Ganz viele Meinungen, danke dafür!

Vorgestern hatte ich euch befragt, wie es hier auf diesem Blog weitergehen könnte. Und ich möchte mich bei jedem von euch, der mir ein paar Zeilen hier gelassen hat, ganz, ganz herzlich bedanken! Natürlich sollt ihr nun auch erfahren, was ich mit euren Gedanken so angefangen habe, ob ich zu Entschlüssen gekommen bin. Mir schien es am besten zu sein, dafür einen eigenen Beitrag zu schreiben. Vor allem auch, weil ich einigen von euch auf einzelne Zitate auch noch einmal persönlich antworten wollte.

Da ich glaube, dass auch das interessant für die anderen Kommentatoren sein könnte, aber ja nicht jeder immer alle Kommentare zu einem Blogbeitrag liest, werde ich hier mit Zitaten arbeiten. Ich hoffe einfach mal, dass das für alle so okay ist.

Vorneweg: Das Votum war mehr oder weniger eindeutig. Niemand sprach sich entschieden für einen Redaktionsplan aus, auch wenn verschiedentlich die Vorteile angesprochen worden sind, die ich selber ja auch sehe. Aber scheinbar mache ich mit meiner Art, den Blog zu führen, dann doch unterbewusst etwas richtig. Denn glaubt mir, bewusst ist das in der Regel nicht.

Aber auch das zählt wohl zu dem Stichwort Authentizität, das ganz oft genannt wurde. Authentisch sein geht ja damit einher, keine Rolle zu spielen und nicht nur deshalb, weil es gerade opportun sein könnte, Dinge zu schreiben, hinter denen man eigentlich nicht steht. Das ist in der Tat etwas, was ich immer zu vermeiden versucht habe. In meinem „richtigen“ Leben, also offline, bin ich so oft gezwungen (gewesen), Rollen zu verkörpern, dass ich online und auch in meiner Person als Autor keine Lust dazu habe.

Doch genug der Vorrede, kommen wir zu euren Zitaten 🙂 .

bullion schrieb:
Professionell ist schön und gut, doch ein Blog lebt auch von Agilität und persönlichen Eindrücken.

Ich muss ja fast zugeben, dass ich das mit der Agilität zuerst nicht verstanden habe. Aber die „Erleuchtung“ kam dann gestern von alleine. Eigentlich war dieser Beitrag, den ich gerade schreibe, für gestern vorgesehen, aber dann kam mir die Ehe für alle „dazwischen“. Und bei aller Selbstverliebtheit: Das war mal ein wichtiges Thema! Mit einem Redaktionsplan ist es im Zweifel immer schwer, spontan umzustellen. Ich wüsste bei festen Rubriken gar nicht, ob ich die im Bedarfsfalls ausfallen lassen oder nachholen würde.

Evanesca Feuerblut schrieb:
Da kamen die üblichen Punkte. Mehr Bilder, individuelleres Design, regelmäßige Posts, feste Rubriken und Blogtage.
[…]
Gibt zwar weniger Follower*innen, aber ich bin glücklicher damit.

Regelmäßig habe ich die Anfälle, in denen ich mich auf den diversen Seiten diverser Gurus schlau mache, was man tun muss, um einen erfolgreichen Blog zu führen. Und was man tun muss, um eine gute Autorenseite aufzubauen. Und ebenso regelmäßig bin ich vollkommen verzweifelt, wenn ich danach eine Soll-/Ist-Analyse durchführe. In mir tobt aber gleichzeitig ein heftiger Krieg zwischen diesen Polen, der mich daran hindert, alles über Bord zu werfen und den Tipps und Tricks nachzugehen.

„Mein Traum vom eigenen Buch“ war eine spontane Geburt. Ich wusste am Anfang nicht, wohin die Sache gehen soll. Und das merkt man manchen Dingen, wie zum Beispiel meinen verwendeten Kategorien oder Schlagwörtern, bis heute an.

Als eine Konzession habe ich irgendwann angefangen, jedem Beitrag wenigstens ein „Titelbild“ zu geben. Aber manchmal ist auch das stark an den Haaren herbeigezogen, was den Zusammenhang angeht. Ich mache es in der Hauptsache, damit der zugehörige Tweet auf Twitter besser wahrgenommen wird.

