Vom Bitten und vom Betteln

Wie einige von euch sicherlich bemerkt haben, wird jeder neue Beitrag, den ich hier im Blog schreibe, auch in die Sozialen Netzwerke durchgeschoben. Ich bin ein lausiger Netzwerker und versuche auf diese Weise, wenigstens halbwegs „Präsenz“ zu zeigen.

Auf diese Weise ging auch mein vorgestriger Beitrag über die Bewerbung bei der Literaturagentur Meller rüber zu Twitter – dem Netz, auf dem ich noch am aktivsten bin. Dennoch habe ich erst heute einen Tweet als Antwort auf den meinen entdeckt, der mich nachdenklich gestimmt hat:

Bitten und Betteln – das sind zwei Worte, die man natürlich ungern im Zusammenhang mit dem eigenen Verhalten liest. Inzwischen sind noch ein paar Tweets hin und her gegangen und ich denke, dass es hier weniger um mich und meinen konkreten Text geht, sondern um eine allgemeine und grundlegend andere Auffassung vom Nutzen einer Literaturagentur. Oder eben der Abwesenheit eines solchen Nutzens.

Aber wie dem auch sei, ich habe, ebenfalls bei Twitter, eine Frage in die Runde meiner Follower gestellt, die ich hier gerne wiederholen möchte, weil mich Antworten darauf interessieren, andere Ansichten.

Es geht mir, das sage ich ausdrücklich, nicht darum, Victoria Benner in ihrer Ansicht umzustimmen oder zu „bekehren“, oder auch nur zu sagen: Soundso viele Leute sind anderer Meinung. Ich finde, dass es gerade in Hinblick auf die Wege die wir Autoren gehen, kein richtig und kein falsch gibt, sondern nur andere Herangehensweisen, die, hoffentlich, irgendwann im Bücherregal des Lesers ihr Ziel finden. Das ist es doch, worauf wir alle hinarbeiten.

Und dennoch, auch hier an dieser Stelle, die Frage für alle, die mir nicht bei Twitter folgen:

Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

Advertisements

19 Gedanken zu “Vom Bitten und vom Betteln

  1. Ich glaube nicht, dass es Betteln ist, wenn man sich bei einer Agentur oder einem Verlag bewirbt. Immerhin verfolgt man damit ja den Zweck, zu einer Veröffentlichung zu gelangen. Ich persönlich traue mir Selfpublishing nicht zu, da es zu viele Dinge gibt, auf die geachtet werden muss. Und das Geld, das man ins Lektorat, Korrektorat, ins Cover und ins Marketing (und vieles mehr) investieren müsste, hat auch nicht jeder … Die Gründe, sich für einen Verlag, eine Agentur oder den Eigenverlag zu entscheiden sind so verschieden, wie wir Menschen auch. Es ist nicht alles Schwarz und Weiss. Ich sehe das eher wie eine Bewerbung für einen Job. Da bettelt man ja auch nicht. 🙂

    Gefällt 4 Personen

    • Hallo Vreni und vielen Dank für deinen Kommentar!

      Wir liegen mit vielen Dingen auf einer Wellenlänge, scheint mir. Gerade für „Der Beobachter und der Turm“ habe ich auch lange mit dem Selfpublishing geliebäugelt, hatte Testleser, hatte sogar schon einen Lektor konkret angefragt.

      Dann habe ich „kalte Füße“ bekommen. Gerade der Punkt Marketing liegt mir schwer im Magen. Ich weiß, dass in der heutigen Zeit auch kein Verlag einem alles in dieser Hinsicht abnimmt. Aber er kann und wird sicherlich Hilfestellungen geben. Und die Agentur gibt mir das Gefühl, mich auf die bestmögliche Art bei einem (mittel-)großen Verlag vorstellen zu können.

      Ich bewundere, den Faktor Geld mal völlig ausgeklammert, in vielerlei Hinsicht die Menschen, die im Selfpublishing veröffentlichen. Da gehört schon auch eine große Portion Mut/Selbstbewusstsein dazu.

      Gefällt mir

  2. Ich finde, es kommt auf deine Haltung an, was es ist. Fühlt sich ein Autor machtlos gegenüber den ‚Göttern‘ in Verlagen, sieht er ihr Urteil als erhebend oder vernichtend an, so kann das Bewerben durchaus auch in ein ‚Bitteln und Betteln‘ ausarten.

