Der Silvesterreport 2017: Der Traum lebt weiter

Ihr Lieben!

Und wieder ist ein Jahr zu Ende. Für viele Blogger und andere Menschen der Zeitpunkt, das vergangene Jahr mehr oder weniger umfangreich Revue passieren zu lassen. Auch ich habe kurz mit dem Gedanken gespielt, euch noch einmal auf eine Zeitreise mitzunehmen. Weiß Gott, es hat einiges in diesem Jahr gegeben, das für mich, für mein Schreiben, für meine persönliche Weiterentwicklung wichtig gewesen ist.

Ganz zu Anfang steht da natürlich die Unterschrift unter meinen ersten Verlagsvertrag für „Der Morgen danach“. Ein großer Schritt auf dem Weg zur Erfüllung meines Traums. Oder die Anthologien, an denen ich teilnehmen durfte, das erste erhaltene Autorenhonorar. Der für mich ganz besondere Moment, als ich meine Geschichte „Aus Eiseskälte aufgewacht“ in Form einer inszenierten Lesung hören durfte.

Da war die Buchmesse und waren die Menschen, die ich dort getroffen und kennengelernt habe. Die ersten Erfahrungen in Sachen Lektorat. Vergessen wir auch nicht die Sache mit den Autorenfotos, die für mich wirklich eine Sache waren, die Überwindung gekostet hat.

Aber nein, ich möchte nicht in Erinnerungen schwelgen oder euch damit langweilen. Denn hat man erst einmal vier oder fünf Jahresrückblicke gelesen, dann hat man keine Lust mehr auf den sechsten. Kann ich verstehen, geht mir genauso.

Wagen wir also lieber einen Ausblick auf 2018. Und da kann ich nur sagen, ganz im Sinne der von mir gewählten Artikelüberschrift, dass der Traum weiter lebt.

Der Stein, den ich im Artikelbild habe, stammt aus dem Weihnachtsgottesdienst, den meine Familie und ich dieses Jahr besucht haben. Ich bin nun wirklich kein besonders gläubiger Mensch, aber der Botschaft dieses Steins, der mit seiner simplen Botschaft sowohl dazu auffordert, zu träumen, als auch Träumen an sich Bedeutung zumisst, konnte ich mich nicht entziehen.

Ich träume meinen Traum vom eigenen Buch. Das war ursprünglich nicht mehr als nur ein Name, eine Idee, eine Werbezeile. Erst im Laufe der Zeit wurde der Traum konkreter, vielschichtiger, veränderte sich. Mir geht es nicht mehr „nur“ darum, ein Buch zu veröffentlichen. Wenn es das wäre, dann könnte ich mich jetzt zurücklehnen und darauf warten, dass „Der Morgen danach“ irgendwann das Licht der Welt erblickt.

Aber nein, das ist es nicht mehr, was ich will. Mein Traum ist gewachsen, hat an Gewicht und an Gestalt gewonnen. Ich möchte weiter gehen, möchte die Grenzen austesten. Deswegen auch die Bewerbung mit „Der Beobachter und der Turm“, die ich lange vor mir her geschoben habe.

Ich weiß jetzt, dass ich mich stellenweise selber blockiert habe und bin mir durchaus bewusst, dass ich das auch in der näheren Zukunft noch das eine oder andere Mal tun werde. Aber, hey: So bin ich halt und die erste Lektion ist es, zu akzeptieren, wie man ist.

Und zu träumen. Aber dann auch etwas zu versuchen, um den Traum Realität werden zu lassen.

Der Weg, der vor mir liegt, ist sicherlich kein einfacher und kein geradliniger. Es wird weiter Rückschläge geben, so wie es sie auch in 2017 gegeben hat. Ich habe in diesem Jahr keinen einzigen Roman fertig geschrieben. Weder einen kurzen, noch einen langen. Klar, das kann ich durch zahlreiche und umfangreiche Überarbeitungen rechtfertigen. Aber es fühlt sich dennoch wie ein Rückschlag an.

Aber auch hier kommt es darauf an, den Weg weiter zu gehen. Und wenn ich irgendwo mal eine Sackgasse habe, dann drehe ich um und versuche eine andere Strecke. Die heiligen drei Könige aus der biblischen Geschichte folgten einem Stern. Ich folge einem Traum.

