An Halloween saß ich nicht an meinem PC-Bildschirm

Es sind wenige Tage im Jahr, aber es gibt sie: Tage, an denen ich nicht vor meinem PC-Bildschirm sitze. Meistens handelt es sich dabei um Tage, an denen ich krank im Bett liege. Aber auch wenn mich jetzt, mit einer Woche Verspätung, oder so, die Erkältung so richtig fies erwischt hat, war das nicht der Grund, warum ich gestern, an Halloween 2017, nicht vor meinem PC-Bildschirm gesessen habe.

Nein, gestern hatte ich das dringende Bedürfnis, mal wieder eine ausgedehnte Runde Bekanntschaft mit meinem Fernseher zu schließen. Denn in einer normalen Woche komme ich kaum dazu, mal mehr als einen Film zu sehen. Wenn ich es denn überhaupt schaffe.

Und da ich in meinen Regalen wesentlich mehr (!) Filme als Bücher stehen habe, ergibt sich so eine Prognose dahingehend, dass ich nur hoffen kann, dass die Medien dem Zahn der Zeit stand halten, bis ich irgendwann mal alt und grau und in Rente bin.

Aber gestern war folgendes Szenario gegeben:

  • Ein freier Tag wegen Feiertag/Urlaub
  • Meine Frau (weil Krankenschwester) tagsüber arbeiten
  • Das kleine Kind (wegen Halloween-Party) nicht zu Hause.

Also beste Voraussetzungen, um vor dem Fernseher zu versumpfen und, dem Tag angemessen, den einen oder anderen Horror-/Gruselstreifen in den Player zu schieben.

Wollt ihr mir kurz auf eine Reise durch das kinematische Schreckenskabinett folgen? 🙂

2 Lava 2 Lantula

Ich mag Filme mit Riesenviechern. Und ich habe eine Schwäche für Filme mit Trashappeal. Und dennoch habe ich diesen Film ganz an den Anfang gesetzt, weil es danach nur noch aufwärts gehen konnte.

Es ist an allen Ecken und Enden sichtbar, dass CineTel, die Produzenten dieses, sagen wir mal freundlich, Schwachsinns, gerne so witzig und kreativ wären wie die Macher der „Sharknado“-Reihe. So weit sind wir also schon gekommen, dass die Billigklitschen gerne so wären wie The Asylum.

Der Film punktet auf der einen Seite mit seinem Stunt-Casting, indem er mit Steve Guttenberg, Michael Winslow und Marion Ramsey drei Darsteller aus den „Police Academy“-Filmen vereint. Leider fiel den Scriptwritern zu Ramsey gar nichts ein, zu Winslow sehr wenig (zumal seine „Fähigkeiten“ als Beatboxer deutlich gelitten haben) und die Figur von Guttenberg wird durch die Synchro endgültig getötet, weil es die ganze Spielzeit hinweg so klingt, als müsse er mit Gewalt die Arschbacken zusammenpressen, weil sonst … ihr wisst schon.

Alles in allem also ein eher vergessenswerter Spinnenfilm ohne Story, ohne Schauwerte, ohne Seele. Schade eigentlich.

Shin Godzilla

Bleiben wir für einen Moment noch bei Riesenviechern.

Der arme Godzilla musste im Laufe seines Lebens viel Schabernack über sich ergehen lassen. Entstanden als Reaktion auf den Atomschock der Japaner wurde er zuerst von einer Geißel Japans zu dessen Schutzpatron, dann gar zum Freund aller Kinder, nur um in den Reboots der Achtziger und der Zweitausender-Jahre mal mehr und mal weniger Kloppe von immer anderen, neuen wie alten, Monsterfreunden zu kassieren. Zwischendurch vergewaltigte Hollywood, genauer gesagt Roland Emmerich ihn, bevor wieder Hollywood ihn nun als Dreh- und Angelpunkt des sogenannten „MonsterVerse“ eingeplant hat.

