Meldung und Meinung: Literarischer Nachlass von Terry Pratchett platt gemacht

Es ist eine Geschichte wie aus einem seiner Romane und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass der leider viel zu früh verstorbene Autor Terry Pratchett eine Menge Spaß daran gehabt hat, sich dieses Szenario auszudenken.

Wir erinnern uns: Pratchett hatte eine ganz besondere Beziehung zu allem, was flach ist. Seine größten Erfolge feierte er mit den Romanen um die Scheibenwelt, jener von vier Elefanten getragenen Kontinentalplatte, die auf dem Rücken der Sternen-Schildkröte Groß-A’Tuin durch das Weltall schwimmt. Satte 41 Romane entstanden im Laufe der Jahre, gegliedert in verschiedene Zyklen mit verschiedenen Schauplätzen und Charakteren. Man denke nur an die Romane um die Wache der Doppelstadt Ankh-Morpork oder um die, die sich mit dem in der Scheibenwelt höchst persönlichen TOD befassen.

Neben seinen 41 erschienenen Scheibenwelt-Romanen gab es aber wohl noch weitere, an denen er gearbeitet hat, die er jedoch nicht mehr fertigstellen konnte. Und da er das Schreckgespenst vor Augen hatte, dass nach seinem Tod jemand auf die Idee kommen könnte, diese Fragmente auszuschlachten und mit eigenen Ideen zu vervollständigen, verfügte er, dass die Festplatte (auch nichts anderes als eine Magnetscheibe), auf welcher die Entwürfe gespeichert waren, vernichtet werden sollte.

Und dieser Akt der Vernichtung hat nun stattgefunden, indem man, ganz stilecht, mehrfach mit einer Dampfwalze über die Festplatte gerollt ist. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass das literarische Erbe von Terry Pratchett jetzt platt wie eine Scheibe ist. Stilechter hätte man das wohl nur erreichen können, indem man die Platte von einem Elefanten zertreten lässt.

Was ist nun von der Entscheidung Pratchetts zu halten? War seine Sorge begründet oder handelt es sich um eine besonders schlimme Form der Paranoia?

Dazu muss man sich umschauen, wie es anderen Autoren so ergangen ist, die gestorben sind, ohne dass sie ihr literarisches Werk vollenden konnten. Hier findet sich Licht und Schatten und beides liegt, wie oft im Leben, recht nah beieinander.

Nehmen wir zum Beispiel die Veröffentlichungen, welche aus dem Dunstkreis des Erbes von J.R.R. Tolkien veröffentlicht wurden. Hier finden sich dann sowohl hervorragend editierte Werke wie die „Nachrichten aus Mittelerde“, wie auch Romane, etwa das kürzlich erschienene „Beren und Lúthien“, die sich einiger der großen Geschichten aus dem Tolkien-Universum annehmen, von den Fans und Freunden des Schriftstellers aber mit gemischten Gefühlen betrachtet wurden.

Ein Präzedenzfall, der noch gar nicht so lange her ist, ist der des verstorbenen Thrillerautoren Stieg Larsson. Dieser hatte geplant, seine Serie um das Magazin Millennium auf sieben Bände anzulegen, kam aber leider nur dazu, drei dieser Bände zu komplettieren. Der Vierte war gerade in Arbeit, als Larsson starb. Das hinderte aber weder den Verlag noch die Erben daran, einen Autor zu suchen und auch zu finden, der auf der Basis von Larssons Plänen die Reihe fortführt, was sich als ziemlich einträgliches Geschäft herausgestellt hat. Künstlerisch jedoch, so berichten nicht wenige Kritiker, haben der „neue“ und der „alte“ Larsson nicht mehr viel gemein.

Manchmal merken Leser noch nicht einmal, dass sie da gar kein Werk ihres Lieblingsautors mehr lesen. Wobei die Zeichen eigentlich deutlich sind, wenn man sich ein wenig mit ihnen beschäftigt. Aber wer, der nicht regelmäßig die Kulturseiten der Tageszeitung liest, bekommt schon immer mit, wenn wieder ein Autor von uns gegangen ist?

