Das Schreiben der Anderen: „Hot and Spicy“ von Margaux Navara

Es ist längere Zeit her, dass ich mich auf die „dunkle Seite“ der Erotik begeben habe. Aber ein neuer Roman von Margaux Navara ist hierfür ein ebenso willkommener wie vielversprechender Anlass, bin ich doch mit den beiden Romanen, die ich bislang von der Autorin gelesen habe, mehr als gut unterhalten worden. Wie also schlägt sich (unbeabsichtigtes Wortspiel) „Hot and Spicy“ im Vergleich?

In diesem Roman machen wir die Bekanntschaft der jungen Darleen. Und wir treffen sie genau dort, wo der Schuh sie drückt: Auf der Suche nach einem Mann, der in der Lage ist, ihre sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Diese erschöpfen sich nicht in dem, was bei Normalos so auf dem Speiseplan steht, sondern sie hat ein Faible für alle möglichen Spielarten des BDSM. Dessen ist sie sich sehr bewusst und sie sucht auch sehr gezielt danach. Doch mit ihrer Suche über Kontaktbörsen hat sie alles andere als Glück, wie auch die gerade ablaufende Session mit einem völlig untalentierten Dom wieder beweist.

Eigentlich hat sie sich ohnehin etwas unglücklich in den attraktiven Mann verguckt, der Touristen auf Segwaytouren durch das schöne Heidelberg führt und dabei auch regelmäßig an Darleens Arbeitsplatz, einem zur Burgerbraterei augebauten Foodtruck, vorbei fährt. Was sie nicht ahnt ist, dass dieser Mann, Tom, nicht nur im Gegensatz zu ihr ein fabelhafter Koch ist, sondern auch noch auf der Suche nach einer Frau, die sich seinem Willen unterwirft und mit der er, nach einer gescheiterten Beziehung, möglichst unverbindlichen Spaß haben kann.

Mehr durch Zufall kommt es dazu, dass Darleen Tom überredet, ihr ein wenig unter die Arme zu greifen – eigentlich nur, was das Kochen betrifft. Doch schon bei ihrer ersten privaten Begegnung spielen sich ganz andere Dinge zwischen den beiden ab. Eine heftige Spielbeziehung beginnt, die jedoch unter ungünstigen Vorzeichen steht: Darleen möchte einen Mann, der ihr Geschäftsleben und mehr mit ihr teilt. Tom hingegen will alles, nur nicht, sich an jemanden binden.

Dazu kommen noch Nebenschauplätze wie die hinterhältige Lucy, ehemalige Sub und pikanter Weise gleichzeitig ehemalige Chefin von Tom, oder die nicht minder gerissene Tina, die nur darauf wartet, Darleen den Foodtruck wegzunehmen, zu dessen Erwerb sie diese erst überredet hat. Wird das alles auf ein Happy End hinauslaufen?

Ich möchte meine Besprechung zu diesem Roman gerne in zwei Teile splitten. Dabei möchte ich zunächst etwas zur schriftstellerischen Qualität der Geschichte und anschließend etwas zur Geschichte selber schreiben.

Bezüglich der Qualität der Geschichte könnte ich eigentlich auf meine bisher erschienenen Besprechungen zu Romanen von Margaux Navara verweisen. Die Autorin hat einfach ein Händchen dafür, ihr Thema, Liebe und Sex im Zeichen des BDSM, auf eine Art und Weise zu schildern, dass es sowohl für Anhänger dieses Lebens- und Liebesstils als auch für in dieser Hinsicht eher Unbedarfte ein erotisches Erlebnis ist.

Zu keinem Zeitpunkt kommt der Roman auch nur in die sprachliche Nähe von minderwertigen Pornogeschichten, die nichts anderes im Sinn haben, als dem Leser ihren Inhalt möglichst schnell und ohne Anspruch vor die Füße zu werfen. Das bedeutet aber nicht, dass die Szenen, in denen es zwischen Tom und Darleen zur Sache geht, weniger explizit oder gar langweilig wären.