Die Toho, das heimische japanische Filmstudio, hat sich dennoch nicht lumpen lassen und mit „Shin Godzilla“ ebenfalls einen reinrassigen Reboot der Monstersaga auf die Beine gestellt, der in beinahe jeder Beziehung punkten kann.

Sicher, bei seinem ersten Auftauchen sieht Godzilla aus wie eine Puppe der Augsburger Puppenkiste auf Randaletour (was der Trailer gnädig verschweigt). Und man muss schon einen Sinn für den passenden Humor haben, wenn sicher über eine halbe Stunde hinweg die Vertreter der Regierung in immer neuen Debatten über Zuständigkeiten, Wahrscheinlichkeiten und Unmöglichkeiten gezeigt werden.

Aber gerade da spielt „Shin Godzilla“ seine besondere Stärke aus: Er zeigt, dass das Auftauchen einer solchen Bedrohung eben mehr ist als Popcorn und Cola, sondern dass es eine Nation, eine ganze Welt, wirklich an das Äußerste treiben würde. Spätestens wenn die Vereinten Nationen zustimmen, dass die Amerikaner eine Atombombe auf den Stadtkern Tokios abwerfen, wird das mehr als deutlich.

Alles in allem ein etwas anderer „Godzilla“-Film, aber einer aus dem oberen Drittel und mit der coolsten Variante von Godzillas Todesstrahl, die ich je gesehen habe!

The Fog – Nebel des Grauens

Der Film, dessen Schicksal es bei aller Klasse ist, doch immer nur der stetige Zweite im Schaffen von John Carpenter zu sein. Eine hervorragende Bildsprache kombiniert mit atmosphärischen Tönen und Musikstücken. Schauspieler wie Tom Atkins und Jamie Lee Curtis, die auf der Höhe ihrer Zeit agieren. Das alles ist „The Fog“.

Ich weiß nicht, wie oft ich den Film schon gesehen habe, aber da kürzlich das neue Album von John Carpenter mit einer Sammlung seiner Filmthemen erschienen ist, bekam ich Lust darauf, diesen Film wieder einmal anzuschauen. Und man kann festhalten: Die diffusen Gestalten der Rachegeister im Nebel nehmen es auch heute noch mit jedem Zombie auf. Mit jedem einzelnen!

Halloween H20 – 20 Jahre danach

Wenn man, so wie ich, in den Achtzigern für den Horrorfilm sozialisiert wurde, dann war man entweder im Team Freddy, im Team Jason oder eben im Team Michael.

Pizzagesicht Freddy Krüger („Nightmare on Elm Street“), Hockeymaskenträger Jason Vorhees („Freitag der 13.“) und Maskenmann Michael Myers („Halloween“) brachten alle eigene Aspekte und Stärken in die Welt des Slasherfilms ein. Mal bunt und komisch, mal zynisch und brutal und mal atmosphärisch und unaufhaltsam.

Ich war immer schon im Team Michael. Für mich gehört es zur Tradition an Halloween, mindestens einen Film der gleichnamigen Reihe anzusehen. Und da wir das Jahr 2017 schreiben und die Filmreihe (inklusive der beiden Rob Zombie-Remakes) praktischer Weise genau zehn Filme umfasst, war gestern Teil 7 an der Reihe, der in der Serienkontinuität eigentlich gerne Teil 3 wäre, weil er die ursprünglichen Teile 3 bis 6 für ungeschehen erklärt.

Man merkt dem Film natürlich zu jeder Zeit an, dass er im Fahrwasser der damals grassierenden „Scream“-Welle entstanden ist. Auch das trug dazu bei, dass dieser Streifen vom Jugendschutz mit einer FSK 16 durchgewunken wurde, was damals (1998) noch recht außergewöhnlich war. Schade, dass hiernach nicht auch Schluss mit der Serie war, denn sowohl den achten Teil als auch das Reboot kann man meiner Meinung nach getrost vergessen.

