Fakt und Fiktion (21) 2018 hat was gegen mich

2018 hat was gegen mich.

Na ja, streng genommen gehöre ich ja zu den Menschen, die der Ansicht sind, dass grundsätzlich erst einmal jedes Jahr etwas gegen sie hat – bis sie vom Gegenteil überzeugt werden. Ihr wisst schon, das ist die Geschichte, dass man nicht von schlimmen Dingen überrascht werden kann, wenn man immer von den schlimmsten Dingen ausgeht.

Aber da mache ich einmal, ein einziges Mal, den Fehler, nicht sofort das Schlimmste anzunehmen und diese Gelegenheit nutzt 2018 hinterrücks, um mir einmal mit Anlauf in den Hintern zu treten.

So, nachdem wir jetzt alle zusammen eine Schweigeminute eingelegt haben, um diesen schlimmen Umständen würdig zu begegnen, kommen wir zu den Fakten.

Ich hatte es ja schon auf Twitter und in Auszügen auch gestern erzählt: Alles startete damit, dass meine Frau in ihrem Hobbyraum einen neuen Fußboden verlegen wollte/musste. Der Teppichboden war an einigen Stellen einfach durch, wie es nicht ausbleibt, wenn man viel mit einem Bürostuhl unterwegs ist und dabei immer wieder mal zwischen dem Schreibtisch, dem Tisch mit der Strickmaschine und diversen anderen Plätzen hin und her wandert.

Also haben wir uns bestmöglich vorbereitet, Materialien für einen neuen Boden gekauft und dann, an Silvester, wieso auch nicht, angefangen, das Zimmer leer zu räumen.

Ich hatte frühzeitig angekündigt, dass ich eigentlich keine große Lust hätte, die Sachen alle irgendwo nach oben im Haus zu schleppen und zu verteilen. Da ich von nur einer kurzen Renovierungszeit ausging, lautete mein Vorschlag, alles in mein Zimmer zu räumen, soweit der Platz denn eben reicht. Wie ihr den gestrigen Bildern entnehmen konntet, reicht der Platz ziemlich weit.

Gut, also streng genommen lag die erste unangenehme Überraschung noch in 2017, aber ich bin bereit, auch diese schon 2018 auf die Fahne zu schreiben. Die Schränke, die wir von der Wand rückten, zeigten im unteren Bereich leichte Verfärbungen. So, als ob dort Stockflecken dabei wären, sich aufs Ausbreiten und Blühen vorzubereiten.

Jeder, der schon mal mit den Themen Feuchtigkeit und Wachstum in den eigenen vier Wänden konfrontiert wurde, kann sich sicher vorstellen, wie groß unsere Begeisterung war. Zumal wir uns nicht so recht erklären konnten wie das passieren konnte.

Aber gut, erst einmal war ja Silvester und auch wenn wir keine große Feierlichkeit hatten, wollten wir uns doch einen netten Abend mit den Kindern machen.

Und dann, an Neujahr, schlug 2018 zum ersten Mal so richtig zu!

Ich saß an meinem PC, als die Tür aufging und meine Frau mit einem triumphierenden (ja, wirklich!) Gesichtsausdruck im Türrahmen stehen blieb. Mehr blieb ihr ja auch nicht übrig, denn zu zweit passen wir nicht mehr in mein Zimmer hinein 😉 .

Sie habe jetzt gefunden, woher die Verfärbungen kämen. Und zwar sei ihr aufgefallen, dass es an den Füßen ein wenig kalt ziehen würde. Daraufhin habe sie einmal eine der Fußleisten von der Wand gerissen (die sollten ja ohnehin mit dem Teppich verschwinden) und dahinter einen breiten Streifen „gar nichts“ vorgefunden.

Mit anderen Worten: Da hatte jemand zwar anscheinend eine Isolation an die Wand gebracht, aber die reichte nicht bis ganz zum Boden. Und damit konnte sich hinter der Fußleiste kalte Luft sammeln, die dann die Schränke erreichte und anfing, Schaden anzurichten.

Zu dem Zeitpunkt war ich schon bedient, denn wenn die Fußleisten bei meiner Frau nicht ganz dicht waren, dann sind sie das auch in meinem Zimmer nicht, wo der Teppich auf dieselbe Weise verlegt wurde. Und dabei hatte ich noch zwei Tage vorher gesagt, dass ich meinen Teppich auf jeden Fall behalten wolle …

Nun gut, oder auch, nun schlecht. Meine Frau meinte, wenn es sich wirklich nur um dieses kleine Stück fehlender Isolation handele, dann könne man mit ein wenig Bauschaum oder dergleichen daran gehen, die Lücke zu schließen und alles sei gut.

Aber dann: 2018, ihr wisst schon.

