Ich bin ein Kassettenkind und möchte euch was zeigen

Ich habe ja in der Vergangenheit schon das eine oder andere Mal erwähnt, dass ich für eine gewisse Zeit sehr aktiv in einem ganz besonderen Fandom gewesen bin. So richtig mit eigener Homepage und jeder Menge Aktivität. Und zwar geht es dabei um Hörspiele.

Heute sind Hörspiele und vor allem Hörbücher etwas vollkommen normales. Man bekommt sie in jeder Buchhandlung, in jedem ordentlich bestückten Elektronikmarkt und nicht zuletzt dank Unternehmen wie Audible ist es auch vollkommen normal, ungekürzte Lesungen zu brandaktuellen Romanen für einen akzeptablen Preis zu erhalten.

Aber vor zwanzig Jahren, da sah die Welt noch ein wenig anders aus.

Hörspiele waren etwas, das irgendwie aus der Zeit gefallen war. Etwas, das man eigentlich nur mit Kindern in Verbindung brachte. Zwar gab es auch damals schon, oder vielmehr noch, ambitionierte Produktionen, doch wurden diese oftmals von öffentlich-rechtlichen Radiosendern gestemmt, die sich um die kommerzielle Seite ihres Tuns erst einmal weniger Gedanken machen mussten.

Hörspiele, das waren diese Geschichten, die es vor allem auf Kassetten zu kaufen gab. Die Schallplatte, zu diesem Zeitpunkt schon längst von der CD ins Reich der Untoten verbannt, spielte am Markt gar keine Rolle mehr. Und die Kinder, die sich dereinst mit Serien wie „Jan Tenner“, „Hui Buh“ oder „Masters of the Universe“ ihre Zeit vertrieben hatten, waren auf dem besten Weg, erwachsen zu werden und hatten auf diesem Weg irgendwann ihre Hörspielsammlungen aufgelöst. Hörspiele waren uncool. Kinderkram.

Zwar gab es auch noch Serien wie „Die drei Fragezeichen“ oder „TKKG“, aber diese dümpelten mehr oder weniger vor sich hin, mit mehr oder weniger originellen Drehbüchern und weit entfernt vom Glanz ihrer früheren Tage, als sie teilweise mit Goldenen Schallplatten ausgezeichnet worden waren. Und Serien wie „Benjamin Blümchen“ und „Bibi Blocksberg“ waren halt für die Kleinsten.

Kurz: Das Hörspiel lag, gefühlt, in seinen letzten Zuckungen.

Aber dann kam das Internet und damit die von mir schon oft beschworene Möglichkeit, sich über alles Mögliche und Unmögliche auszutauschen – ohne große Hindernisse. Und so wurden auch Hörspiele wieder ein Thema.

Besonders früh wurden die Zeichen der Zeit von einem Hörspielfan in Schwelm erkannt. Das kann man durchaus so sagen, weil er sich die Domain hoerspiele.de sicherte. Zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich alles andere als ein Objekt der Begierde, sollte sich mit dem wieder einsetzenden Hörspielboom der Folgejahre der Status dieser Website als Datenbank und Newsseite über alles, was mit dem Thema Hörspiele zu tun hat, festigen und ausbauen. Gleiches galt den findigen Köpfen, die sich gleichzeitig den Domainnamen rocky-beach.com registrierten und hier eine zentrale Anlaufstelle für Freunde des Universums rund um die Drei Fragezeichen schufen.

Als ich begann, mich wieder um das Thema Hörspiele zu kümmern, gab es beide Angebote schon eine Weile. Ich war inzwischen dazu übergegangen, mir meine Hörspielsammlung wieder aufzubauen, die ich gerade einmal zwei oder drei Jahre vorher verkauft hatte. Ein Schicksal, das ich mit vielen meiner Altersgenossen teilte. Dabei leistete mir hoerspiele.de gute Dienste, weil die Seite mir zum Beispiel einen Überblick darüber gab, wie viele Folgen von einer Serie erschienen waren.

Langsam wuchs in mir der Wunsch, mich einzubringen, mich zu beteiligen. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Ich nahm Kontakt zu CHRIzzz, dem Macher der Seite, auf, steuerte zuerst ein paar Infos zur Datenbank bei, dann Rezensionen. Meldete mich in den gerade durchstartenden Hörspielforen an und wurde dort zu einem der eifrigeren Schreiber. Irgendwann bot jemand mir an, mit ihm eine eigene Website aufzubauen, worauf ich begeistert einging. Das Projekt scheiterte, ich machte noch eine Weile alleine weiter, bevor die Sache einschlief.

