Ich fühle mich beobachtet

Auf Twitter hatte ich es schon vor ein paar Tagen geschrieben: Angespornt von der Tatsache, dass ich meine Autorennase in absehbarer Zeit einem Live-Publikum präsentieren werde, habe ich mich dazu durchgerungen, zumindest einmal die technischen Voraussetzungen zu schaffen, um das in Zukunft auch von Zuhause aus tun zu können. Etwa in Form von kurzen Videos oder dergleichen.

Mit dem Gedanken gespielt habe ich schon eine ganze Weile, aber erst jetzt waren die Stimmung und auch das preisliche Angebot kompatibel miteinander. Und so habe ich mir für einen (vergleichsweise) Schnäppchenpreis eine True-HD-Webcam von Logitech geleistet, die dahingehend angepriesen wurde, auch bei eher schwierigen Lichtverhältnissen, wie sie in meinem Arbeitskeller zweifelsohne herrschen, für gute Aufnahmen zu sorgen.

Da mich die Erkältung nun wirklich erwischt hat und ich daher meinem Job nicht nachkommen kann, habe ich eine der Phasen genutzt, in denen ich nicht damit beschäftigt bin, meine Nase unter Kontrolle zu bringen, um das gute Stück einmal anzuschließen.

Sowohl die Montage am Monitor als auch die Installation verliefen dabei völlig reibungslos und so konnte ich schon bald mein eigenes Bild bewundern und mir selber zuwinken.

Und was soll ich sagen: Das Bild ist wirklich sehr gut, auch bei diesem künstlichen Licht. Im Gegenteil, ich habe sogar leichte Lichtreflexe drin, die von der Zimmerdecke herrühren. Hier werde ich mir noch etwas einfallen lassen müssen, bevor ich euch mit ersten Autorenvideos beglücken kann. Zum Visifonieren (um einen uralten Begriff aus der Science-Fiction zu benutzen) würde es aber jetzt schon reichen.

Jetzt schaut mich aber die ganze Zeit über so ein starres und leeres Auge von der Oberkante meines Monitors an. Ich muss zugeben, dass das gewöhnungsbedürftig ist. Um bei den Zukunftsvisionen zu bleiben: Ich komme mir vor, als sei ich einer der Astronauten an Bord der „Discovery“, die es mit einem in einem Dilemma gefangenen Bordcomputer zu tun bekommen. Fehlt nur noch, dass das Ding mich auf einmal mit „Dave“ anredet …

Man hört ja immer wieder, dass es sogar eine reale „Gefahr“ gibt, dass man ohne sein Wissen von einer Kamera gefilmt wird. Big Brother is watching you. Oder der Geheimdienst. Oder Donald Trump. Viele gehen deswegen ja schon hin und kleben die Kameras an ihren Smartphones oder Notebooks ab.

Ich habe es mir da einfacher gemacht und einfach das USB-Kabel rausgezogen. Es dürfte schwer werden, mich damit in Unterwäsche zu filmen. Zumal ich nie in Unterwäsche vor dem PC sitze. Aber ich fürchte, das bekäme Donald Trump auch noch irgendwie hin.

Wie dem auch sei, wenn mich die Live-Lesung nicht in alle Zeiten von dem Wunsch kuriert, euch unter die Augen zu treten, wird es in nicht allzu ferner Zukunft also mal was von mir zu sehen und zu hören geben.

Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt! 😉

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Ich, der Autoren-Zombie

Ich mache ja kein Geheimnis daraus, dass in meinem Kopf manchmal nicht alles richtig verdrahtet ist. So rein gefühlsmäßig und auch von der Einordnung mancher Geschehnisse gibt es da das eine oder andere „Defizit“ (über den Begriff kann und darf man streiten), die mir das Leben manchmal schwer machen.

Nehmen wir alleine den Vorfall von gestern, als ich auf einmal die Horrorvision hatte, zur Buchmesse ohne eine gesicherte Unterkunft dazustehen. Eine mögliche Reaktion wäre gewesen, jetzt mal so richtig auszurasten. Laut zu werden. Mit der Hand auf den Tisch hauen. Irgendwas, um klar zu machen, dass da so nicht funktioniert. Der Adrenalinpegel hätte sich im höchsten Bereich befinden sollen.