Am nächsten Tag, ich saß wieder auf der Arbeit, klingelte das Telefon. Meine Frau. Und ich hatte irgendwie vorher schon das Gefühl, dass da keine guten Nachrichten kommen würden. Es kamen auch keine. Sie hatte sich das Ganze noch einmal angesehen und auch mal dahinter gegriffen. Sie konnte dort die Platte ertasten, die zur Isolation verwendet worden war. Sie konnte sie ertasten und … nach oben schieben!

Wieder mit anderen Worten: Die „Isolation“, die da jemand an die Wand gebracht hatte, war alles andere als sicher, vollständig, oder auch nur wirklich isolierend. Denn sonst hätte sie sich nie im Leben bewegen dürfen.

Das war der Moment, in dem wir uns entschlossen, dass wir doch lieber mal jemanden einen Blick drauf werfen lassen sollten, der richtig Ahnung von der Materie hat. Wir sind aus insgesamt drei Wohnungen ausgezogen, weil es dort Probleme mit Feuchtigkeit gab. Da verliert man irgendwann jegliches Gefühl von „Spaß“, wenn es um solche Dinge geht – zumal, wenn auf einmal das eigene Haus gefährdet zu sein scheint.

Zum Glück hatten wir so einen Fachmann direkt an der Hand, weil der ab kommender Woche ohnehin bei uns einrücken und unsere Dusche neu verfliesen wird. Er kam, sah, traute seinen Augen nicht und sagte uns, dass das, was da verlegt worden war, alles war, nur keine Isolation. Da waren offensichtlich irgendwelche Gipsplatten an die Wand gebracht worden, zusammen mit Styropor (!). Ein perfekter Nährboden für Kälte, für Feuchtigkeit, wenn man lange genug wartet, auch für Schimmel.

Sein Rat daher: Alles rausreißen. Sowohl die Wandverkleidungen als auch die Holzdecke. Alles weg, um erst gar keinen potenziellen Nährboden zu bieten. Um ganz auf Nummer sicher gehen zu können, die glatten Flächen mit Silikatfarbe streichen. Klar, es gäbe auch schönere Methoden, aber die gingen dann richtig, richtig ins Geld. Gut, jetzt muss man dazu sagen, dass weder bei meiner Frau, noch bei mir, viel freie Wandfläche zu sehen ist. Also die Farbe.

Der Handwerker machte uns ein Angebot für die Arbeiten und die Entsorgung, die wegen der blöden Gipsplatten richtig teuer ist. Roundabout 1.200 Euro für jedes der beiden Zimmer.

Und 2018 so: Ha, ha, ha, ha, ha!

Okay, irgendwie schluckt man ja jede Kröte, die einem das Leben so hinwirft. Sogar die, dass das Ganze dann wesentlich länger dauern wird, als wir eigentlich gedacht hatten und insbesondere meine Frau jetzt mehr oder weniger beschäftigungslos in der Gegend herum sitzt.

Am vergangenen Mittwoch kam ich dann auf die Idee, ich könne ja mal ein Foto von dem Chaos in meinem Zimmer machen. So für den Blog, als nette kleine Kuriosität am Rande. Ihr ahnt schon, was passiert ist, oder? Könnt ihr es lachen hören?

Ich kam von der Arbeit nach Hause und hängte mein Smartphone an den Strom, weil der Akku nur noch zu 22% geladen war. Nach dem Abendessen nahm ich es vom Kabel und – alles blieb dunkel. Und blieb dunkel. Und wurde auch nicht wieder hell. Egal, was ich mit dem Gerät anstellte, nichts regte sich mehr. Nachdem es schon länger die eine oder andere Macke zeigte, war jetzt endgültig Schicht im Schacht.

Halten wir fest: Am 01.01. zeigte sich, dass wir im Keller meiner Frau ein Problem haben. Am 02.01. stand fest, dass es nicht ausreichen würde, einen neuen Fußboden und ein bisschen Bauschaum zu verlegen. Der 03.01. brachte die Gewissheit, dass wir sogar ein gewaltiges Problem in den beiden zu Wohnraum ausgebauten Kellern haben. Am selben Tag gab mein Smartphone seinen Geist auf. Das Angebot des Akustikbauers flatterte uns am 04.01. ins Haus und löst durchaus ein Seufzen aufgrund der zu erwartenden Kosten aus.

Der 05.01. und der 06.01. waren bis jetzt okay. Aber man weiß ja nie, was sich dieses Jahr noch so alles einfallen lässt.

Also wenn ihr in den Nachrichten hören solltet, dass aus heiterem Himmel ein Haus in Duisburg explodiert ist, und falls ich mich daraufhin hier nicht mehr zu Wort melden sollte, dann seid ihr jetzt in der Lage, die richtigen Schlüsse zu ziehen …

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