Der Krimischriftsteller Andreas Franz verstarb im Jahr 2011 und hinterließ ein unfertiges Manuskript für seine Reihe um die Ermittlerin Julia Durant. Sein Verlag beauftragte den Autor Daniel Holbe damit, den Band fertig zu stellen, auf dessen Einband immer noch prominent der Name Franz prangte. Inzwischen hat Holbe mehrere Bände der Reihe nach eigenen Motiven geschrieben und es gibt immer noch Leser, die nicht mitbekommen haben, dass es sich hier nicht um einen Mentor und seinen Schüler handelt, sondern dass Herr Franz in Frieden ruht und mit den neuen Romanen gar nichts mehr zu tun hat.

Es müssen Szenarien wie diese gewesen sein, die Terry Pratchett zu dieser radikalen Aktion haben greifen lassen, selbst wenn es in der Literaturgeschichte natürlich auch an positiven Beispielen nicht mangelt. Franz Kafka fällt einem hier sofort ein.

Auf der einen Seite kann ich die Fans verstehen, die sicherlich mehr als eine Träne verdrücken, weil ihnen auf diese Weise einiges an „Stoff“ entgeht, den sie gerne noch gehabt hätten. Aber ich bin, wenig überraschend, auf der Seite des Autors. Denn dieser hat nicht umsonst das Recht des Urhebers an seinem Werk. Und dieses Recht gibt ihm die Wahl, entweder zu veröffentlichen, was er geschrieben hat, oder es zu vernichten.

Pratchett selbst konnte aufgrund seiner Erkrankung und seines Todes diesen Schritt nicht mehr tun. Deswegen finde ich es gut, dass seinem Wunsch nun auf diese Weise entsprochen wurde.

Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich mit Pratchett niemals so emotional verbunden war, dass ich hiervon persönlich berührt wäre. Andererseits muss ich bei meinem Lieblingsschriftsteller wahrscheinlich nicht befürchten, dass da einmal das Archiv vernichtet wird. Schließlich hat man Stephen King ja schon vor fünfunddreißig Jahren vorgeworfen, dass er auch nicht davor zurückschrecken würde, seine Einkaufsliste zu veröffentlichen …

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Warum passiert mir das eigentlich immer wieder!?

Ich werde aber auch nicht schlau daraus. Immer wieder passiert mir das. Wieso, frage ich mich? Wieso bin ich nicht in der Lage, eine Kurzgeschichte auch wirklich eine Kurzgeschichte bleiben zu lassen?

Ist ja jetzt nicht so, als ob ich nicht gerade im letzten Jahr die eine oder andere Kurzgeschichte sogar auf ein fest vorgeschriebenes Format hin geschrieben hätte. Ich kann es also. Umso unverständlicher ist es, dass mir immer wieder die Sicherungen durchknallen, die das eigentlich verhindern sollten, und aus einem kurzen Text ein immer längerer Text wird? Gibt es dafür nicht so eine Art FI-Schalter im Gehirn?

Ihr könnt euch sicherlich schon denken, was passiert ist und meine Stammleser mögen bitte aufhören, so zu grinsen 😉 . Die Geschichte „Die Behüter des Wahren“ nimmt mehr Platz ein, als ich ihr ursprünglich zugestehen wollte. Viel mehr Platz!

Um genau zu sein bin ich inzwischen irgendwo um die 80. Manuskriptseite. Das ist jetzt noch nicht weltbewegend viel, aber ich bin vielleicht gerade bei der Hälfte der Geschichte angelangt, wenn überhaupt. Es wird also alles, nur keine Kurzgeschichte mehr werden. Aber was genau nun daraus wird, das weiß ich auch noch nicht.

In den letzten beiden Kalenderjahren gibt es zwei Präzedenzfälle, in denen mir kurz geplante Stories explodiert sind.

Der erste war „Die Welt der stillen Schiffe“, ursprünglich geplant als lockere Schreibübung, um den NaNoWriMo 2015 noch irgendwie zu einem Ende zu bringen, weil mir mein vorheriger Roman irgendwie ausgegangen war. Aber sehr schnell zeigte sich, dass aus der geplanten Novelle ein Kurzroman wurde und am Ende aus dem Kurzroman ein kompletter Roman mit nicht unbeträchtlichem Umfang.

