„Die Behüter des Wahren“: Sich wieder in Fahrt schreiben

Die ersten paar Gehversuche waren grausam. Am liebsten hätte ich nach jedem Absatz die Löschkeule geschwungen und das, was ich gerade geschrieben hatte, wieder ins virtuelle Nirwana geblasen.

Die Rede ist von der Kurzgeschichte, an der ich gerade schreibe. „Die Behüter des Wahren“ stellten mich vor echte Probleme.

Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war davon ausgegangen, dass ich auch diese Geschichte mehr oder weniger locker-flockig herunterschreiben würde, wie ich auch zuletzt meine Geschichten herunter geschrieben hatte. Deswegen trafen mich diese Schwierigkeiten auch unvorbereitet und ich war kurz davor, einfach aufzugeben.

Betrachten wir doch mal kritisch, was ich im letzten halben Jahr geschrieben habe. Da kommt nicht wirklich viel bei herum. Ich bin mir nicht einmal mehr sicher, ob ich an „Der goldene Tod“ in diesem Jahr überhaupt schon gearbeitet habe. Aber ich glaube eigentlich, dass nicht. Daneben gab es „nur“ Kurzgeschichten, von denen „Auf der 30“ aber auch schon die einzige erwähnenswerte ist.

Ich glaube, ich hatte mich in Sachen Schreiben komplett auf ein Abstellgleis manövriert. Zwar schreibe ich ja mit schöner Regelmäßigkeit meine Beiträge hier, aber das kann kreatives Schreiben nicht ersetzen.

Jetzt höre ich den einen oder die andere fragen, ob ich da nicht vielleicht ein wenig undankbar bin, denn immerhin hat diese Zeit die Annahme/Veröffentlichung von gleich zwei Anthologiebeiträgen gesehen, sowie das komplette Umschreiben eines Romans und das beginnende Lektorat desselbigen.

Ja, das ist richtig. Aber es ist nicht das richtige Schreiben.

Bei „Auf der 30“ hatte ich ein klares, kleines Szenario vor Augen, das von Beginn an auf eine einzige Pointe abzielte. Die klassische Kurzgeschichte eben. Zu mehr war das enge Mengengerüst auch nicht zu gebrauchen.

Bei „Die Behüter des Wahren“ fühlte es sich aber schon zu Beginn anders an. Und das, obwohl ich mit dieser Geschichte sehr wahrscheinlich in Bezug auf die Anthologie scheitern werde.

Wieso?

Nun, die Anthologie sieht vor, dass der Text auf jeden Fall unter 40.000 Zeichen bleiben muss. Nach dem, was ich jetzt schon geschrieben habe, ist das allerdings utopisch (wie passend). Na gut, dann muss ich halt wieder kürzen, könnte man sagen. Aber die Wahrheit ist: Eigentlich will ich das gar nicht.

Ich habe nämlich das Gefühl, dass ich mich so langsam, aber sicher, wieder in Fahrt schreibe. „Die Behüter des Wahren“ werden definitiv länger als die 40.000 Zeichen werden und ich gehe dieses Manko sehenden Auges ein. Weil ich das Gefühl habe, dass diese Geschichte mehr Platz braucht. Nicht den Platz, den ein Roman einnehmen würde, das nicht (und wenn ich eins nicht brauche, dann noch ein angefangen in der Gegend herumliegendes Romanmanuskript, danke dafür). Aber doch einen ganz eigenen, individuellen, zur Geschichte passenden Platz.

Dazu kommt noch etwas anderes. Der Text für die Anthologie soll eine positive Utopie werden. Das wird meine Geschichte auch. In gewisser Weise. Denn obwohl sie sich auch viel mit einer leider zugrunde gegangenen Welt beschäftigt, wird sie am Ende Hoffnung und dieses positive Gefühl zeigen. War das jetzt ein Spoiler? Nein, eigentlich nicht. Wenn die Ausschreibung schon vorweg ausplaudert, was am Ende drin sein soll, dann ist das Überraschungsmoment eher klein.

