»Ist das nicht eher ein Frauenroman?«

Gestern hatte ich euch ja von den Büchern berichtet, die ich neu ins Bücherregal stellen kann. Zu einem dieser Bücher gab es eine witzige Begebenheit, die ich euch kurz schildern mag.

Es handelte sich ja bei allen Büchern um Geburtstagsgeschenke und wie das so ist, schauen sich die anderen Gäste, so sie denn mit Büchern etwas anfangen können (und ich habe zum Glück eine Menge Menschen um mich herum, bei denen das so ist), auch die „Auslage“ an.

In dieser befand sich nun ja auch der Roman „Club der letzten Wünsche“ von Tamy Fabienne Tiede. Ich darf an dieser Stelle für die, die den Roman nicht kennen, einmal den Klappentext zitieren:

Was würdest du tun?

Unter freiem Himmel schlafen, ans Meer fahren, dich ein letztes Mal Hals über Kopf verlieben?

Diese Fragen schwirren in Jesslyns Kopf, als sie die erschütternde Diagnose erhält: Sie hat Krebs. Dabei gibt es noch so vieles, was sie unbedingt erleben will. Also schreibt sie eine Liste, die ihre letzten kleinen und großen Wünsche erhält. Zum Glück hat sie gute Freunde, die ihr bei deren Erfüllung zur Seite stehen und ihr zeigen, dass das Leben – so kurz es vielleicht sein mag – wundervolle Momente bereithält.

Das Buch fiel meiner Cousine in die Hände, sie schaute sich das Cover an, stutzte, las den Klappentext, stutzte erneut, schaute dann erst ihren Lebensgefährten und dann mich ein wenig ratlos an und fragte dann: »Ist das nicht eher ein Frauenroman?«

Und ich muss gestehen: Ich hatte mir bis zu diesem Moment überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, weil das eigentlich für mich kein wirkliches Thema (mehr) ist. In meiner Art, zu lesen, haben sich nämlich in den vergangenen zwei Jahren enorme Veränderungen ergeben – spätestens seit dem Moment, in dem ich angefangen habe, mich für das Schreiben von befreundeten und mir persönlich bekannten Autorinnen und Autoren zu interessieren.

Früher wäre ich an einem Roman wie „Club der letzten Wünsche“ vorbei gegangen und zwar nicht, weil ich gegen „Frauenthemen“ generell eingenommen gewesen wäre, ansonsten müsste ich meine vollständige Serien-Edition von „Sex and the City“ rituell verbrennen, sondern weil ich einfach nie auf den Gedanken gekommen wäre, dass mich so etwas als Roman interessieren könnte.

Aber durch die Vernetzungen, die bei mir stattgefunden haben, hat sich dies geändert. Ich lese inzwischen die Autorenseiten von Frauen (und Männern), die scheinbare Frauenromane schreiben. Der Roman, den ich gerade lese, „Ellas Schmetterlinge“ von Eva-Maria Obermann, ist ein reinrassiger Frauenroman – wobei ich den manchmal etwas abwertend benutzten Begriff Chick-Lit fast noch lieber mag.

Und ich lese auch bei ganz vielen Buchbloggerinnen und -bloggern mit, verlasse mich auf deren Urteile und lasse mich neugierig davon machen. Auf diesem Weg landete auch „Club der letzten Wünsche“ auf meinem Wunschzettel.

Aber das konnte ich in dem Moment so kurz alles gar nicht erklären, weil ich aus den genannten Gründen auch nicht (mehr) darauf vorbereitet war, eine Erklärung abzugeben. Deswegen habe ich irgendwie herumgedruckst und nur gesagt, dass ich mir da keine Scheuklappen auferlege. Das war sozusagen die Kurzfassung von dem, was ich jetzt, für euch, ein wenig weiter ausgeführt habe.

