ich wenigstens meine Aufgaben, die ich mir selbst gestellt habe, nicht mehr erledigen.

Hm, vielleicht sollte ich diesen Beitrag auch erst morgen absenden, das erhöht vielleicht die Chancen. Was denkt ihr? Ach ja, ihr könnt ja gar nichts denken, weil ihr das erst lest, wenn ich es abgeschickt habe.

Es ist und bleibt ein Paradoxon, wie ich es drehe und wende.

Ich wünsche euch eine angenehme Restwoche – und dass euer Planet nicht explodieren möge!

Euer Michael

Warum es sinnvoll sein kann, einen unerwarteten Knalleffekt vor einen erwarteten zu legen

Wie ich gestern schon angekündigte, hat die Exkursion des Tages mich auf die Idee zu einem neuen Blogartikel gebracht, zu dem mir nur keine vernünftige Überschrift eingefallen ist. Deswegen bitte ich, das komische etwas da oben zu entschuldigen. Ich brauche einfach mehr Worte um zu erklären, was ich meine.

Der Ausflug führte meine Familie und mich, mal wieder, in einen Freizeitpark. Ja, ich gebe zu, meine Kinder und ich sind da ein wenig süchtig nach und meine Frau spielt das Spiel liebenswerter Weise mit. Gestern waren wir in Belgien, im Bobbejaanland. Dort steht eine Anlage, die auf den schönen Namen „Typhoon“ hört. Es handelt sich um einen Eurofighter der Firma Gerstlauer Amusement Rides und das Charakteristikum dieser Bahnen, ihr Alleinstellungsmerkmal, ist die erste Abfahrt.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Bahnen wird hier keine Schräge durchfahren, sondern der Wagen wird senkrecht in die Höhe befördert und durchfährt danach einen steilen Drop, der im Spitzenwert einen Winkel von (in diesem Fall) 97° aufweist. Danach setzt sich die Fahrt dann mit anderen Elementen fort, die man auch von anderen Bahnen kennt.

Hier könnt ihr „Typhoon“ im Video bewundern:

Direkt an die erste Abfahrt schließt sich ein Looping an und das war der Ausgangspunkt eines Gespräches zwischen meiner älteren Tochter und mir. Sie ist nämlich in ihrem Leben noch keinen Looping gefahren und wollte das auch an diesem Tag nicht ändern. Dabei war sie total auf den Looping fixiert und sah weder das Element davor, noch sah sie die sich anschließenden Schrauben.

Ich sagte ihr noch, dass sie vom Looping kaum etwas mitbekommen würde, weil der Körper noch damit beschäftigt sei, die Abfahrt zu verarbeiten, aber das änderte ihre Meinung nicht. Der Looping war ein Problem.

Reden wir aber jetzt nicht von Problemen, reden wir von Romanen. Reden wir vielleicht sogar von Romanen, die ein gewisses Standardrepertoire an Szenen abspulen. Ich vergleiche diese Szenen, die man je nach Gattung des Romans in so ziemlich jedem Genre finden kann, einmal mit den Standardelementen einer Achterbahn.

Wir haben die klassische Auffahrt, es wird Spannung aufgebaut. Im Roman passiert dasselbe. Wir lernen vielleicht die Figuren kennen, erhaschen einen ersten vagen Blick auf das, was sie verbindet und was sie trennt.

Wenn wir dann ganz oben angekommen sind, nimmt die Handlung Fahrt auf und wir arbeiten uns durch die Standardsequenzen durch, die beispielhaft so lauten könnten:

  • eine Beziehung geht im sprichwörtlichen Sinne den Bach herunter (Abfahrt)
  • die Situation wird durch etwas fremdes auf den Kopf gestellt (Looping)
  • die Handlung nimmt verschiedene Wendungen vor (Richtungswechsel)
  • dabei folgt der ersten großen Umwälzungen eine Abfolge von kleineren Twists (Schrauben)
  • je nachdem, wie rasant die Handlung ist, wird zwischendurch ein wenig abgebremst, um etwa Subplots einarbeiten zu können (Blockbremsen)
  • Happy oder Unhappy End (je nachdem, wie fest die Schlussbremsen greifen)

Die Schwierigkeit ist nun, diese Elemente so aneinander zu reihen, dass trotz ihrer hinlänglichen Bekanntheit immer wieder eine neue, eine überraschende Geschichte dabei herauskommt. Und da kann es sinnvoll sein, einen unerwarteten Knalleffekt vor einen erwarteten zu setzen (um die Überschrift wieder aufzugreifen).

