Das Agenten-Suchspiel

In den letzten Tagen habe ich mich mal wieder mit dem Oberthema „Veröffentlichung“ beschäftigt. Es gibt da ja diese Texte auf meiner Festplatte, die sogar schon einmal bei einem Verlag vorgesprochen haben, es dort aber nicht zu einer Veröffentlichung brachten – und danach sang- und klanglos wieder in der Schublade verschwanden.

Das ist selbstverständlich kein Zustand. Das weiß ich selber. Aber da sonst niemand da ist, der mich angemessen (real und nicht virtuell) in den Hintern treten kann, muss ich immer selbst den Punkt finden, um aus dem Wissen um einen Umstand auch eine mehr oder weniger umständliche Aktion zu machen.

Sprechen wir also über „Der Beobachter und der Turm“. Ein Thema, das mich, euch und diesen Blog schon beinahe zwei Jahre begleitet (mich noch länger, aber ich rechne mal großzügig ab Fertigstellung).

Das Manuskript ist in meinen Augen so fertig, wie ich es nun einmal hinbekomme. Ich habe sehr wertvolles Feedback von Testlesern bekommen und eingearbeitet. Es gibt ein vollständiges Exposé mit Pitch, Beschreibung der wichtigsten Personen, und sogar schon eine Leseprobe. Das alles hatte ich für meine Bewerbung bei be, dem digitalen Imprint von Bastei Lübbe, gefertigt.

Aber nachdem die mir antworteten, dass ihnen das Manuskript zu „bedeutungsschwanger“ sei, was immer genau darunter verstanden werden muss, habe ich mich wieder schlafen gelegt.

Gut, man kann sagen, dass ich andere Dinge um die Ohren hatte. Ich habe Kurzgeschichten geschrieben und in Anthologien platziert. Ich habe Romanentwürfe angefangen (und liegen gelassen, ähem). Ich habe viel, viel Zeit auf meinen Blog verwendet. Und ich habe versucht, einen weiteren Roman, „Darkride“, bei be zu platzieren – was auch nicht geklappt hat.

Aber „Der Beobachter und der Turm“ ist wieder aus dem Fokus geraten. Wie ein blinder Fleck auf einem Auge, der zwar da ist, den man aber nur dann wahrnimmt, wenn man bewusst versucht, sich auf ihn zu konzentrieren. Und da, so muss ich gestehen, war es für mich in den letzten Monaten einfach, mich eben nicht darauf zu konzentrieren, weil diese Konzentration mit den üblichen Zweifeln, Sorgen und Nöten einher gegangen wäre, für die ich viel zu anfällig bin.

Aber ich habe ja kürzlich gesagt, dass sich das jetzt ändern soll. Dass ich motiviert bin. Was ich verschwiegen habe war, dass ich durchaus ängstlich bin, mich auch wirklich an die Arbeit zu begeben. Kennt ihr ja sicherlich, dass eine Aufgabe umso größer wird, je länger man sie vor sich her geschoben hat.

Doch ich kann nun von mir behaupten, dass ich den ersten Schritt getan habe.

Und zwar möchte ich gerne, gemäß eines ganz alten Plans von mir, zunächst versuchen, mein Projekt bei einer Literaturagentur unterzubringen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass man an die Publikumsverlage nur heran kommt, wenn man einen Agenten an seiner Seite weiß, der die richtigen Kontakte und das nötige Durchhaltevermögen hat. Und weil ich, wer nicht, natürlich gerne ein großes Publikum hätte, versuche ich zunächst auf diese Weise mein Glück.

Aber wie die richtige Agentur heraussuchen? Nun, da geht es weniger um die richtige, sondern mehr darum, zuerst einmal überhaupt festzustellen, welche Agenturen einen Stoff wie den meinen eigentlich vermitteln. Denn nichts wäre peinlicher, als sich bei einer Agentur für Sachbücher vorzustellen, die dann auch nur den Kopf schütteln und sich fragen würden, wie doof ich eigentlich bin. Und man weiß ja nie, ob ich nicht doch mal ein Sachbuch schreibe und dann bei denen sofort durchs Raster falle, weil: doof 😉 .

