»Ist das nicht eher ein Frauenroman?«

Gestern hatte ich euch ja von den Büchern berichtet, die ich neu ins Bücherregal stellen kann. Zu einem dieser Bücher gab es eine witzige Begebenheit, die ich euch kurz schildern mag.

Es handelte sich ja bei allen Büchern um Geburtstagsgeschenke und wie das so ist, schauen sich die anderen Gäste, so sie denn mit Büchern etwas anfangen können (und ich habe zum Glück eine Menge Menschen um mich herum, bei denen das so ist), auch die „Auslage“ an.

In dieser befand sich nun ja auch der Roman „Club der letzten Wünsche“ von Tamy Fabienne Tiede. Ich darf an dieser Stelle für die, die den Roman nicht kennen, einmal den Klappentext zitieren:

Was würdest du tun?

Unter freiem Himmel schlafen, ans Meer fahren, dich ein letztes Mal Hals über Kopf verlieben?

Diese Fragen schwirren in Jesslyns Kopf, als sie die erschütternde Diagnose erhält: Sie hat Krebs. Dabei gibt es noch so vieles, was sie unbedingt erleben will. Also schreibt sie eine Liste, die ihre letzten kleinen und großen Wünsche erhält. Zum Glück hat sie gute Freunde, die ihr bei deren Erfüllung zur Seite stehen und ihr zeigen, dass das Leben – so kurz es vielleicht sein mag – wundervolle Momente bereithält.

Das Buch fiel meiner Cousine in die Hände, sie schaute sich das Cover an, stutzte, las den Klappentext, stutzte erneut, schaute dann erst ihren Lebensgefährten und dann mich ein wenig ratlos an und fragte dann: »Ist das nicht eher ein Frauenroman?«

Und ich muss gestehen: Ich hatte mir bis zu diesem Moment überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, weil das eigentlich für mich kein wirkliches Thema (mehr) ist. In meiner Art, zu lesen, haben sich nämlich in den vergangenen zwei Jahren enorme Veränderungen ergeben – spätestens seit dem Moment, in dem ich angefangen habe, mich für das Schreiben von befreundeten und mir persönlich bekannten Autorinnen und Autoren zu interessieren.

Früher wäre ich an einem Roman wie „Club der letzten Wünsche“ vorbei gegangen und zwar nicht, weil ich gegen „Frauenthemen“ generell eingenommen gewesen wäre, ansonsten müsste ich meine vollständige Serien-Edition von „Sex and the City“ rituell verbrennen, sondern weil ich einfach nie auf den Gedanken gekommen wäre, dass mich so etwas als Roman interessieren könnte.

Aber durch die Vernetzungen, die bei mir stattgefunden haben, hat sich dies geändert. Ich lese inzwischen die Autorenseiten von Frauen (und Männern), die scheinbare Frauenromane schreiben. Der Roman, den ich gerade lese, „Ellas Schmetterlinge“ von Eva-Maria Obermann, ist ein reinrassiger Frauenroman – wobei ich den manchmal etwas abwertend benutzten Begriff Chick-Lit fast noch lieber mag.

Und ich lese auch bei ganz vielen Buchbloggerinnen und -bloggern mit, verlasse mich auf deren Urteile und lasse mich neugierig davon machen. Auf diesem Weg landete auch „Club der letzten Wünsche“ auf meinem Wunschzettel.

Aber das konnte ich in dem Moment so kurz alles gar nicht erklären, weil ich aus den genannten Gründen auch nicht (mehr) darauf vorbereitet war, eine Erklärung abzugeben. Deswegen habe ich irgendwie herumgedruckst und nur gesagt, dass ich mir da keine Scheuklappen auferlege. Das war sozusagen die Kurzfassung von dem, was ich jetzt, für euch, ein wenig weiter ausgeführt habe.

Was mich jetzt ja mal dringend interessieren würde: Wie sieht es denn bei euch so aus? So ein wenig kann ich euch, meine Stammleser und -kommentatoren ja inzwischen einschätzen, aber vielleicht mögt ihr mir dennoch verraten, ob ihr auch Romane lest, die eigentlich gar nicht für euch als Zielgruppe geschrieben zu sein scheinen. Habt ihr das immer schon gemacht? Hat sich da was verändert? Und wenn ja, warum? Oder seid ihr felsenfest bei den für euch „natürlichen“ Genres geblieben?

Ich bin sehr gespannt auf eure Gedanken hierzu! 🙂