Noch „besser“ ist die Geschichte von „Der goldene Tod“, der ursächlich eine Kurzgeschichte auf der Basis von einigen Stichworten von Gewinnspielgewinnerin Nike Leonhard werden sollte, bevor er dann ebenfalls seine Ambitionen zeigte, etwas großes werden zu wollen (auch wenn es noch nicht vollendet wurde, ist das Manuskript alles andere als vergessen!).

Und nun also „Die Behüter des Wahren“. Ich muss mich der Realität stellen und die Realität sieht so aus, dass dies keine Kurzgeschichte mehr wird, sondern eine Novelle. Oder auch ein Kurzroman, da sind die Grenzen ja mittlerweile fließend. Ein wenig werde ich sicherlich kürzen können, wenn ich damit fertig bin, denn im Augenblick ist mir das Manuskript stellenweise noch etwas zu geschwätzig.

Aber dadurch werde ich auch nicht mehr „retten“, was vielleicht gar nicht gerettet werden muss.

Und trotzdem frage ich mich in Augenblicken wie diesen, ob ich einfach maßlos bin, ob ich so schlecht diszipliniert bin, dass mir die Figuren und die Handlungen meiner Geschichten nicht nur auf der Nase herumtanzen, sondern dass sie mich am Nasenring durch die Manege führen können.

Ich weiß es wirklich nicht.

Tatsache ist jedenfalls, dass ich mich dem nun stellen muss und wie ich schon in einem früheren Beitrag schrieb: Mal sehen, was ich dann hinterher damit anstelle. So eine nette kleine Geschichte könnte man ja glatt mal als Versuchsballon fürs Selfpublishing …

Und wieder: Wo ist der FI-Schalter!? Ich werde mich dann mal auf die Suche begeben.


Übrigens: Der Text ist natürlich etwas übertrieben. In Wahrheit freue ich mich darüber, dass ich wieder so etwas Ähnliches wie meinen Schreibfluss gefunden habe. Ich würde es nur nie, nie, niemals nicht zugeben 😉 .

Redebeiträge, auf die zumindest ICH nicht gewartet habe

Kommen wir mal wieder zu etwas ganz anderem: Politik.

Die ersten Leser wenden sich mit Grausen ab, aber ich verspreche auch, es kurz zu machen. Wie ihr alle wisst, stehen die nächsten Wahlen zum Deutschen Bundestag kurz bevor und das bedeutet, dass man in diesen Tagen inflationär mit den Aussagen von Politikern jeglicher Couleur konfrontiert wird.

Man kann dieser Tage kaum auf die Straße gehen, ohne dass an jeder Laterne ein Politiker hängt (äh, das war jetzt doppeldeutig). Die meisten Plakate belassen es dabei, den Namen des Mannes oder der Frau nebst seiner/ihrer Parteizugehörigkeit zu nennen. Und wenn man sich die Ausnahmen ansieht, ist man darüber eigentlich auch ganz froh.

Was ich aber sagen wollte ist, dass man auch mal an die armen Leute denken muss, die sich all die Wahlkampfslogans, die Statements auf den Plakaten und auch die meisten Redebeiträge ausdenken, mit denen unsere Volksvertreter in spe nun durch die Lande reisen. Denn es dürfte ja klar sein, dass eine Frau Merkel schon seit vielen Jahren nicht mehr abends am Küchentisch sitzt und sich die Worte ausdenkt, die sie zur Eröffnung der Gamescom sagen möchte.

Nein, die meisten Politiker, die ein gewisses Standing haben, lassen schreiben. Das fängt schon auf der kommunalen Ebene an, wie mir manche Stellenausschreibung meines Arbeitgebers bewiesen hat.

(Und nein, ich hatte bis jetzt keine Ambitionen, mich auf so etwas zu bewerben. Zum einen mag ich es nicht, wenn ich auf die Marschrichtung einer Partei, irgendeiner Partei, hin schreiben müsste, zum anderen reizen mich Grußwörter zur Eröffnung einer Gartenlaube des Kaninchenzuchtvereins nicht wirklich.)