Wieder einmal machte sich an dieser Stelle das „Handbuch für Autorinnen und Autoren“ aus dem Uschtrin-Verlag bezahlt. Die Investition war zwar etwas höher, aber dafür findet man hier eine sehr umfangreiche Liste an Agenturen und ersten Hinweisen dazu, was durch sie vertreten wird – und was eben nicht.

Da das Handbuch nun aber auch schon wieder zwei Jahre alt ist, habe ich mich nicht darauf verlassen, sondern jede einzelne Website jeder einzelnen Agentur auch noch einmal aufgesucht und die Informationen quer gecheckt.

Im Ergebnis habe ich nun eine Liste von Agenturen, die zwölf Einträge umfasst. Das sind, gemessen an der Gesamtliste, nicht sehr viele. Es gibt einen Grund dafür und der lautet, dass ich anscheinend mit meinem Projekt ein wenig zwischen den Stühlen sitze. Es gibt Agenturen, die machen Fantasy. Nicht viele, aber es gibt sie. Nun hat mein Roman fantastische Elemente, aber es ist keine Fantasy. Es hat seinen Grund, dass ich als Vergleich (nur von der Story her) immer auf Stephen King verweise. Aber sind dessen Romane mit übernatürlichem Einschlag Fantasy? Sind sie Horror – eine Gattung, die bei den Agenturen selten explizit genannt wird? Oder sind sie inzwischen so dermaßen Mainstream, dass wirklich nur noch „Roman“ draußen drauf steht und sie im großen Topf der allgemeinen Belletristik verschwinden?

Auf jeden Fall macht dies die Agenturenauswahl nicht eben leichter. Aber ich denke, dass ich mit den zwölf, die sich jetzt herauskristallisiert haben, recht gut – und ohne mich zu blamieren – fahren werde.

Und, wer weiß, was danach passiert? Vielleicht finde ich auf diese Weise jemanden, der mich vertreten will. Vielleicht aber auch nicht.

Ich halte euch auf dem Laufenden, wie es mit den Bewerbungen voran geht. Denn eines steht leider auch jetzt schon fest: Einfach die Unterlagen von der Verlagsbewerbung wild in die Welt schicken, das geht nicht.

Aber dazu ein anderes Mal mehr.

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17 Gedanken zu “Das Agenten-Suchspiel

  1. Eileen Blander schreibt:

    Dieser Beitrag kommt gerade zur rechten Zeit. Ich möchte mich auch langsam nach Agenturen umsehen. Das ist ein großer Schritt, aber ich glaube, du bekommst das schon hin. Ich werfe Münzen für dich. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es für dich in der Richtung weitergeht.
    Aber da hat man ja auch wieder Ewigkeiten auf Antworten zu warten (falls überhaupt).
    Viel Glück auf jeden Fall!

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    • Danke! Du bekommst das aber auch hin, da bin ich sicher. Ich habe ja vor ca. zwei Jahren mit meinem Roman „Der Morgen danach“ schon einmal ein paar (wenige) Agenturen kontaktiert. Daraus wurde dann ja nichts und der Roman ist so bei einem Verlag gelandet.

      Aber entscheidend ist wirklich immer dieser erste Schritt der Überwindung. Ich muss mir da klar machen, dass es nichts abartiges ist, was ich möchte, sondern dass ich im Gegenteil nur das tue, wofür Agenturen da sind: Sich bewerben und hoffentlich genommen werden.

      Aber es stimmt schon, dass es ätzend ist, wenn man Ewigkeiten wartet und am Ende doch keine Antwort kriegt. Da muss man dann die Wochen zählen (»Wenn Sie innerhalb von sechs Wochen nichts hören …«).

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  2. Sehr spannend, es bei dir mitzuverfolgen!
    Gerade weil ich – nach zweijährigem Hadern – inzwischen für mich zu dem Schluss gekommen bin, dass ich nicht zu einer Agentur passe. Dafür schätze ich die relative Unabhängigkeit kleinerer Verlage zu sehr und bin zu wenig in der Lage, auf Anfrage einer Agentur oder eines Verlags mal was zu Thema xy zu schreiben.