Stattdessen: Resignation, tiefe Sorge und im Prinzip schon Angst, eine weitere Nachricht an meine Gastgeberin zu senden, weil diese mir ja vollständig von der Angel gehen könnte. Immerhin hatte ich ja noch diese andere Unterkunft, die sie mir angeboten hatte, in der Verlosung.

Und so wartete ich ab einem gewissen Zeitpunkt auf eine bestimmte Nachricht, eine neue Bestätigung, irgendwas.

Aber es kam: nichts.

Und so lief ich den ganzen Tag herum, als wäre ich ein Zombie. Ein Autoren-Zombie. Ich war kaum in der Lage, an etwas anderes zu denken und musste mich massiv auf meine Arbeit konzentrieren, um nicht einfach nur Löcher in die Luft zu starren und mich irgendwo unter meinem Schreibtisch in Fötus-Stellung zusammen zu rollen. Das hätte meine Kollegin wahrscheinlich auch sehr seltsam gefunden 😉 .

Irgendwann habe ich mir ein Herz gefasst und habe noch einmal eine Nachricht geschickt. Und im folgenden Gespräch konnten wir dann die Modalitäten soweit klären, dass ich jetzt sagen kann, dass ich wohl doch eine Unterkunft in Leipzig haben werde.

Wobei natürlich aufgrund der Umstände eine gewisse Skepsis bleibt. Aber ich muss mich jetzt darauf verlassen und werde mich darauf verlassen. Immerhin hat die Gastgeberin bis jetzt überwiegend sehr positive Bewertungen erhalten und es kann immer mal passieren, dass einem durch einen persönlichen Schicksalsschlag etwas entgleitet.

Sagt der Autoren-Zombie. Der, der nicht mit der Hand auf den Tisch gehauen hat. Was, gemäß der AGB von AirBnB, ja auch gar nichts gebracht hätte – was ich nach wie vor für den wesentlich größeren Skandal an der Sache halte.

Und nun, bin ich jetzt wieder richtig verdrahtet? Keine Ahnung. Jedenfalls kann ich mich wieder einigermaßen in ganzen Sätzen artikulieren. Noch heute Mittag hätte ich diesen Blogbeitrag nicht schreiben können. Zombie eben. Wir wissen alle, wie gut die sich artikulieren können.

Ich hoffe nur, dass jetzt alles gut weitergeht und dann auch endet. Damit ich mich wieder unbelastet auf Mitte März freuen kann.

Kurz und schmerzvoll (12) Unterkunft in Leipzig geplatzt, Verhandlungen laufen

Tja, es hätte ja alles so schön sein können und auch sollen. Da kümmert man sich bereits im September 2017 um eine passende Unterkunft zur Leipziger Buchmesse, findet auch eine, die nicht nur sehr zentral liegt, sondern auch noch preisgünstig ist, und dann macht es auf einmal Plöpp und das löst sich in Luft auf.

Autorenkollegin Jana Tomy war es, die mit einer Bemerkung über jemand anderen, dem die Buchung bei Airbnb um die Ohren geflogen war, ein ungutes Gefühl bei mir auslöste. Also schrieb ich, rein prophylaktisch, mal meine Gastgeberin an, ob denn noch alles klar ginge.

Die Antwort versetzte mir einen Schlag in die Magengrube. Denn auf einmal war die Rede von einer Wohnung, die nicht mehr wirklich zentral liegt. Nach einigem hin und her haben wir herausgearbeitet, dass sie die Unterkunft, die ich gebucht hatte, nicht mehr besitzt und sie mir halt diesen Ersatz anbieten könnte.

Wir sind gerade dabei, das miteinander auszuklamüsern, ob und wie denn das Arrangement jetzt genau weitergehen und aussehen soll. Und ich muss gestehen, dass ich verdammt kribbelig bin, weil ich noch keine endgültige Aussage dazu habe, dass diese Ersatzwohnung jetzt wenigstens klappt.

