Die Kurzgeschichte, die ich nur am Wochenende schreiben kann

Wie ich euch ja kürzlich berichtet habe, schreibe ich zurzeit an zwei Geschichten gleichzeitig. Das eine ist die Kurzgeschichte der Kurzroman „Die Behüter des Wahren“ und das andere die Kurzgeschichte „Das Kind“. Das war die Geschichte, die ich komplett geträumt habe und die ein, sagen wir mal, sehr ernstes und auch trauriges Thema hat.

Ich habe festgestellt, dass ich an „Das Kind“ nur am Wochenende schreiben kann, während die Arbeit an „Die Behüter des Wahren“ unterhalb der Woche stattfindet. Das mache ich nicht bewusst, es hat sich einfach so eingespielt.

Wenn ich eine Erklärung dafür abgeben müsste, dann würde ich glauben, dass es daran liegt, dass das Thema von „Das Kind“ es erfordert, mit voller Aufmerksamkeit heran zu gehen. Außerdem stellt mich die Geschichte vor ein Problem in der Art, dass sie mich auch emotional ganz anders angeht als die lockere Science-Fiction der „Behüter“.

In „Das Kind“ geht es um einen dreijährigen Jungen, den seine Eltern vor der Deportation retten wollen. Dazu müssen sie sich von ihm trennen, weil er ansonsten keinerlei Überlebenschance hätte.

Wie ihr wisst, habe ich selber zwei Kinder. Und auch wenn ich nicht glaube, dass ich wirklich in aller Authentizität in meine Elternfiguren projizieren kann, wie ich mich fühlen würde, müsste ich mich von einer meiner beiden Töchter auf diese Weise trennen, gehen mir die Szenen doch sehr nahe.

Ich kann diese Geschichte nur in homöopathischen Dosen schreiben. Zwei bis drei Manuskriptseiten auf einmal und dann ist es auch wieder vorbei. Und, wie gesagt, nur an den Wochenenden – wenn denn überhaupt.

Das ist wieder eine neue Erfahrung, eine sehr interessante, wenn ich das so sagen darf. Ich hoffe, dass am Ende eine Geschichte dabei herauskommt, von der ich sagen kann, dass ich mein Ziel erreicht habe: Möglichst realitätsnah zu bleiben, nicht zu kitschig zu werden und, das vor allem, nicht vordergründig effekthaschend. Es geht mir nicht darum, auf die Tränendrüse zu drücken und es geht mir nicht darum, Gefühle zu instrumentalisieren.

Es geht mir, hier so sehr, wie lange nicht mehr, um die Geschichte!

Und wenn ich nur am Wochenende daran arbeiten kann, dann ist das halt so. Ich habe es nicht eilig, es gibt keine Deadline. Diese Geschichte schreibe ich aus meinem eigenen Antrieb. Und solange das so bleibt, wird sie ihren Zweck erfüllen. Da bin ich mir sicher.

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