Doch, ich glaube, dass das Bild stimmt: Sich wieder in Fahrt schreiben. Das gute Gefühl genießen, wenn aus 200 Wörtern am Tag auf einmal eine ganze Papyrus-A4-Seite wird. Das noch bessere Gefühl genießen, wenn man in der Mittagspause auf der Arbeit mal eben drei Word-A4-Seiten schreibt. Und dann, mit einem Blick auf die schon getippten Zeichen die Schultern zucken und sich sagen: »Scheiß drauf, dann wird es eben eine Geschichte nur für mich.«

Nur für mich? Nun ja, schauen wir mal. Da habe ich noch keine Pläne, was ich mit einer Geschichte machen würde, die, sagen wir mal einfach eine Zahl, 20.000 Worte lang ist.Der Möglichkeiten sind ja heutzutage viele, wie wir alle wissen, die sich mit dem Thema nicht erst seit heute beschäftigen.

Aber jetzt will ich das Ding erst einmal schreiben. Ich halte euch, wenn ihr wollt, gerne hier auf dem Laufenden 🙂 .

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10 Gedanken zu “„Die Behüter des Wahren“: Sich wieder in Fahrt schreiben

  1. Ich sag ja: Utopien sind schwierig 🙂
    Aber toll, wenn sich ein Stoff entwickelt. Bis zum Einsendeschluss im Oktober ist’s ja noch ne Weile hin, vielleicht kannst Du ja einen Ausschnitt, eine Kurzfassung oder ähnliches einreichen. Liebe Grüße!

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    • Ich finde, Utopien sind in der Hauptsache schwierig zu klassifizieren. Positive sogar noch schwieriger.

      Ich habe irgendwann und irgendwo in meinem Blog bestimmt schon von dem Roman „Unternehmen Stunde Null“ erzählt. In dem geht es darum, dass das Ökosystem Erde komplett kollabiert und eine Gruppe von Menschen, die hellsichtig genug war, dies kommen zu sehen, um ihr Überleben kämpft.

      In dem Roman geht eine Menge kaputt, Milliarden von Menschen sterben, auch bei unseren Protas ist nicht alles gut und doch ist der Roman explizit in einer Reihe für positive Utopien veröffentlicht worden. Ich denke, weil das Ende zeigt, dass Menschen auch den Weltuntergang überleben können.

      Aber so betrachtet könnte man auch von Roland Emmerich behaupten, dass seine Katastrophenfilme positive Utopien sind 😉 .

      Liebe Grüße zurück!

      (Und ja, bis Oktober ist noch eine Menge Zeit. Mal schauen, was noch so passiert.)

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  2. Eileen Blander schreibt:

    Ich habe dieses Gefühl, nicht zu wissen, was ich mit einer Geschichte am Ende tun will, auch erst gestern erlebt. Es ist eine Kurzgeschichte, ein Genre, in dem ich noch völlig unerfahren bin. Und noch weiß ich nicht, was aus dem Ganzen werden soll. Aber ich denke nicht, dass das schlimm ist. Manchmal ist es vielleicht auch gut, nicht für allen auf ein Ziel hinzuarbeiten.

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    • Nein, schlimm ist das sicher nicht. Ich habe mir nur irgendwann im letzten (oder war es schon im vorletzten!?) Jahr geschworen, nicht mehr für die Schublade schreiben zu wollen. Da fühlt sich so eine potenzielle Schubladengeschichte dann schon etwas seltsam an.

      Dir alles Gute mit und für deine Story!

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      • Nein, eigentlich keinen bestimmten Auslöser. Mehr so ein dringendes Bedürfnis, nachdem ich zuvor fast dreißig Jahre nur für die Schublade geschrieben habe. Ich finde es einfach unbefriedigend, wenn ich beim Schreiben schon weiß, dass das, was ich da fabriziere, wahrscheinlich nie das Licht der Welt erblicken wird.

        Wenn es hinterher zu nichts Brauchbarem kommt, dann ist das im Zweifel so (z.B. bei Anthologiebewerbungen, die nicht angenommen werden). Aber direkt in die Schublade rein: Nein, will ich nicht mehr 🙂 .

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