Der Sonntagsreport vom 09.07.2017 – Ein paar Worte über Medikamente

Hallo zusammen!

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag Nachmittag. Auch heute möchte ich euch wieder ein paar Worte über die letzte Woche berichten und weil der Sonntagsreport ja immer mal ein wenig persönlicher angehaucht sind, ist er der richtige Rahmen, denke ich, um ein paar Worte über Medikamente zu verlieren.

Wie ihr ja wisst, gehöre ich leider zu denen, die sich irgendwann in ihrem Leben den einen oder anderen psychischen Knacks eingehandelt haben. Aber das ist für mein Dasein als Autor ja eher von positiver Wirkung. Viele berühmte Autoren hatten so ihre Probleme, was reicht von „ist exzentrisch“ bis zu „hat nicht mehr alle Latten am Zaun“.

Nun bin ich weder berühmt, noch habe ich vor, mich irgendwo in dieser Spannbreite zu verorten. Es ist auch nicht wichtig, dass ich das tue. Soll es doch irgendwann die Nachwelt machen, wenn im Deutschunterricht über meine Werke gesprochen wird.

Äh … wo waren wir stehen geblieben!?

Ach ja, ich wollte davon sprechen, dass Medikamente sowohl Nutzen als auch Sorgen bringen können.

Meine psychischen Probleme haben ab einem gewissen Zeitpunkt eine intensive Behandlung sowohl auf psychotherapeutischer als auch auf medikamentöser Ebene notwendig gemacht. Und, ich stehe dazu, ich verdanke den Medis auch durchaus einiges.

Medikamente in diesem Anwendungsgebiet stehen ja immer so ein wenig im Verdacht, aus dem Hirn desjenigen, der sie einnimmt, einen Schweizer Käse zu machen. Das kann ich für mich nicht bestätigen. Mir haben sie, ganz im Gegenteil, sehr bei dem geholfen, worum es hier geht. Nämlich beim Schreiben.

Ich weiß nicht, inwiefern ihr euch einen Zustand der Blockade vorstellen könnt, bei dem es beinahe so ist, als ob das eigene Gehirn nicht mehr in der Lage ist, seine Arbeiten zu verrichten, die über die Wahrung der absoluten Grundfunktionen des menschlichen Daseins hinausgehen. Wahrscheinlich könnt ihr das nicht, denn es ist selbst als Betroffener schwer, es zu beschreiben. Man watet durch einen Sumpf aus Emotionen, Gedanken und auch Ängsten und findet irgendwie keinen passenden Weg hinaus.

Absolut tödlich für jede Form der Kreativität!

Als bei mir die Probleme ausbrachen, steckte ich schon seit Jahren in der Arbeit an „Darkride“ fest. Es ging nicht vorwärts, es ging nicht rückwärts. Es ging gar nicht. Und mein guter alter Bekannter, der Zweifel, war mal wieder zu Besuch. Bei allen meinen Romanen vor dem Jahr 2011 war ich mir nämlich so gut wie sicher, dass es sich bei ihm um den letzten überhaupt handeln würde. Ich hatte immer diesen Satz im Hinterkopf: Das war´s, mehr hast du nicht mehr zu erzählen.

2011 änderte sich das, weil ich endlich eine gute Kombination aus Arbeit an meinen Problemen und eben auch den richtigen Medikamenten bekam. Ich war, was speziell die angeht, ein kleines Glückskind. Ich blieb von allen negativen Begleiterscheinungen verschont, die das Einschleichen eines Antidepressivums oft mit sich bringt. Dafür merkte ich, wie ich langsam aber sicher wieder bewegungsfähig wurde.

Später in 2011 folgte dann mein Schreibmarathon, der in einer schnellen Folge bis 2013 die Romane „Der Morgen danach“, „Der Rezensent“, „Das Haus am See“, „Der Ruf des Hafens“ und „Darkride“ entstehen ließ.

Nachdem ich noch einmal eine kurze Schreibpause eingelegt hatte, begann 2015 die Ära „Mein Traum vom eigenen Buch“. Den Rest könnt ihr hier nachlesen.

Aber wieso komme ich dann jetzt wieder auf Medikamente zu sprechen? Nun, vor einigen Wochen merkte ich, dass ich Probleme hatte, mich auf Dinge wie meine Arbeit (privat wie dienstlich) zu konzentrieren, mich zu motivieren, mich zu fokussieren. Viel Zeit verplemperte ich damit, einfach im Internet zu surfen.