Denn was macht „Typhoon“? Für jemanden, der die Bahn noch nie gefahren ist, ist das erste Element in seiner Heftigkeit eine Überraschung, die man auch von außen so nicht erwartet. Das aufgenommene Tempo sorgt für einen Druck, der den sich unmittelbar anschließenden Looping beinahe vergessen lässt. Man bekommt zwar mit, dass man kurz auf den Kopf gestellt wurde, aber das ist nicht die eigentliche Sensation.

Für einen Roman bedeutet das, dass man ruhig einmal damit spielen kann und sollte, vor die Knalleffekte, die der Leser oder die Leserin anhand des Genres erwarten würden, mal etwas Unerwartetes zu setzen – wobei ich natürlich gleich einräumen muss, dass es im Einzelfall gar nicht so leicht ist, dieses Unerwartete zu finden. Sonst würde es ja jeder machen 😉 .

In einem Krimi könnte dies zum Beispiel eine Szene sein, die vor dem obligatorischen Mordfall liegt, in welcher unsere Hauptperson ein privates Drama durchlebt. Vielleicht musste sich der Kommissar oder die Kommissarin einmal entscheiden, ob er das Leben einer Geisel oder das Leben eines Kollegen rettet.

So eine Szene vor der Handlung reißt den Leser sofort mit und und jetzt kommt das, was das Leben des Kommissars auf den Kopf stellt: Er hat sich für die Geisel entschieden, diese geheiratet und nun, zwei Jahre später, stellt er fest, dass er/sie begonnen hat, ihn zu betrügen. Wäre das nicht ein schönes Gefühlsdilemma, in dem alle miteinander stecken? Und wenn ihr euch dann noch entscheidet, dass aus Herrn Kommissar eben kein zynischer Alkoholiker wird, dann habt ihr den Leser direkt zu Beginn dreifach überrascht.

(Wenn ihr aus diesem rudimentären Gerüst eine Story machen wollt, wäre ich für eine Erwähnung bei den Danksagungen, ähm, dankbar 😉 )

Nach diesen Überraschungen könnt ihr dann getrost mit Elementen weitermachen, die erwartbar sind. Der Chef ist ein Arsch, der neue Fall zum Haare ausraufen und die neue Kollegin eine heiße Anwärterin darauf, den Job der ehemaligen Geisel als Lebensabschnittsgefährtin auszufüllen.

Wenn ihr das packend schreibt und nicht irgendwann unterwegs einschlaft, nehmt ihr den Schwung des Anfangs mit. Ihr nehmt die Erwartungen des Lesers mit, sowohl die erfüllten als auch die unerfüllten. Und mit ein wenig Glück, merkt der Leser gar nicht, dass ihr irgendwann doch wieder zu den Standardelementen zurückgekehrt seid, weil er immer noch von diesem einen Element am Anfang euphorisiert und überrascht ist.

Ich halte mir den Gedanken jedenfalls warm und werde es bei Gelegenheit genau so einmal ausprobieren. Mit einem Beispiel, das ich euch jetzt nicht verraten habe, gemein, wie ich bin.

Jetzt quält mich nur noch eine Frage (ein wenig): Bin ich eigentlich der Einzige, der beim Achterbahnfahren auf so komische Ideen kommt!?

Liebe Autoren: Denkt doch einfach mal groß!

Hallo ihr Lieben,

da ich den ganzen Tag unterwegs war, gibt es heute mal keinen langen Artikel von mir. Auch wenn die Exkursion mir wieder eine Artikelidee eingebracht hat. Aber es ist entschieden zu spät, finde ich, sich noch da heran zu begeben.