Ganz im Sinne des Titels des Romans geht es hier heiß und mitunter sehr pikant zu. Auch dann, wenn einem einzelne Praktiken doch eher skurril oder fremdartig vorkommen mögen, Stichwort Maiskolben, sind diese jederzeit so treffend auf den Punkt geschildert, dass man sich in die handelnden Figuren einfühlen kann.

Dem kommt entgegen, dass Margaux Navara beiden Perspektiven, der von Darleen und der von Tom, in etwa gleich viel Platz einräumt, so dass man als Leser jederzeit auf der Höhe des Geschehens ist. Dass man damit auf der anderen Seite auch jederzeit einen leichten Vorsprung gegenüber den Akteuren hat, ist bei dieser Erzählform nicht zu verhindern. Man kennt die potentiellen und später auch zu Tage tretenden Spannungsfelder zwischen den beiden.

Was mich zur Geschichte als solche bringt. Diese verläuft ziemlich geradlinig und immer eng bei ihren Protagonisten. Es gibt zwar in Gestalt von Darleens Geschäftspartnerin und Toms ehemaliger Chefin zwei Figuren, die aktiv versuchen, den beiden Knüppel zwischen die Beine zu werfen, aber dies wird, nach meinem Gefühl, an manchen Stellen zu wenig ausformuliert. So hätte vor allem das Dreieck Tom – Lucy – Darleen noch wesentlich mehr Potenzial geboten.

Der Fokus der Geschichte liegt hier eindeutig auf der sich entwickelnden Beziehung zwischen Tom und Darleen – und damit naturgemäß auch auf dem Sex zwischen den beiden. Diesem wird ein wesentlich größerer Raum zugestanden, als es noch bei „Love Me The Hard Way“ der Fall gewesen ist, dem letzten Roman, den ich von Margaux Navara gelesen habe. Jener bot durch seine Nebenplots eine etwas größere Fallhöhe.

Jetzt kann ich nur mutmaßen, woran dies liegt. Möglicherweise ist es einfach für typische Käufer dieser Art Roman – zu denen ich mich ausdrücklich nicht zählen kann, so dass mir die Vergleiche schwer fallen – befriedigender (wiederum ein unbeabsichtigtes Wortspiel), wenn die Handlung prozentual ein Mehr an Sexszenen enthält. Dann wäre es nur natürlich und legitim, auf dieses Publikum zugeschnittene Romane zu schreiben.

Für mich war die Handlung dadurch allerdings ein wenig schematisch: Sexszene, Innenleben Darleen, Innenleben Tom, Sexszene. Ich möchte das gar nicht negativ klingen lassen. Im Rahmen dessen, was der Roman erreichen möchte, funktioniert dies sehr, sehr gut. Bei einigen Aspekten und möglichen Anknüpfungspunkten, wie etwa bei Lucy, hätte ich mir halt gewünscht, dass hier mehr auf den dahinter liegenden Konflikt geschaut wird, als es dann tatsächlich der Fall ist.

Entschädigt wird der Leser dafür mit ein paar Rezepten im Anhang, die direkt aus Darleens Food-Truck stammen könnten.

Was bleibt, um damit zum Fazit zu kommen, ist aber auf jeden Fall ein BDSM-Roman, der sowohl aufgrund seiner sprachlichen Qualitäten, als auch aufgrund seiner expliziten Szenen überzeugt. Was den Rest angeht, nehme ich an, gehöre ich einfach nicht zur primären Zielgruppe der Geschichte. Da dies aber etwas ist, was ich weder der Autorin, noch dem Roman vorwerfen kann, möchte oder werde, gelange ich am Ende zu sehr guten vier von fünf möglichen Punkten.


Unter dem Label „Das Schreiben der Anderen“ veröffentliche ich Rezensionen, die ich zu Romanen von Autoren geschrieben habe, mit denen ich in den Sozialen Netzwerken oder auf andere Weise verbunden bin. Es handelt sich hierbei ausdrücklich nicht um Gefälligkeitsbesprechungen. Dies wäre nicht in meinem Sinne und auch nicht im Sinne der Autoren, die ich bespreche.

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