    Erlebt sich aber ein Autor als freudvoll, selbstreflektiert und neugierig, wie andere sein Werk erleben, so sieht die Sache wesentlich anders aus.

    Wie du dich fühlst und was du tust (bewerben aka eine Zusammenarbeit anbieten oder betteln aka bitte bitte nehmt mich auf) bestimmst du selbst. Mach‘ Gebrauch davon.

    Gefällt 3 Personen

    • Das tue ich, Stella.

      Ich will nicht verhehlen, dass es einfach wäre, gerade bei den „großen“ Agenturen, in eine Rolle als Bittsteller zu verfallen. Das sind die, die bei ihren Referenzen die Creme de la Creme der deutschen und internationalen Autorenszene gelistet haben. Die, bei denen man sich fragt, ob der eigene Name wirklich in eine Auflistung mit den Fitzeks, den Eschbachs oder wem auch immer passen könnte.

      Ich habe da, auch durch meinen Job, eine etwas neutralere Haltung. Für mich sind das alles erst einmal Menschen. Egal, wer sie sind, was sie machen, was sie haben. Ich gehe nicht so weit, sie mir alle nackt vorzustellen, wie man es manchmal als Ratschlag liest 😉 . Aber ich reflektiere schon sehr genau, dass wir am Ende des Tages alle in einem Boot sitzen. Manche vielleicht in der ersten Klasse mit Außenbalkon, aber alle fahren in derselben Richtung und mit demselben Ziel.

      Ich gehe einfach mal davon aus, dass auch Agenturen und Verlage das ähnlich sehen.

      Gefällt 2 Personen

  3. Erst einmal musste ich darüber nachdenken, was SPler sind. Ich mag so gar keine Abkürzungen und Reliktwörter wie Koreo oder Atmo. Dann stellte ich fest, dass ich auch eine bin.
    Ich habe mich zu diesem Thema ja schon öfter ausgelassen bzw. meine Gründe dargelegt, die sich rein auf den Inhalt beziehen sowie auch meinen Zwiespalt diesbezüglich. Als Bitten und Betteln würde ich es nicht bezeichnen. Verlage sind Wirtschaftsbetriebe und müssen dementsprechend die Auswahl dessen treffen, das sie veröffentlichen werden. Man bewirbt sich wird angenommen oder eben nicht.
    Als kleiner, unbedeutender Autor sehe ich einfach die Gefahr, dass aus Kommerzgründen u. U. meine Inhalte vernebelt oder verändert werden sollen. Darauf einzugehen, wäre für mich zu Kreuze kriechen. Das würde ich immer ablehnen. Dies im Hinterkopf zusammen mit der Vorstellung, wieviel Lebenszeit ich am Ende eines solchen Szenarios vergeudet hätte, hält mich zurück. Da spare ich lieber für ein Korrektorat, bevor ich in Buchform veröffentliche. Für das Cover sind meine Jungs zuständig ist kostenfrei.
    Aber es kann durchaus sein, dass ich eines Tages meine Meinung ändere. Zwar will ich, dass Leser meine eigenen Gedanken und Worte lesen und nichts Verfälschtes, aber dass es fast niemand liest, gefiele mir auch nicht.

    Gefällt 1 Person

    • Richtig, wir hatten das Thema bereits in der Vergangenheit und ich weiß, dass du sehr um deine Inhalte bedacht bist. Das bin ich auch und, wie ich hier ja auch schon dokumentierte, ich nehme auch nicht alles hin, was von mir „verlangt“ wird.

      Es ist aber, genau wie du sagst, ein Dilemma, in dem man ohnehin irgendwann steckt. Es gibt da draußen „den“ Markt. Und es gibt da draußen „die“ Leser. Und die haben ihre Erwartungen und ihre Wünsche.

      Eine Agentur und ein Verlag sind vielleicht näher an diesen Wünschen dran, vielleicht sind sie es nicht. Das muss jeder für sich genauso beurteilen wie die Frage, ob er es alleine auf eigene Faust oder eben mit einem Dritten versucht.

      Und am Ende des Tages findet sich sowieso für jeden Weg jemand der glaubt, es besser zu wissen, dass man es anders machen sollte. Wichtig ist, dass man sich selber treu bleibt.