Was mich jetzt ja mal dringend interessieren würde: Wie sieht es denn bei euch so aus? So ein wenig kann ich euch, meine Stammleser und -kommentatoren ja inzwischen einschätzen, aber vielleicht mögt ihr mir dennoch verraten, ob ihr auch Romane lest, die eigentlich gar nicht für euch als Zielgruppe geschrieben zu sein scheinen. Habt ihr das immer schon gemacht? Hat sich da was verändert? Und wenn ja, warum? Oder seid ihr felsenfest bei den für euch „natürlichen“ Genres geblieben?

Ich bin sehr gespannt auf eure Gedanken hierzu! 🙂

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24 Gedanken zu “»Ist das nicht eher ein Frauenroman?«

  1. Ich lasse mich selten durch eine Genre-Bezeichnung vom Lesen eines Buches abhalten. Dazu bin ich viel zu neugierig. Ich probiere da viel aus. In meinem Leben habe ich die Erfahrung gemacht, dass mir gerade in den schwierigsten Situationen die richtigen Bücher in die Hände gefallen sind, teilweise völlig unterschiedliche Inhalte. Aber wenn ich mit einem Stoff, einer Art des Schreibens nichts anfangen kann, lege ich es weg.
    Im übrigen lese ich auch viele Bücher, um zu lernen, mich zu informieren und gegebenenfalls fundiert argumentieren zu können.

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    • Ah, verstehe. Du siehst das Ganze also eher bezogen auf die Darbietung des Stoffes, weniger auf die grundlegende Ablehnung eines Stoffes selbst. Das birgt natürlich einiges an Möglichkeiten in sich, oder? Jetzt würden mich natürlich die seltenen Ausnahmen brennend interessieren, von denen du schreibst.

      Bei mir ist ein Genre, das es sehr schwer hat (und hier müssen jetzt viele AutorInnen ganz stark sein) Fantasy. Ich habe in meiner Jugend, die sich ja so in den 80ern abgespielt hat, einfach zu viele schlechte Kopien vom „Herr der Ringe“ gelesen, um unvorbelastet an das Genre herangehen zu können. Aber: ich versuche, mich heranzutasten, aus den Gründen, wie sie auch im Artikel beschrieben sind. Einfach aus Neugierde auf das, was denn „die Jungs und Mädels“ da so geschrieben haben.

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      • Ich mag absolut keine Romane, bei denen ich das Gefühl habe, dass da jemand auf einen erfolgreichen Zug aufgesprungen ist, die nur nachgemacht und völlig uninspiriert sind. So zum Beispiel oft gesehen bei Vampirthemen und auch bei Fantasyromanen. Ärgerlich finde ich persönlich auch zusammengeklaute, zusammengewürfelte Mythen und Symbole aus allen möglichen Kulturen. So empfinde ich z. B. Harry Potter, das macht die Bücher für mich unlesbar. Und ich habe es probiert.
        Und auch durch und durch manierierte Stücke, die unter dem Motto: Mal was anderes! entstanden zu sein scheinen, wie z. B. Fifty shades of Grey, gehen nicht an mich. Die empfinde ich als absolut ärgerlich.
        Dann doch lieber mal zwischendurch ein Jerry Cotton oder Robert B. Parker zur Entspannung. Das ist wenigstens echt und auch nicht ohne Witz.
        Früher habe ich sehr viel länderspezifisch gelesen, also z. B. Russland: erst die Märchen, dann die Legenden, dann die Klassiker. Dazu auch noch die entsprechende Musik, um den Grundcharakter eines Volkes zu begreifen.
        Mehr fällt mir dazu im Moment nicht ein bzw. kann ich heute nicht mehr in Worte kleiden.
        Ach eins noch: überpädagogische Themen mit erhobenem Zeigefinger, bei denen gleich klar ist, was man mir unterjubeln will, ignoriere ich am liebsten. Geht allerdings nicht, wenn ich die Thesen widerlegen will.

