Fakt und Fiktion (19) Die neue Küche

Frauen gehören in die Küche.

Dieser Satz, der mittlerweile mehr als zwei Jahrhunderte auf dem Buckel hat, hat in diesen Tagen eine Abwandlung erfahren. Frauen gehört die Küche! Und zwar in einer Art und Weise, die manche Zeitgenossen immer noch zu überfordern scheint. Aber auch zu begeistern, wie ich gleich schildern werde.

Nachdem sich das Drama um das Erbe meiner Frau (die Stammleser unter euch erinnern sich vielleicht, dass ich im Oktober 2015 (!) mal was zu dem Thema geschrieben habe) so langsam seinem Ende zuneigt und sie das als eine perfekte Gelegenheit begriffen hat, ihr ganz persönliches Drama mit unserer Küche, die sie nie wirklich lieb gewonnen hat, zu beenden, fand ich mich am Montag in einem Möbelgeschäft wieder. Dieses Geschäft warb zusätzlich just in dieser Woche mit immensen Preisnachlässen auf frei geplante Küchen des ausgeguckten Herstellers.

Und, meine Güte, war diese Küche frei geplant! Meine Frau hatte buchstäblich den kompletten Sonntag darauf verwandt, mit den diversen Planungstools der diversen Hersteller einen Küchenblock zusammenzustellen, der den Platz in unserer nicht allzu großen Küche mal eben halbieren, oder – in anderer Lesart – bestmöglich ausnutzen würde.

Nun unterlief dem Mitarbeiter, als er sich uns näherte, der beinahe klassische Faux-pas: Er gab erst mir und danach meiner Frau die Hand. Woher kommt es eigentlich, dass die meisten Mitarbeiter in Möbelläden, Autogeschäften und Technikmärkten der Ansicht sind, der Mann habe beim Kauf die Hose an? Dass es in diesem Fall nicht so sein würde, merkte der davon abgesehen sehr kompetente und freundliche Mitarbeiter dann recht schnell.

Es folgte ein zweistündiger Parforce-Ritt durch die Niederungen und Widrigkeiten der Küchengestaltung. Das hatte etwas vom Hasen und dem Igel: Wann immer der junge Mann eine Frage stellen wollte, bekam er schon die Antwort meiner Frau darauf, die sich genau darüber bereits Gedanken gemacht hatte.

Mit zunehmender Dauer des Gesprächs konnte man sehen, dass die Sache anfing, dem Verkäufer Spaß zu machen. Das wurde auch durch seine Kommentare deutlich:

„Wieso wusste ich, dass ich auf diese Frage eine Antwort bekommen würde?“

„Ich brauche die Frage gar nicht erst zu stellen, nehme ich an?“

„Das war genau das, was ich hören wollte.“

Dass die Zusammenstellung der Küche dennoch an die zwei Stunden dauerte, war zum einen der Vielzahl an Elementen geschuldet, zum anderen aber auch der Akribie, mit der das Spielchen betrieben wurde.

Ich gebe zu, dass es für mich zwischendurch ein wenig eintönig wurde. Für mich wäre die alte Küche noch gut gewesen, wobei „alt“ ein dehnbarer Begriff ist. Wieder O-Ton des Verkäufers:

„Wie oft kauft man sich schon eine neue Küche?“

Bei uns liegt der Schnitt irgendwo bei sieben Jahren, Tendenz fallend 😉 . Da musste er dann einräumen, dass er ein wenig daneben gegriffen hatte mit seinem Kommentar.

Aber gut, das Geld ist da/wird da sein und wenn es denn der Sache und dem Seelenfrieden meiner Frau dient, dann bitteschön.

Für mich war nur sehr angenehm, dass einige Punkte, die der nette Herr ansprach, durchaus zu dem passten, was auch ich vorher in den zwei, drei Diskussionen, die wir zu Hause geführt hatten, erwähnt hatte. Etwa, dass man für ein neues Induktionskochfeld auch neue Töpfe brauche. Meine Bemerkung auf einen entsprechenden Versuch des Verkäufers war ein großer Lacher:

„Geben Sie sich keine Mühe, die neuen Töpfe reden Sie meiner Frau nicht aus. Ich hab’s versucht!“

Irgendwann, kurz bevor die Putzfrauen kamen und den Laden durchfegten, waren wir dann aber doch so weit, dass man zur Auswertung des Geplanten und damit auch zum Preis kommen konnten.

Der Verkäufer fing an zu machen und zu tun, klickte mal hier in seinem Programm und mal dort und wies uns prophylaktisch schon einmal darauf hin, dass wir bitte nicht

„reflexartig die Flucht ergreifen“

sollten. Mich konnte er eh nicht schocken, denn ich hatte mir schon einen ungefähren Preis überlegt, auch wenn ich mich standhaft geweigert habe, den vorher preiszugeben. Und siehe da: Am Ende kommen wir fast dabei heraus.

