Kurz und schmerzlos (27) Das Lese-Dilemma

Wenn es eines gibt, was ich im Normalfall auf den Tod nicht ausstehen kann, dann ist es, mehrere Bücher gleichzeitig zu lesen. Ich weiß, dass das für viele Menschen kein Problem darstellt und sie sich auf gewisse Weise sogar nicht komplett finden, wenn sie nur ein Buch „in der Mache“ haben. Aber bei mir ist das anders. Ich muss und möchte mich zu 100% auf die Geschichte konzentrieren, der zu folgen ich mich entschlossen habe, auch wenn das bedeutet, dass der Stapel meiner ungelesenen Bücher tendenziell immer höher wird.

Hin und wieder wird diese Einstellung aber auf eine arge Probe gestellt, so wie auch gestern. Denn als ich von der Arbeit nach Hause kam, was das hier eingetroffen:

Der neue Roman

Die neue Kurzgeschichte von Stephen King, die zu allem Überfluss auch noch in der kleinen Stadt Castle Rock spielt, die früher einmal Schauplatz zahlreicher King-Geschichten war, bis er sie in „In einer kleinen Stadt“ mit viel Getöse und im wahrsten Sinne des Wortes zum Teufel jagte.

Aber nun stecke ich noch mitten in einem anderen Roman, der sich leider ein wenig zähflüssiger liest, als ich erwartet hatte: „Relic – Museum der Angst“ vom Autorenpärchen Lincoln/Child.

Und jetzt stehe ich da, mit dem erschreckend kleinen Band von King in der Hand (es sind gerade mal 125 Seiten in Taschenbuchgröße, auch wenn das Buch selbst gebunden ist) und weiß nicht so recht, was ich tun soll. Es gibt da einen regelrechten inneren Dialog:

»Hey, das muss sofort gelesen werden!«

„Aber ich habe das andere Buch noch nicht ausgelesen.“

»Ich doch egal, es ist ja nicht lang.«

„Aber lang genug. Ich mag das einfach nicht.“

»Hör mal: Es ist von King

„Ich weiß, aber …“

»Es spielt in Castle Rock!«

„Ja, gut …“

»Das musst du jetzt sofort lesen!«

Ich habe aber das andere Buch noch nicht ausgelesen!“

Und so weiter, und so weiter. Es können gerne Wetten abgegeben werden, welche der beiden Stimmen sich am Ende durchsetzen wird 😉 .

Advertisements

29 Gedanken zu “Kurz und schmerzlos (27) Das Lese-Dilemma

    • Ich weiß ja, dass sehr viele das so machen. Ich hingegen bin schon in arge Verdrückung geraten, als ich parallel zu meiner aktuellen Lektüre den Roman eines anderen Autors testlesen durfte. Mein Gott, was das ein Chaos …

      Also wird es wohl eher nicht „mehr“ werden 😉 .

      Gefällt 2 Personen

  1. Sonja schreibt:

    Ich halte es auch für schwer, mehreres nebeneinander zu lesen. Am Ende bleibt ein Buch bei mir immer auf der Strecke. Aber berichte doch mal, wie du Relic findest. Das würde mich jetzt doch interessieren.

    Gefällt 2 Personen

    • Ich bin bei „Relic“, wie gesagt, ungefähr bis zur Mitte durch und ich finde, dass man dem Roman anmerkt, dass Michael Chrichtons „Jurassic Park“ kurz zuvor ein ziemlich veritabler Hit war. Das gesamte Setting mit dem Museum und die Sprache erinnern ein wenig daran, auch wenn wir es natürlich (?) nicht mit Dinosauriern zu tun bekommen und das mit der Sprache an der Übersetzung liegen mag.

      Was mir ein wenig das Lesen vermiest ist die Behäbigkeit, mit der die Geschichte vorangetrieben wird. Es wirkt alles sehr langsam, gerade auch in Anbetracht dessen, dass da ja doch einige Menschen auf sehr bestialische Art umgebracht worden sind. Im Gegensatz dazu sind die Beschreibungen der Verstümmelungen teils recht drastisch.

