Ein Gefühl, dem ich (manchmal) hinterher schreibe

Ich muss euch einfach schon wieder mit meinem Musikgeschmack nerven. Es tut mir leid, aber ich habe sehr gute Gründe dafür. Denn mir ist heute wieder einmal bewusst geworden, wie sehr Musik und die Gefühle, die sie in mir auslöst, mit meinem Schreiben zu tun haben. Es gibt sie, diese Lieder, die in mir so starke Gefühle auslösen, dass ich mir wünschen würde, ich könne sie 1:1 in meine Geschichten übernehmen. Manchmal, wenn ich das Gefühl habe, dass ich zu flach bin in dem, was ich schreibe, erinnere ich mich an den einen oder anderen Melodieverlauf und versuche, auf dieses Gefühl hinzuschreiben. Es für mich zu adaptieren und etwas eigenes daraus zu machen.

Manchmal müssen Lieder lange dafür in mir reifen, manchmal erwischen sie mich wie ein Paukenschlag.

So wie „Nach dem Sturm“ von Lacrimosa.

Über die Band selbst ist in den letzten 26 Jahren schon so gut wie alles negative und positive gesagt worden. Ich habe den Werdegang fast von Beginn verfolgt und mich mal mehr und mal weniger gut in der Musik wiedergefunden. Aber dass ich noch einmal so von den Socken gehauen werden würde wie von diesem Lied, das hatte ich nicht erwartet.

Ja, ich weiß, über den Gesang kann man streiten. Habe ich alles schon hinter mich gebracht. Und ja, die Gesten sind dieselben, über die man schon vor zwanzig Jahren geteilter Meinung sein durfte. Aber vor allem ja: Ich kenne nach wie vor keine Band, die die Melange aus klassischen Elementen und Rockmusik so symbiotisch hinkriegt.

„Nach dem Sturm“ ist Sehnsucht, ist Melancholie, ist aber auch Hoffnung, Geborgenheit, Erinnerung, vielleicht Liebe, vielleicht Verlust. Wer bei der klagenden Gitarrenlinie nicht wenigstens ein oder zwei der genannten Emotionen spürt, tut mir, ehrlich gesagt, ein wenig leid.

„Nach dem Sturm“ ist ein Gefühl, dem ich manchmal hinterher schreibe. Und eines Tages werde ich es genau so zu Papier bringen. Wenn es zu der Geschichte passt, die ich dann schreiben werde.

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