Stellen wir sie uns doch einmal vor, wie sie in ihrem Kämmerchen sitzen und im Stil des sogenannen Clue Writings eine Reihe von Stichwörtern hingeworfen kriegen, aus denen sie jetzt irgendwie irgendwas zitierfähiges machen müssen. Da kommt einem doch beinahe das Bild des mittelalterlichen Schreibers in den Kopf, der beim Licht eines einzigen, kleinen Kerzenstummels über seiner Pergamentrolle brütet und betet, dass ihm irgendwas Gutes einfällt, weil sich ansonsten die Jungs von der Abteilung Leibesstrafe freuen, dass sie ein neues Übungssubjekt bekommen.

Ja, ich gebe zu, ich grabe Klischees aus. So etwas in der Art wird es bei keiner demokratischen Partei geben. Es gibt schließlich Werte, denen sich alle an unserer Gesellschaft teilnehmenden Politiker unterwerfen.

Und dann gibt es da noch die Redebeiträge von anderen. Redebeiträge, bei denen ich lieber weghöre oder weglese. Sofern es denn irgendwie geht. Vorhin ging es nicht.

Als ich mein Dienstgebäude verließ, um mir kurz die Beine zu vertreten, hörte ich auf einmal das Plärren eines Lautsprechers. Eine Männerstimme erzählte irgendwas. Ich dachte an einen Streifenwagen der Polizei, die machen ja manchmal Durchsagen und fordern andere Autofahrer dazu auf, rechts ran zu fahren, oder etwas in der Art.

Aber nein, bei genauerem Hinhören stellte sich heraus, dass da jemand eine Art Rede hielt. Eine Rede, von deren Inhalt ich hier nichts wiedergeben möchte. Ich sah mich um und entdeckte auf der Straße, schön an der roten Ampel wartend, einen roten Kleinbus, der zwei Lautsprecher aufs Dach montiert hatte. Dorther kam die Stimme, die jetzt anfing, wirklich garstige Sachen zu erzählen.

Ich mag das nicht im Detail wiedergeben. Ich denke es reicht, wenn ich euch sage, dass das Parteienlogo, das ich als nächstes auf der Seite des Busses entdeckte, aus einem roten Kreis bestand, in dem die weißen Buchstaben N und P und D (so geschrieben, damit Google das hier auf meinem Blog nicht findet) prangten.

Mal davon abgesehen, dass ich mich in diesem Moment fragte, ob die Zeit um schlappe hundert Jahre zurückgedreht worden ist weil es damals durchaus normal war, mit Lautsprecherwagen durch die Gegend zu fahren und die Wähler zu ködern, fragte ich mich, ob das eigentlich erlaubt sein kann, Dinge, die eindeutig gegen ein friedliches Miteinander und gegenseitige Wertschätzung gerichtet sind, so in die Allgemeinheit zu pusten.

Und, wohlgemerkt: Wir befinden uns immer noch in Duisburg, wo das Zusammenleben zwischen den Kulturen und Nationen ohnehin schon nicht immer ein einfaches ist!

Jetzt, wo ich so drüber nachdenke, wünsche ich mir beinahe, dass derjenige, der solche Texte geschrieben hat, irgendwo in seiner Kammer sitzt, vor eben dem bewussten Kerzenstummel. Denn da hört es bei mir mit der Solidarität leider auf.

Denn das vorhin war nun wirklich kein Redebeitrag, auf den ich gewartet hätte. Definitiv nicht!

Und sorry, dass es nun doch nicht ganz so kurz geworden ist, wie ich es beabsichtigt hatte 😉 .

Der Sonntagsreport vom 26.08.2017 – Ein Seitenblick in die Vergangenheit

Hallo zusammen!

Heute möchte ich euch eine kleine Geschichte erzählen.