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    • Ich kann nicht abschätzen, wie das sein wird/könnte, wenn ich nun wirklich bei einer Agentur unter käme. Wäre es so, dass sie wirklich sagen würden, dass ich auf Anfrage etwas Bestimmtes schreiben soll? Gibt es solche Verlagsanfragen in einer Zeit des Überflusses an Romanstoffen, die täglich auf die Beteiligten hereinprasseln?

      Ich weiß es nicht. Ich sehe eine Agentur in der Hauptsache aus dem Grund als gut für mich an, weil sie mir im optimalen Fall Arbeit abnehmen kann, die ich selbst nicht gut mache.

      Aber wenn es mit den Agenturen nicht klappen sollte, dann habe ich die (kleinen) Verlage ja noch keinesfalls ausgeschlossen. Würde ich auch nie tun. Der Weg ist nun einmal: erst Agentur, dann Verlag. Sonst motzt die Agentur am Ende noch.

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      • Stimmt, Agenturen motzen definitiv, wenn du vorher bei Verlagen Klinken putzt und dann erst bei ihnen, jedenfalls mit dem gleichen Manuskript.

        Aber ja, es kann dir durchaus passieren, dass eine Agentur sagt „Gerade gehen Krimis mit Einhornerotik besonders gut“ (blödsinniges und fiktives Beispiel) „und Randomhouse sucht genau sowas, schreiben Sie doch mal was in die Richtung mit einer starken und gleichzeitig devoten Kommissarin, das kriegen Sie hin, das sehe ich anhand Ihres Portfolios“, mal ganz überspitzt dargestellt. Du musst das nicht tun, aber wenn du es nicht tust, geht dir halt ein lukrativer Vertrag durch die Lappen.
        Andere können wunderbar damit umgehen, ich nicht. Darum glaube ich einfach, dass ich nicht aus dem richtigen Holz geschnitzt bin, um in einer Agentur glücklich zu werden.
        Aber du schreibst ja mehr im Mainstream als ich mit meiner historisch-feministischen, queeren Vampirfantasy, vergiss das nicht. Du hast Stoff, den man tatsächlich recht gut vermitteln kann und ich vermute, wenn dein*e Agent*in sagt: „Michael, hast du nicht noch einen Krimi zu xy in der Schublade, das wird gerade gesucht“, dass du entweder was hast oder schnell was entwickeln kannst (und zwar mit Feuereifer und Herzblut, sodass es am Ende trotzdem keine Auftragsarbeit ist). So schätze ich dich inzwischen ein und darum denke ich, dass für dich eine Agentur wirklich ein super Weg sein kann.
        Darum sind meine Daumen fest gedrückt!

        (Und die Erkenntnis, dass ich weiterhin selbst um meine Buchverträge buhlen muss, weil ich da so ganz anders bin, ist eine schmerzhafte. Ich habe mich viel eingelesen, wie Leute mit Agenturen zusammenarbeiten und ganz oft das Gefühl gehabt, dass ich das einfach nicht bin. Das ist nicht die Art, wie ich mich beim Arbeiten wohlfühle.)

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      • Was mich bei Agenturen ein wenig stört ist, dass die jetzt vermehrt dazu übergehen, auch untereinander Exklusivität einzufordern. Sprich: Bewirb‘ dich gefälligst nur bei mir, gib mit drei Monate Zeit zum Schauen und dann darfst du woanders dein Glück versuchen. Das war vor zwei Jahren, glaube ich, noch nicht so ausgeprägt. Oder ich habe es verdrängt.

        Zu deiner Einschätzung meiner Fähigkeiten als „Lieferant“ 😉 sage ich mal vorsichtig Danke. Wobei ja, wie im Beitrag geschrieben, gerade dieses Projekt anscheinend nicht so Mainstream ist. Oder halt doch. Oder weißnicht. Jedenfalls danke ich dir sehr fürs Daumen drücken!

        Und, wer weiß, vielleicht stelle ich irgendwann auch fest, dass eine Agentur nix für mich ist. Dann kann man solche Verträge ja auch in gegenseitigem Einvernehmen auslaufen lassen.

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      • Ach, ich glaube, mindestens EINE Agentur hält das seit Jahren so. Und man soll auch immer angeben, bei welchen man sich schon beworben hat.
        Ausgerechnet das wäre eigentlich meine Wunschagentur gewesen, aber irgendwie… wie gesagt, inzwischen bin ich von dem Gedanken weg.

