Der neue Duden: 5.000 Worte, die man vorher noch nicht kannte

Für uns Autoren ist er ja so etwas wie Hassobjekt und verehrter Kultgegenstand gleichzeitig: Der Duden. Das anerkannte Standardwerk zur deutschen Sprache, aufgeteilt in viele Bände und Disziplinen, deren Mittelpunkt jedoch stets das Wörterbuch der deutschen Sprache bleibt. Sicherlich das Buch, an das man synonym denkt, wenn jemand vom „Duden“ spricht.

Nun ist der Duden in einer neuen Auflage erschienen und jedesmal wieder überschlagen sich die Freunde und Feinde der Materie mit ihren Anmerkungen und Einlassungen. Denn eines steht fest, so sicher, wie das Amen in der Kirche: Recht machen können es die Macher des Bandes nie allen.

Da gibt es die Menschen, die darüber jammern, dass zu viele Anglizismen Einzug gehalten haben, die unsere deutsche Sprache verwässern würden. In diesem Zusammenhang bin ich übrigens immer versucht, ein möglichst teutonisches „teutsch“ zu benutzen.

Andere mokieren sich, dass Modewörter, die doch bitte hoffentlich und überhaupt nur für eine Saison tanzen, in das Wörterbuch aufgenommen und damit geadelt werden.

Wenn man heute an verschiedenen Orten im Netz nach den verschiedenen Reaktionen sucht, dann wird man sehr schnell fündig werden. Über den einen oder anderen Einwand kann man durchaus auch schmunzeln, wie über den eines Twitter-Nutzers, der bemerkt, dass die Aufnahme des Wortes „futschikato“ ungemein den Mann erfreuen wird, der dieses Wort 1958 als weltweit Letzter verwendet hat.

Was übrigens nicht ganz stimmt, denn ich kann mich an ein Hörspiel aus dem Jahr 1985, circa, erinnern, wo es auch Verwendung fand. Aber das nur am Rande.

Für uns Autoren ist der neue Duden eigentlich ein Pflichtprogramm – sollte man meinen. Ich persönlich sehe es ein ganz klein wenig anders, denn der Duden ist für mich nicht Bibel, sondern Unterstützung. Ich liebe es, meine geschriebenen Texte durch den automatisierten Duden-Korrektor zu schicken. Denn der kennt Wortkonstruktionen, die ich nicht kannte und ist auch in der Lage, solche Konstrukte, die nur ich mir ausgedacht habe, zu markieren und mich zum Umdenken zu bewegen.

Insofern freue ich mich jetzt schon auf die neue Ausgabe des Duden-Korrektors für den PC, der sich dann, hoffentlich, wieder so gut wie der bisherige bedienen lässt. Nämlich dermaßen unauffällig, dass man schlicht nicht mitbekommt, wie er im Hintergrund von Programmen wie SoftMaker Office oder Papyrus Autor werkelt.

Einen Duden in Papierform habe ich seit der Schulzeit nicht besessen. Ich sehe auch keinen (Zusatz-)Nutzen in ihm.

Apropos Schule: Dort wäre sein Einsatz vielleicht wünschenswert, alleine er wird nicht eingesetzt. Ich habe von meiner schulpflichtigen Tochter noch nie gehört, dass sie mal mit diesem Ding gearbeitet hätte. Vielleicht gibt es ihn auch gar nicht an der Schule. Oder nur in einer Auflage, in der vielleicht, so gerade eben, das Wort „Computer“ auftaucht. Wobei ich mich noch erinnern kann, dass es damals, als es genau um dieses Wort ging, auch schon eine Kontroverse gab, ob man dafür nicht einen schönen, teutschen, Begriff finden könnte.

So betrachtet ist der Duden auch immer eine Art Zeitreise.

Wie dem auch sei, jetzt hat die deutsche Sprache also offiziell 5.000 neue Worte, mit großem ß und allem, was sonst noch so dazu gehört. Bleibt mir nur noch, allen Beteiligten viel Spaß damit zu wünschen! 🙂

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19 Gedanken zu “Der neue Duden: 5.000 Worte, die man vorher noch nicht kannte

  1. Ja, der immerwährende Duden-Streit ist allerliebst. Wobei mich nicht die Aufnahme neuer Wörter oder Anglizismen stört, sondern das Streichen alter Wörter. DAS empfinde ich schon als Verlust. Viel spannender ist aber das große „ß“. Bin gespannt, wann und ob überhaupt es mir je über den Augenweg laufen und ob sich die Tastatur am PC ändern wird: Shift und „ß“ ergibt ja bis jetzt „?“ Und wohin dann mit dem Fragezeichen? Tja, Fragen über Fragen eben 🙂

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    • Beim Streichen alter Wörter sage ich mir immer, dass man ja im Bedarfsfall einfach in die alten Auflagen reinschauen kann. Das kommt dann auch der Realität in den Schulen wieder ein Stück näher 😉 .