Die toten Augen des Dr. Dracula

Oh Mann, man muss sie einfach lieben, die deutschen Titel der sechziger Jahre! In diesem italienischen Gruselfilm (Regie: Mario Bava) sucht man einen Dracula natürlich vollkommen vergeblich und der einzige Doktor ist unser Held, ein zu einem geheimnisvollen Mordfall hinzugezogener Leichenbeschauer. Aber da ungefähr zur selben Zeit auch Freund Frankenstein der Drahtzieher hinter den „Godzilla“-Monstren war, wollte man den alten Blutsauger wohl nicht zurückstehen lassen.

Den ganzen nicht vorhandenen Vampirbezug mal beiseite gelassen (der im Film, bzw. der Synchro, dankenswerter Weise auch erst in den letzten vier Minuten hergestellt wird), befinden wir uns hier auf einer Geisterbahnfahrt der plüschigen Sorte. Man kann jederzeit erkennen, dass die meisten Sets im Studio gebaut sind. Die Darsteller neigen zum Overacting de luxe und gruselig ist das, trotz sehr gelungener Musikuntermalung, natürlich zu keinem Moment.

Trotzdem kann man diesem Film, ebenso wie den Kollegen der britischen Hammer-Studios, seine Wirkung nicht absprechen. Man muss sich eben darauf einlassen, dann macht die Geistergeschichte rund um ein siebenjähriges Mädchen einen Heidenspaß!

Ein Jammer, dass die, zugegeben sehr opulenten, Veröffentlichungen dieser Klassiker nur für teures Geld zu haben sind.

Hostel Part III

Was soll man zur „Hostel“-Filmreihe schreiben, was nicht schon geschrieben wurde? Ja, es ist Gewalt um der Gewalt Willen. Ja, es wird der Tabubruch zelebriert. Und ja, eigentlich ist das alles ziemlich kranker Scheiß.

Aber wo Teil 1 und Teil 2 wenigstens nur gut gemachter kranker Scheiß waren (wie die besseren Teile von „Saw“), ist Teil 3 derjenige aus dem Trio, dem man vor allem anmerkt, dass er keinen Arsch in der Hose hat. Und das, obwohl er jede Menge Ärsche (in anatomischer wie übertragener Sicht) auf den Bildschirm bringt.

Die Geschichte ist immer die selbe: Die Mitglieder eines Clubs von reichen Perverslingen zahlen dafür, dass sie einen Menschen foltern und umbringen dürfen. Das war es, mehr gibt es nicht zu sehen. Mehr braucht es auch nicht. Das hat in Teil 1 und 2 gut funktioniert.

Teil 3 allerdings meint, er müsse noch eine Geschichte drumherum stricken und das Ganze in die Vereinigten Staaten verlegen. Nach Las Vegas, was auch sonst. Und damit schießt er sich, meines Erachtens, selber ins Knie. Auch wenn es ein Klischee ist: Im Osteuropa der Wendeverlierer konnte man sich noch vorstellen, dass es Menschen gibt, die alles tun und organisieren, um an Geld zu kommen.

Aber ein Horrorkabinett, das beinahe inszeniert wird wie eine Varietévorstellung mit applaudierenden Zuschauern? Nein, das ist aufgesetzt und nicht mehr glaubwürdig. Mal davon abgesehen, dass der Film sich, wie gesagt, nicht traut, konsequent zu sein. Und wenn es eines gibt, was Filme des sogenannten Subgenres des Torture Porns brauchen, dann ist es Konsequenz. Frag nach bei „Saw“, frag nach bei „Hostel 1“, frag nach bei „Martyrs“.

Aber gut, einen positiven Aspekt hatte das Ganze: Nach diesem Film war ich endlich müde genug, um ins Bett zu gehen 😉 .


Und, wie habt ihr Halloween so gefeiert oder begangen? Habt ihr auch hin und wieder das Bedürfnis auf so einen Filmmarathon? Wenn ihr wollt, dann verratet es mir 🙂 .

10 Gedanken zu “An Halloween saß ich nicht an meinem PC-Bildschirm

  1. Schöne Kurzirezis, sehr launig und fein – meinen Dank! Welches ist denn für Dich Carpenters Nummer 1: Klapperschlange? Halloween? Die „toten Augen“ kenne ich noch nicht, aber das klingt very amusing 🙂
    Liebe fröstelnde Novembergrüße!