        Nicht so ganz aber halt doch – im Zweifel für den Angeklagten :D. Nein, im Ernst, ich habe es mehrmals hier auf dem Blog erlebt, wie du einen winzigen Ideenfunken von außen erhalten hast (wie z.B. die Geschichte für Nike) und daraus dann ein Riesenfeuerwerk wurde. Daher das Vertrauen in deine Fähigkeiten :).

        Das außerdem :). Und: SP geht zur Not immer. Das läuft dir im Zweifelsfall auch nicht weg, wenn alle Stricke reißen.

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      • Ja, ich glaube, ich weiß, welche Agentur du meinst. Dagegen, dass man angeben soll, welche Agenturen man schon kontaktiert hat, würde ich ja VIELLEICHT nicht einmal etwas sagen. Aber dass dazu noch kommt, dass man mitteilen soll, wie die REAGIERT haben, finde ich weniger prickelnd. Schreibe ich, denke ich, noch mal was in einem Blogbeitrag zu.

        Vielen Dank für das wirklich große Kompliment! Riesenfeuerwerk – das geht runter wie Öl und ist sehr motivierend. Vielleicht solltest du mal was in der Richtung Motivatorin beruflich ins Auge fassen. Machst du prima, nicht zum ersten Mal 🙂 .

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      • Ja … Es hat ein Geschmäckle. Ich weiß schon, was du meinst.

        Motivation betreibe ich ausschließlich ehrenamtlich bei „Author Wing“ – beruflich bin ich besser darin, Fehler in Texten aufzuspüren :D. Aber freut mich, dass ich motivieren konnte 🙂

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    • Liebe Kiira,

      vielen lieben Dank fürs Daumen drücken! Es ist in der Tat seltsam, wie sehr sich das wieder nach neuem Schritt anfühlt, obwohl ich ja schon einmal Bewerbungen geschrieben habe. Ist halt lange her …

      LG
      Michael

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  3. Das klingt alles sehr spannend, habe auch wieder angefangen zu schreiben. Was ich mich aber frage: Warum nicht zuerst der Selbstverlag und dann so lange trommeln, bis es vielleicht ein anderer Verlag wird? Oder ist das völlig unmöglich? Was sind Deine Erfahrungen bisher damit? Zumindest hast Du dann das Buch vorerst in Sack und Tüten. Gruß!

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    • Das freut mich zu hören, dass du wieder schreibst! 🙂

      Zu deiner Frage: Nein, es ist nicht unmöglich, es zuerst im Selfpublishing (ich nehme an, das meinst du mit Selbstverlag) zu veröffentlichen und dann ggf. noch einen Verlag zu begeistern. Plattformen wie z.B. Neobooks funktionieren auf diese Weise.

      Ganz ehrlich: Mich schreckt die Startinvestition. Der Roman braucht ein Lektorat, er braucht ein Korrektorat, er braucht ein Cover. Sicher, den Testlesern hat er gut gefallen und ich habe mein Bestes gegeben, um ihn ordentlich zu machen. Aber ich würde trotzdem die Absicherung haben wollen. Und die genannten Posten summieren sich gerne (bei meiner Romanlänge) auf ca. 2.500 bis 3.000 Euro. Eine Menge Geld, das erst einmal wieder herein gespielt werden müsste.

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      • Ui, das ist natürlich viel. Aber ich finde es gut, dass Du diesen Anspruch an Deine Texte hast. Heutzutage kann natürlich jeder irgendwas veröffentlichen und das sollte nicht sein. Ich drücke weiterhin die Daumen!

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      • Ich finde es im Prinzip gut, dass jeder die Möglichkeit zur Veröffentlichung hat. Aber es ist natürlich noch besser, dass sich zunehmend die Überzeugung durchsetzt, dass man dem Leser auch ausreichende Qualität an die Hand geben muss, damit dieser sich nicht mit Grauen abwendet. Da geht im Moment einiges in die richtige Richtung, finde ich.

        Aber ja, die Investition ist schon gewaltig, wenn man es denn auf ganz eigene Faust machen muss/will.

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