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      • Erst einmal sorry, dass die Antwort hat auf sich warten lassen 🙂 .

        Ich stimme dir zu, dass es oft ärgerlich ist, wenn bei einem Roman erkennbar ist, dass da so gar keine eigene Idee dahinter steckt. Allerdings finde ich es im Zweifel auch manchmal schwierig, genau auszumachen, wo jetzt eine Welle angefangen hat und wo sie dabei ist, sich wegen zu viel Aufhebens zu brechen. Es ist ja nicht immer so einfach wie bei den glitzernden Vampiren oder den sadistischen Milliardären. Dafür müsste man/ich sich dann viel mehr in das jeweilige Thema einlesen. Aber wie oft nimmt man sich da schon die Zeit für?

        Bei Harry Potter kann ich leider (?) nicht mitreden, da ich den immer noch nicht gelesen habe. Weil ich es nicht leiden kann, wenn ein Roman bis ins Extrem gehyped wird. Und ja, da bin ich nachtragend 😉 .

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      • Jeder Hype ist mir auch ein Dorn im Auge. Manchmal erscheint es einfach nur noch lächerlich. Zuweilen habe ich das Gefühl, dass manche Texte nur deshalb als so hochintelligent und einzigartig beschrieben werden, weil eigentlich niemand versteht, worum es geht, man sich aber als Wissender darstellen möchte.

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  2. Ich bin eine Frau.
    Und rate mal, welche Romane ich in der Regel selten bis gar nicht lese. Ja genau 😀
    (Aber das weißt du ja schon, wir hatten das Thema öfters hier auf dem Blog bequasselt 🙂 ). Das Problem ist, dass – und das finde ich schade – inzwischen die Vermarktung so läuft, dass alles, wo sich das Verlieben/Partnerschaft im Vordergrund steht, als Literatur für Frauen vermarktet wird und alles andere als Literatur für Männer.
    Aber wenn ich mir z.B. Alexandre Dumas und „Die Drei Musketiere“ anschaue – ein „Männerroman“ – hat das auch eine durchaus tragende Dreiecksgeschichte (bandelt d’Artagnan mit der reinen Constance oder der bösen Mylady an?). Statt dem Badboy heutiger „Frauenroman“ gibt es ein Bad Girl, dem der Held zumindest kurzzeitig verfallen ist.
    Und da stört es mich nicht, weil Liebe/Partnerschaft ein Thema neben „Intrigen“, „spannende Kampfszenen“, „König vs. Kardinal“ etc. ist. Statt DAS Thema zu sein, um das alle Gedanken sämtlicher Beteiligter kreisen.
    Und ich liebe Liebesgeschichten in Fanfiction – komme aber ums Verrecken (noch) nicht darauf, was DIE Liebesgeschichten haben, was mir an veröffentlichten Romanen fehlt. Da muss ich noch grübeln, was die von mir bevorzugten Fanfictionautor*innen mehr nach meinem Geschmack sein lässt als das Meiste, was man im Laden kaufen kann.

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    • Erst einmal danke ich dir, dass wir das jetzt ein für alle Mal geklärt haben, dass du eine Frau bist? 😉

      In der Tat ist das eine oder andere Genre ja schon sein eigenes Klischee geworden. Zumindest, wenn man die erwarteten LeserInnen nimmt. Zum Glück wird das in den letzten Jahren auch deutlich weniger eingeschränkt, so wie ich das sehe. Frauen, die „Männergenres“ wie Horror oder Sci-Fi bedienen, sind jetzt nicht mehr so exotisch, dass sie immer Gefahr laufen, eingefangen und ausgestellt zu werden. Gut so!