Ich weiß nicht, wohin er mich 2018 führen wird. Das ist das schöne daran. Das hält die Spannung am Leben, die gerade zum Autorendasein dazu gehört. Damit wir selber in der Lage sind, neue Spannung zu erzeugen und an unsere Leser mit unseren Geschichten zu übergeben.

Ich träume meinen Traum vom eigenen Buch. Und von dem danach. Und dem darauf folgenden.

Und ich freue mich, euch an meiner Seite zu haben und euch von diesem Traum erzählen zu dürfen. Ich wünsche mir, dass ihr alle gut in das kommende Jahr hinein gelangt, dass ihr dort eure Träume nehmt und versucht, sie in die Tat umzusetzen. Wenn selbst ich das versuchen kann, dann schafft ihr das allemal.

In diesem Sinne sagen wir gemeinsam „Tschüss 2017“ und „Hallo 2018“.

Mal sehen, wohin uns unsere Träume führen werden.

Alles Liebe!

Euer Michael

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Vom Bitten und vom Betteln

Wie einige von euch sicherlich bemerkt haben, wird jeder neue Beitrag, den ich hier im Blog schreibe, auch in die Sozialen Netzwerke durchgeschoben. Ich bin ein lausiger Netzwerker und versuche auf diese Weise, wenigstens halbwegs „Präsenz“ zu zeigen.

Auf diese Weise ging auch mein vorgestriger Beitrag über die Bewerbung bei der Literaturagentur Meller rüber zu Twitter – dem Netz, auf dem ich noch am aktivsten bin. Dennoch habe ich erst heute einen Tweet als Antwort auf den meinen entdeckt, der mich nachdenklich gestimmt hat:

Bitten und Betteln – das sind zwei Worte, die man natürlich ungern im Zusammenhang mit dem eigenen Verhalten liest. Inzwischen sind noch ein paar Tweets hin und her gegangen und ich denke, dass es hier weniger um mich und meinen konkreten Text geht, sondern um eine allgemeine und grundlegend andere Auffassung vom Nutzen einer Literaturagentur. Oder eben der Abwesenheit eines solchen Nutzens.

Aber wie dem auch sei, ich habe, ebenfalls bei Twitter, eine Frage in die Runde meiner Follower gestellt, die ich hier gerne wiederholen möchte, weil mich Antworten darauf interessieren, andere Ansichten.

Es geht mir, das sage ich ausdrücklich, nicht darum, Victoria Benner in ihrer Ansicht umzustimmen oder zu „bekehren“, oder auch nur zu sagen: Soundso viele Leute sind anderer Meinung. Ich finde, dass es gerade in Hinblick auf die Wege die wir Autoren gehen, kein richtig und kein falsch gibt, sondern nur andere Herangehensweisen, die, hoffentlich, irgendwann im Bücherregal des Lesers ihr Ziel finden. Das ist es doch, worauf wir alle hinarbeiten.

Und dennoch, auch hier an dieser Stelle, die Frage für alle, die mir nicht bei Twitter folgen:

Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

Ich bin, ich kann, ich habe. Oder: Bewerbung bei einer Literaturagentur

Die Unterlagen sind zusammengestellt. Das Exposé wurde mit Geduld, Spucke und einer großen Schere auf die geforderten zwei Seiten (Maximum) zurecht geschnippelt. Die Leseprobe hat die benötigten 30 Seiten. Auch wenn mich stört, dass sie mitten in einem Absatz endet: So sind die Regeln. 30 Seiten heißt 30 Seiten. Nicht 29 und nicht 31. Man will ja zeigen, dass man in der Lage ist, die Ausschreibungsbedingungen zu lesen.

Die Kurzvita ist schon ein wenig schwerer. Was soll man reinschreiben, was lässt man draußen? Ich entschließe mich dazu, einiges von dem, was noch vor einem Jahr, als ich mich mit „Der Morgen danach“ bei meinem Verlag beworben habe, drin gewesen ist, rauszuwerfen. Ich fühle mich nicht mehr besonders wohl mit diesen Passagen und deswegen ist es wohl das beste, sie einfach zu eliminieren.

Was dann noch fehlt, ist nur noch eine Formsache. Das Anschreiben. Die Bewerbung.

