Ein Gefühl, dem ich (manchmal) hinterher schreibe

Ich muss euch einfach schon wieder mit meinem Musikgeschmack nerven. Es tut mir leid, aber ich habe sehr gute Gründe dafür. Denn mir ist heute wieder einmal bewusst geworden, wie sehr Musik und die Gefühle, die sie in mir auslöst, mit meinem Schreiben zu tun haben. Es gibt sie, diese Lieder, die in mir so starke Gefühle auslösen, dass ich mir wünschen würde, ich könne sie 1:1 in meine Geschichten übernehmen. Manchmal, wenn ich das Gefühl habe, dass ich zu flach bin in dem, was ich schreibe, erinnere ich mich an den einen oder anderen Melodieverlauf und versuche, auf dieses Gefühl hinzuschreiben. Es für mich zu adaptieren und etwas eigenes daraus zu machen.

Manchmal müssen Lieder lange dafür in mir reifen, manchmal erwischen sie mich wie ein Paukenschlag.

So wie „Nach dem Sturm“ von Lacrimosa.

Über die Band selbst ist in den letzten 26 Jahren schon so gut wie alles negative und positive gesagt worden. Ich habe den Werdegang fast von Beginn verfolgt und mich mal mehr und mal weniger gut in der Musik wiedergefunden. Aber dass ich noch einmal so von den Socken gehauen werden würde wie von diesem Lied, das hatte ich nicht erwartet.

Ja, ich weiß, über den Gesang kann man streiten. Habe ich alles schon hinter mich gebracht. Und ja, die Gesten sind dieselben, über die man schon vor zwanzig Jahren geteilter Meinung sein durfte. Aber vor allem ja: Ich kenne nach wie vor keine Band, die die Melange aus klassischen Elementen und Rockmusik so symbiotisch hinkriegt.

„Nach dem Sturm“ ist Sehnsucht, ist Melancholie, ist aber auch Hoffnung, Geborgenheit, Erinnerung, vielleicht Liebe, vielleicht Verlust. Wer bei der klagenden Gitarrenlinie nicht wenigstens ein oder zwei der genannten Emotionen spürt, tut mir, ehrlich gesagt, ein wenig leid.

„Nach dem Sturm“ ist ein Gefühl, dem ich manchmal hinterher schreibe. Und eines Tages werde ich es genau so zu Papier bringen. Wenn es zu der Geschichte passt, die ich dann schreiben werde.

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5 Gedanken zu “Ein Gefühl, dem ich (manchmal) hinterher schreibe

  1. Lieber Michael, ich mag generell keine Musikvideos. Ich höre Musik lieber mit geschlossenen Augen und lass eigene Bilder in mir aufsteigen. Aber die Musik ist toll Wenn Du das in Deinen Texten umsetzen kannst, dann wird es Weltliteratur. Das kann ich leider nicht. Ich schreib lieber Banales, bewunder jedoch immer wieder die Texte anderer, die ich manchmal am liebsten klauen würde. Oft denke ich, warum fallen mir denn nicht solch schönen Worte ein. Mach weiter so und lass Dich nicht unterkriegen. Liebe GrüßeHedwig

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    • Liebe Hedwig,

      das mit der Musik kann ich verstehen. Ich wusste, als ich nach dem Lied bei YouTube suchte, auch gar nicht, dass es ein Video dazu gibt. Aber wenn dem so ist, dann nehme ich natürlich das.

      Ob da wirklich Weltliteratur bei heraus käme, wenn es mir gelänge, die Gefühle, die „Nach dem Sturm“ in mir auslösen, in Worte zu übersetzen, das weiß ich nicht. Aber es wäre auf jeden Fall ein schöner Gedanke 🙂 .

      Auf jeden Fall könnte ich dieses Gitarrenthema klauen!

      Ich danke dir für deine lieben Worte.

      Liebe Grüße
      Michael

      PS: Ich glaube nicht an Worte wie „banal“. Alles hat seine Zielgruppe und seine Kritiker. Und Shakespeare war zu seiner Zeit das Äquivalent eines Groschenheftautors 🙂 .

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  2. Hi Michael, kenne ich ganz genau, diesen Wunsch, die von Musik ausgelösten leidenschaftlichen Gefühle in einen Text umsetzen zu wollen. Das Sonderbare und Gemeine ist aber (bei mir), dass sich diese Passagen später schmalzig und pathetisch lesen, gewollt gefühlvoll. Formulierungen hingegen, die in fast nüchternem oder gar ironischen Ton Dramatisches transportieren, hauen viel stärker rein; wie ein Schlag, den man nicht kommen sieht.
    Kennst Du diesen Effekt?

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    • Hallo Katzenpapa und willkommen auf dem Blog! Ich habe von deinen drei Kommentaren mal einen willkürlich freigegeben und hoffe, ich habe den richtigen erwischt 🙂 .

      Ja, ich kenne diesen Effekt sehr gut und ich glaube, ich weiß auch, woraus er resultiert. Musik wirkt bei unterschiedlichen Menschen einfach auch auf unterschiedliche Weise. Die Gefühle, die ich beim Hören eines Songs entwickle, sind nicht dieselben, die ein anderer Mensch hat. Wenn ich schreibe, versuche ich aber sehr stark, darauf hinzuarbeiten, dass ich möglichst alle Leser „abhole“. Das führt dazu, dass ich mit einer stark an meinen eigenen Gefühlen ausgerichteten Umsetzung zwangsläufig an Grenzen stoßen muss. So entsteht dann der Eindruck von Pathos.

      Der nüchterne und ironische Ton liegt mir hingegen nicht so besonders. Es sei denn, ich würde gezielt etwas in dieser Richtung zu Papier bringen wollen. Ironie finde ich generell sehr schwer in Texten so umzusetzen, dass sie nicht wirkt wie ein Schlag vor den Kopf oder in die Magengrube. Und der ist ja nicht immer gewollt.

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