Das Autoradio hat mir heute einen Song ausgespuckt, den ich in seiner Kernaussage auch für Autoren sehr passend finde. Gut, man muss vielleicht nicht jede Extravaganz mitmachen. Wäre dann ja auch langweilig.

Aber was ich auf jeden Fall unterschreibe: Seid einfallsreich, seid kreativ, erlegt euch keine Grenzen auf – denkt doch einfach mal groß!

In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Abend und ich denke, wir lesen uns morgen wieder 🙂 .

„Der Morgen danach“: »Schön, dass es dir besser geht!«

Es war nun wieder ein paar Tage her, dass ich neues aus dem Lektorat zu meinem stark in Produktion befindlichen Roman „Der Morgen danach“ gehört hatte. In der letzten Mail hatte meine Lektorin angekündigt, dass sie noch einmal an einer schweren Stelle feilen wolle und ich hatte zurückgemeldet, dass sie sich ruhig Zeit lassen solle, weil es mir, ich erwähnte es verschiedentlich an dieser Stelle, nicht so besonders gut ging.

Jetzt hatte ich am Wochenende das Gefühl, ich müsse einfach noch einmal nachfragen, wie es denn ausschaut. Also habe ich eine kurze Mail geschrieben.

Was ich darauf zurück bekam, ist wieder einmal ein Beweis dafür, dass in dem Verlag, bei dem ich gelandet bin, der Autor nicht nur als Textelieferant angesehen wird, sondern dass er auch ganzheitlich etwas zählt.

Ich will nicht die ganze Mail zitieren, so etwas tut man nicht, aber einen Satz daraus kann ich, denke ich, riskieren:

… schön, dass es Dir besser geht, denn ich werte Deine Nachfrage als Zeichen dafür, dass Du wieder neue Energien hast.

Daran gekoppelt war die Ankündigung, dass Jeannette sich jetzt wieder voll hinter das Lektorat klemmen wird.

Also, um das noch einmal zu betonen: Weil es mir nicht besonders gut ging, wurde mal eben der ganze Prozess ein wenig im Tempo gedrosselt, um abzuwarten, bis es bei mir wieder aufwärts geht. Ich finde das beachtlich, beachtenswert und einfach nur toll!

Sicher, hier mag wieder einer dieser Unterschiede zwischen einem kleinen Verlag und einem großen liegen, wo einfach viel mehr Abläufe an viel mehr Stellen ineinander greifen müssen. Aber es ist ein Unterschied und ich glaube, es ist einer, der mir sehr entgegen kommt. Einer, für den ich dankbar sein kann und auch dankbar bin.

Und jetzt bin ich gespannt wie ein Flitzebogen, wie es weitergeht. 🙂

Was wir Autoren vom „schlechtesten Regisseur aller Zeiten“ lernen können

Ich hatte darüber schon auf Facebook geschrieben: Als ich gestern morgen die Nachricht erhielt, dass der Schauspieler Martin Landau gestorben war, war für mich sehr schnell klar, dass ich, quasi ihm zu Ehren, den Film ansehen würde, für den er 1994 einen mehr als verdienten Oscar erhalten hatte.

Der Film

In dem Film „Ed Wood“, der das Leben des jungen, dynamischen und notorisch erfolglosen Autors, Produzenten und Regisseurs Edward D. Wood jr. schildert, spielte Landau die Rolle des Bela Lugosi. Lugosi, der bei vielen heutigen Filmfans beinahe vergessen ist, wurde 1931 quasi über Nacht populär, als er in Universal Pictures Tonfilm-Adaption von Bram Stokers „Dracula“ die Titelrolle spielte.

Damit hatte der ungarisch-stämmige Schauspieler seinen Zenit in Hollywood erreicht, aber praktisch auch schon wieder überschritten. Er schlug im gleichen Jahr die Rolle aus, die aus Boris Karloff einen Superstar machte (Frankenstein) und musste sich im Folgenden mit Produktionen über Wasser halten, die entweder so gut wie kein Budget hatten, oder die inhaltlich eher schlecht als recht waren.