      Aber du hast natürlich Recht, dass stellenweise eben diese Klischees auch im festen Kalkül bedient werden, um Käufe zu generieren. Ein Genre wie „Chick-Lit“ gab es vorher nicht und wenn doch, dann hätte man da Autorinnen wie Hera Lind einsortiert, deren Romane viele heutige Leserinnen nicht mit der Kneifzange anfassen würden. Und für Männer war es sowieso undenkbar, so etwas zu lesen. Die Klassiker waren da teilweise mutiger als wir es heute sind. Ein anderes Beispiel, das mir einfällt, ist „Ivanhoe“, wo auch die Grenzen der Zielgruppe und der Genrezugehörigkeit immer mal wieder gesprengt werden. Ritter, klar, aber auch Liebesgeschichte. Und einfach gut geschrieben.

      Hat es bei den Fanfictions vielleicht was damit zu tun, dass du die Charaktere kennst und eine Beziehung zu ihnen hast? So, wie einen ja auch die Love Stories von Freunden und Freundinnen mehr interessieren als die von irgendwelchen entfernten Bekannten, weil man einfach emotional näher an ihnen dran ist.

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      • Ivenhoe ist toll… Und zum Thema „mutiger als heute“ – hast du „der Graf von Monte-Christo“ gelesen? Und wenn ja: In einer Ausgabe, aus der die lesbische Liebesszene nicht rausgeschnitten wurde?

        Möglich, dass sie mich einfach stärker kümmern, während das Liebesproblem irgendeiner Erna Müller unter „Who cares?“ läuft. Aber ich glaube, das ist nur ein Teilaspekt…
        Ich bleibe dran, du hast mich ins Grübeln gebracht.

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      • „Ivanhoe“ hat mir wirklich gut gefallen, auch wenn er von vielen Kritikern ja als zu seicht angesehen wird. Den „Grafen“ habe ich noch (?) nicht gelesen, möchte ich aber irgendwann mal nachholen. Generell habe ich bei den Klassikern ein enormes Defizit. Aber da hatten wir, glaube ich, auch schon mal drüber gesprochen. Welche Ausgabe könntest du denn empfehlen, bzw. woran erkenne ich denn eine „ungeschnittene“ Ausgabe?

        Was das andere angeht: Ich glaube, dass man sich in eine Erna Müller erst wieder neu einfühlen muss, quasi neu Freundschaft mit ihr zu schließen hat. Und da sind 2-300 Seiten manchmal etwas wenig.

        Ich bin sehr gespannt, ob du irgendwann eine Erklärung dafür findest! 🙂

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      • Ich gebe ja ehrlich zu, ich habe den „Graf“ auf Französisch gelesen, aber ich würde einfach explizit darauf achten, dass in der Ausgabe „ungekürzt“ drinsteht. Steht es nämlich NICHT drin, ist die Ausgabe auf jeden Fall gekürzt.
        Ich war jedenfalls beim Lesen der französischen Ausgabe überrascht, wie viele Szenen drin waren, die ich noch gar nicht kenne…

        Entweder das. Oder dass FFs mehr wagen, als immer das gleiche Schema F, nach dem Literatur oft läuft.
        Beispielsweise das Thema queere Literatur oder die Darstellung von Polyamorie. Das alles schleicht sich erst langsam auf den Markt, oft dank SP und immer noch schwer zu finden.
        Ich finde dort also oft die Art Story, die es auf dem Markt noch gar nicht gibt oder die ich sehr mühsam suchen muss.

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      • Es war mir gar nicht bewusst, dass ich bei Romanen jetzt auch explizit nach dem „Uncut“-Sticker suchen muss. Das kenne ich nur von Filmen und auch da speziell bei denen von gewissen Vertriebsfirmen. Aber danke für den Hinweis, dann werde ich darauf achten.

        Bei dem, was du zu FFs schreibst, fasst du sehr gut die Vorteile und die (meiner Meinung nach) Nachteile dieser Literaturgattung zusammen. Alles geht und dadurch werden die einen Leser angezogen und andere abgeschreckt. Im Endeffekt entsteht dann ein etwas „zweifelhafter“ Ruf, der Fan Fictions oft anhaftet.

