Der Sonntagsreport vom 10.12.2017: Sich selber exponieren

Hallo ihr Lieben!

Na, habt ihr auch alle fleißig Schnee geschippt? Hier bei uns hat es tatsächlich noch einmal so geschneit, dass ich das zweite Mal an zwei aufeinander folgenden Tagen vor die Tür musste. Ich müsste jetzt ernsthaft nachdenken, wann das zuletzt der Fall gewesen ist.

Weil mich die ganze Schipperei aber rechtschaffen erschöpft hat, möchte ich gar nicht so viele Worte machen. Denn gefühlt mache ich die ja hin und wieder schon zur Genüge. Wobei das ja nichts Schlimmes ist, schließlich sind wir ja alle wegen genau dieser Worte hier: Ich, um sie zu schreiben und ihr, um sie zu lesen.

Aber kommen wir trotzdem zur Sache. Und zwar geht es mir heute darum, wie es ist, wenn man sich selber ein Stück weit exponiert. Ja, ich weiß, schon wieder Fremdwörter, aber ich denke, ihr kennt dieses Wort. Es heißt ja nichts anderes, als dass man sich ein Stück weit aus sich selbst herauswagt, sich zeigt und dabei in Kauf nimmt, auch gesehen zu werden. Jedenfalls ist das für mich eine gute Übersetzung.

Ich habe mich diese Woche gleich einige Male exponiert. Auch auf diesem Blog, wenn ihr zum Beispiel an das Jahresendzeitcoachingstöckchen (puh, was ein Wort) von Jule denkt, das ich aufgefangen habe.

Aber auch mit ganz banalen Dingen kann man, kann ich mich exponieren.

Mir ist zum Beispiel vorhin, als ich den Schnee geschippt habe, durch den Kopf gegangen, was für einen weiten Weg ich gegangen bin, dass ich das jetzt einfach so tun kann.

Das muss ich erklären, denke ich. Dazu müsst ihr nämlich wissen, dass ich früher, noch gar nicht so lange her, immer Angst davor hatte, dass irgendjemand am Fenster seiner Wohnung oder seines Hauses steht und mich dabei beobachtet, wie ich den Rasen mähe, Unkraut zupfe, oder eben den Schnee schippe.

Und wieso hatte ich Angst davor? Weil ich dachte, dass derjenige sich darüber lustig machen würde, dass ich das, was ich da gerade tue, vollkommen falsch mache. Dabei war mir auf einer Verstandesebene durchaus bewusst, dass es eigentlich keinen richtigen oder falschen Weg gibt, den Rasen zu mähen – solange das verdammte Gras hinterher kurz ist. Okay, sich hin zu knien und es zu essen, wie die Figur aus der Kurzgeschichte von Stephen King, das wäre wohl zumindest grenzwertig gewesen.

Aber man wächst ja an seinen Aufgaben und so musste ich irgendwann einsehen, dass es nun einmal nur so viele Personen gibt, die diese Aufgaben erledigen können und dass ich mich nicht immer davor drücken kann. Und irgendwann gewöhnt man sich an alles.

So, wie ich mich ja auch daran gewöhnt habe, oder gerade dabei bin, mich zu gewöhnen, auf diesem Blog ein Stück weit die Hosen runter zu lassen (kein Bildmaterial anliegend). Auch da habe ich gelernt, dass es euch, meine Leser, interessiert, was mich als Mensch beschäftigt. Und dass es okay ist, wenn ich hin und wieder zu verstehen gebe, dass mich Dinge beschäftigen, die das Äquivalent des Rasens oder des Schnees sind: Ich muss mähen und schippen und es könnte sein, dass jemand am Fenster steht und meint, dass ich es falsch mache. Aber das muss ich dann einfach akzeptieren und darf mich nicht davon beirren lassen.

Denn darum geht es auch bei meiner Arbeit, meinem Schreiben. Ich gebe Teile von mir in fremde Hände und setze mich der Beurteilung aus. Ein Teil von mir, der es lange gewohnt war, unsicher zu sein, exponiert sich damit bis auf das Äußerste. Aber das ist ein Muss und es ist okay, manchmal Angst davor zu haben. Es ist auch okay, sich hin und wieder umzublicken, ob sich nicht doch irgendwo eine Gardine verräterisch bewegt.

Aber es ist absolut nicht okay, deswegen alles verwildern zu lassen.

Ich muss mich exponieren, muss den Weg gehen, muss mich zeigen. Nur, wenn ich das tue, habe ich auch die Chance, wahrgenommen zu werden. Von Menschen, die mir nichts böses wollen, die nicht über mich lachen wollen und die nicht mit dem Finger auf mich zeigen. Und irgendwann, vielleicht in einer Woche, vielleicht in einem Monat, vielleicht aber auch schon morgen wird der misstrauische Teil in mir begreifen, dass diese Menschen doch irgendwie in der Überzahl sind.

Soweit das Wort zum Sonntag. Danke euch fürs Zuhören und, wer weiß, vielleicht geht ja der eine oder die andere von euch morgen mit einem besseren Gefühl daran, den über Nacht neu gefallenen Schnee (er hüte sich!) vom Gehsteig zu schippen. Das wünsche ich euch.

Kommt schlitterfrei in die neue Woche!

Euer Michael

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