Der Sonntagsreport vom 15.10.17: Motivation aus zweiter Hand

Hallo zusammen!

Wer meinen Beitrag von gestern nicht gelesen haben sollte, in dem es darum ging, dass ich zwar nicht auf der Frankfurter Buchmesse gewesen bin, aber irgendwie dann doch dabei war, sollte dies möglicherweise nachholen, weil der heutige Beitrag eine Art Fortsetzung ist. Aber vom Grundsatz her ist er auch ohne „Vorkenntnisse“ verständlich.

Es geht um Motivation. Und vor allem um Motivation aus zweiter Hand.

Woher schöpfen wir Motivation? Im besten aller Fälle aus uns selbst heraus. Wir begeistern uns für Dinge, die uns Spaß machen, die uns am Herzen liegen. Dies sind die Sachen, auf die wir uns freuen und für die wir gerne mal den Alltag beiseite schieben (möchten). Wir brauchen niemanden, der uns sagt, dass es jetzt an der Zeit ist, sich um das Schreiben zu kümmern, oder endlich mal wieder Klavier zu spielen, oder die Musikstücke einzustudieren, die wir mit unserer Band spielen wollen.

Nein, das kriegen wir sehr gut alleine hin und meistens ist es eher umgekehrt: Wir brauchen jemanden, der uns daran erinnert, dass die Steuererklärung noch gemacht werden muss, oder dass es an der Zeit wäre, endlich mal das Bad zu renovieren, oder dass das Auto in die Waschanlage muss.

Das Letztgenannte ist eher eine externe Motivation. Auch die ist nicht unwichtig, denn sie verhindert, dass uns die Einkommensteuer um die Ohren fliegt, das Bad unter uns zusammenbricht oder es mächtig Knatsch mit der Ehefrau/dem Ehemann gibt, weil das Auto auf einmal schwarz und nicht mehr silbern ist.

Oder nehmen wir den Klassiker. Das ist natürlich der Brotberuf, dem wir nachgehen, weil die meisten von uns weder vom Schreiben, noch vom Klavier spielen oder vom Singen leben können. Das Geld muss also aus anderer Quelle kommen.

Aber was macht man nun, wenn, warum auch immer, die Motivation aus uns selbst heraus nicht funktioniert? Wenn wir uns vor die Tastatur setzen und kein Wort zustande bringen, wenn wir keinen Ton treffen und unser Gesang klingt, als wäre es ein einziges Rabengekrächz?

In solchen Momenten ist es nicht schlecht, wenn man auf Motivation aus zweiter Hand zurückgreifen kann.

Und damit schlage ich den Bogen zurück zu mir selbst und meinem Artikel von gestern. Ich war zwar nicht auf der Buchmesse, aber bedingt durch meinen „Job“ als der Mann am Twitteraccount, habe ich eine Menge an Tweets gesehen und gesichtet, eine Menge Menschen quasi „live“ vor der Linse gehabt und ein ganz merkwürdiges Konservengefühl entwickelt. Ihr kennt das bestimmt: So, als wenn man etwas im Fernsehen sieht und dennoch das Gefühl hat, dabei zu sein.

Und so kommt es, dass ein wenig dieser ganzen Freude am Buch, dieses ungemeinen Tatendrangs, den ich bei ganz vielen gespürt habe, auch auf mich übergeschwappt ist. Bis jetzt kannte ich den Effekt nur von einigen motivierenden Büchern, aber das muss ich jetzt wohl auf Buchmessetweets ausweiten.

Ich bin gespannt, ob der Effekt anhalten wird, wenn ich mich durch die Myriaden von Nachberichten lesen werde, die nun zwangsläufig überall im Internet aufpoppen werden. Es wäre wünschenswert, denn wie man sich sicher denken kann, bin ich lieber motiviert als demotiviert. Lieber zuversichtlich als skeptisch. Lieber mit Freude bei der Sache als von Selbstzweifeln gequält.

Und wie äußert sie sich nun, diese Motivation aus zweiter Hand? Wie bei mir üblich im Schmieden von vielen Plänen. Denn es ist ja nicht so, als ob ich nicht, theoretisch, ganz viele Eisen im Feuer hätte. Da sind die zwei fertigen Romanexposés, mit denen ich hausieren gehen kann. Da ist ein, an der Zielgruppe getestetes, Manuskript aus dem Bereich Kinderbuch, das ich aufpeppen kann. Da sind die beiden Kurzgeschichten und der Roman, an dem ich schreibe. Und, und, und.

Viele von den Sachen könnte ich ja sogar „nebenbei“ erledigen. Ein Anschreiben an Agenturen/Verlage ist schnell aktualisiert aufgesetzt und entweder per Mail oder per Post verschickt. Und dann muss man ja eh warten. Zeit, um andere Dinge zu tun, wie zum Beispiel zu schreiben.

Allerdings weiß ich auch, bei aller segensreichen Motivation, dass ich auf mich aufpassen muss. Ich mache gerade eine Phase durch, in der meine Kräfte sehr fragil sind. Es kann vorkommen, dass ich mich in etwas stürze, nur um dann nach zwei Tagen festzustellen, dass da keine Kraft mehr da ist. Und schon wäre ich wieder demotiviert und niedergeschlagen. Es ist nicht leicht.

Wichtig wird für mich sein, einen Mittelweg zu finden, mir Prioritäten zu setzen. Keine Luftschlösser zu bauen (da fällt mir zum Beispiel der kommende National Novel Writing Month ein, der dieses Jahr reines Gift für mich wäre).

Aber schön ist erst einmal, dass die Motivation da ist. Wenn auch „nur“ aus zweiter Hand. Aber ist nicht gerade das der Grund dafür, dass so viele von uns Autoren so einen Narren an Buchmessen und den gegenseitigen Treffen gefressen haben? Weil sich eben hieraus die Motivation mitnehmen lässt?

Darüber zu philosophieren überlasse ich jemand anderem. Seht es mir nach.

Ich wünsche euch einen guten, möglichst motivierten, Start in die Woche!

Euer Michael

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