        Aber das ist ein Thema, in dem ich nicht wirklich mitreden kann, weil ich mich mit dem Thema in den letzten 10, 15 Jahren nicht mehr beschäftigt habe.

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      • Ach, das Problem kenne ich bisher ausschließlich von französischen Büchern. Da sind teilweise noch die Übersetzungen von 19xx im Umlauf und die sind dann um einige pikantere Dinge gekürzt. Oder um Szenen, die angeblich langweilig sind. (Fiel mir auch beim „Glöckner von Notre Dame“ und den „Drei Musketieren“ auf, aber DA war es schon schwer, Band 2 und 3 mal auf Deutsch zu finden. Man will ja nicht immer auf Französisch lesen 😀 )

        Nachteile gibt es immer. Alles kann, nichts muss und es gibt absonderlich schlechte Geschichten.
        Ich war gut 5 Jahre völlig weg aus der Szene, aus Zeitmangel, aber irgendwie zieht sie mich gerade mal wieder magisch an und finde – wie vor fünf Jahren – wieder Geschichten, die es so auf dem Markt oft nicht gibt.

        Zeitgründe? FFs lesen sich ja ausschließlich am Bildschirm.
        (Wobei mir mal jemand eine ausgedruckt hat, die von meiner ganzen Schule für eine geleakte Version von Harry Potter 7 gehalten wurde. DIE habe ich als Print gelesen 😀 )

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  3. Zunächst noch einmal alles Gute nachträglich:
    Wenn ich nur Romane für meine Zielgruppe lesen würde, würde mir ja nur das Regel „Frauenromane“ oder noch schlimmer „Für freche Frauen“ (hier verbirgt sich, freche bis prickelnde Erotik…) übrig bleiben. 😉
    Ich war es immer schon gewohnt, außerhalb meiner Zielgruppe zu lesen, weil ich mit den meisten weiblichen Charakteren nichts anfangen konnte. Vielleicht meide ich deswegen alles mit dem Label „Frauenroman“, die alleine vom Cover her so etwas blumig-Kitschiges verbreiten, dass ich ins Kissen beißen möchte (und das nicht, weil ich so eine „freche“ Frau bin).
    Als ich deinen Eintrag aber gerade gelesen habe, fiel mir auf, wie doof das eigentlich ist. Und wenn ich jetzt weiter nachdenke, merke ich, wie viele Bücher ich ausschließe, nur weil sie ein bestimmtes Label tragen: historischer Roman – weg, Frauenroman – bitte nicht!, Fantasy – bei Zeiten, wenn’s sein muss.
    Wenn mir allerdings Freunde ein Buch empfehlen (und dies tut man ja meist ohne Label), dann ist mir egal, welches Geschlecht der Hauptcharakter hat, in welchem Feenwald die Story spielt und ob das alles 2048 spielt.
    Vielleicht wäre es also Zeit für weniger Label…

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    • Dankeschön! 🙂

      Und auch meinen Dank für deine interessanten Gedanken. Was du beschreibst hat viel von dem, was ich so erlebt habe, als ich angefangen habe, meine Scheuklappen ein wenig fallen zu lassen. Bei einigen Genres fällt es mir schwerer als bei anderen (ich erwähnte gerade in einem anderen Kommentar Fantasy), aber ich arbeite dran.

      Gerade mit den Covern machen manche Verlage und Autoren es einem ja nicht einfach. Nehmen wir nur diese Silhouetten von Menschen, wie ich sie ja auch bewusst hier als Bild genommen habe. Wenn ich so etwas sehe, dann habe ich zumindest eine sehr genaue Vorstellung davon, was mich im Roman erwartet. Ich gehe sozusagen schon mit einem bestimmten Gefühl herein. Einerseits ist das ja genau das, was erreicht werden soll, andererseits schließt es manche Lesergruppen auch von vornherein aus.