Gestern waren wir ja auf der Jagd nach neuen Möbeln. Mehr möchte ich dazu eigentlich gar nicht sagen, denn alle drei Stühle, die wir gekauft haben, erwiesen sich beim Aufbau als mangelhaft und müssen wieder zurückgebracht werden. Entsprechend war gestern Abend meine Laune, wie ihr euch vorstellen könnt.

Aber gut, zu dem Zeitpunkt, um den es mir gerade konkret geht, wusste ich davon noch nichts. Wir fuhren gerade vom Möbelhaus zu unserem zweitwichtigsten Ziel: dem Haribo-Werksverkauf. Wenn ihr mal nach Neuss kommen solltet, kann ich euch nur empfehlen, einen Zwischenstopp dort einzuplanen. Die Möglichkeit aus der Wand mit der losen Ware eine eigene Tüte zu mischen (für einen sehr günstigen Preis) solltet ihr euch nicht entgehen lassen.

Mein Navi hatte uns schon ein oder zwei Mal in die Irre geführt, weil aufgrund der Neusser Kirmes (muss wohl schon wieder Schützenfest sein) immer mal wieder Straßen gesperrt waren.

Und dann schaue ich auf einmal nach links aus dem Fenster und sehe ein Gebäude, das mir sehr bekannt vorkommt und das in meinen Gedanken immer mal wieder einen Platz einnimmt.

Vor drei Jahren war ich in Neuss in einer Klinik zur stationären Behandlung untergebracht. Seit der Zeit damals kenne ich die Stadt ein wenig, habe mich mit ihr anfreunden können und auch eine Menge lieber Menschen kennengelernt.

Aber nicht nur das: In dieser Klinik in Neuss habe ich auch, nach einer wiederum etwas längeren Pause, wieder mit dem Schreiben angefangen. Dort habe ich die ersten Seiten des Manuskripts geschrieben, das später den Arbeitstitel „Der Redner“ erhalten hat und von dem ich in den Anfangszeiten dieses Blogs des Öfteren erzählt habe.

In den meisten Fällen findet der Anfang und das Ende eines Romanentwurfs da statt, wo auch die meiste Arbeit abgeleistet wird: zu Hause am Schreibtisch. Soweit ich mich erinnern kann, stellt „Der Redner“ die einzige große Ausnahme dar. Alleine das macht es schon bemerkenswert, diesen Ort wieder zu sehen. Auch wenn ich nur an ihm vorbei gefahren bin.

Aber sich daran zu erinnern, dass nicht nur „Der Redner“ dort ihren Anfang nahm, sondern dass ich auch einige Menschen getroffen habe, die sich an meiner Arbeit sehr interessiert zeigten und letztendlich in mir sowohl den Wunsch nach Öffentlichkeit als auch den Drang nach Veröffentlichung neu geweckt haben, das macht diesen Ort zu etwas Besonderem.

Ja, man kann sagen, dass dort „Mein Traum vom eigenen Buch“ in dieser Form seinen gedachten Anfang nahm.

Diese und andere Gedanken gingen mir in blitzartiger Geschwindigkeit durch den Kopf. Ich hatte nur eine einzige Ampelphase. Und im Anschluss daran Zeit, um darüber nachzudenken, wie ihr seht.

Natürlich liegt es mir fern, die Sache zu glorifizieren. Ich war damals in der Klinik, weil es mir richtig beschissen ging. Und ich wünsche mir um nichts auf der Welt, dass ich jemals wieder dorthin zurück muss. Und doch hat dieser Seitenblick in die Vergangenheit Erinnerungen geweckt, die nicht weniger als positiv sind.

Und mir gezeigt haben, dass auch in einer dunklen Phase gute Dinge ihren Anfang nehmen können.

Mit diesem Wort zum Sonntag möchte ich euch in die neue Woche entlassen. Ich hoffe, dass für euch die guten Dinge über die negativen überwiegen werden. Oder dass ihr hinterher wenigstens sagen könnt, dass es die Sache auf irgendeine Weise wert gewesen ist.

Macht es gut!