Wäre ich glücklicher, wenn es anders wäre? Das ist die Gretchenfrage und ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte binnen 48 Stunden die passende Antwort darauf gefunden. Zeit ist hier ein nicht zu unterschätzender Faktor. Inzwischen bin ich soweit, dass ich auch mal verknusen kann, wenn ein Tag weniger als 20 Aufrufe hat (ja, mit mehr als 20 Aufrufen pro Tag bin ich schon zufrieden. Die „großen“ Blogger wenden sich mitleidig mit Schaudern ab!). Im Juni habe ich an rekordverdächtigen sieben (!) Tagen nicht gebloggt.

Ich lerne. Wohl auch, dass Glück nicht von Zahlen abhängt.

Sonja schrieb:
Auf der anderen Seite erlebe ich es aber immer wieder, dass mich strukturierte Blogs mit klarem Plan und Ausrichtung faszinieren können.
[…]
Ein Redaktionsplan ist m.E. deutlich mehr als ein einfacher Plan. Da spiegelt sich die eigene Philosophie wieder, die man mit dem (manchmal angenommenen) Leserwunsch in Einklang bringt.

Diese Faszination kenne ich sehr gut. Ich erlebe sie immer wieder, wenn ich die auf den Wochentag getakteten Newsletter oder Beiträge gewisser Blogs bekomme, bei denen ich dann auch noch erkenne, dass sich da nicht „einfach“ jemand hingesetzt hat und „irgendwas“ geschrieben hat. Dann fühle ich mich so, wie sich der Schreiber eines Anzeigenblättchens im Vergleich zum Schreiber der FAZ fühlen muss: Beide machen irgendwie dasselbe, aber das nicht das Gleiche.

Ich habe in der Vergangenheit ja probiert, auch solche Artikel zu schreiben. Zum Beispiel zum Thema Überarbeitung, wo ja auch ein gewisses Leserinteresse da war. Aber ich muss gestehen, dass mich solche Themen nach gewisser Zeit selber zu langweilen beginnen. Nicht, weil sie uninteressant wären, sondern weil ich merke, dass ich mich selber einenge. Ich schreibe solche Artikel ganz anders, als ich zum Beispiel diesen schreibe. Da dudelt Musik im Hintergrund, da kann ich schon mal eine Pause machen und irgendwas anderes tun. Das Schreiben von strukturierten Beiträgen für einen strukturierten Blog ist Arbeit.

Da kommen wir auch wieder zum Schlagwort Professionalität: Sollte ich nicht generell mehr Wert auf Arbeit legen und weniger auf Spaß an der Freude? Nun, die Antwort hat u.a. Evanesca Feuerblut in ihrem Kommentar gegeben: Tu, was dich glücklich macht. Und schon sind wir wieder beim Philosophieren. Schade nur, dass die Philosophie schon fast per Definition keine Antworten bereit hält. Jedenfalls keine, die eindeutig wäre.

Hedwig Mundorf schrieb:
Stell Dir vor, Du planst für Donnerstag das Thema x, das mich vielleicht überhaupt nicht interessiert. Vermutlich würde ich an diesem Tag nie mehr bei Dir vorbei schauen und eventuell Wissenswertes und Interessantes verpassen.

Diesen Gedanken finde ich sehr interessant und ich habe mal überlegt, wie ich selber damit umgehe. Zunächst einmal muss ich dazu sagen, dass ich ja entweder die neuen Beiträge per Reader oder per Mails abonniert habe. Also liegen sie mir in irgendeiner Art und Weise vor und es ist nicht so leicht, sie zu übersehen. Aber wie wäre es, wenn ich direkt auf die Seiten einsteigen würde?

Ich denke, es würde da für mich ähnlich sein, wie Hedwig es schreibt. Wenn ich wüsste, dass immer montags ein Gedicht kommt, dann würde ich mir überlegen, ob ich montags reinschauen würde. Nicht falsch verstehen: Ich mag (manchmal) Gedichte sehr gerne. Aber sie müssen für den Augenblick passen. Und meistens passen sie nicht auf Kommando – oder auf Kalender. Und ja, ich würde auf diese Weise nicht nur den Montag wahrscheinlich auslassen, sondern auch noch einiges an guten Gedichten verpassen, die spontan zwischen Dienstag und Sonntag veröffentlicht werden.

romantickercarolinecasparautorenblog schrieb:
Nicht für alle Menschen ist es gut, ausschließlich spontan zu handeln. Schon gar nicht, wenn sie gerade in einem Prozess stecken, der Konzentration und Struktur – auch innere – abverlangt. Es ist anstrengend und Energie raubend, ständig zwischen Struktur und Beliebigkeit zu wechseln.
[…]
Wie wäre es mit einem Grundgerüst, das auf jeden Fall steht und der Option, auch mal spontan bei Bedarf einen Beitrag einzuschieben?