      Ist also gar nicht so einfach, da den Mittelweg zu finden und erinnert mich gerade ganz spontan an die armen Autoren unter uns, die über Vampire schreiben und jetzt immer betonen müssen, dass die nicht glitzern …

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  4. Zustimmung: Genre ist wurscht, Hauptsache die Qualität stimmt. Allerdings habe ich schon bestimmte Vorlieben, lese zum Beispiel lieber einen guten Krimi als einen guten Thriller. Als Kind schnappte ich mir, wenn meine hungrigen Leseaugen sonst grad nichts hatten, sowohl die Groschenhetfte meines Vaters (Jerry Cotton) als auch meiner Mutter (Julia und Doktor-Storys) – Spaß gemacht haben beide 🙂 Heutzutage lese ich tatsächlich weniger Liebesromane (gefällt mir als Bezeichnung immer noch besser als Frauenroman) als andere Genres. Obwohl, ich liebe ja den klassischen Entwicklungs- und Gesellschaftsroman – und das sind (natürlich) auch immer Liebesromane. Ergo: Genre ist wursch, Qualität muss stimmen.

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    • So kenne ich meinen Simon Segur: Mit dem letzten Satz prägnant auf den Punkt gebracht! Danke dafür!

      Interessant finde ich die Beliebigkeit bei den Groschenheften. Da haben wir eine Parallele, auch wenn ich auch damals schon mehr Spaß an den Heften „für Männer“ (bei mir waren es John Sinclair, Larry Brent & Co.), als an denen für Frauen hatte. Die waren immer so variantenarm geschrieben.

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  5. Sonja schreibt:

    Wenn man das Genre bzw. die Zielgruppe eines Buches immer im Blick hätte, wenn es um ein Buch geht, dann hätten alle, die Harry Potter gelesen haben, die Finger davon lassen müssen. Zumindest die erwachsenen Leser. 😉
    Ich denke aber, dass die Vorurteile bei Frauenromanen noch etwas schwerer wiegen als bei anderer Literatur. Man erwartet eher seichte, groschenromanähnliche Inhalte und schließt dann aus diesem Vorurteil heraus auf die Qualität jeglicher Literatur, die irgendwie in das Genre passt. Und man muss es dann doch auch mal sagen: Frauenliteratur ist von der Aufmachung her eindeutig zu erkennen, sodass diese Assoziation nicht ganz ungewollt ist.

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    • „Frauenliteratur“ hat wirklich das Problem, dass hier quasi seit Generationen die gleichen Themen und Typen bedient werden, wenn auch mit Variationen, die dann eben gerade so in sind.

      Wenn es nur die Nähe zum Groschenroman wäre, wäre das vielleicht nicht einmal das Schlimmste. Denn was sind viele Actionstoffe anderes? Oder nehmen wir die Zombiewelle, die durchs Fernsehen/Kino rollt. Klassische Stoffe des Groschenromans.

      Allerdings finden dort herausragende Stoffe vielleicht leichter ihr „Word of Mouth“, ich weiß es nicht.

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  6. Wonach aber teilen sich denn die Gruppen ein? Alles mit Gefühlen ist für Frauen und alles mit Helden, vorzugsweise männlichen, oder Bücher, in denen es blutig zugeht, ist für Männer?
    Dann dürfte ich keinen Krimi oder Thriller lesen, was ich sehr gerne tue.
    Trotzdem mag ich auch Liebesromane, man kann sie einfach so weglesen, ohne sich viele Gedanken machen zu müssen, was nach einem ganzen Arbeitstag halt sehr angenehm ist.
    Aber was ist dann mit den Klassikern? Schrieb Poe für Männer? Faulkner? Hawthorne?
    Und mit Fantasy á la Terry Pratchett, den ich liebe?
    Ich bin dafür, dass man immer wieder über seinen Tellerrand hinwegschaut, sich einfach traut, sei es nach Cover oder Klappentext oder Empfehlungen. Die Mischung macht´s.
    Das mit den gefühlvollen Covern, die sofort auf die „Zielgruppe“ schließen lassen, ist doch Blödsinn, so wie rosa und blaues Spielzeug für Kinder.
    Nur wer beide Hirnhälften verdrahtet, entwickelt sich weiter.

