Die Profis aus der zweiten Reihe (oder: Was der Confederation Cup mit dem Schreiben zu tun hat)

Zunächst einmal ein dickes Sorry für diese lange Beitragsüberschrift. Aber ohne den Nachsatz hätte der Vorsatz keinen Sinn gemacht. Eh …

Gut, kommen wir zum Thema: Fußball! Nein, nein, bitte hier bleiben, wir streifen das Thema nur am Rande, meine Damen und Herren! Es ist nur Ausgangspunkt für eine kleine Betrachtung über die Wertigkeit von Arbeit und die Erwartungshaltung, die Menschen entgegen gebracht wird, die nicht in der Weise im Rampenlicht stehen, wie die großen Vorbilder es tun.

Gestern ist in Russland der diesjährige Confederations Cup zu Ende gegangen. Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat ihn in einem nicht ganz souveränen, aber packenden Finalspiel gegen Chile gewonnen.

Das ganze Turnier über zeigte sich die Mannschaft um Spieler wie Julian Draxler, Leon Goretzka, Timo Werner, Emre Can, Niklas Sühle, Amin Younes, Marc-Andre Tersteegen, Lars Stindl oder Sebastian Rudy in einer guten Form.

»Moment mal«, höre ich den einen oder die andere fragen, die sich jetzt nicht jeden Tag mit dem Thema schwarz-weißer Ball auseinander setzen. »Was für Leute sind das denn? Da kenne ich ja so gut wie keinen von! Was war denn mit Manuel Neuer, mit Thomas Müller, Toni Kroos, Mesut Özil, Mats Hummels und wie die alle noch heißen?«

Tja – die hatten gerade frei. Genauer gesagt hatte sich Bundestrainer Joachim Löw ausgedacht, dass er einige der etablierten und arrivierten Spieler mal in den Urlaub jetten ließ und dafür eine bessere „Jugend forscht“-Gruppe mit nach Russland nimmt.

Der überwiegende Tenor vor der Reise war, dass Deutschland am besten direkt zu Hause hätte bleiben können. Die Fußballwelt in- und außerhalb des Landes war sich einig, dass dieses Team gegen Mannschaften wie Chile oder Portugal, die jeweils mit Bestbesetzung anreisten, keine Chance haben würde.

Tja, so irrt der Lauf der Geschichte.

Und damit kommen wir zu den Geschichten. Denn viele Nachwuchsautoren, nicht nur im Bereich des Selfpublishing, aber gerade dort, stehen vor ähnlichen Problemen, wie die Younes, Sühles und Werners dieser Welt. Sie werden in der breiten Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Und wenn sie es doch werden, dann meistens in der Art und Weise, dass sie doch niemals an das Niveau der „besten“ Autoren heranreichen können.

Wer kauft schon einen Erwin Müller, wenn er einen John Grisham haben kann?

Wer eine Martina Mustermann, wenn eine Donna Leon verfügbar ist?

Und was bilden sich diese ganzen Heerscharen von Fantasy-, Thriller-, Krimi-, Liebes-, Horror-, und, und, und Geschichten eigentlich ein, dass sie sich auf den gleichen Markt begeben, auf dem auch die Großen spielen – und am Ende vielleicht sogar noch Geld dafür haben wollen?

In den Köpfen vieler Menschen ist leider immer noch nicht angekommen, dass es mehr Autoren auf der Welt gibt, die in der Lage sind, einen Handlungsfaden aufzunehmen, ihn zu stricken und zu einem wunderschönen Ergebnis zu vollenden, als die, die sich auf irgendeiner Bestsellerliste tummeln.

Die Menschen, die dann gerne fragen, ob man denn von seinem Schreiben leben kann, wie viele Bestseller man denn schon veröffentlicht hat, oder – der Klassiker – ob man eigentlich keinen richtigen Verlag gefunden hat, sind im übertragenen Sinn dieselben Menschen, die bei der Zusammenstellung des Kaders für Russland mit den Augenbrauen geschlackert haben. Getreu dem alten Motto, dass der Bauer das, was er nicht kennt, ganz einfach nicht isst.

Aber gehen wir für einen Moment weg von der Weltspitze. Reden wir nicht über Frau Rowling, Herrn King, Frau Leon oder Herrn Grisham. Es geht auch eine Nummer kleiner, nämlich zu Menschen, die noch nie einen Bestseller geschrieben haben und in diesem Leben auch niemals einen schreiben werden. Trotzdem leisten sie gute Arbeit im Rahmen ihrer Möglichkeiten und es kann Spaß machen (macht es meistens), sich mit ihrer Arbeit zu beschäftigen.

Auch ein Spiel der Nationalmannschaft Maltas kann Spaß machen. Oder das Lesen eines Romans von Lieschen Müller. Meistens nehmen wir uns nur nicht die Zeit, unseren Blick dorthin zu lenken.

Und so vereint sich zum Ende meines Beitrags der Blick auf den Fußball und der auf das Schreiben wieder ein Stück weit. Die Menschen waren skeptisch, als eine (relative) No-Name-Truppe nach Russland geschickt wurde. Und die Menschen sind skeptisch, wenn sie auf Romane von Autoren stoßen, von denen sie nie gehört haben.

Ich möchte mir wünschen, dass diese Profis aus der zweiten Reihe als genau das wahrgenommen werden, was dieses Wort schon aussagt. Als Menschen, die in dem aufgehen, was sie tun, die sich reinhängen in das, was sie tun und die professionell leben mit dem, was sie tun.

Die Jungs beim Confed-Cup haben es geschafft, die Skeptiker zu überzeugen. Und wir Autoren werden es auch schaffen. Davon bin ich überzeugt!