Und dann sitze ich wie ein kleiner Doofie vor meiner Tastatur und starre auf die leere Seite meines Schreibprogramms. Tippe die ersten Worte: „Sehr geehrte Damen und Herren“. Lösche sie wieder. Leider ist auf der Homepage der Agentur kein konkreter Ansprechpartner erkennbar. Deswegen komme ich um eine unpersönliche Anrede nur schwer herum.

Ich atme tief durch, überlege kurz und ergänze dann: „Sehr geehrtes Team der Agentur xy, sehr geehrte Damen und Herren“. Das gefällt mir immer noch nicht, aber ich kann mir ja nicht einfach irgendeinen aus dem halben Dutzend auf der Webseite aufgeführten Agenten herauspicken. Zumal auch die E-Mailadresse eine anonyme ist. Leicht macht man es einem dort wirklich nicht.

Aber gut, die Anrede ist geschrieben. Und dann starre ich wieder auf das nur noch fast leere Blatt und überlege mir, was ich schreiben soll.

Ich möchte mich um eine Zusammenarbeit bewerben. Aber ist „bewerben“ eigentlich das richtige Wort? Die Webseite spricht davon, dass ich ein Angebot zur Zusammenarbeit mache. Aber ich kann doch nicht einfach schreiben: „Ich biete Ihnen an, mit mir zusammen an meinem Manuskript zu arbeiten“. Wie hört sich das denn an? Wohl größenwahnsinnig geworden, wie!?

Wie bewirbt man sich, wenn man nicht schreiben will, dass man sich bewirbt, weil es vielleicht zu unterwürfig klingt? Ich versuche herauszufinden, wie genau das Anschreiben an meinen Verlag damals gelautet hat. Aber irgendwie hilft mir das nicht weiter, denn ich hatte ganz andere Voraussetzungen. Und das Anschreiben an den zweiten Verlag, an den, bei dem ich mich mit „Der Beobachter und der Turm“ schon einmal beworben hatte, ist irgendwie Verschütt gegangen. Einfach weg! Bestimmt so gut weg sortiert, dass ich es selber nicht mehr finde.

Durchatmen. Ich kann das. Ich bin gut in so was. Es ist unter anderem mein Job, Menschen anzuschreiben und ihnen im Zweifel sogar zu sagen, was sie zu tun und zu lassen haben.

Nein, falsch, vollkommen falscher Ansatz. Die Agentur soll nichts für mich tun und sie soll schon gar nichts für mich lassen. Sie soll mit mir zusammen arbeiten und die Unterlagen, die ich zusammengestellt habe, sollen mein Türöffner für diese Zusammenarbeit sein.

Ich erinnere mich an das, was ich mal über Stellenbewerbungen gelernt habe. Ist jetzt auch schon über 24 Jahre her, dass ich mich auf eine Stelle beworben habe. Aber ich weiß noch, dass es immer gut aussieht, wenn man kurz schreibt, wieso man eigentlich genau da, wo man nun hinschreibt, gerne arbeiten würde. Oder in diesem Fall halt zusammenarbeiten würde.

Ich schreibe einen entsprechenden Absatz. Ungefähr drei Mal, bis er halbwegs so aussieht, als ob er von mir stammt und nicht aus irgendeinem Ratgeber abgeschrieben ist. Es hilft ungemein, dass ich mir zwischendurch bewusst werde, dass ich schreibe, als hätte ich ein Lineal verschluckt. Nachdem ich es mühsam hervorgewürgt habe, geht es besser.

Nächster Absatz. Das ist einfach. Ein kurzer Pitch, worum es in dem Roman geht. Moment – habe ich wirklich das Gefühl, dass das einfach ist? So ziemlich das Schwierigste, was man machen kann: Kurz und knapp die eigene Story zusammenfassen?

Meine Güte, wie schwer muss mir der Rest fallen, wenn ich das auf einmal als einfach empfinde!

Los, ich muss zum Ende kommen, ansonsten bekomme ich entweder die Kopfschmerzen des Jahrhunderts oder ich bringe das gar nicht mehr fertig.

Schlussformel. Auch hier habe ich mal was gelernt, nämlich, dass man den Konjunktiv so gut es geht vermeiden soll. Ich bin hier, weil ich ein Angebot habe, das ihr eigentlich nicht ausschlagen könnt! Ich muss nicht „hoffen“ oder „würden“.