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  7. Das ist aber eine spannende Frage! Auch spannnend, dass du die Fragezeichen deiner Bekannten so gar nicht absehen konntest – welch interessante Begegnung 😉

    Ich musste da gleich an meine leidliche Beziehung zu Büchern denken, als ich eine Teenagerin war. Da habe ich alle Geschichten verschlungen, die ich kriegen konnte. Für die Verwandte war dann meistens klar: „Nora bekommt Bücher zum Geburtstag / zu Weihnachten / wann es halt Geschenke gibt!“ Was haben sie weiters gemacht? Sind in den Buchladen gegangen und haben gefragt: „Was liest denn ein Mädchen in dem Alter? Brauche ein Geschenk.“

    Ich bekam dann Vampir-Romanzen, Romantasy, sonst welche Liebesgeschichten vorgelegt. Am Anfang habe ich mir noch ein paar angetan, dann aber wurde schnell klar: Ich mag diese Geschichten. Für mich zu langweilig und vorhersehbar und gerade mit den Frauenfiguren konnte ich überhaupt nichts anfangen.

    Dagegen war kein episches und dunkles Fantasybuch vor mir sicher. Ich habe da systematisch die Bücherei durchgelesen. Sehr viele Klassiker waren da auch dabei, wie Poe oder Kafka. Comics las ich sowieso sehr viele, meistens die dunkle Sorte. Heute weiß ich, dass sie ab 18 waren, „für Jungs“ und daher „nicht für mich geeignet“ – aber es passte trotzdem.

    Ich habe dann sehr schnell meinen Verwandten gesagt, dass ich nicht die Mädchen-Bücher möchte, die sie sich mal so in der Buchhandlung geben lassen. Weil ich die nicht lese. Gesagt habe ich es nie, fühlte aber tatsächlich so: Ich fand es etwas verletzend, dass man mich als Charakter so gar nicht im Blick hatte. Die Leute kannten mich doch – die hätten wissen müssen, das so etwas nicht zu mir passt. Aber von da an wurde ich immerhin konkret gefragt, was ich will, und bekam es auch. Keine rosanen glitzerenden Bücher mehr.

    Jetzt, wo ich so darüber nachdenke: Ist es nicht faszinierend, wie schnell wir da, gerade bei Kindern, nach Geschlecht gehen? Keiner meiner Verwandten ist in den Laden gegangen und hat gesagt: „Ich suche ein Geschenk für jemanden, der das und das mag, die und die Hobbys hat, sowieso viel liest, also dick muss das Buch sowieso sein.“ Stattdessen ein pauschales, wie natürliches: „Haben Sie was für ein 14-jähriges Mädchen?“

    Sollte ich einmal Kinder haben, werde ich tatsächlich in den Buchladen gehen und deren Geschlecht nicht kennen. Ich werde nur sagen: Ich habe ein Kind, dass dies und das mag – können Sie mir da was empfehlen?

    Ich finde, jeder sollte glitzernde Lovestories und dunkle Epen lesen können, wie es ihm passt, ohne von Geschlechtererwartungen in eine Schublade gesteckt zu werden. Ersteres ist nicht mein Fall, aber dafür gönne ich das vielen anderen, ob Mädchen oder Jungen, Frauen oder Männern. Dass gerade die männliche Seite des Markts hier sehr leidet, ist ein großes Problem – Frauen können an sich alles lesen, wie sie auch inzwischen Hosen tragen können. Aber wenn der Junge auf Prinzessin Lilifee zugeht, werden so einige Mütter intervenieren mit einem: Das ist für Mädchen, fass es bloß nicht an! Aus einer ähnlichen Erwartung heraus hat darum auch deine Bekannte gefragt, warum du einen „Frauenroman“ liest.