Absolut entsetzt bin ich allerdings darüber, dass Airbnb als Plattform einen überhaupt nicht gegen solche Fälle schützt. Da heißt es lapidar, dass man im Zweifel halt sein Geld zurück bekommt, oder dass es bei einer Ersatzbuchung angerechnet wird. Ist ja gut und schön, aber ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie es mit einigermaßen akzeptablen Unterkünften in Leipzig für Mitte März aussieht. Wir haben eben nicht mehr September 2017, sondern Februar 2018.

Ich frage mich, wie das aussehen würde, wenn ich, zum Beispiel, eine Backpackerreise durch Australien mache und mich da bei verschiedenen Gastgebern von Airbnb anmelde, von denen einer drei Tage vor meiner Ankunft auf die Idee kommt, die Buchung zu stornieren. Dann stehe ich da. In Australien. Und habe ein nicht gerade kleines Problem.

Ja, sicher, jetzt kann man sagen, dass ich mich da vorher hätte schlau machen sollen. Aber nach den guten Erfahrungen, die ich letztes Jahr gemacht habe, bin ich auf die Idee gar nicht gekommen. Künstlerpech. Lehrgeld. Bullshit!

Ihr dürft mir gerne die Daumen drücken, dass sich da jetzt eine adäquate Lösung findet. Denn eine Option, die Messe einfach sausen zu lassen, gibt es nicht wirklich. Immerhin steht mein Name auf so einem komischen Plakat für so eine komische Lesung …

Echt, ich könnte schreien!

3 von #9lesen – 3 Fragen an Hannes Niederhausen, Jana Tomy und Julia von Rein-Hrubesch

Der Countdown läuft, es sind nur noch circa drei Wochen bis zur Lesung in Leipzig. Und wenn man von den bisherigen Reaktionen ausgehen kann, werden wir ein ziemlich volles „Haus“ haben. Da das Haus ein Irish Pub ist, ist gute Stimmung eigentlich schon garantiert und wir tun dann unser Übriges dazu, um den Abend zu etwas ganz Besonderem zu machen.

Letzte Woche habe ich euch die ersten drei Kolleginnen und Kollegen von mir vorgestellt, mit denen ich mit am 16.03. die Bühne teilen werde. Und wie ich schon angekündigt habe, durften sich dieses Mal die nächsten drei meinen Fragen stellen.

Ich freue mich sehr über die Antworten, die wirklich schön und aufschlussreich ausgefallen sind.

Also: Ich bitte um Aufmerksamkeit für Hannes Niederhausen, Jana Tomy und Julia von Rein-Hrubesch!

 


Hallo Hannes, erzähl uns doch in einem Satz ein bisschen von dir.
Als Softwareentwickler und Autor kann ich meine Kreativität ordentlich am Rechner ausleben und meine Bewegungsfaulheit hat so einen guten Grund.

Was macht #9lesen für dich zu einer besonderen Veranstaltung?
Nun, es ist meine erste Lesung, das allein macht sie schon besonders für mich. Sich mit 9 Leuten zusammen zu finden, die man gar nicht weiter kennt, ist aber auch eine tolle Leistung, die hauptsächlich Andrea [Anm.: gemeint ist Andrea Schrader, auch bei #9lesen mit dabei] vollbracht hat. Vielen Dank dafür an sie. Ich freue mich sehr darauf, die anderen lesen zu hören.

Worauf dürfen wir uns bei der Lesung von dir freuen?
Auf meiner Website veröffentliche ich jetzt monatlich Kurzgeschichten. Ich muss mal schauen, ob wir eine oder zwei Geschichten schaffen.

Hannes Niederhausen auf der Website zu #9lesen


Hallo Jana, erzähl uns doch in einem Satz ein bisschen von dir.
Ich bin eine Autorin, die das Schreiben durch die Schauspielerei gefunden hat und dabei jede freie Minute nutzt, um in die Tasten zu hauen oder auf der Bühne zu stehen.

Was macht #9lesen für dich zu einer besonderen Veranstaltung?
Zum einen, dass bei dieser Lesung jeder Autor eine Chance bekommt. Egal ob veröffentlicht oder unveröffentlicht. Zum anderen, dass ich Andrea [Anm.: siehe oben] bei der Planung helfen durfte. Eine total neue Erfahrung für mich und absolut spannend!

