Deutschland – Immer noch das Land der (politischen) Denker!?

Ja, ich weiß, jeder, alle und deren kleine Brüder schreiben irgendwelche schlauen Kommentare zur Bundestagswahl. Und ich bin sicher nicht die „Instanz“, von der es einen weiteren langen Sermon hierzu braucht. Deswegen möchte ich mich auch gar nicht dahingehend ausbreiten, sondern nur ein kurzes Statement aus der Sicht eines ganz kleinen und unbedeutenden Autoren abgeben.

Dass es in Deutschland immer noch eine Menge Dichter gibt, ist ein ebenso unumstößliches wie glückliches Faktum. Das beweisen viele Profi-, Nachwuchs- und Amateurschriftsteller jeden Tag aufs Neue. Und selbst den Strategen der verschiedenen Parteien kann man nicht abstreiten, dass sie in der Lage sind, Wahlprogramme, Wahlkampfslogans und Wahlkampfreden mit dichterischer Eleganz aufs Papier zu bringen.

Nein, um die Dichter dieses Landes mache ich mir keine Sorgen.

Aber um die Denker steht es, glaube ich, nicht zum Besten. Und damit meine ich, wohlgemerkt, nicht die Wählerinnen und Wähler. Selbst dann nicht, wenn sie eine Partei gewählt haben, mit der ich politisch (so überhaupt) nicht klar komme. Denn ich achte den Willen des Wählers als Souverän des Volkes.

Nur wenn ich mir die Damen und Herren Politiker anschaue, dann frage ich mich, ob die Sache mit dem Denken nicht noch einmal ein wenig nachgeschärft werden sollte.

Die Demokratie Deutschlands steht aus mehreren Gründen vor ihrer größten Bewährungsprobe:

  • Es zeichnen sich schwache Mehrheiten ab, von denen sich allerdings keine wirklich aufdrängt, zumal
  • führende Parteimitglieder bereits angefangen haben, sich gegeneinander in Stellung zu bringen.
  • Die sogenannten Volksparteien sind, teils deutlich, durch den Wähler abgestraft worden.
  • Mit der AfD ist eine zumindest in Teilen rechts-(hier kann man, je nach Sichtweise, die Fortsetzung -populistische, -nationale, -extreme, -liberale einsetzen) Partei drittstärkste Kraft geworden.

Und wenn man sich die führenden Politiker der Parteien ansieht, könnte man glauben, dass es am Ende doch und immer noch nur darum geht, wer eigentlich gerade die Deutungshoheit über den Sandkasten Deutschland hat. Da wird in der sogenannten Elefantenrunde auf einem Niveau „diskutiert“, dass einem Angst und bange werden kann. Vor allem die Noch-Partner der Großen Koalition geben ein Bild ab, bei dem man sich fragt, ob die auch in den letzten vier Jahren so miteinander und übereinander gesprochen haben.

Bei „Anne Will“ üben sich verschiedene Parteivertreter wahlweise in gegenseitigem Zynismus oder darin, sich gegenseitig an Lautstärke zu überbieten.

Und dann gibt es noch die, die „den Knall“ immer noch nicht gehört haben. Oder wenigstens glaubhaft so tun. Ich nenne aus Höflichkeit keine Namen.

Es gibt die genannten Herausforderungen an die Demokratie und man wird sie nur dadurch bewältigen können, dass man gründlich darüber nachdenkt, was der Wähler eigentlich will, was er nicht mehr will und wie man auf einen tragfähigen Konsens kommen kann, um ihn nicht mehr in die Arme von Konstrukten wie der AfD zu schicken.

Und den Umgang mit dieser Partei wird man nicht darauf beschränken können, ihre Vertreter wahlweise in Talkrunden durch Lautstärke mundtot machen zu wollen (das können die im Zweifel nämlich besser) oder sie einfach zu ignorieren.

Frau Wagenknecht von den Linken wurde gestern gefragt, wie sie in der Opposition mit Vorschlägen von der AfD umgehen wolle. Sie hat geantwortet, dass sich nun erst einmal zeigen müsse, ob die überhaupt in der Lage sei, vernünftige Vorschläge einzubringen. Ich halte das für einen guten Standpunkt und einen guten Umgang. Es bringt nichts, die AfD pauschal zu dämonisieren. Das ist nur Wasser auf die Mühlen ihrer Politiker und Anhänger. Es braucht eine Auseinandersetzung die zeigt, dass die demokratischen Parteien in der Lage sind, den Thesen und Ansichten dieser Gruppe Paroli zu bieten und konstruktive, bessere Wege zu finden.

Aber das wird man nur durch nachdenken erreichen!

Es wäre gut, wenn die Politik gleich heute damit anfangen würde.

2 Gedanken zu “Deutschland – Immer noch das Land der (politischen) Denker!?

  1. Wichtiger Beitrag!
    Ich glaube, dass der Bundestag immer nur ein Spiegel der Gesellschaft ist (auch wenn viele SChichten nicht abgebildet werden). Eine gesellschaft, die laut diskutiert, nicht zuhört, weil sie schon die Gegenargumente sammelt und nicht in der Lage ist, zu filtern, was hinter dem Getöse steckt.

    Gefällt 3 Personen

    • Leider scheint dem so zu sein. Aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf, dass nach dem Getöse der ersten Reaktionen, Stellungnahmen und auch Positionskämpfe vielleicht doch noch so etwas wie eine Rückbesinnung stattfindet.

      Politik darf nicht nur auf Krawall gebürstet sein. Das nützt nur den Krawallmachern.

      Gefällt 2 Personen

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