      Gefällt 1 Person

  4. Lieber Michael,

    ich finde es hat wirklich nichts mit Bitten und Betteln zu tun, sich eine Agentur oder einen Verlag zu suchen. Klar, hab ich ja auch selber so gemacht, insofern logisch, dass ich das so sehe 😉 Aber unabhängig davon ist – wie schon Vreni oben schrieb – dieser Prozess wohl eher mit einer Bewerbung zu vergleichen als mit … ja was eigentlich? Mir ist nicht ganz klar, wo die in meinen Augen ein wenig überzogenen Emotionen des Tweets von Victoria Brenner herkommen und ich finde es sehr schade, dass so wieder ein Graben zwischen Verlags- und Selfpublisherautoren aufgemacht wird, der nicht sein müsste.

    Ich jedenfalls drücke dir die Daumen und freue mich, dass du uns an deinem Bewerbungs-nicht-Bettel-Prozess teilhaben lässt!

    Liebe Grüße,
    Myriam

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Myriam,

      ich empfinde es nicht so, als ob hier wirklich ein neuer Graben aufgemacht wurde. Denn wenn wir ehrlich sind, dann gibt es diesen Graben leider bei vielen Menschen immer noch. Das sind dann die, die z.B. einen Selfpublisher fragen würden, ob er/sie denn keinen „richtigen“ Verlag gefunden haben. Aber solche Fragen und auch Ansichten, dass eine Bewerbung Anbiederei sind, zielen meiner Meinung nach an der Realität weit vorbei. Es gibt halt für beides gute Gründe und jeder, der sich für einen Weg entschieden hat, wird diesen ohnehin zunächst einmal für den allein selig machenden halten. Sonst hätte er/sie ihn nicht gewählt.

      Ich danke dir fürs Daumen drücken und werde auf jeden Fall berichten, wie es weitergeht. 🙂

      Liebe Grüße
      Michael

      Gefällt 1 Person

  5. Ist es Bitten und Betteln wenn man sich auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz oder auf einen Job bewirbt? Denn genau das tut man in einer Bewerbung an Verlage und Agenturen: Man bewirbt sich auf einen Job.
    „Ich habe ein Produkt für Sie, Sie haben die Mittel, es zu realisieren. Wenn Sie mein Produkt überzeugt, dann bringen wir es zusammen heraus.“
    Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
    Klar, SP ist Freiheit, aber nicht alle Projekte sind fürs SP gemacht – während die einen perfekt dafür sind, brauchen andere doch mehr Leute im Rücken und mehr Sicherheit.

    Gefällt 2 Personen

  6. Sonja schreibt:

    Ich kann jetzt nicht direkt mit Erfahrung aus dem Selfpublishing-/Verlagsbereich aufwarten. Aber diese Diskussion erinnert mich stark an etwas anderes aus meinem Leben. Ich war bis dieses Jahr seit ungefähr dem Jahr 2000 immer freiberuflich/selbstständig tätig. Und ich habe es wirklich genossen – eine Zeitlang. Wenn jemand von Festanstellung sprach, habe ich müde gelächelt. Schließlich war ich mein eigener Chef und würde diese Freiheit garantiert niemals aufgeben. Schließlich wollte ich mich nicht unterordnen oder bevormunden lassen. Dass mir jemand sagt, was ich wie zu tun hätte, passte mir nicht in den Kram. Und solange es gut lief, war alles gut. Heute sehe ich das Alles ein bisschen anders. Denn, wenn ich ganz ehrlich bin, hat mich die Buchhaltung immer immens angenervt, Schreiben vom Finanzamt haben grundsätzlich hohen Blutdruck verursacht und das Einfordern nicht bezahlter Rechnungen waren auch nicht meins. Mal ganz zu schweigen vom Marketing und Reklamationen. Ich habe das Alles natürlich trotzdem getan (tun müssen), aber gefallen hat es mir nicht. Mal ganz zu schweigen von den horrenden Krankenkassenbeiträgen.
    Nun bin ich angestellt und stelle fest: Das ist super! Die Krankenkassenbeiträge sind geringer und werden direkt vom monatlichen Gehalt abgezogen, ich muss keine Buchhaltung mehr machen, erhalte kaum noch enervierende Schreiben vom Finanzamt. Marketing entfällt. Reklamationen bearbeitet meine Vorgesetzte. Das Gehalt ist jeden Monat pünktlich auf dem Konto, auch wenn ich krank bin. Aber das tollste ist, dass ich nicht für alles verantwortlich bin/gemacht werde. Und nach Feierabend frei bin, zu tun und zu lassen, was ich will. Ein Luxus, den ich während meiner Selbstständigkeit oft nicht hatte (höchstens wenn Flaute herrschte, was allerdings aus anderen Gründen belastet hat und deswegen oft nicht zu sinnvoll genutzter freier Zeit führte).
    Ich erlebe also erst jetzt eine für mich angenehme Freiheit, die es für mich vorher so nicht gab, obwohl ich mir dessen erst bewusst geworden bin, als ich den direkten Vergleich hatte.
    Ich denke schon, dass das auch etwas mit Persönlichkeit zu tun hat. Andere sind vielleicht stressresistenter als ich es war. Oder aber ich habe meine Selbstständigkeit grundsätzlich falsch angegangen.
    Allerdings sehe ich durchaus Parallelen zwischen dem Diskussionsthema. Vielleicht spielen da viel individuellere Faktoren mit rein, wie z.B. eigene Vorerfahrungen, aber auch Idealvorstellungen. Manchmal mag auch das Fehlen von Erfahrung dazu führen, dass man annimmt, man käme mit einer Sache besser klar als mit einer anderen, was dann zur Vorstellung führt, das Eigene sei schon das Optimum.