Und irgendwann wurde die Sache für mich nahezu unerträglich, auch wenn ich es meistens noch schaffte, sie irgendwie zu kaschieren.

Also bin ich zu meinem Psycho-Doc gegangen und habe ihm gesagt, dass mir diese Antriebsschwäche massiv auf die Nerven fällt. Und er öffnete seine Schreibtischschublade und sagte: »Es gibt da etwas Neues.«

Und so kam es dazu, dass ich seit jetzt ca. 5-6 Wochen auf ein neues Medikament gewechselt bin, das bei weniger Nebenwirkungen als das alte den Antrieb deutlich steigern soll.

Und, was soll ich sagen, es tut seine Wirkung! Ich habe mit einer Motivation, die ich so schon gar nicht mehr von mir kannte, die eine oder andere Aufgabe angenommen und angefangen, sie umzusetzen.

Es sind auch Kleinigkeiten, die mich zu dem Schluss bringen, dass ich da eine (momentan zumindest) richtige Pille für mich gefunden habe. Zum Beispiel habe ich im Moment kein Problem damit, wirklich jeden Tag etwas an meinem momentanen Projekt zu schreiben, also an „Die Behüter der Wahrheit“. Und wenn im Gegenzug mal, so wie gestern, kein Blogbeitrag „nebenbei“ entsteht, dann ist das für mich kein Weltuntergang, sondern völlig unproblematisch. Man muss sich seine Zeit eben einteilen. Und wenn ich dazu auch noch angefangen habe, endlich mal wieder ein Computerspiel ernsthaft zu spielen (und wir alle wissen noch, wann ich mir meinen neuen PC angeschafft habe!), dann sind das alles so Zeichen von Aktivität bzw. Beweglichkeit, die einfach toll sind.

Leider gibt es neben der ganzen Jubelarie aber auch einen deutlichen Nachteil. Das Medikament, das ich jetzt abgesetzt habe, ist nämlich ein ziemliches Arschloch (sorry), wenn es darum geht, es dem Körper zu entziehen. Es sagt nämlich: Ich mache dir das Leben zur Hölle, wenn du mich nicht weiter nimmst.

Der Arzt nennt das in seiner Sprache „Absetzungserscheinungen“. Umgangssprachlich würde man wohl besser „Entzugserscheinungen“ dazu sagen. Ich habe mit Dingen wie Schwindelattacken, Kopfschmerzen, Übelkeit und Blitzen vor den Augen (die sind besonders schön) zu tun. Alles ungefährlich, meint mein Doc. Und, dass sie in etwas fünf oder sechs Wochen vorbei sein werden.

Also von jetzt an gerechnet.

Warum erzähle ich euch das alles an dieser Stelle? Einfach nur, weil ich im Moment also, trotz allem, mal wieder etwas wackelig auf meinem Stuhl sitze. Einerseits habe ich den Antrieb, Dinge zu tun, andererseits gibt es die körperlichen Probleme, die mich teilweise ausbremsen. Aber es geht in die richtige Richtung.

Eigentlich wollte ich nur sagen: Wundert euch nicht, wenn zwischendurch hier vielleicht mal wieder ein oder auch zwei Tage Stille einkehren. Die sind dann einfach der Tatsache geschuldet, dass ich dabei bin, mich zu bessern. Also nicht mich zur Person, sondern meinen allgemeinen Zustand. Und dafür muss es mir einfach auch mal zwischendurch schlecht gehen.

Aber solange meine Kurzgeschichte wächst und gedeiht, solange ich den Kontakt mit euch über den Blog regelmäßig aufrecht erhalte und solange ich jeden Tag merke, wie die positiven Effekte ihre Wirkung haben und behalten, kann, will und werde ich das durchstehen.

Und dann schauen wir mal, wohin der neue Elan und die neuen Möglichkeiten mich führen. Ich habe so eine Ahnung, als ob ihr es mitbekommen könntet 😉 .


Ein wichtiges PS: Das soll nicht bedeuten, dass man Medikamente benutzen sollte, um seine Probleme in Sachen Kreativität zu beheben. Und nein, es soll auch nicht bedeuten, dass Medikamente immer und für jeden eine gute Sache sind. Medikamente sind nichts, womit man einfach mal experimentieren kann und ich bin jemand, der immer sehr eindrücklich davor warnt, einfach mal „was zu nehmen“ oder unkontrolliert „abzusetzen“.