Aber hoerspiele.de und rocky-beach.com gibt es heute noch. Und in diesen Tagen feiern sie, wie erwähnt, ihr zwanzigjähriges Bestehen. Und ich bin sehr glücklich, aus diesem Anlass mit einem kleinen, aber sehr feinen Präsent bedacht worden zu sein 🙂 .

Was ihr hier seht, sieht zunächst einmal aus wie eine stinknormale Audio-Kassette. Die Älteren unter euch erinnern sich wahrscheinlich noch an diesen Anblick. Aber wenn ihr mal genau auf den Inhalt schaut, dann werdet ihr sehen, dass sich in dieser Hülle etwas ganz anderes verbirgt: Ein Kartenspiel nämlich! Mehr Aufschluss gibt uns die Rückseite der MC-Hülle.

Und noch mal deutlicher wird es, wenn man die Hülle öffnet und das darin befindliche Spiel in Augenschein nimmt.

Das klingt doch nach einer Menge Spaß, findet ihr nicht auch? Aber wenn ihr mich fragt, dann sind die Karten, die den Inhalt des Spiels bilden, beinahe zu schön, um wirklich mit ihnen zu spielen und sie im Laufe der Zeit abzunutzen. Das Design orientiert sich an den MCs von früher. Und da die Karten einzelnen Serien oder Reihen entsprechen, die bei vollkommen verschiedenen Firmen und zu vollkommen verschiedenen Zeiten erschienen sind, gibt es hier eine breite Vielfalt an Stilen zu bestaunen, von denen ich euch allerdings nur einen kleinen Ausschnitt zeigen möchte.

Wie gesagt, da werden für mich Erinnerungen wach und ich freue mich wirklich sehr, dass da an mich gedacht wurde, zumal diese Zeit wirklich schon eine ganze Ecke her ist.

Aber wieso reibe ich euch das eigentlich unter die Nase? Na ja, zum einen, weil ich eben ein sehr mitteilsamer Mensch bin 😉 . Zum anderen aber, um euch darauf aufmerksam zu machen, dass ihr, wenn ihr Interesse haben solltet, ebenfalls Besitzer eines solchen Schmuckstücks werden könnt. Ich darf nämlich darauf hinweisen, dass hoerspiele.de und rocky-beach.com das Kartenspiel nicht nur als exklusives Goodie an alte und neue Weggefährten produziert haben, sondern dass es einige Exemplare auch im Rahmen eines Gewinnspiels zu ergattern geben wird, das voraussichtlich, wie mir mitgeteilt wurde, am 15.12.2017 starten wird.

Wenn ihr also auch ein altes oder neues Kassettenkind seid, dann haltet doch einfach nach diesem Gewinnspiel auf den genannten Seiten Ausschau. Und wenn wir uns irgendwann einmal persönlich begegnen sollten, dann spielen wir eine Runde.

Und, sind jetzt Erinnerungen in euch wach geworden? Dann schreibt mir doch gerne davon 🙂 .

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6 Gedanken zu “Ich bin ein Kassettenkind und möchte euch was zeigen

  1. NNIN schreibt:

    In meiner Jugend war ich ein richtig richtig großer Fan von TKKG und v.a. ???. Aber dann habe ich gemerkt, dass TKKG nach ca. 15 Büchern schwächer wurden, von ??? (die eine größere Fallhöhe hatten) ganz zu schweigen. Vielleicht ist mir einfach auch nur das passiert, was Mädchen mit Pferden, Ponys und Ponyhöfen durchmachen: man wird älter, man interessiert sich für anderes … Vor einem 1/2 Jahr habe ich – shame on me – mir einen ??? Fall ausgeliehen, Nr. hundertdrölfzig. Seichte Kacke.
    Aaaaaaber: von TKKG habe ich, wohl unterschwellig, gelernt, wie man plottet und wie man, hüstel, grenzscharfe Charaktere aufbaut. Denn eine Story effektiv zu konstruieren, das konnte der Mensch, der unter dem nom de guerre Stefan Wolf geschrieben hatte. Bei ??? wars wohl v.a. das Exotische, was mich bzw. uns angezogen hat.
    Von TKKG habe ich gelernt, wie langweilig ein supertoller heldenhafter Typ sein kann – dass ??? mit J.J. einen pummeligen unsportlichen Mastermind hatten, kam mir damals zugute, war ich doch auch kein Adonis mit austrainierten Muskeln und von so was wie Gabi konnte ich nur träumen.
    Ich habe immer nur Bücher gekauft, nie Kassetten, weil ich für richtige Fantasieflüge absolute Stille brauche, damals und heute.
    Heute halte ich beide Reihen in guter Erinnerung und tue es mir nicht an, die schnöde Gegenwart in mein gehirnliches Idyll eindringen zu lassen!
    NNIN

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    • Hallo NNIN,

      tatsächlich habe ich für mich schon früh festgestellt, dass ich die Art, wie Bücher diese typischen Jugendgeschichten erzählen, und die Art, in der Hörspiele es tun, nicht auf die gleiche Weise mag. Ich glaube, von den ??? habe ich vielleicht drei oder vier Bücher gelesen, TKKG ein oder zwei mehr. Die Fünf Freunde, sozusagen der Klassiker unter den Klassikern, ging mir als Buch alleine deswegen schon auf den Nerv, weil in meiner Ausgabe die Kinder Julius, Richard, Anne und Georg hießen. Dabei war ich doch gerade erst durch die britische Fernsehserie und die Hörspiele sozialisiert worden!