    (Ich hoffe, das ist jetzt nicht zu sehr vom Thema weg.)

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Sonja,

      ich finde, dass das gar nicht weit weg vom Thema liegt. Bei der einen wie der anderen Sache geht es um die Abwägung dazwischen, alles auf sich alleine gestellt zu machen, oder Bestandteil eines Prozesses zu werden. Und ja, das hat natürlich auch etwas mit der Aufgabe von Freiheiten zu tun.

      Aber ich denke, dass gerade die Zusammenarbeit mit einem Verlag, mit einer Agentur, immer auch etwas mit einer Partnerschaft vergleichbares hat. Schließlich habe ich meinen Ansprechpartner – so wie im Job vielleicht meinen Teamleiter oder wie auch immer diese Person heißt. Und in einer guten beruflichen Beziehung müssen mein „Chef“ und ich immer an einem Strang ziehen, sonst leidet das Ergebnis darunter.

      Ich finde es wertvoll und toll, dass du beide Erfahrungen gemacht hast. Nur so kann am Ende eine Beurteilung herauskommen, was der beste Weg für einen selbst ist.

      Liebe Grüße
      Michael

      Gefällt mir

  7. NNIN schreibt:

    Ich habe den Tweet „Und deswegen bleibe ich SPler. Da muss ich nicht bitten und betteln.“ gelesen als:
    „Und deswegen bleibe ich SPDler. Da muss ich nicht bitten und betteln.“
    Wollte schon schreiben: „Da ist ein ’nicht‘ zu viel.“ Dachte mir aber: Keine Politik, bitte.
    NNIN

    Gefällt 1 Person

  8. Eileen Blander schreibt:

    Das ist ein Gedanke, auf den ich nie gekommen wäre. Denn das setzt ein Autorenbild voraus, das meinem nicht entspricht. Verlage, Agenturen und Autoren arbeiten zusammen, oder sollten es meiner Meinung nach zumindest. Jemandem eine Zusammenarbeit anzubieten ist genau das – Angebot. Keine Bettelei.
    Trotz allem verstehe ich – auch wenn ich selbst es zurzeit nicht in Betracht ziehe – den Reiz am Selfpublishing. Die Freiheiten, die man hat und die Unabhängigkeit, mit der man agiert.

    Gefällt 1 Person

    • Wie gesagt, ich finde es durchaus gut, dass es inzwischen Möglichkeiten für nahezu jeden Typ von Autor/in gibt. Für die, die es sich zutrauen, alles selbst zu organisieren und zu stemmen und für die, die doch noch eine Institution wie einen Verlag brauchen, die sie an die Hand nimmt und Hilfestellungen bietet.

      Wo man sich dann selber einordnet, ist eine Frage der eigenen Möglichkeiten. Und es gibt ja immerhin auch immer die Chance einer Weiterentwicklung. Konkret auf mich bezogen wäre das, dass ich halt doch irgendwann einen Titel in Eigenregie veröffentliche. Wenn es denn dann in allen Belangen für mich passt.

      Im Moment passt es halt nicht.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.