Mit so viel Mumm, wie ich aufbringen kann, schreibe ich: „Ich freue mich, wenn die beigefügten Unterlagen Sie in Bezug auf eine Zusammenarbeit überzeugen.“

Mit Mühe unterdrücke ich den Nachsatz: Und das werden sie! Denn das wäre nicht nur gelogen, sondern auch mehr als nur zwanzig, eher zweiundzwanzig, Schichten zu dick aufgetragen.

Dann lese ich das Ganze durch. Einmal, zweimal, dreimal, sechsmal. Suche Fehler, finde keine. Suche noch einmal, weil ich mir selbst nicht traue. Füge die Dateien an, checke auch diese zweimal gegen.

Alles passt.

Nur noch auf „Senden“ drücken. Aber das Gefühl kenne ich ja inzwischen, wie schwer es ist, diesen Button zu drücken, wenn es um das eigene Schreiben geht. Ihn zu drücken ist am Ende fast so leicht wie das Pitchen meiner Geschichte.

Und jetzt heißt es warten. Ungefähr acht Wochen lang. Dann wird der Frühling schon fast an die Tür klopfen.

Wir geben ab zur Werbung (13) Ein wenig Zeit totschlagen gefällig?

Hallo und herzlich Willkommen auf der anderen Seite von Weihnachten!

Ich hoffe, ihr hattet alle eine gute Zeit, habt vielleicht schöne Geschenke bekommen, oder andere Menschen gut beschenkt. Oder vielleicht habt ihr mit Weihnachten ja auch gar nicht wirklich etwas an der Mütze gehabt. Dann hoffe ich, dass ihr trotzdem eine gute Zeit hattet.

Bei mir war Weihnachten relativ ruhig, an Heiligabend gab es einen schönen Abend mit der Familie, die folgenden zwei Feiertage waren dann „frei“. Ich habe die Zeit genutzt, um mich ein wenig zu entspannen. Den lieben Gott mal einen guten Mann sein lassen.

Und auch jetzt bin ich eher noch auf der faulen Seite des Lebens unterwegs, atme ein wenig durch, nachdem mein Arbeitgeber der Ansicht ist, dass die Dienststellen zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen bleiben sollen. Morgen oder spätestens übermorgen mache ich auf jeden Fall noch die Bewerbung für die Literaturagentur Meller fertig, aber viel mehr wird dieses Jahr in Sachen Schriftstellerei wohl nicht mehr laufen.

Und wie ist es bei euch? Habt ihr vielleicht auch ein wenig Zeit, die ihr totschlagen wollt? Dann habe ich einen ganz heißen Tipp für euch. Jedenfalls für die, die schon ein wenig länger an ihren PCs unterwegs sind.

Erinnert ihr euch noch an die ganzen alten Spiele, die größtenteils unter DOS liefen (die Jüngeren mögen nachschlagen, was genau das war)? Dann wisst ihr wahrscheinlich auch, dass man die meisten von denen auf dem heimischen Rechner wieder zum Starten bekommt, wenn man einen passenden Emulator benutzt. Und wenn man sie noch in seinem Besitz hat, natürlich.

Ich bin da vor kurzem auf eine Homepage gestoßen, die sowohl den Besitz als auch den Emulator obsolet macht, da sie beides direkt mitbringt:

Ich denke, der Bildschirmabdruck spricht für sich. Auf classicreload.com findet ihr über 5.000 Spiele, die ihr sofort auf der Webseite ausprobieren könnt, um die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen. Besonders drei der Klassiker haben sich bei mir als echte Timekiller herausgestellt. Das wäre zum einen der putzige Commander Keen:

Oder das epische Civilization, in dem es um nicht weniger als um das Schaffen einer ganzen Zivilisation geht:

Und natürlich auch dieses hier:

Den Namen durfte man viele Jahre lang nicht aussprechen, deswegen tue ich es auch jetzt nicht 😉 .

Die meisten Spiele liegen auf der Website als Vollversionen vor, so wie sie von den Herstellern programmiert wurden. Also auch inklusive aller Passwortabfragen und ähnlichem. Die Seite versteht sich als Projekt zur Bewahrung alten Spieleguts, nicht als Sammlung von Raubkopien. Angeblich wurde auch alles lizenziert, was man dort abrufen kann, wenn es sich nicht um sogenannte Abandonware handelt.