Auch dies ist ein sehr interessanter Gedanke, dass durch den schnellen Wechsel zwischen spontanen und eher strukturierten Arbeitsabläufen Energien verbraucht werden, die sich anders sicher besser einsetzen ließen.

Ich habe mich gefragt, ob das vielleicht einer der Gründe dafür ist, dass ich seit dem Beginn des Lektorats (bzw. der Lektorate, wenn ich die Kurzgeschichten mitzähle) ein Problem damit habe, an neuen Texten zu arbeiten – und mich auch mit dem einen oder anderen Blogbeitrag doch ein wenig zu sehr abmühe. Ja, da könnte glatt etwas dran sein.

Aber letztlich wirft mich dieser Gedanke auf die grundsätzliche Fragestellung zurück, was ich eigentlich nun genau haben möchte, was ich sein möchte: Profi auf amateurhaftem Niveau, oder Amateur, der sich langsam den einen oder anderen professionellen Zug hereinholt?

Ich denke, am ehesten wird es, rein gefühlsmäßig, auf eine Zwischenlösung hinauslaufen müssen. Wie ich die erreiche, am besten erreichen kann, weiß ich noch nicht. Auch da gilt, dass 48 Stunden ein ganz klein wenig zu wenig Zeit sind, um seriös zu einer Entscheidung zu kommen. Die Sache mit dem Grundgerüst ließe sich ja auch ausweiten, indem ich mir einzelne Tage dafür reserviere, zu schreiben, zu bloggen, zu überarbeiten.

Oder auch einfach mal Pause zu machen 😉 .

Auf jeden Fall ein guter Anreiz, der mich noch eine Weile beschäftigen wird!

margauxnavara schrieb:
Ich muss ja nicht jeden Tag lesen … 😉

Eine gute und wichtige Erinnerung, dass ich umgekehrt auch nicht jeden Tag schreiben muss 😉 .

Fazit:

Es zeichnete sich nach den Kommentaren, die ich bekommen habe, ab. Hier auf dem Blog wird sich vorerst nichts verändern. Sei es, weil es gut ist, wie es ist – sei es, weil ich über einige Dinge erst noch nachdenken muss.

Aber es hat mich enorm weitergebracht, die Frage gestellt zu haben. Deswegen danke ich noch einmal allen Kommentatoren. Auch denen, die ich hier jetzt nicht noch einmal zitiert habe. Jede Meinung war wichtig, jede Meinung war hilfreich.

Und jetzt lassen wir uns gemeinsam überraschen, wohin die Reise mit diesem Blog geht. Eines aber ist sicher: Sie wird weitergehen!

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2 Gedanken zu “Ganz viele Meinungen, danke dafür!

  1. Tolles Resümee.

    Die Aufforderung an die Leser, Art und Weise des Blogschreibens zu begutachten, ist eine außergewöhnliche Idee, hat aber zu interessanten Kommentaren animiert.

    Dabei fanden wir profilierte Einblicke in den Bloggeralltag, vor allem zu Pro und Contra zum Redaktionsplan. Wir selbst haben auch einen, jedoch ist kein Plan unumstößlich, um ihn am Ende nicht doch zu ändern.

    Was wir selbst als wichtig erachten ist eine Vorplanung von Blogideen oder besser: Sammeln, Sammeln, Sammeln. Viele Geistesblitze gehen ansonsten im Laufe des Tages unter und zu guter letzt sitzt man vor einem leeren Bildschirm und die guten Einfälle sind weg.

    Viele gute Blogideen noch weiterhin
    Katy und Effi

    Gefällt 2 Personen

    • Hallo Katy und Effi,

      vielen Dank für euren Kommentar und den Einblick in eure Vorgehensweise.

      Ist es wirklich so außergewöhnlich, die Leser mit einzubeziehen? Wenn es das ist, dann freue ich mich noch mehr, Leser zu haben, die so wertvolles Feedback gegeben haben 🙂 .

      Gefällt 1 Person

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