Ihr würdet jetzt gerne eine Zahl haben, oder? Nee, die verrate ich euch nicht. Ich sage nur so viel: Unser Auto hat weniger gekostet als das, was der Küchenhersteller alleine für die Schränke aufgerufen hat. Durch die Preisaktion und das eine oder andere Entgegenkommen des Verkäufers, dem man sehr deutlich anmerken konnte, dass er a) so eine Küche nicht oft plant und b) auf Provisionsbasis bezahlt wird, zahlen wir aber doch um einiges weniger als für einen neuen Wagen. Inklusive der Elektrogeräte, die auch alle neu sind.

In der Zwischenzeit hatte sich schon eine Traube von anderen Verkäufern um uns gebildet, die immer mal wieder vorbei kam, um sich das Modell auf dem aufgehängten Fernseher anzuschauen. Auch der, der uns die letzte/jetzige Küche verkauft hatte, war dabei. Der erinnerte sich sogar noch an uns. Aber wahrscheinlich nur, weil er damals für eine Unachtsamkeit verantwortlich war, die für eine ungeplante Änderung sorgte, die wiederum mit dafür verantwortlich ist, dass meine Frau mit der Küche nie glücklich gewesen ist.

Hm, wenn ich jetzt so drüber nachdenke, müsste der gute Mann eigentlich einen Teil der neuen Küche übernehmen …

Zum Ende hin konnte ich dann aber doch noch einmal was für mein Selbstwertgefühl tun, indem ich meiner Frau quasi die Pistole auf die Brust setzte, jetzt diesen Kaufvertrag zu unterschreiben. Denn zum einen gelten die günstigen Konditionen nur noch bis Donnerstag und zum anderen kann ich mir nicht vorstellen, dass die anderen kleinen „Klitschen“, die uns von der Küchenfirma als Händler angegeben worden sind, bei diesem Preis mitgehen können. So war ich am Ende doch in verantwortlicher Position am Kauf dieser Küche beteiligt. Gut, nicht?

Aber dennoch, da beißt die Maus keinen Faden ab: Diese Küche gehört meiner Frau. In jeder Beziehung.

*Geht weinend in seinen Keller ab*

😉

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13 Gedanken zu “Fakt und Fiktion (19) Die neue Küche

  1. Ich habe es genau umgekehrt erlebt – ich wurde von den Möbelverkäuferinnen immer angesprochen, wenn es ums Design von irgendwas ging. Dabei besteht meine Kompetenz nur darin, zu sagen, ob ich etwas hübsch oder hässlich finde. Die meines Freundes ist, dies abzunicken und wir hatten seinen Vater dabei, der kannte sich aus, die technischen Gespräche gingen dann zu ihm. War lustig (und die Verkäuferinnen verwirrt.)
    Weniger lustig war es, als wir einen neuen Wasserhahn für die Küche brauchten und der nette Mann im Baumarkt dauernd meine Meinung wollte. Begründung? Ich wäre doch die, die damit abwaschen wird. Weil Frau und so. Öhm, nö 😀
    Glückwunsch jedenfalls zur neuen Küche!

    Gefällt 2 Personen

    • Vielleicht liegt es daran: Du schreibst ja von Verkäuferinnen. Die habe ich allerdings bis jetzt in Möbelgeschäften noch sehr selten gehabt. Jedenfalls nicht bei den Dingen, wo es auch um Planung ging. Komisch eigentlich.

      Bei uns bin ich derjenige, dem die Rolle zukommt, erst einmal alles zu hinterfragen. Dafür muss ich dann die entsprechenden Nackenschläge einstecken.

      Ja, wie, du bist nicht die, die abwäscht!? Und ich sach‘ noch für meine altvorderen Freunde: Das mit der Gleichberechtigung wird in nix Gutem enden! 😉

      Gefällt 1 Person

      • Echt komisch – uns hat eine Frau den Schlafzimmerschrank geplant (und der war auch recht aufwendig) und einmal wollte uns eine Frau ein Sofa planen. Liegt vielleicht am Gefälle Deutschland-Österreich 😀

        Hinterfragen ist doch gut, denke ich immer. Besser das als grenzenlose Begeisterung und was übersehen.

        *rofl*

        Gefällt 1 Person

      • Ein Sofa planen? Okay, in die Verlegenheit bin ich noch nicht gekommen. Wenigstens etwas, das man von der Stange kaufen kann. Keine Ahnung, wie das in Österreich aussieht.

        Das mit dem Hinterfragen merke ich mir mal und werde versuchen, es bei passender Gelegenheit an die Frau zu bringen 😉 .

        Gefällt 1 Person

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