Man kann die Spiele in einem kleinen Fenster oder auch im Vollbild spielen. Wobei das auf den modernen Bildschirmen von heute natürlich ein wenig komisch aussieht wegen der verwendeten Bildschirmauflösungen. Die besten Erfahrungen habe ich mit Google Chrome als Browser gemacht.

Und, fühlt ihr euch zu einem kleinen Spielchen animiert? Was sind oder waren eure Favoriten damals? Outet euch ruhig, wir sind schließlich alle nicht mehr die Jüngsten 😉 .

Ich spiele jetzt noch ein wenig Civilization, ihr entschuldigt mich.

Frohe Weihnachten 2017

Ihr Lieben!

Ich möchte nicht viele Worte machen, weil ich weiß, dass die meisten von euch noch in den letzten Vorbereitungen für den Braten, die Kirche, die Geschenke oder die Tannenbaumspitze sind.

Weihnachten ist ja immer so ein Moment, um kurz inne zu halten, Luft zu holen und dann ganz langsam auszuatmen. Zur Ruhe zu kommen. Deswegen möchte ich diese Stimmung nutzen, um mich bei euch einmal für die zurückliegenden Monate zu bedanken, in denen ihr mir und meinem kleinen Blog die Treue gehalten habt, mit mir durch Hochs und Tiefs gegangen seid und euch so allerlei krude Gedanken von mir durchgelesen habt.

Ich bin froh – und das sage ich nicht so dahin – dass ich euch habe. In einigen Momenten, in denen ich beinahe die ganze Sache dran gegeben hätte, habt ihr mir neuen Mut gegeben. Die Kraft, weiter zu machen.

Ich wünsche euch, euren Familien, euren Liebsten und allen, die euch wichtig sind, ein frohes, schönes und besinnliches Weihnachtsfest 2017. Verbringt ein paar schöne Tage und dann sehen wir uns alle auf der anderen Seite der Stillen Nacht wieder, wenn ihr mögt.

Ich mag jedenfalls!

Euer Michael

Vorausgesetztes Wissen beim Leser, oder: Wer kennt Kemm’sche Kuchen?

Wir nähern uns mit großen Schritten dem Weihnachtsfest, überall liegt der Duft von Tannennadeln und Glühwein in der Luft und kitschige Musik dröhnt aus dem Radio. Das ist doch die passende Gelegenheit, um euch endlich eine Begebenheit aus dem Sommer zu erzählen, nicht wahr?

Dabei ist sie eigentlich ziemlich zeitlos und illustriert ein Problem, auf das man als Autor von Romanen immer wieder acht geben muss: Wie viel Wissen darf man beim Leser eigentlich voraussetzen?

Die meisten Menschen lesen Romane zum Zweck der Unterhaltung. Und auch wenn ich gar nicht abstreiten möchte, dass man diese auch mit Texten haben kann, die zum Nachdenken anregen, sollte es ein konstruktives Nachdenken sein. Als ein solches würde ich etwa das Grübeln darüber bezeichnen, was Romeo noch anstellen könnte, um seine Julia vielleicht doch zu bekommen oder darüber, wie zum Geier Agentin Starling das perfide Spiel von Hannibal Lecter ohne Schäden am eigenen Geist bestehen soll.

Weniger gut ist es allerdings, wenn man den Leser dadurch aus der Geschichte reißt, dass er sich erst einmal ein Wörterbuch vom Schrank oder aus dem Internet besorgen muss, um nachzuschlagen, wovon der Autor da eigentlich gerade schreibt. Klar, man kann niemals den Wissensstand jedes Einzelnen berücksichtigen und es ist auch nicht gut, immer mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner von Sprache zu arbeiten, weil Romane dadurch wohl sehr flach und sprachlich arm würden.

Aber gerade dann, wenn man sich mit Spezialwissen auseinander setzt, ist es umso wichtiger, den Leser mitzunehmen. Kommen wir also zu meinem Beispiel, wie man es nicht machen sollte.

Und letztendlich ist dieses auch zeitlich gar nicht so falsch, selbst wenn es mir schon im Sommer passierte. Denn auch der Winter, Weihnachten im Speziellen, ist ja die Zeit, in der man sich gerne mal vornimmt, kulinarisch neue Wege auszuprobieren und vielleicht einmal die eigenen Grenzen ein wenig auszuloten. Es muss ja nicht immer Kartoffelsalat mit Brühwurst sein.