Worauf dürfen wir uns bei der Lesung von dir freuen?
Auf mein momentanes Romantasy-Projekt mit dem Arbeitstitel „Sépharial“. Außerdem darf ich unser Publikum als Moderatorin durch den Abend führen.

Jana Tomy auf der Website zu #9lesen


Hallo Julia, erzähl uns doch in einem Satz ein bisschen von dir.
Das Schreiben ist die beste, schönste und kreativste Weise, Realistin und Träumende in meiner Seele miteinander zu vereinen.

Was macht #9lesen für dich zu einer besonderen Veranstaltung?
#9lesen ist etwas ganz Besonderes, da Menschen, die sich für Literatur begeistern, zusammenfinden, egal ob Leser oder Autor und egal in welchem Genre.

Worauf dürfen wir uns bei der Lesung von dir freuen?
„Das Flüstern der Pappeln“ ist mein erstes Werk, bei dem es mir gelungen ist, Distanz zu überwinden und Persönliches zuzulassen, aus diesem Grund: Freut euch auf mein Herz!

Julia von Rein-Hrubesch auf der Website zu #9lesen


Den ersten Teil der Interviews mit Andrea Schrader, Florian Eckardt und Kia Kahawa gibt es hier.
Der dritte Teil der Interviews mit Magret Kindermann, Barbara Weiß und mir befindet sich hier.

Viele weitere Infos zur Lesung und den beteiligten Autoren findet ihr auf der Website zum Event!

Acht Wochen sind ‚rum, die nächste Agentur bitte

Kinder, wie die Zeit vergeht. Erinnert ihr euch noch an den 28.12.2017? Weihnachten lag hinter uns, das Jahr in den letzten Zügen und die ganzen Katastrophen, die meine kleine Welt zum Jahresbeginn ereilen sollten, noch in der Zukunft.

Damals habe ich euch davon berichtet, dass ich meine erste Bewerbung bei einer Literaturagentur auf den Weg gebracht habe, namentlich bei der Michael Meller Agency. Diese Agentur hatte es sich vorab ausbedungen, acht Wochen lang exklusiv über dem eingereichten Exposé zu „Der Beobachter und der Turm“ brüten zu dürfen. So, wie sie zum gleichen Zeitpunkt sicherlich über hundert anderen gebrütet haben.

Nun, da die acht Wochen jetzt vorbei sind und ich nichts gehört habe, kann ich mich nach den Regeln des Business als abgelehnt betrachten. Und soll ich euch was sagen? Es macht mir erstaunlich wenig aus.

Gut, vor ungefähr einer Woche, als ich auf den Kalender sah, um festzustellen, dass es nur noch wenige Tage sind, in denen eine Rückmeldung zu erwarten stünde, habe ich schon mal sanft geschluckt und mir überlegt, wie es danach dann weitergehen soll. Denn, seien wir mal ehrlich, natürlich hört man lieber, dass man da was ganz Tolles geschrieben hat, als das Gegenteil. Oder, in diesem Fall, man hört halt gar nichts.

Aber ich bin Realist. Und als solcher war es von Anfang an meine Erwartungshaltung, dass es nicht auf Anhieb klappen würde. Ich meine, wenn man sich vor Augen führt, wie viele Manuskripte jeden Tag in irgendeinem Posteingang landen, wieso sollte es dann ausgerechnet meins sein, das gesteigerte Aufmerksamkeit bekommt?

(Weil es gut ist, verdammt nochmal! 😉 )

Tatsächlich habe ich aber vor allem meinen inneren Pessimisten erstaunlich gut im Griff. Als der kurz sein hässliches Haupt reckte, um zu Protokoll zu geben, dass ich mir jede weitere Bewerbung sparen kann, weil mich sowieso alle Agenturen ablehnen werden, bekam er eins mit dem Manuskript übergebraten und zieht es seitdem vor, zu schweigen.

Ich werde also hinter diese Bewerbung einen Haken machen (für dieses Mal) und mich der nächsten Agentur zuwenden, bei der ich mein Glück versuchen will. Ich begreife dies als Möglichkeiten und Chancen, nicht als Notwendigkeit oder gar Qualitätsmerkmal. Manchmal kommt man einfach zur falschen Zeit mit dem falschen Stoff. Das ist dann so und sagt nichts über meine Fähigkeiten als Autor aus.