Tatsache ist, dass Lugosis Stern in den 50er Jahren, in denen „Ed Wood“ spielt, nicht nur am Verblassen war, sondern im Prinzip schon untergegangen war. Lugosi war alt, er war drogensüchtig und er war praktisch vollkommen mittellos.

Und etwa zu diesem Zeitpunkt kreuzten sich seine Wege mit denen von Ed Wood, einem glühenden Verehrer.

Landau spielt diese Rolle mit der nötigen Schwere. Man sieht seinem Bela an, dass er eigentlich noch in der glorreichen Vergangenheit leben möchte, aber dass er tief in seinem Herzen weiß, wie beschissen (Pardon) und aussichtslos seine Lage ist. Er ahnt auch, wie in einigen Szenen des Streifens gut vermittelt wird, wie tief gesunken er ist und dass er selber daran Schuld trägt. In der vielleicht bewegendsten seiner Szenen steht er in einem aufgestauten Tümpel, in dem er gleich mit einer Gummikrake kämpfen soll, und erzählt dem Filmteam, dass er es abgelehnt hat, „Frankenstein“ zu spielen. All die Last eines Lebens, das durch eine einzige Fehlentscheidung einen heftigen Absturz erlebt hat, wird hier fühlbar.

Ich müsste nachschauen, welche Schauspieler für den Oscar als Nebendarsteller in jenem Jahr noch nominiert waren, aber ich bin sehr sicher, dass die Wahl, die getroffen wurde, die richtige ist. In einem insgesamt sehr starken Ensemble, angeführt von Hauptdarsteller Johnny Depp, ragt Landau heraus und stiehlt jede Szene, in der er auftritt.

Ganz unabhängig von der Frage, ob man als Autor von der Ansicht dieses Films profitieren kann oder nicht, rate ich dringend dazu, ihn sich einmal zu Gemüte zu führen!

Das Buch

Der Stoff, auf dem dieser Film basiert, ist das gleichnamige Buch von Rudolph Grey, einer in Zitaten erzählten Biographie, über die ich tatsächlich in den Urzeiten dieses Blogs, also vor fast zwei Jahren, schon einmal geschrieben habe.

Ich möchte aus dem damaligen Text eine kurze Passage übernehmen, weil sie das zum Ausdruck bringt, was in der Quintessenz die Faszination des Buches ausmacht:

Die Geschichte von Ed Wood ist eine Geschichte des Scheiterns und von Gescheiterten. Und Rudolph Grey lässt sie alle in seinem Roman, der eigentlich nichts weiter ist als eine Zitatesammlung von Wegbegleitern Woods, zu Wort kommen. Am Ende hat man das Gefühl, Eddie in einer seiner immer schäbiger werdenden Wohnungen sitzen sehen zu können, wie er zwei bis drei Zigaretten gleichzeitig raucht, hier mal ein paar Absätze in die Tastatur seiner Schreibmaschine hämmert, sich dort zu einem anderen Projekt ein paar Notizen macht, dann wieder zum Telefon greift, um irgendwem vielleicht eine Idee verkaufen zu können und sich nebenbei noch mit seiner Ehefrau streitet.

Wood war ein Getriebener, der allerdings vor Ideen zur so sprühte. Dass es nicht immer die besten Ideen waren beweisen seine Filme, wie eben „Plan 9“ oder vor allem auch „Bride of the Monster“, ebenso wie die Tatsache, dass er am Ende seines Lebens Pornoromane schrieb, um über die Runden zu kommen.

Einer der traurigsten Absätze, die ich je über einen Schriftsteller gelesen habe, stammt aus diesem Buch:

Kathy Wood:

Er verpfändete seine Schreibmaschine um Geld für Schnaps zu kriegen […] Wenn wir Geld hatten, stand sie auf dem Schreibtisch. Wenn wir Geld brauchten, verpfändeten wir sie. Ich weiß nicht, wann es das letzte Mal war, aber es war … ein schlimmer Tag. Ein sehr trauriger Tag, an dem wir unsere Schreibmaschine verloren.