Euer Michael

Das Ende des Abstiegs eines Buches

Was ist eigentlich ein Buch wert? Also, wenn es schon ein wenig älter ist. Wenn es vielleicht auch nicht mehr so sehr geliebt wird. Oder nicht einmal mehr aufgelegt. Soll ja vorkommen. Wenn es aber irgendwann mal in einer gigantischen Auflage gedruckt wurde, was ist dann? Dann verstopft es ja schließlich irgendwo ein Lager. Oder vielleicht auch die Garage eines (jetzt) armen Autoren. Also: Wie tief kann so ein Buch sinken?

Gegenüber anderen Medien hat ein Buch das Problem, dass es sich nur schwer über andere Kanäle zweitverwerten lässt. Wenn ich an einen Film denke, dann ist es einfacher. Ein Film kommt kurz nach der Kinoauswertung auf DVD heraus, läuft eine Weile zum Vollpreis, rutscht dann seitens des Publishers ins Nice-Price-Segment, wird vielleicht im Rahmen von Sondereditionen mit einem oder mehreren anderen Filmen zu einem Bundle geschnürt und irgendwann dann vielleicht als Cover-DVD für eine Fernseh- oder Computerzeitschrift ausgewertet. Dann ist das Ende seines Lebenszyklus erreicht und die Media Märkte dieser Welt können dafür verlangen, was sie wollen.

Bücher unterliegen den überwiegenden Teil ihres Lebens der Buchpreisbindung. Nebenbei gelangen zwar einzelne Exemplare immer mal wieder als Mängelexemplare auf die Wühltische der Republik, aber das ist nichts, was die Verlage beeinflussen würden. Die heben irgendwann vielleicht die Preisbindung auf, was aber meist damit einher geht, dass auch die Präsenz der Bücher in den Buchhandlungen gegen Null tendiert.

Ab da schlägt dann auch beinahe schon die Stunde des Antiquariats oder des Trödelmarkts. Die Bücher dort sind dann aber meistens nur in kleinen Stückzahlen oder vielleicht sogar in Einzelstücken vorrätig. Eine Massenschwemme eines Titels zu einem eklatant niedrigeren Preis findet nur in den seltensten Fällen statt.

Gleichzeitig sind Bücher aber manchmal ganz offensichtlich so wenig wert, dass es teurer ist, sie zu vernichten, als sie irgendwo – nun ja – einfach ins Regal zu stellen.

Meine Familie und ich waren heute in einem Möbelgeschäft. Ein neuer Esstisch und Stühle sollten es werden. Der Möbelladen war riesig und absolut schlauchartig aufgebaut. Was man halt so machen kann, wenn man richtig, richtig viel Platz auf der grünen Wiese hat, auf dem man sich ausbreiten kann.

Während der freundliche Verkäufer uns diesen und jenen Stuhl zeigte, regte sich bei mir ein menschliches Bedürfnis. Ich meldete mich also kurz ab und machte mich auf den Weg zur Toilette. Für den ich aufgrund der Größe des Ladens ungefähr fünf Minuten je Richtung brauchte. Jede Menge Zeit, um sich die Möbel links und rechts des Weges anzuschauen.

Dabei fiel mir auf, dass überall in und an den Möbeln Bücher herum standen. Es handelte sich um offenkundig „gut abgehangene“ Titel, denen man ihr Alter teils sehr deutlich aufgrund der Aufmachung ansah.

Und ich bemerkte, dass die Titel sich immer und immer wiederholten. Hier ein klassischer Frauenroman, dort eine Ausgabe mit alten Sagen, im Küchenbereich immer wieder Kochbücher: Gut bürgerlich neben Omas Küche neben Eintöpfen

Ich fragte mich, ob dies wohl das Ende der Verwertungskette eines Buches ist: Romane und Sachbücher im bequemen Tausenderpack, geeignet als Kulisse für Geschäftsräume, aber nicht mehr dazu gedacht, wirklich gelesen zu werden.