In diesem Sinne: Acht Wochen sind ‚rum, die Nächste bitte. Vielleicht schaffe ich es schon am Sonntag, die Unterlagen zusammenzustellen. Und wenn nicht, dann eben nächste Woche. Ich habe ja schließlich Zeit.

Und werde euch selbstverständlich auf dem Laufenden halten 🙂 .

Fakt und Fiktion (22) Jetzt nur nicht krank werden – oder doch!?

Im Vorfeld von wichtigen Ereignissen macht man sich ja manchmal die komischsten Gedanken. Das kennt ihr sicher auch. Und je näher eines dieser wichtigen Ereignisse, in diesem Fall nämlich die Leipziger Buchmesse, rückt, desto komischer werden die Gedanken.

Wir haben im Augenblick ja mal wieder eine richtiggehende Grippeepidemie. Wenn meine Chefin sich schon krank meldet und ein paar Tage zu Hause bleibt, dann muss sie richtig krank gewesen sein. Und auch ansonsten schnieft und schnüffelt es an allen Ecken und Enden. Inzwischen hat es auch meine Tochter erwischt, auch wenn ich da eher von einem grippalen Infekt ausgehe, der natürlich nicht besser wird, wenn man bei diesen arktischen Temperaturen in dünnen Klamotten vor die Türe geht …

Aber gut, noch steht sie, sie hustet halt viel und ausdauernd. Und hat eine Schniefnase. Und verteilt Bazillen. Und ich habe das Gefühl, dass die sich alle auf mich stürzen und mich anstecken könnten.

Irgendwann ist ja, rein statistisch betrachtet, jeder an der Reihe. Man muss nur lang genug angehustet worden sein, bis man irgendwann selber anfängt zu kröchen. Aber ich fühle mich noch gut.

Und da kommen die komischen Gedanken.

Der kleine Witzbold in meinem Kopf meint nämlich, dass ich mich, hört her, zwar jetzt noch gut fühle, aber irgendwann bin ich, rein statistisch betrachtet, wie gesagt, sowieso dran. Und der Witzbold führt weiter aus, dass das sehr wahrscheinlich pünktlich zur Buchmesse der Fall sein wird. Weil es richtig viel Spaß macht, mit einem verschnupften Kopf durch die Messehallen zu flanieren. Mal ganz davon abgesehen, dass ich dann richtig gut bei meiner Lesung mitmachen könnte.

Und weil der Witzbold halt so witzig ist, schlägt er mir vor, ich solle mich doch am besten jetzt schon mal anstecken, dann hätte ich es rechtzeitig hinter mir. Die Ratio, die ja hin und wieder auch noch was zu sagen hat, hält dagegen, dass es nicht unbedingt die feine Art ist, sich eine Krankheit herbei zu wünschen. Stattdessen solle ich doch lieber aufpassen, dass ich mich gesund genug ernähre, vielleicht ein wenig mehr Obst esse und allgemein gut auf mich aufpasse.

Der Witzbold hat dann den guten Rat ausgepackt, ich könne mir ja so einen netten Mundschutz zulegen, mit dem die Leute in Japan immer herumlaufen. Selten so gelacht.

Nein, ich werde die Lage einfach weiter im Auge behalten und versuchen, mich von allen Bazillenmutterschiffen fern zu halten. Dann muss meine Tochter halt bis auf Weiteres auf innige Umarmungen verzichten. Fällt einem Teenager jetzt auch nicht so schwer.

Aber falls der Witzbold mich doch noch dazu kriegen sollte, bei eisigen Temperaturen eine Runde im Rhein schwimmen zu gehen, um mich entweder abzuhärten oder aus den Pantinen zu hauen, dann werde ich euch das an dieser Stelle mitteilen.

Memo an mich selbst: Grippemittel und Nasenspray mit zur Buchmesse nehmen. Man weiß ja nie …

Wenn Geschichten sich weiterentwickeln

Neulich unterhielt ich mich mit Julia von Rein-Hrubesch, ihres Zeichens ebenfalls Autorin und Mitstreiterin in Sachen #9lesen. Es ging darum, wie Geschichten sich entwickeln und wie manche Geschichten sich eben von ihrer ursprünglichen Form in etwas anderes weiterentwickeln.