Die „Moral“ von der Geschichte

In meinem damaligen Text habe ich geschrieben, dass ich nicht wisse, was dieses Buch für mich so unheimlich motivierend macht, dass ich es inzwischen wirklich schon beinahe in seine einzelnen Bestandteile zerlesen habe und manche Passagen daraus auswendig hersagen kann. Ich denke, dass ich in der Zwischenzeit ein wenig klarer sehe.

Um als Autor zu einem Erfolg zu kommen, braucht man in diesen Zeiten folgende Zutaten: Glück, Glück, Talent, Glück, Arbeitswille, Glück, Arbeitswille, Mut, Glück, Zielstrebigkeit, Zielstrebigkeit und noch viel, viel mehr an Zielstrebigkeit!

Eddie Wood hatte von diesen Zutaten, wenn wir mal das Glück substrahieren, jede Menge. Er verbiss sich immer wieder direkt in das nächste Projekt, wenn er ein anderes zum Abschluss gebracht hatte. Das tat er nicht, weil er kein Interesse daran gehabt hätte, gute Arbeit abzuliefern und sein Geschriebenes zu überarbeiten (in einer Filmszene sagt Johnny Depp sinngemäß: »Man kann ein Manuskript gar nicht oft genug überarbeiten«), sondern weil er einfach durch seine Nöte und Zwänge dazu getrieben wurde, immer schon das nächste Projekt zu verfolgen.

Und er hatte eine Kreativität, die man loben muss, auch wenn manche Ideen (na gut, fast alle Ideen), nicht wirklich im Wortsinne gut waren. Aber wenn Wood ins Archiv der großen Filmgesellschaften auf dem Backlot von Hollywood ging und sich dort Filmschnipsel ansah, die sonst niemand haben wollte, schaffte er es, aus drei oder vier Versatzstücken schon fast ein halbes Manuskript in seinem Kopf zu formen.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass Wood, anders als wir, nicht die Chance hatte, einen missglückten Entwurf mal eben abzuspeichern und für später aufzubewahren. Er musste mit dem arbeiten, was er gerade hatte. Nicht nur, weil der nächste Film immer irgendwie fertig, der nächste Pornoroman irgendwie die Miete einbringen musste, sondern auch, weil er es sich wirtschaftlich gar nicht leisten konnte, etwas weg zu werfen. Papier und Farbbänder kosteten schließlich auch eine nicht ganz so kleine Kleinigkeit.

Was wir Autoren aber im Wesentlichen lernen können, ist Folgendes: Es ist keine Schande, wenn man scheitert! Es ist überhaupt kein Problem, wenn ein Projekt mal im Sande verläuft oder wenn es sich nicht entwickelt, wie man gedacht hat. Auch die zwanzigste Absage eines Verlags ist kein Problem. Zum Problem wird es erst, wenn man aufgibt! Erst dann hat man keine Chance mehr, die Sache noch zu einem guten Ende zu bringen.

Ed Wood war jemand, der im Prinzip nur gescheitert ist. Im tiefsten Inneren wusste er, dass Filme wie „Plan 9 from outer space“ oder „Glen or Glenda“ nicht so gut waren, wie sie mit ein wenig besseren Möglichkeiten hätten sein können. Aber er hatte nun einmal keine anderen Möglichkeiten, nicht mehr Geld, nicht mehr Zeit. Das hielt ihn nicht davon ab, Zeit seines Lebens seinem großen Idol Orson Welles („Citizen Kane“) nachzueifern.

Wir haben die Möglichkeiten! Jeder, der das hier liest, hat irgendeine Maschine, mit der er Texte schreiben kann. Und wenn das nicht, dann hat er eine Hand! Fünfhundert Seiten reinweißes Kopierpapier kosten heute 3,50 Euro im Supermarkt.

