Ein paar Gedanken zum Tag der deutschen Sprache

Heute ist der Tag der deutschen Sprache. Man möchte meinen, dass es sich dabei um so eine Art Feiertag für einen Autor handelt. Schließlich tun wir nichts anderes, als mit unseren Geschichten die deutsche Sprache zu benutzen, wie es uns gefällt und wie es unserer Sache dienlich ist.

Ich sehe es ein wenig differenziert. Ja, ich benutze die deutsche Sprache, aber das tue ich nicht, weil ich sie für die schönste oder die beste oder gar die wohlklingendste halte. Denn im Vergleich zu anderen Sprachen ist das Deutsche immer noch recht rumpelig und funktionell.

Nein, ich schreibe auf Deutsch, weil es die Sprache ist, in der ich mich am besten ausdrücken kann. Viele andere Sprachen bleiben mir persönlich nicht. Ich kann mich leidlich gut auf Englisch mitteilen. Französisch habe ich zwar mal in der Schule gehabt, aber es war damals schon alles andere als l’amour zwischen uns.

So bin ich also auf Gedeih und Verderb der deutschen Sprache ausgeliefert. 😉

Die Sprache setzt uns auch Grenzen, die genommen und überwunden werden wollen. Denken wir zum Beispiel an die Kollegen aus dem Bereich der Fantasy und der Science-Fiction. Die sind regelmäßig in der Situation, dass sie sich neue Wörter ausdenken müssen, weil das Deutsche keine Begrifflichkeit für das kennt, was sie ausdrücken wollen.

Habt ihr gemerkt, dass ich im vorherigen Absatz auch zwei englische Begriffe verwendet habe, weil die deutsche Entsprechung, der “phantastische Roman“ und der “Zukunftsroman“ zeitmäßig eher ins frühe 20. Jahrhundert passen als in unsere Gegenwart.

Die deutsche Sprache lebt also, sie verändert sich und man muss kein Prophet sein um zu ahnen, dass unsere Nachkommen irgendwann über viele unserer Wörter genauso schmunzeln werden, wie wir es über die Wörter von damals tun.

Das ist weder etwas gutes noch etwas schlechtes. Es ist einfach der Lauf der Dinge und mit ähnlichen Effekten haben alle Sprachen zu tun. Nicht umsonst haben einige unserer Wörter den Weg in die weite Welt geschafft. Kindergarten, etwa.

Um von der ganzen Theorie weg zu kommen sei gesagt, dass ich mit unserer Sprache im großen und ganzen eigentlich zufrieden bin. Sicher, mit einigen ihrer Eigenarten kann man gar nicht anders, als auf dem Kriegsfuß zu stehen. Ich meine: Grammatik. Verschiedene Zeitformen. Dativ, Genitiv, dem anderen sein Tod, ihr wisst schon.

Ich als jemand, der bei einer Behörde in Lohn und Brot stehe, sehe genau diese Eigenarten Tag für Tag und bei manchen Gelegenheiten denke ich mir: was tun wir unserer Sprache eigentlich an und wie können wir sie sehenden Auges nur so verhunzen? Was gibt es schon Schlimmeres als Behördensprech und Paragrafenjonglage …

Aber bei welcher Sprache liegen das lyrische und das funktionale so eng und einträchtig nebeneinander? In welcher Sprache kann man in einem Moment ungemein vertraut und im nächsten doch formal sein – ohne, dass es mordsmäßig gezwungen klingt?

Nein, alles in allem stelle ich fest, dass dieser Tag für mich kein Feiertag ist, aber auf jeden Fall einer, um kurz inne zu halten und einen oder zwei Gedanken daran zu verlieren, was Sprache für mich ausmacht. Was gerade unsere Sprache für mich ausmacht.

Unsere Sprache ist lebendig.
Unsere Sprache ist vielseitig.
Unsere Sprache stellt sich Problemen.
(Die sie sich manchmal selbst aufgehalst hat)

Ich mag unsere Sprache. Wie steht es bei dir?

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