Eine Sekunde lang wurde ich, hier kann ich es ja zugeben, richtig traurig. Für jedes dieser Bücher hatte einmal jemand gebrannt. Jedes Buch hat eine eigene Geschichte gehabt und hatte einstmals eine Daseinsberechtigung auf dem Markt. Und jetzt ist es nur noch eine Kulisse, kaum beachtet und bestenfalls von irgendwelchen Kindern angegrabbelt, während Mama und Papa sich die Schrankwand anschauen, in dem es steht,

Kann ein Buch weiter absteigen als dies? Oder ist es am Ende gar kein Abstieg, sondern so etwas wie ein Opfergang, um den Menschen zu zeigen, dass es trotz aller Technik auch in einem modernen Wohnzimmer, in einem heutigen Schlafzimmer und sogar in einer multifunktionalen Küche Raum und Platz für Bücher geben sollte?

Ich versuche, den letzten Gedanken festzuhalten und nicht daran zu denken, dass das Möbelhaus hier wahrscheinlich einen Sonderposten für die sprichwörtlichen Erdnüsse gekauft hat. Außerdem habe ich ganz oft den Impuls, eines dieser Bücher quasi von seinem Los zu befreien, es einfach einzustecken und mitzunehmen. Sogar die in schwedischer Sprache abgefassten Bücher bei IKEA.

Weil auch Bücher am Ende ihres Abstiegs ein wenig Liebe verdient haben!

Geplättet by Brotjob

Selten sind sie, die Tage, an denen mich mein Brotjob so plättet, dass ich danach eigentlich keine Lust mehr habe, mich um irgendwas zu kümmern, was auch nur im Entferntesten mit Texten zu tun hat.

Leider kann ich hier nicht in die Details gehen. Will ich auch gar nicht. Es hat halt mit Textarbeit zu tun und trifft daher genau ins schriftstellerische Mark.

Jedenfalls bin ich heute geplättet und deswegen ist dieser kurze Beitrag auch schon wieder vorbei. Wir lesen uns in dann hoffentlich neuer Frische morgen wieder.

#Autorenwahnsinn, die Sommeredition: Mein sommerlicher (Schreib-)Soundtrack

Wie ihr ja alle wisst, spielt Musik in meinem Leben eine große Rolle. Ich kann eigentlich so gut wie nicht ohne leben, selbst wenn es manchmal tagelang so ist, dass ich nicht dazu komme, wirklich Musik zu hören. Denn für mich bedeutet Musik hören, dass ich mir auch wirklich die Zeit dafür nehme, in die Stimmungen einzutauchen. Musik ist für mich erst dann wirklich gut, wenn sie mich emotional erreicht.

Das gesagt kann es also durchaus sein, dass ich zwar Radio höre, dass irgendwo sonst Musik dudelt, ich aber dennoch hinterher sagen würde, dass ich Musik nicht wirklich gehört habe.

Gemäß dieser Betrachtungsweise war der Sommer eigentlich nicht besonders ereignisreich. Ich habe zwar eine ganze Menge Musik gekauft (gebraucht zumeist) und auch gehört, aber ich kam nicht oft dazu, wirklich einzutauchen. Damit teilte Musik diesen Sommer das Schicksal mit vielen meiner anderen multimedialen Hobbies: Es kann eben im Zweifel immer nur eins zurzeit stattfinden. Und da hatten in diesem Jahr ausnahmsweise die Hörspiele mal wieder die Nase vorn.

Aber dennoch hat es sie gegeben, die Songs, die mich richtig gepackt haben und die es auf Heavy Rotation brachten (kennt man den Begriff heutzutage eigentlich noch!?).

Zum Schreiben habe ich dafür so gut wie keine Musik gehört. Es sei denn für Blogbeiträge. Ich kann nur mutmaßen, dass das auch wieder mehr wird, wenn ich wieder mehr schreibe und damit leichter die verschiedenen Zentren im Kopf voneinander trennen kann, die entweder schreiben oder Musik hören wollen.

Kann ja schließlich nicht sein, dass ich mir weite Teile des Backkatalogs von Jean-Michel Jarre und Vangelis sowie einiges an Soundtracks ganz umsonst gekauft habe, nicht wahr? 😉

Aber gut, nach vielen Worten, lasst uns langsam zur Musik kommen. Fünf Stücke habe ich euch herausgesucht.