Und dann schreibt man. Und reicht seine Geschichten herum. Und schreibt weiter. Bis man irgendwann das Erfolgserlebnis hat, entweder „nur“ als Autor (bei einem Verlagsvertrag) oder auch als sein eigener Produzent (als Selfpublisher).

Die Moral von der Geschichte lautet, dass jeder es schaffen kann, Dinge zu erschaffen, an die andere sich erinnern werden. Selbst der von einigen so genannte „schlechteste Regisseur aller Zeiten“.

Nutzen wir diese Chancen, die wir haben. Auf dass wir es nie nötig haben werden, unsere Schreibmaschine, unseren PC oder unser Tintenfass zu versetzen!

Facebook, das ungeliebte Wesen

Wenn du Autor bist, dann musst du für deine Leser präsent sein – haben sie gesagt.
Wenn du Autor bist, dann musst du Social Media machen – haben sie gesagt.
Wenn du Social Media machst, schließt das Facebook ein – haben sie gesagt.

Und ja, ich bin ja für (fast) jeden Kram zu haben, wenn es denn der Sache dienlich ist und wenn es nicht absolut gegen meine Prinzipien, meine Überzeugungen oder die Legalität geht. Ist ja auch keine große Sache, so eine Facebookpräsenz, nicht wahr? Schließlich ist Facebook, wenn auch immer wieder auf den absteigenden Ast geredet, immer noch das zentrale Netzwerk wenn es darum geht, nun ja, zu netzwerken.

Aber irgendwie bin ich wohl zu dumm dafür. Anders kann ich mir das nicht erklären, dass ich einfach nicht in meinen Schädel bekomme, wie das jetzt mit den verschiedenen Profilen funktioniert.

Ich habe zwei Profile auf Facebook, weil die, die von da oben, auch gesagt haben, dass man seine Persona als Autor und seine Persona als Mensch voneinander trennen sollte. Auch das ist auf dem Papier eine richtig gute Idee. Denn die Personenkreise, die man mit den verschiedenen Themen anspricht, sind ja nicht dieselben. Und selbst, wenn es dieselben wären, möchte man ja manchmal gar nicht, dass sie übereinstimmen.

Nun bin ich ja im Wartestand für eine Thrillerveröffentlichung und habe überhaupt kein Problem damit, dies unter meinem Namen zu machen. Aber ich kenne auch Autoren, die in anderen Genres unter Pseudonym arbeiten und spätestens da ist es angebracht, wenn man zwei Accounts hat, die fein säuberlich getrennt sind. Der eine, private, gehört dann Erna Koslowski, Hausfrau und Mutter zweier niedlicher Kinder, der andere gehört Sigmund Drachentöter, in dessen Dark Fantasy-Romanen Blut und diverse andere Körpersäfte nur so sprudeln.

Aber da könnt ihr mal sehen: Sogar Erna bekommt problemlos hin, was für mich in weiten Teilen ein Buch mit sieben Siegeln darstellt. Und bis jetzt habe ich mich auch als hinreichend lernresistent bewiesen, um erfolgreich weiter ein Facebook-Newbie zu bleiben.

Es ist ja nicht nur die Sache mit den Accounts. Es ist auch das verlinken, markieren, und wie das alles heißt. Auf Twitter habe ich das inzwischen recht gut raus. Aber Facebook …

Nun gut, angeregt durch eine Markierung, die mir auf diesem Portal widerfahren ist, habe ich beschlossen, noch mal mein Glück zu versuchen. Wundert euch also nicht, wenn in den nächsten Tagen zumindest hin und wieder ein Post dort erscheint. Meine Blogtexte werden ja eh an den Autorenaccount „durchgeschossen“. Und die stehen auch nach wie vor im Vordergrund, ist ja klar.

Wer also Lust hat, mir dabei zuzusehen, wie ich auf Facebook vor mich hin dilletiere, der darf gerne meinem privaten Account ebenso folgen wie meinem Autorenaccount. Und irgendwann lerne ich das noch, wie ich sie am besten auseinander halte.

Steht aber in meiner Prioritätenliste nicht ganz oben. Merkt man, nicht wahr?