Und so war es auch vor meinem Geburtstag, als die obligatorische Frage anstand, was man denn den zu erwartenden Gästen so alles auftischen könnte. Meine Frau und ich wälzten also unsere Gedanken hin und her und als das nicht mehr so recht weiterhalf, auch die eine oder andere Rezeptsammlung.

In einer Zeitschrift fand sich auch ein sehr lecker klingendes Rezept für eine quarkbasierte Nachspeise. Nun ist das erst einmal nichts besonderes, aber die Zutaten machen ja, genau wie bei einem guten Roman, den besonderen Reiz erst aus.

Das Rezept war eigentlich ganz einfach, bis zu dem Moment, an dem es sinngemäß verlangte: Für den Boden verwenden Sie einen besonderen, braunen Kuchen, zum Beispiel Kemm’sche Kuchen.

Ich schaute das Papier an, dann meine Frau, die schaute das Papier an, dann mich und wir beide hatten überhaupt keine Ahnung, was das sein sollte. Unter braunem Kuchen konnte ich mir ja, zumindest ungefähr, etwas vorstellen. Aber was sollten „Kemm’sche Kuchen“ sein?

Nun, wieso lange rätseln, wenn man auch in einen Laden fahren und die Dinger einfach kaufen kann. Zumal die Zeit langsam ein wenig eng wurde. Was folgte, war eine Odyssee durch mehrere Geschäfte und die jeweiligen Feinkostabteilungen. Nirgendwo fanden sich braune Kuchen oder gar Kemm’sche davon.

In meiner Verzweiflung fuhr ich schließlich sogar in die Metro, wo man normalerweise alles Mögliche und Unmögliche bekommt. Ich drehte den Gang mit den Kuchen auf Links, ebenso den mit den Gewürzen. Irgendwann wurde eine Mitarbeiterin auf mich aufmerksam und sprach mich an. Ich berichtete von meiner Suche und der Blick, den ich kassierte, war mindestens so ratlos wie der meiner Frau früher am Tag.

»Also ich arbeite jetzt seit zwanzig Jahren hier in der Abteilung, aber davon habe ich noch nie etwas gehört.«

Das Ende vom Lied war dann, dass ich im sechsten Laden, in dem ich war, irgendwas gekauft habe, was einem braunen Kuchen zumindest ähnlich sah. Nun, beschwert hat sich niemand wegen des Nachtischs, also kann es nicht so schlimm gewesen sein.

Aber die Geschichte ließ mich nicht los und eigentlich wollte ich sie euch schon längst einmal erzählt haben.

Denn sie illustriert wirklich gut, wie man selbst die hartgesottensten Leser – und ich bezeichne die Dame aus der Metro einfach mal so -, die sich mit dem Genre, mit den Gegebenheiten und mit den Figuren wirklich gut auskennen, mit der Verwendung von Spezialwissen oder -begriffen derart aus der Bahn werfen kann, dass sie im schlimmsten Fall das Buch einfach zu klappen und sich anderen Dingen zuwenden. Zum Beispiel einer ausgedehnten Einkaufstour.

Sind jetzt alle Genres gleichermaßen davon betroffen? Nein, ich denke nicht. Romane, die im Alltag verwurzelt sind, sind tendenziell weniger gefährdet, weil in der Hauptsache über Dinge geschrieben wird, welche jeder von uns kennt. Aber auch hier lauern Fallstricke, wenn zum Beispiel über spezielle Küchenutensilien geschrieben wird. In diesem Fall schadet es nicht, diese zumindest kurz zu beschreiben, so dass der Leser ein grobes Bild davon im Kopf hat.

Hier muss man natürlich abwägen, welche Wichtigkeit dieses Utensil überhaupt hat. Ist es einfach nur eine speziell benannte Fleischzange, dann kann es sich anbieten, einfach genau dieses Wort zu verwenden, anstatt eine langwierige Erklärung einflechten zu müssen.

