Der Sonntagsreport vom 22.10.2017: Lasst uns eine Drehtür einbauen

Kennt ihr das, wenn es sich so anfühlt, als ob es Sinn machen würde, die heimische Tür aus festem Holz (oder Metall, oder Glas, oder wasauchimmer) durch eine Drehtür zu ersetzen? Ganz einfach, weil gefühlt alle zehn Sekunden jemand anderes herein kommt und wieder heraus geht? Und nein, ich spreche noch nicht einmal vom Kater, auch wenn der sich an manchen Tagen sicher sehr über eine Katzenklappe freuen würde – die er nicht bekommt, aus Prinzip nicht. So alt, wie unser tierischer Mitbewohner ist, kommt er prompt in den Katzenhimmel, wenn wir die Klappe für teuer Geld haben einbauen lassen. Lohnt also nicht.

Nein, ich hatte euch doch vor einigen Wochen davon berichtet, dass bei uns in Kürze eine neue Küche einziehen wird. Und dieses „in Kürze“ ist in der kommenden Woche. Weil wir, meine Frau und ich, aber nicht nur eine neue Küche ins Auge gefasst haben, sondern auch noch das eine oder andere kleine oder große Projekt am Haus, geben sich hier die Vertreter verschiedener Handwerksbetriebe die Klinke in die Hand.

Dabei kann man erstaunliche Sachen erleben, wenn man sich die Mühe macht, den einen gegen den anderen Handwerker ein wenig auszuspielen. Beliebtestes Mittel der Wahl ist da immer die Debatte über den Preis.

Jetzt bin ich ja niemand, der jeden Pfennig zweimal umdreht (»nein, dreimal«, sagt meine Frau im Hintergrund), aber so ein wenig achte ich dann schon auf Preis und Leistung. Und da fand ich den Preisunterschied für das Terrassendach, das wir uns diese Woche haben skizzieren lassen, schon beachtlich.

Ich meine, vielleicht gibt es ja gute Gründe, warum das Dach einmal runde 11.000 Euro kosten soll und dabei noch nicht einmal so montiert werden kann, wie wir das gerne hätten, und das andere Dach kostet nur ein Drittel dieses Preises inklusive der von uns gewünschten Montage. Beide Unternehmen sind langjährig aktive Handwerksbetriebe mit entsprechenden Referenzen. Es ist einfach nicht nachvollziehbar.

Ich habe da im Stillen für mich eine kleine Querverbindung zum Literaturbetrieb gezogen, wo es ja auch Verlage gibt, die für die Publikation eines Romans mehrere tausend Euro von einem Autor haben wollen, während andere Verlage das sogar ganz umsonst machen! Ist das zu fassen? Man rechne sich mal aus, was für eine Marge da drin steckt. Dagegen ist der Mensch mit seinem 11.000-Euro-Terrassendach ja sogar noch günstig.

Aber ich muss gestehen, dass es mir so langsam doch ein wenig zu viel wird mit den Handwerkern. Nicht, weil das keine netten Menschen wären. Im Gegenteil: Wenn sie einem etwas verkaufen wollen, sind sie sogar die nettesten Menschen der Welt. Man schämt sich fast dafür, ihnen zu unterstellen, dass sie nur so nett sind, weil sie eben etwas verkaufen wollen. Aber ich bekomme langsam ein nervöses Augenzucken, wenn jemand einen Zollstock auspackt, um mal eben etwas ausmessen zu wollen.

Wäre es nicht schön, wenn das für Autoren auch so wäre? Also vor allem für Autoren meiner Kragenweite, die auf dem Weg zur ersten Veröffentlichung sind, aber noch lange nicht an einem Punkt, an dem man davon reden könnte, dass sie so etwas ähnliches wie einen Status besitzen.

Ich denke an eine Drehtür, durch die den ganzen Tag Agenten, Verlagsvertreter und Presseleute kommen und alle wollen etwas von einem. Bis es irgendwann so viele sind, dass man sich fast seine feste Tür wieder wünscht.

Aber das wird nicht passieren. Es werden weiter wir Autoren sein, die Klinken putzen müssen. Und die Türen, auf die wir stoßen, werden oft aus Materialien wie Eisen, Stahl, Beton oder Felsgestein sein. So dass man entweder eine Spitzhacke oder einen Schneidbrenner braucht, um hinein zu kommen.

Bis auf die wenigen von uns, die es wirklich schaffen, sich einen „Namen“ zu erschreiben. Und ich gönne es jeder und jedem von Herzen, es zu schaffen. Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, von außen an der Tür zu kratzen und niemand macht auf. Das habe ich unserem Kater abgeschaut, der immer so tut, als wäre er verstoßen worden, wenn nicht binnen Sekunden jemand vor ihm materialisiert und die Türe öffnet. Und wehe, man ist dann nicht binnen weiterer Sekunden an den Futtertöpfen angekommen!

Also: Auch wenn die Drehtür ein Wunschtraum bleibt, sollten wir Autoren weiter dran bleiben. Und uns so teuer wie möglich, aber so realistisch wie nötig, verkaufen. Wir sind die mit dem Premium-Produkt zum guten Preis. Und wir haben es nicht nötig, uns über den Tresen – oder das 11.000-Euro-Dach – ziehen zu lassen.

Habt eine schöne Woche, nach Möglichkeit ohne Handwerker!

Euer Michael


PS: Dieser Beitrag könnte mit Spuren von Unsinn, Ironie oder einfach erhöhter Temperatur durchsetzt sein. Ich würde Fieber messen, aber der Kater hat das Thermometer versteckt.

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