Aber ich habe immer schon gesagt, dass Medikamente helfen (!) können, die Arbeit an den eigentlichen Baustellen anzugehen. In meinem Fall eben, die Antriebsschwäche zu beseitigen. Es geht und ging nicht darum, eine Form des Dopings durchzuführen, sondern meine blockierten Ressourcen wieder zugänglich zu machen.

Das ist ein gewaltiger Unterschied und wenn ihr glaubt, auch Probleme in dem Bereich zu haben, geht zu eurem Arzt und redet darüber. Er wird wissen, ob und was getan werden kann.

Und ganz grundsätzlich: Ich freue mich auf den Tag, an dem ich die Medikamente nicht mehr brauche. Denn das bedeutet, dass ich nicht nur leistungsfähig, sondern vor allem auch gesund bin.

Verständlich, oder?

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17 Gedanken zu “Der Sonntagsreport vom 09.07.2017 – Ein paar Worte über Medikamente

  1. Als jemand, dessen Happy Pills, wie ich sie immer liebevoll nehme, von der Pharmafirma seit einem halben Jahr nicht mehr erzeugt werden, kann ich das alles unterschreiben. Psychopharmaka können eine großartige Hilfe sein, aber sie sind kein Allheilmittel, kommt immer auf die Art der Probleme an.
    Wenn sie helfen, dann weiß man erst wieder, wie es sich anfühlt, einfach „normal“ zu sein und mit Schwung und Energie durchs Leben zu gehen, ohne das Gefühl zu haben, in Treibsand aus schwarzen Gedanken zu stecken.
    Mögen die Entzugserscheinungen schnell vorbei sein und reine Energie und Lebensfreude zurückbleiben 🙂

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    • Du hast Recht, Jery, Medis sind kein Allheilmittel – auch, wenn manche sie gerne so sehen wollen. Aber jeder muss für sich persönlich seine Strategie finden. Das habe ich inzwischen gelernt.

      Sind deine Happy Pills vom Markt genommen worden, oder wie muss ich das verstehen?

      Jedenfalls danke ich dir für die guten Wünsche und hoffe, dass auch bei dir alles gut ist/wird.

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      • Meine Happy Pills werden nicht mehr erzeugt. Von der Pharmafirma vom Markt genommen. Danke vielmals. Dummerweise war es in Europa das einzige Medikament mit dem Wirkstoff, auf den ich sehr gut anspreche.
        Habe zum Glück eine geniale Neurologin, die einen Ersatz gefunden hat, wo der Wirkstoff ein Abfallprodukt bei der Umwandlung im Körper ist, und jetzt hab ich die Umstellung aufs neue Medikament und das Ausschleichen des alten fast hinter mir.

        Gefällt 1 Person

      • Dann drücke ich dir die Daumen, dass die Umstellung einigermaßen klappt. Bei mir fingen die richtig krassen Nebenwirkungen erst an, als mein altes Medikament komplett raus war und der Körper anfing, „Suchtsymptome“ zu entwickeln.

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    • Vielen Dank für dein liebes Angebot!

      Das mit den Tiefs ist richtig und ich weiß das inzwischen auch einzuordnen. Aber ich denke, ich bin gerade, nicht nur der Medikamente wegen, auf einem ganz guten Weg – zumindest auf einem vielversprechenden.

      Gefällt 1 Person

    • Hallo Hedwig,

      für die Offenheit gibt es aus meiner Sicht keine wirkliche Alternative. Schreiben ist ein wichtiger Teil von mir und die Art, wie ich schreibe, ist auch davon beeinflusst, wie es mir ansonsten so geht. Und da ich diesen Blog sehr ehrlich führe(n möchte), kommt auch dieses Thema immer mal wieder zur Sprache.

      Wenn auch selten zuvor in dieser Konsequenz und Breite, das ist richtig.

      Wie gut, dass ich keinen Roman im Umfeld einer Nervenheilanstalt schreibe, da könnte man mir unterstellen, Werbung machen zu wollen. Zwar spielt „Das Haus am See“ in einer psychosomatischen Klinik, ist aber der Handlung nach ein reinrassiger Krimi – und steht auch noch lange nicht auf der Liste der möglichen Veröffentlichungen.

      Viele Grüße
      Michael

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