Generell gilt, dass weniger im Zweifelsfall mehr ist. Zumal sich die Lesegewohnheiten immer wieder einmal ändern. Im einen Jahr kann es sein, dass die Leser geradezu erwarten, dass sie in langen Erklärungen und Beschreibungen in alle Details eingeweiht werden. Im nächsten soll Prosa dann wieder gestochen scharf und ohne Schnörkel sein, damit sie sticht. Das vorauszusehen ist schwer bis unmöglich. Daher empfiehlt es sich, einen gangbaren und einfachen Mittelweg zu nehmen.

Im Fall meines Rezepts wäre es zum Beispiel eine Möglichkeit gewesen, eine Bezugsquelle zu nennen. Das hätte mir viel Rätselei, Rennerei und Ärger erspart. Mal ganz davon abgesehen, dass ich seitdem die Hefte dieser speziellen Kochzeitschrift mit wesentlich größerem Argwohn betrachte und seltener zu Rate ziehe.

Wie man den Umgang mit fremden Wörtern und Sachverhalten besonders gut gestalten kann, zeigen übrigens regelmäßig Romane aus dem Bereich der Fantasy und der Science-Fiction. Hier sind die Autoren gezwungen, sich mit genau diesen Fragen zu befassen, weil sie über Dinge schreiben, von denen noch nie jemand etwas gehört hat, weil sie fiktiv sind.

Fassen wir also kurz noch einmal zusammen: Wenn ich einem Leser einen besonderen oder schwierigen Begriff vorsetze, dann sollte klar sein, worum es sich dabei handelt. Oder ich muss es erklären. Ich darf nicht einfach voraussetzen, dass er genau weiß, wovon ich da schreibe. Sonst riskiere ich, ihn abzuhängen und zu verlieren.

Und jetzt würde mich zum Abschluss ja noch interessieren: Wer von euch hat schon einmal Kemm’sche Kuchen gegessen? Können die was?

Ungewollte Spoiler und wie leicht man sie sich einhandelt

Spoiler sind ärgerlich.

Nein, ich spreche natürlich nicht von denen, die manche Zeitgenossen sich (wieso auch immer) an ihre Autos montieren. Ich spreche von denen, die uns Teile einer Handlung vorwegnehmen, die wir gerne selber erfahren hätten. Eine Handlung, die durch einen Spoiler einiges an ihrer Spannung verliert und der, im schlimmsten Fall, auch einiges von emotionaler Bindung an das Buch, das da gerade gelesen wird, verloren gehen lässt.

Aber um zunächst zu verdeutlichen, wie sehr ein Spoiler ein Gesamterlebnis beeinflussen kann, erzähle ich euch eine ganz kurze, fiktive Geschichte.

Wir schreiben das Jahr 1980. Endlich ist es soweit. Drei lange Jahre hat Thomas darauf gewartet, dass die Fortsetzung des phänomenalen Films „Krieg der Sterne“ in die Kinos kommt. Erwartungsvoll steht er in der Schlange vor der Kinokasse, streicht sich die Haare aus dem Gesicht und wirft einen ehrfürchtigen Blick auf das Filmposter, das an der Wand neben der Kassenkabine hängt.

Da laufen zwei Typen an ihm vorbei, die sich miteinander unterhalten. Er kennt sie nicht, interessiert sich nicht für sie. Sie sind irgendwer, gehen irgendwohin und das könnte die ganze Geschichte sein. Wenn nicht der eine von den beiden, genau, als sie auf einer Höhe mit Thomas sind, sagen würde: »Aber dass Darth Vader Lukes Vater ist – krass!«

Peng, das war es mit einem Teil der Vorfreude. Den Rest der Wartezeit verbringt Thomas schwankend zwischen „die wollten dich verarschen“ und „das kann doch nicht sein“. Und als dann die inzwischen berühmt gewordene Szene in der Wolkenstadt Bespin über die Leinwand flimmert, merkt er, dass es ihm beinahe schon egal ist. Schade drum.

Ja, schade drum. Und Beispiele dieser Art gibt es viele und in allen erzählenden Medien. Ich selbst bin zum Beispiel kein wirklicher Freund von Inhaltsverzeichnissen in Romanen, die vor dem eigentlichen Romantext stehen. Denn oftmals verraten die Titel der Kapitel schon einiges über den Handlungsverlauf, den ich noch gar nicht so genau aufgezeigt bekommen möchte. Wenn die Überschriften an den richtigen Stellen kommen, sind sie hingegen, bei geschickter Textwahl, eine gute Methode, den Leser in der Geschichte zu halten, ihn hinein zu ziehen.