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    • Freut mich, dass sie dir gefallen haben! 🙂

      Wie gesagt, in meinem Herzen gibt es einen großen kuschligen Platz, der für „Halloween“ reserviert ist, auch wenn der sicherlich nicht Carpenters formal stärkster Film ist. Diese Ehre müsste wahrscheinlich „The Thing“ zu teil werden, auch wenn der seinerzeit ein mittlerer Flop war.

      Wenn ich also eine Nummer 1 benennen müsste, dann wäre es „Halloween“, gefolgt von „The Fog“ und „Die Mächte des Wahnsinns“ auf dem dritten Rang.

      Schade, dass Carpenter nicht immer das glückliche Händchen hatte und zum Ende seiner Karriere hin (die nun einmal vorbei sein dürfte) viel Murks abgeliefert hat. Als seinen schrecklichsten Film empfinde ich „Flucht aus L.A.“, auch wenn das Ende nicht schlecht war.

      Die „toten Augen“ solltest du dir unbedingt ansehen, wenn du mit dieser Art Film etwas anfangen kannst!

      Liebe schniefnasige Grüße zurück

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  2. Feine Auswahl und wieder hab ich vergessen nach Shin Godzilla in der Bücherei zu schauen -.- Ich habe ihn letzter Zeit Lust, die Filme meiner Jugend zu schauen. Letztens war das „The Faculty“. Ich finde es spannend, was aus den Darstellern von damals geworden ist (in manchen Filmen entdeckt man Nebendarsteller, die jetzt Stars sind) und ob ich den Film noch mag.

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    • Echt, bei euch bekommt man Filme wie „Shin Godzilla“ in der Bücherei? Wow, ich bin beeindruckt!

      „The Faculty“ habe ich nur noch wenig in Erinnerung, weil es so lange her ist, dass ich den gesehen habe. Aber der war auch recht launig, soweit ich mich entsinne und eine nette Variation auf dem „Mars Invaders“-Thema, wenn ich es mal so nennen darf.

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      • Uh, falsches Thema, ich bin doch die geheime Marketing-Beauftragte der Bücherein! (So geheim, dass es die Bücherein gar nicht wissen) Ich glaube, The Faculty spielt auf „Die Körperfresser“ an – oder ist das der deutsche Titel für Mars Invaders?

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      • Ich merke schon, dass ich gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe bin …

        Mars Invaders sollte eigentlich „Invasion vom Mars“ heißen. Ein Film, in dem ein Kind mitbekommt, wie immer mehr Menschen, zuvorderst seine Lehrer, von einer außerirdischen Macht übernommen werden. Der stammt ursprünglich aus den 50ern und war natürlich eine Anspielung auf den Kommunismus. In den 80ern gab es dann ein Remake. Wegen der Lehrer-Parallele kam ich auf diesen Film.

        Aber natürlich hat „Faculty“ auch einiges von den „Körperfressern“ 🙂 .

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  3. Ich habe gestern nichts passendes im TV entdecken können. Außer dem alten Halloween natürlich, der ist natürlich ein Muss 😉 The Fog lief auch irgendwo. Aber mir wäre mehr nach Christopher „Dracula“ Lee gewesen. Oder gerne auch nach der ersten Verfilmung von „Es“, nachdem ich vor zwei Wochen den neuen gesehen hatte und ihn allenfalls mittelmäßig fand.

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    • Das Fernsehprogramm an Halloween ist in den letzten Jahren immer „ungruseliger“ geworden, finde ich. Man kann ja schon fast von Glück reden, wenn überhaupt was in der Richtung kommt. Bei all dem Bohei, das heute um dieses Fest gemacht wird, ist das aus meiner Sicht arg unverständlich.

      Über „Es“ hatte ich auch kurz nachgedacht, aber ich hatte ja den Ehrgeiz, möglichst viele Filme zu schauen 😉 .

      Und was den Dracula angeht, da bin ich mehr Team Bela als Team Christopher.

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