Moby & The Void Pacific Choir – Silence

Zu Moby muss ich wahrscheinlich nicht viel erzählen, so lange ist der Mann schon im Geschäft. Doch nachdem er einige Jahre eher auf der sanften und melancholischen Welle ritt („Why Does My Heart Feel So Bad?“), hat er inzwischen seine wütende Seite gefunden. Und meine Güte, da kommt einiges an Energie zum Vorschein!

„Silence“ ist als Titel für diesen Song daher beinahe schon parodistisch zu verstehen.

Und das Beste ist, dass das aktuelle Album nach wie vor hier vollkommen legal und kostenfrei heruntergeladen werden kann!

The Birthday Massacre – The Lowest Low

Lange hat es gedauert, bis die kanadische Band rund um die mit einer elfenhaften Stimme gesegnete Sängerin Chibi ein neues Album auf den Markt gebracht hat und mir geht es wie immer: Ich habe mich noch nicht so richtig reingehört. Aber das kenne ich schon von allen anderen bisherigen Alben.

Und doch gibt es auch auf diesem Album dieses eine Lied, das ich einmal höre und das mich trifft wie ein Donnerschlag, direkt durch meine Haut und wahlweise in den Magen oder ins Herz. „The Lowest Low“ – gar nicht so weit unten, wie der Titel glauben machen will.

Kelly Clarkson – Breakaway

Ich habe es schon auf Twitter geschrieben: Das Schöne am älter werden ist, dass man heute, mit einigen Jahren Abstand, einige von den Popsongs, die man noch vor zehn Jahren aus Prinzip schlecht finden musste, als das anerkennen kann, was sie sind: Ziemlich gut gemacht und gar nicht so naiv-dümmlich, wie man immer geglaubt hat. Dabei hielt ich Kelly Clarkson immer schon für eine der besseren Vertreterinnen unter all den Pop-Hupfdohlen.

„Breakaway“ kommt, neben einer guten musikalischen Umsetzung, mit einem ziemlich guten Text daher, der von der Umsetzung von Wünschen handelt. Passt ja irgendwie auch zum Blog, oder?

Peter Schilling – 120 Grad

Der vielleicht seltsamste Gast in meiner kleinen Liste. Dazu muss ich sagen, dass ich damals in den Achtzigern sehr stark durch die ZDF-Hitparade sozialisiert wurde, was Musik angeht. Und zu Beginn der Achtziger hieß das auch, dass die Sängerinnen und Sänger der gerade heran galoppierenden Neuen Deutschen Welle große Popularität gewannen (jedenfalls bei mir, Dieter Thomas Heck sah das bekanntlich etwas anders).

Und zu denen gehörte auch Peter „Major Tom“ Schilling. Wobei ich, so stark sein größter Hit auch sein mag, sein zweites Album immer stärker fand. Inklusive seines Titelstücks. Lange Jahre jagte ich der Platte hinterher, die ich als Kind auf MC gehabt hatte, die mir dann kaputt ging, sie dann unter den „Mitbringseln“ meiner Frau wieder zu finden, bevor diese wieder kaputt ging. Dann gab es sie für eine Zeit lang als teuren Import (!) aus den USA.

Und jetzt stieß ich durch Zufall in einer dieser 5-CD-Boxen auf sie, die Warner Music regelmäßig bei Saturn & Co. für kleines Geld verkauft. Klar, dass ich sofort zuschlug. Und ziemlich dümmlich gegrinst haben muss, als ich sie mir endlich, endlich in guter Qualität anhören konnte!

Orchestral Manoeuvres in the Dark – The Punishment Of Luxury

Dieser Track ist quasi gecheatet, denn er ist noch gar nicht wirklich erschienen. Okay, als sogenannte „digitale Auskopplung“, aber ich halte nichts davon, wenn einfach ein einzelner Einzeltrack als Download angeboten wird.

Nach vier Jahren kommen OMD am 01.09. mit einem neuen Album und ihr Sound ist unverkennbar OMD – nur in modern. Ich bin sehr gespannt darauf, wie das ganze Album klingen wird.


Soviel also für heute mal wieder aus dem Land der Musik. Und ab morgen geht es hier wieder um Wörter, versprochen 😉 .