Aber man muss als Autor immer auch damit rechnen, dass der Leser seine eigene Neugierde nicht im Zaum halten kann. Dieses Problem stellt sich gerne dann ein, wenn er direkt mehrere Teile einer aufeinander aufbauenden Serie kauft. Nicht alle schaffen es, die Romane konsequent nur ins Regal zu stellen, ohne auch nur einen Blick auf den Klappentext zu werfen. Und wenn dieser dann, unbeabsichtigt, eine Entwicklung vorweg nimmt, die sich in Band 5 vollzieht, man gerade aber erst bei Band 4 ist, dann ist das ärgerlich.

Denn diese Entwicklung bekommt man als Leser nicht wieder aus seinem Kopf heraus.

Auch beim Cover kann etwas in der Art passieren. Ich habe schon einige Male Darstellungen von Szenen gesehen, die irgendwann weit in der Handlung vorkamen. Ein Teil von mir wartet dann immer unbewusst darauf, dass genau das geschieht, was da zu sehen ist und schwangt zwischen leichtem Ärger und Enttäuschung, wenn es dann kommt (oder auch nicht kommt, aber das ist ein anderes Thema, wenn man die Erwartungen des Lesers nicht erfüllt).

Wie oft solche Dinge passieren und wie leicht es ist, auch vollkommen unbeabsichtigt gespoilert zu werden, etwa durch Inhalte auf Internetseiten, ist mir erst so richtig bewusst geworden, seit ich meine Fernsehserie mit den toten Menschen sehe.

(Ja, ich bin im Moment etwas auf „The Walking Dead“ fixiert, aber da müssen wir jetzt alle durch.)

In dieser Serie sterben Menschen. Und es sterben Menschen, an die man sich im Laufe von vielen Staffeln gewöhnt hat, die einem ans Herz gewachsen sind und bei denen es etwas auslöst, wenn sie plötzlich nicht mehr da sind. Das machen die Autoren der Serie ganz hervorragend.

Nun hänge ich ja der Serienkontinuität ein wenig hinterher. Gerade schaue ich die sechste von acht Staffeln. Es liegen also viele Entwicklungen in der Handlung noch vor mir, die andere schon längst kennen und ich habe große Probleme, mich nicht spoilern zu lassen.

Aber macht mal das Internet auf und surft irgendeine Seite an, die auch nur im Entferntesten etwas mit Entertainment zu tun hat – und da reicht schon die Einstiegsseite von GMX. Da finden sich dann Meldungen wie „The Walking Dead-Star erträgt die Serie nicht mehr“, natürlich mit Bild. Oder blättert mal durch den Katalog des Merchandise-Händlers EMP, da findet ihr dann Memoriam-T-Shirts für einzelne Charaktere.

Für mich ist das ebenso ärgerlich, als wenn mir frühzeitig jemand verraten hätte, dass streng genommen gar nicht Frodo den Ring ins Feuer wirft, oder dass nicht Harry am Ende des Tages das Mädchen mit nach Hause nimmt. Und, übrigens, am Ende von „Titanic“ sinkt das Schiff. Ups.

Ich gebe zu, dass es nicht leicht ist, alle möglichen Quellen von Spoilern auszuschalten. Aber zumindest beim Cover, beim Klappentext und bei den Kapitelüberschriften haben wir, als Autoren, im besten Fall zumindest die Möglichkeit, mahnend unseren Finger zu heben, oder im Selfpublishing halt die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es geht ja darum, die Leser zu animieren, sich das Buch zu kaufen. Oder den Serienfan, die neue Staffel zu sehen.

Oder unseren Thomas, sich auch noch die nächsten sieben „Star Wars“-Filme im Kino anzuschauen.

Wobei es ja auch Menschen gibt, die bei einem Roman erst das Ende lesen, weil sie auf Nummer Sicher gehen wollen, dass dieses auch in ihrem Sinne ausfällt. Ich gebe zu, dass dieses Leseverhalten mir vollkommen unverständlich ist.

Wie steht es mit euch: Seid ihr auch allergisch gegen Spoiler oder mögt ihr es ganz gerne, wenn ihr schon einen kleinen Wissensvorsprung habt? Wann und wodurch seid ihr das letzte Mal so richtig fies gespoilert worden?