Live lesen in Leipzig – oder lieber nicht?

Ich lasse ja immer mal wieder anklingen, dass ich Mitglied bei einem Autorenverein, den BartBroAuthors, bin. Seit etwas über einem Jahr. Und auch wenn ich es bis jetzt irgendwie nie geschafft habe, da einen eigenen Beitrag drüber zu schreiben, nehme ich die Mitgliedschaft durchaus ernst und versuche auch, am Vereinsleben teilzuhaben, so gut es eben geht. Mal geht es besser, mal geht es schlechter – und noch dazu meistens virtuell. Die einzige Gelegenheit, bei der ich meine Mitbärte bis jetzt live und in Farbe erlebt habe, war im letzten Jahr bei der Leipziger Buchmesse. Und die Aussicht, auch dieses Jahr ein paar von ihnen zu treffen, war eine zusätzliche Motivation, mich frühzeitig darum zu kümmern, auch dieses Jahr wieder in Leipzig dabei zu sein.

Eine Zusatzmotivation, rationalere Menschen würden wohl von einem Zusatznutzen schreiben, könnte dieses Jahr darin liegen, dass mir der Verein die Chance gibt, im Rahmen der Leipziger Tage meine erste Lesung zu halten!

Dazu muss ich ein wenig ausholen. Und zwar wurde schon vor geraumer Zeit die Idee geboren, in Leipzig an einem der Messetage eine Location für eine „Bart-Lesung“ zu finden und dort den Mitgliedern des Vereins die Möglichkeit zu geben, aus einem ihrer Werke (veröffentlicht oder nicht spielt erst einmal keine Rolle) zu lesen. Wider Erwarten war ein solcher Ort sehr schnell gefunden und so steht dem Event in diesem Jahr nichts im Weg. Es wird am Abend des Messefreitags nach Hallenschluss in einem Pub in der Leipziger Innenstadt stattfinden. Wenn man so will, könnte man hochtrabend sagen, dass wir damit zum Rahmenprogramm der Messe gehören.

Ich fand die Idee von Anfang an ebenso gut wie einschüchternd.

Denn es ist das eine, theoretisch darüber zu sinnieren, ob man eine solche Lesung zustande bekommt, welche Rahmenbedingungen herrschen werden, und so weiter. Es ist, für mich persönlich, ebenso das eine, sich zu überlegen, ob – und wenn ja, mit welchem Text, ich an der Lesung teilnehmen wollen würde.

Aber es ist etwas vollkommen anderes, wenn man sich auf einmal binnen einer Frist von zwei Wochen (und die ist ja schon eher üppig bemessen) verbindlich dazu entschließen muss, ob man denn nun lesen möchte – oder nicht.

Ich weiß, dass es für die Planung nötig ist, möglichst frühzeitig ein Gerüst aufstellen zu können. Zumal die Veranstaltung dann ja auch noch im Rahmen der Möglichkeiten beworben werden soll. Aber dennoch sackte mir, als ich den Aufruf im Forum des Vereins las, das Herz erst einmal in die Hose.

Die Frage ist ganz einfach: Bin ich schon soweit, dass ich mich live, vor Publikum, auf eine Bühne (ja, es gibt eine Bühne!) stellen oder setzen kann, um irgendwas von meinem Geschreibsel vorzulesen? Und das nach Möglichkeit auch noch so, dass ich mich dabei weder blamiere, noch das Publikum (oh Gott, Publikum!) zu Tode langweile!?

Ja, ja, wenn die Frage nur so einfach wäre!

Denn sofort kommen weitere Punkte hinterher wie der, was ich denn eigentlich lesen will. Und wie lang der Ausschnitt denn sein kann – ich hab das ja noch nie gemacht! Und überhaupt habe ich gar nichts Passendes anzuziehen … okay, das ist jetzt nicht sooo wichtig.

Ich muss versuchen, das Summen in meinem Kopf und in meinem Magen zu kanalisieren, um am Ende die wesentlichen Fragen wie folgt zu formulieren:

Erstens: Möchte ich gerne an dieser Veranstaltung als einer der Lesenden teilnehmen? Wenn ja, dann ist es meine Aufgabe, mich bis dahin geistig und seelisch entsprechend vorzubereiten.

Zweitens: Wenn ich glaube, das schaffen zu können, dann ist es mein Job, herauszufinden, was ich vorlesen möchte. Die nahe liegende Variante wäre, einen Auszug (oder mehr, je nach Zeitrahmen) aus „Der Morgen danach“ zu lesen, da dies meine erste Romanveröffentlichung wird.

Drittens: Falls ich mich auf „Der Morgen danach“ festlegen würde, müsste ich mit meinem Verlag klären, ob das überhaupt gewünscht ist, in dem Stadium, in dem der Text sich befindet. Bis Mitte März werden wir mit dem Lektorat schwerlich durch sein.

Viertens: Frühestens jetzt ist es an der Zeit, sich wirklich konkrete Gedanken über die Durchführung zu machen. Und über die Klamottenfrage 😉 .