      Das mit den „grenzscharfen“ Charakteren hast du nett ausgedrückt, denn gerade für seine feinstrichigen Charaktere, was die Bösmänner anbelangte, war Herr Kalmuczak ja nicht bekannt. Aber das waren halt auch andere Zeiten.

      Übrigens gibt es auch heute noch Bücher, zumindest der ???, die von den Fans über den Klee gelobt werden. Gerade auch von denen, die die alten schon mochten. Es ist eine Frage des Autors, wie immer im Leben. Bei den guten Geschichten gibt es leichten Grusel, große Mysterien und knackige Rätsel. Bei den schlechten fliegt Bob ins All oder ähnlicher Hirnriss.

      Aber ich freue mich, dass du dein Idyll hast! Das ist doch auch schon mal viel wert.

      Grüße
      Michael

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  2. Schöner Artikel und daher kurz Zeit für Nostalgie: Bei mir lagen eher Schallplatten im Kinderzimmer auf dem Boden. Vermutlich, weil meine älteren Geschwister eine klasse Infrastruktur an Plattenspielern hatten. Hui Buh war Ende der 70er und Anfang 80er ganz vorne mit dabei, Märchenplatten von Europa, der kleine Wassermann, Räuber Hotzenplotz, Hanni und Nanni … mit Sprecherlegenden wie Andreas von der Meden oder Hans Paetsch. Man erkannte natürlich jeden. Diese kurzen Kinderhörspiele haben mich damals verzaubert. Umso seltsamer, dass ich heute richtige Hörspiele für Erwachsene nur selten mag. Vor allem die aufwändigen Produktionen mit vielen verschiedenen Sprechern und Effekten finde ich zum Zuhören anstrengender als einfach vorgelesene Hörbücher. Gerade beim Autofahren. Schön aber, dass dieses Thema weiterlebt und hoffentlich auch Kindern heute schöne Stunden gibt. Gruß Stefan (Hoerbuch-Hunter)

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    • Hallo Stefan und danke für deinen Kommentar!

      Mit Nostalgie rennst du bei mir offene Türen ein, aber wenn ich hier immer über solche Themen schreiben würde, käme ich zu gar nichts anderem mehr.

      Ich hatte, ähnlich wie du, den Vorteil, dass in der Familie schon ein größerer Fundus an Hörspielen vorhanden war. Da habe ich dann auch viele Sachen recht früh gehört, die für meine zarten Kinderohren noch gar nicht gedacht gewesen wären, etwa die Francis Gruselserie, Larry Brent oder Macabros.

      Bei den Märchenplatten hatte ich einige von den Singles, die damals als Auskopplungen der größeren LPs produziert wurden. Hans Paetsch als Erzähler – unvergessen!

      Und ja, man erkannte irgendwann die Sprecher, wenn man genau hingehört hat. Aber man war auch noch bereit genug, sich so verzaubern zu lassen, dass man überhaupt nicht mitbekam, wenn z.B. von der Meden in derselben ???-Folge den Chauffeur Morton und Skinny Norris sprach. Geschweige denn, wenn er in anderen Serien auftauchte.

      Ich gebe dir recht, dass viele Hörspiele von heute anstrengender sind, weil sie sich, vielleicht gezwungen von den Umständen, immer mehr mit Produktionen für andere Medien messen lassen müssen. Den Anfang machte damals wohl John Sinclair in der Edition 2000, als auf einmal Effekte und Musik zum Einsatz kamen, die man bis dato nur aus Hollywoodfilmen kannte. Und wenn man erst einmal in eine Richtung losgelaufen ist, ist es schwer, wieder den Hebel umzudrehen. Wobei es auch da ja Beispiele gibt, wie die inflationär den Markt überflutenden Sherlock-Holmes-Hörspiele, von denen einige durchaus wieder den alten und eher ruhigen Geist atmen.

      Meine Kinder jedenfalls mögen ihre Hörspiele. Ist der Apfel halt doch nicht ganz so weit vom Stamm weg gefallen 🙂 .

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