      Das große ẞ ist in der Tat eine neckische Erfindung. Bei „neueren“ Windows-Versionen kannst du das „ganz einfach“ über die Tastenkombination Shift+alt gr+ß erzeugen. Unter Windows 10 geht es. Bei mir auf der Arbeit – wir erinnern uns: eine Amtsstube – geht es nicht. Aber was will man auch erwarten, wenn man uns mit Windows Server 2008 und Office 2010 abspeist …

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  2. Futschikato – allerdings eher mit einem „d“, hat meine Schwester so um 2012 oder so noch benutzt, ist derzeit aber wieder out. Vielleicht kommt und geht so ein Wort in Wellen?
    Ich sehe auch keinen Sinn hinter einem Papierduden, da bin ich als Lektorin um WELTEN schneller, wenn ich bei Fragen einfach online nachschlage. (Wobei ich mir fast überlegen sollte, mir das Programm anzuschaffen. Nicht zum Schreiben oder Überarbeiten, das stört mich eher, aber zum Lektorieren wäre das fein)
    Aber es gibt bestimmt noch irgendwo Anwendungen dafür. Und wenn man es nähme, um Einbrecher wirkungsvoll mit der Macht der deutschen Sprache aufzuhalten. Die deutsche Sprache ist nämlich gewaltig – schwer*. Wie viel wiegt ein Dudenwörterbuch noch mal? 😉

    *Alternativ täte es auch eine deutsche Ausgabe von „Dance with Dragons“ als Hardcover in einem Band.

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    • Die einzige Frage, die für mich im Zweifel zu klären wäre, wäre tatsächlich die, ob die (kostenfreie) Onlineversion des Duden immer auf dem exakt gleichen Stand wie das Printwerk ist. Sollte man ja eigentlich von ausgehen, aber eigentlich ist auch so ein Wort …

      Wenn ich nicht so ein schrecklich fauler (jetzt ist es raus) Mensch wäre, würde ich mich durch einige assoziierte Bände des Duden vielleicht sogar mal durchbeißen. Da gibt es sicherlich einiges zu lernen. Aber das reine Wörterbuch ist in dem Zusammenhang wirklich eher uninteressant. Wir sind ja hier nicht beim Reader’s Digest und „Erweitern Sie Ihren Wortschatz“.

      Und ansonsten gehen manche Worte tatsächlich in Wellen, scheint mir. War das schlicht-schöne „geil“ zur Spätphase meiner Jugend schon beinahe wieder out, bzw. rein auf das Sexuelle zurückgedrängt, scheint es bei den heutigen Kindern wieder an Stellenwert zu gewinnen – wie ich bedauerlicher Weise bei Kind 2 und Anhängseln feststellen muss.

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      • Joa, eigentlich. Wer weiß. Aber ich bin noch nie beim Lektorat über ein Wort gestolpert, das NICHT drinstand. Vielleicht habe ich Glück :D.

        Mich würde Band 7 (Etymologie) vielleicht reizen. Aber die anderen jetzt eher weniger.

        Ich weiß noch, wie ich in der dritten Klasse von meiner Lehrerin gehört habe, dass sie ganz entsetzt ist, dass wir Kinder schon das Wort „geil“ sagen. Und wir hatten keine Ahnung, was ihr Problem ist. Geil ist die Steigerung von Cool, was soll daran schlimm sein? Der Trend geht also mindestens seit 1998 wieder in Richtung „geil ist das neue cool“ 😛 (oder aber der Trend ging zwischenzeitlich runter und geht jetzt wieder rauf? Keine Ahnung, ich habe selbst als Jugendliche nie Jugendsprache gesprochen.)

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      • Vielleicht sollten wir für die weiteren Erhebungen infratest dimap einschalten *g. Ich kann nur sagen, dass bei meiner Großen, ganze sechs Jahre älter, dieses Wort deutlich weniger Verwendung fand.

        DAS wäre doch mal ein Grund, in den Duden zu schauen. Vielleicht kann der uns genauere Infos geben, ob solche Modebegriffe in Zyklen kommen und gehen. Und wenn er es nicht tut: Duden-Verlag, übernehmen Sie 😉 !

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      • DAS würde mich wirklich interessieren und hätte auch für mich als Autorin Mehrwert – wann gehörte Wort x zur Umgangssprache in welcher Altersschicht? Großartige Hilfe beim Schreiben authentischer Texte, am Besten rückblickend bis 1900.
        Das würde ich dem Verlag aus den Händen reißen 😀

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      • Vielleicht komme ich noch drauf. WENN es so etwas schon gibt, dann habe ich das in einer der Phasen in die Finger bekommen, wo mich das Schreiben gerade mal wieder so gefrustet hat, dass ich keinen Sinn in so einem Buch gesehen habe.

        Menschen fragen ist auch gut, aber ich bin so schrecklich schüchtern …

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      • Schau mal unter folgendem Link: https://www.redensarten-index.de/literatur.php#111

        Da sind zwei Bücher von einem gewissen Dr. H. Küpper aufgelistet. Der Beschreibung nach könnte es eins davon gewesen sein. Die letzte Auflage des kürzeren Werks wäre laut Amazon von 1997, das könnte glatt hinkommen.

        Mal schauen, ob sich die irgendwo auftreiben lassen. Zumindest mal, um einen Blick zu schmeißen. Die örtliche Bücherei könnte eine Möglichkeit sein *notier* .

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