Ich bin mir sicher, noch irgendeine wesentliche Frage vergessen zu haben, aber die wichtigste ist ohnehin die erste. Wenn ich die nicht für mich kläre und sie am Ende positiv beantworte, dann ist alles andere Makulatur.

Deswegen verzichte ich, auch wenn es mir schwer fällt, im Moment auch noch auf eine rationale Abwägung von Vorteilen und Nachteilen. Auch wenn mir da schon einiges zu eingefallen ist. Das muss einfach hintanstehen. Denn ich darf hier nichts übers Knie brechen, was ich ansonsten vielleicht bereuen würde.

So oder so: Ich habe es hier, wieder einmal, mit einer Herausforderung an mich, an mein Dasein als Autor zu tun, die vorher noch nie dagewesen ist. Und glaubt mir, ich bin selbst gespannt, wie das am Ende ausgehen wird.

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14 Gedanken zu “Live lesen in Leipzig – oder lieber nicht?

  1. Sebastian Schneider schreibt:

    Du kannst nur gewinnen durch Deinen Auftritt, Menschen interessieren und den Personenkreis der potenziellen Leserschaft erhöhen.
    Nehmen wir mal den worst case: die Zuhörerschaft gähnt, niemand berührt der Text, die Sache geht spurlos an den Leuten vorbei. Ist dadurch etwas ins Minus geraten? Machen die Menschen anschließend Negativpropaganda in den Foren und zerreißen Dich und Deinen Roman?
    Natürlich nicht.

    Textlänge:
    Mit unserem Schreibkurs haben wir eine Kurzgeschichten-Lesung veranstaltet.
    Die Länge war begrenzt auf 5-6 Normseiten; die Lesung wechselte mit der Darbietung einer BigBand (von der Musikhochschule). Also immer eine Kurzgeschichte, dann ein Lied. Der Wechsel hat die Konzentration hochgehalten, allerdings war die Veranstaltung mit 2,5 Stunden insgesamt zu lang angesetzt.

    Letztlich geht es um Deinen inneren Schweinehund. Den Mut, sich und seinen Text dem Urteil der Masse auszusetzen. Der Großteil des Stresses spielt sich aber nur im Kopf ab. Für die Leute bist Du letztlich nur ein Autor unter vielen, dem sie einige Minuten ihrer Aufmerksamkeit widmen. Dann kommt bereits de nächste dran und schon am Abend, wenn die Leute im Bett liegen, bestimmen ganz andere Gedanken ihr Leben. Also emotional nicht zu hoch aufhängen das Ganze. Was Du dafür anziehst? Herrje. Der Jahreszeit angemessen, würde ich sagen.

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    • Hallo Sebastian,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar. Dir kommt, ganz nebenbei, die höchst zweifelhafte „Ehre“ zuteil, der erste echte Kommentator gewesen zu sein, der – wieso auch immer – in meinem Spamordner gelandet ist. Mit der Qualität des Kommentars hatte das aber eher nichts zu tun 🙂 .

      Da sind einige sehr interessante Gedanken und vor allem auch Denkanstöße drin, die mich weiterbringen. Auch wenn der innere Schweinehund der entscheidende Faktor am Ende sein wird. Ich bin nun einmal sehr empfänglich für diesen selbstgemachten Stress.

      Die Sache mit den Klamotten war aber doch, so hoffe ich, als Gag erkennbar, oder? Am Ende laufe ich eh wieder so rum, wie ich immer herumlaufe. Ich habe mich noch nie verkleidet und werde nicht gerade jetzt damit anfangen.

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  2. So du es grundsätzlich für dich befürwortest, ist es sicher eine gute Übung, auch um festzustellen, wie du auf die Zuhörer wirkst. Was die Auswahl betrifft, so könnte es bzgl. des Verlagswerkes voraussichtlich Schwierigkeiten geben. Vielleicht suchst du einen Text aus, der vom Stil her ähnlich ist. Ich habe so das Gefühl, du würdest dich recht ärgern, es nicht versucht zu haben.
    Was die Kleiderfrage angeht, kommt es darauf an, wie du wirken willst. Wichtig ist etwas, in dem du dich körperlich wohl fühlst. Nur nicht verkleiden, das ist unbehaglich. Ich sehe meistens Sakkos mit Lederflicken, fast als sei dies ein Markenzeichen der Seriosität.

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    • So langsam fängt dein Liebster an, mir leid zu tun 😉 .

      Ich verschiebe die Antworten auf die Coachingfragen auf später, wenn es recht ist.

      Eine Frage, die eher aus dem Spektrum der Verhaltenstherapie kommt, könnte auch noch lauten: Was ist das Schlimmste, was passieren kann, wenn du dich entschließt, dort zu lesen?

      Irgendwie passt das alles ziemlich gut zusammen.

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      • Könnte theoretisch auch zu den Coachingfragen zählen.

        Coachingfragen ohne Erlaubnis sind übergriffig. Sieh sie einfach als Gedankenanstöße, deren Ergebnis du auch gar nicht öffentlich darlegen musst. Es geht ja nur darum, dass du für dich selbst einen Schritt weiterkommst.

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