      Von den handelnden Personen gefällt mir Special Agent Pendergast, um den herum ja im Nachgang eine ganze Reihe gestartet wurde, am besten. Er hat eine sehr trockene Art, seine Schlussfolgerungen und seine Attacken zu lancieren. Irgendwo im Buch fällt ein Vergleich zu Sherlock Holmes, den ich gar nicht so unpassend finde. Andere Figuren, wie die Doktorandin Margo Green, die ja ebenfalls in den Folgeromanen dabei ist, sind mir bis jetzt noch zu blass.

      Ich bin gespannt, ob der Roman mich noch packen wird.

      Gefällt 2 Personen

  2. Spannendes Thema! Ich kann deinen Zwiespalt auf jeden Fall verstehen. Ich habe bei so einem Verhalten immer Angst, dass meine digitale Unfähigkeit, längere Texte zu Ende zu lesen bzw. nur ein Tab zu öffnen, auf die analoge Welt überschwappt und ich am Ende die Konzentration eines Goldfischs haben werde.
    Derzeit habe ich ein Hörbuch im Anriss, lese zwischendurch immer irgendeinen Band von einer Comicreihe und – als Deckel der ganzen Literatursoße – einen Roman (Ferber: Giganten).
    Ich bin kein echter Freund von Hörbüchern, möchte dieses aber nun zu Ende hören. Bei den Comicreihen kann ich nie in einem Fluß lesen, weil irgendwer in der Bücherei mein Leseverhalten teilt, ich also auf Folgebände oft warten muss.
    So lauten meine Ausreden.
    Fazit: Unterschiedliche Typen oder Medien von Literatur kann man durchaus konsumieren. Man schaut ja auch noch Filme, wenn man einen Roman liest (also nicht gleichzeitig!)

    Gefällt 3 Personen

    • Oh ja, das Internet kultiviert noch einmal ein ganz anderes Leseverhalten. Ich beobachte da bei mir leider auch die Tendenz zur digitalen Unfähigkeit. Wobei es sich dabei halt auch um ein Zeitproblem handelt. In der Zeit, wo ich diesen Kommentar schreibe, kann ich nicht an anderer Stelle einen Blogbeitrag lesen …

      Mit Hörbüchern habe ich auch so meine Probleme, obwohl ich sie eigentlich sehr gerne mag. Aber ich neige dazu, sie mehr so nebenbei zu hören. Deswegen funktionieren für mich sowieso meistens nur Hörbücher, bei denen ich die Vorlage schon kenne. Sonst tendiere ich eher zu Hörspielen.

      Mit Filmen habe ich kein Problem. Außer, dass die mir die Zeit zum Lesen klauen. Und umgekehrt. *Seufz*

      Gefällt 1 Person

  3. Ich würde einfach gerne mal wieder ein ganzes Buch zuende lesen… Bei mir buhmen momentan ein Mumin-Buch von Tove Jansson, die schwedischen Ausgaben von Stieg Larssons kompletter Millennium-Trilogie und der erste Band von Shannara um meine Aufmerksamkeit. Ich komme allerdings aufgrund vieler anderer Verpflichtungen gar nicht mehr richtig zum Lesen.

    Ich tippe trotzdem auf King und wünsche viel Spaß beim Lesen 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Manchmal ist es schon ehrlich ein Kreuz, dass es so viele gute, oder zumindest interessante, Bücher gibt und die Entscheidung immer schwerer fällt. Auch das mit der fehlenden Zeit kann ich gut nachvollziehen. Wenn ich nicht meine Bahnfahrten zur Arbeit und hin und wieder die Mittagspause hätte, käme ich wohl gar nicht mehr dazu.

      Noch liegt der King hier unangetastet rechts von mir …

      Gefällt mir

      • Ich kann das wirklich gut nachvollziehen 🙂 Ich nutze meine langen Pendelstrecken oft zum Schreiben, auch wenn es nicht so produktiv ist wie am Schreibtisch.