    Hier können wir noch einiges tun 🙂

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    • Hui, so viel Text, danke dir, Nora! Sorry, dass ich jetzt erst zum Lesen und Antworten komme. 🙂

      Ich finde deinen Bericht aus deiner Jugend/Kindheit sehr interessant – vor allem, weil er ja aus einer völlig anderen Zeit stammt, als meine Kindheit es gewesen ist, sich aber die Mechanismen gar nicht so sehr verändert haben.

      In meiner Jugend waren es die „Schneiderbücher“, die ja schon der Serie nach streng nach Jungen und Mädchen aufgeteilt waren. Da waren dann „Hanni und Nanni“ für Mädels und „Die schwarze Sieben“ für Jungs. „Die fünf Freunde“ waren irgendwo dazwischen.

      Ein sehr wesentlicher Aspekt, den du mit einbringst, ist auch diese Auseinandersetzung mit dem Menschen, dem man eigentlich gerne ein Buch schenken möchte. Ich weiß nicht, ob es da durch Menschen wie mich, die inzwischen fast vollständig auf Genres pfeifen, nicht immer schwerer, wenn nicht gar unmöglich geworden ist, auf Verdacht ein passendes Geschenk zu finden. In der Haut der Buchhändler möchte ich da eigentlich nicht stecken – und gleichzeitig erklärt es, warum Algorithmen wie die von Amazon immer einflussreicher werden, wenn es darum geht, die Menschen durch den Buchdschungel zu navigieren.

      Aber ja, wir können da noch viel tun, da gebe ich dir Recht. Sowohl als Leser als auch als Autoren.

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      • Ja, manchmal überkommt es mich. Warum klappt das nicht so gut mit dem Buchschreiben wie mit dem Kommentieren manchmal? 😉

        Ich glaube auch, als Buchhändler hat man es da nicht leicht. Gerade von Buchhändlern habe ich aber mehrere Glossen in letzter Zeit gelesen, dass sie dieses Schubladendenken sehr bedauern. Auch wenn diese eigentlich nur Hilfestellungen sein sollen. Es macht den Job mitunter schwierig, wenn du hilflos zusehen musst, wie ein Kind von bestimmten Büchern weggezogen wird – du kannst ja jetzt nicht einfach intervenieren, Pädagogik oder gar Politik in den Job bringen. Aber ich denke, je öfter das angesprochen wird, desto eher ändert sich auch was. Insgesamt denke ich, dass da viele Grenzen eh aufgebrochen sind – eigentlich ist nur Romance noch als „Frauenliteratur“ behaftet. Niemanden interessiert es, wenn Frauen Thriller lesen. Ist interessanterweise genauso in der Mode mit den Hosen und Röcken – ersteres hat sich längst auch bei Frauen durchgesetzt, aber bei Männern unvorstellbar.

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      • Jetzt vergiss mir bei den Röcken aber mal die Schotten nicht! 😉

        Aber du hast schon Recht, dass es schwierig ist, als Buchhändler da, ich nenne es mal, Lobbyarbeit zu leisten. Schließlich kann man davon ausgehen, dass mehr als drei Viertel der Menschen, die mit diesem „Kind, weiblich, 14 Jahre alt“ Spruch kommen, eigentlich selber eine ganz gefestigte Vorstellung haben, was denn jetzt ungefähr bei der Suchabfrage herauskommen muss. Und ob Tante Erna oder Onkel Ingo sich dann überzeugen lassen wollen, ist zumindest mal fraglich.

        Und die, die nicht in diesen Schubladen denken? Die stehen mit Sicherheit sowieso selber am Bücherregal und suchen sich was passendes aus.

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