        Der King liegt aber immerhin noch in Sichtweite, noch hat er anscheinend nicht verloren 😉

        Gefällt 1 Person

      • Nein, der hat definitiv nicht verloren, wobei „Relic“ auf dem Schuhschrank liegt und damit näher am zur Arbeit mitgenommen werden ist.

        Meine Pendelstrecken sind nicht so lang, dass sie sich zum Schreiben lohnen würden. Ich kann aber auch nicht gut unterwegs arbeiten. Das hat sich gezeigt, als ich zur Buchmesse gefahren bin. Da hatte ich mir eigentlich was vorgenommen, hat dann aber nicht geklappt. Na ja.

        Gefällt mir

  4. Ich vote gegen den King und das als dezidierter King-Fan 🙂 Einfach nur, weil Du Dir scheinbar die Freud am Buch verdirbst, wenn Du etwas anderes zwischendurch liest. Und warum solltest Du das tun? Die Vorfreude auf ein Buch, das da liegt und wartet und phantastisches neues Lesevergnügen verspricht – das ist doch die schönste Freude …
    Liebe Grüße!

    Gefällt 3 Personen

    • Das klingt nach einer ziemlich vernünftigen Ansicht, meinen Dank dafür!

      Und es stimmt schon, unterbewusst suche ich vielleicht Gründe, den King noch nicht zu lesen, was ihn mir hinterher verleiden könnte. Die Chance ist zwar gering, aber da.

      Gefällt 1 Person

  5. Lieber Michael,

    Ich bin da auch zweigeteilter Meinung. Simonsegurs Worten würde ich generell zustimmen. Und hier das Aber:
    Warum lese ich mehrere Bücher gleichzeitig? Eben weil es mal zähflüssige Stellen gibt. Die sind allerdings eventuell nur in dem einen Moment zähflüssig, weil ich mich mental da nicht drauf konzentrieren kann. Da lese ich dann absichtlich ein anderes Buch, um im Lesefluss zu bleiben und die Freude am anderen nicht zu verlieren, weil ich mich mit Druck rangesetzt hab. Meist ist das andere Buch, wenn die Umstände anders sind, dann viel weniger zähflüssig.

    Oder ich habe kurze kleine Bücher für die Bahn, die schön zu lesen, aber emotional nicht einfangend sind. Und zu Hause für die Couch kommen dann die packenden Bücher, die man stundenlang nicht aus der Hand legen kann.

    Vielleicht hilft dir das etwas für den inneren Dialog 🙂

    Kiira

    Gefällt 2 Personen

  6. Solche Situationen kenne ich nur zu gut 😄 ich gehöre nämlich auch zur Minderheit der seriell monogamen Leser (und zu den Stephen-King-Fans zufällig auch). Ich würde wahrscheinlich durch Relic durchpowern und mir den King aufheben, quasi als Belohnung 😉

    Gefällt 2 Personen

    • Ich mochte „Das Relikt“, um das nochmal ausdrücklich zu sagen, ja sehr gerne und hatte auch nicht das Gefühl, mich durchquälen zu müssen. Für mich war’s ein netter, flutschiger Spannungsroman. Insofern, Michael: Zier Dich net und les weiter, zur Not überflieg ein paar Seiten! Da wünsche ich mir auch einen Blogartikel (vielleicht schreibe ich ihn selbst): Über die Pflicht und das Recht, auch mal über Seiten drüberzuhuschen (Stichwort: Endlose philosophische Gespräche im Zauberberg) 😉

      Gefällt 2 Personen

    • Wenn das Powern nicht im Moment so schwierig wäre …

      Und vor allem steht der nächste King ja auch quasi schon vor der Tür! Auf den ich im Übrigen sehr gespannt bin, weil ich bei der Schreibe von Kings Sohn Owen ein wenig hin und her gerissen bin.

      Gefällt 1 Person

      • Finde ich gut so, denn bei einigen neueren Romanen macht es ja durchaus Sinn, wenn man schon ein wenig aus Kings Werk kennt. Am deutlichsten natürlich bei den direkten Fortsetzungen wie „Dr. Sleep“ oder auch „Das schwarze Haus“.

        Viel Spaß bei der Entdeckungsreise!

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.