Ich habe über dieses Gespräch in den letzten Tagen, aus gegebenem Anlass, viel nachgedacht. Der Anlass sind mein unerwarteter Kreativitätsschub und die Folgen, die daraus erwachsen.

Wie ihr wisst, arbeite ich bereits seit längerem an einer Geschichte, in der es um ein Kind geht, das von seinen Eltern vor der Judendeportation aus dem Warschauer Ghetto gerettet worden ist. Ich hatte die Geschichte komplett aus einem Traum übernommen und, ganz gegen meine Gewohnheit, direkt eine Szenenfolge festgelegt. Fünf einfache Szenen, danach Abschluss und Ende. Eine Kurzgeschichte eben.

Im Normalfall schreibe ich meine Kurzgeschichten schnell, jedenfalls im ersten Entwurf. Deswegen war es schon eine Ausnahme, dass diese hier sich so langsam entwickelte und partout nicht fertig werden wollte. Ich schob es darauf, dass das Thema ein eher schwieriges ist. Diese Annahme verringerte das Gefühl, irgendetwas falsch zu machen.

Doch dann kam es zu einer langen Pause, in der ich die Geschichte gar nicht anfasste. Zurückblickend kann ich allerdings jetzt festhalten, dass ich eigentlich überhaupt nichts wirklich anfasste. Meine Kreativität kam zum Erliegen.

Als sie nun, im Zuge der letzten Ereignisse, langsam wieder aus ihrem Winterschlaf erwachte, stand für mich fest, dass ich mich nun zunächst um „Das Kind“ kümmern wollte. Und so fing ich an, weiterzuschreiben.

Leser, die hier schon länger mit dabei sind, werden ahnen, was passiert ist.

Die Geschichte wird länger und länger. An Stelle der kurzen Szenen sind nun längere getreten, die sich mehr Zeit für die Charaktere und das Setting des Jahres 1942 nehmen. Neue Charaktere wurden eingeführt, die sich aufgrund des geänderten Handlungsverlaufs einfach aufdrängten.

Und das bringt mich zu der Eingangs angesprochenen Weiterentwicklung: Inzwischen bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich die Geschichte, wie sie ursprünglich geplant war, eigentlich gar nicht mehr schreiben möchte. Meine Ursprungsidee war kurz, sie war grob, sie war düster. Aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich es grob und düster haben möchte.

Man könnte auch sagen, dass mir meine Charaktere, durch die Evolution, die sie gerade durchmachen, einfach zu nahe gehen, als dass ich sie eiskalt einem vorgeplanten Storybogen unterwerfen könnte, hinter dem ich auch nicht mehr vorbehaltlos stehe.

Julia schrieb zu diesem Phänomen: »Das ist toll! Die Geschichte ist eben gewachsen.«

Ja, das ist sie. Und damit komme ich wieder einmal in das Dilemma, dass ich nicht genau sagen kann, was das eigentlich ist, was ich da schreibe. Eine Kurzgeschichte ist es mit inzwischen fast 30.000 Wörtern jedenfalls nicht mehr. Wird es eine Novelle? Ein Kurzroman? Doch sogar ein „richtiger“ Roman?

Ich weiß, was an dieser Entwicklung nicht toll ist. Es ist die Sorge, dass mir das Projekt schließlich wieder unter den Händen wegsterben könnte, weil ich orientierungslos von einer Seite zur nächsten stolpere.

Momentan gibt es auf der anderen Seite aber auch nicht den kleinsten Anhaltspunkt, dass das passieren könnte. Stattdessen reiht sich gerade wieder Idee an Idee, Szene an Szene. Das einzige, was den Eindruck ein wenig trübt, ist der Fakt, dass ich nicht genau weiß, wann und wie ich die Geschichte enden lassen soll. Aber das ist wohl zu erwarten, wenn man mal eben das komplette Konstrukt samt geplantem Ende über den Haufen wirft.

Ein Teil von mir ist es dennoch gewohnt, sich schlecht damit zu fühlen, dass er das eigene Vorhaben nicht hat umsetzen können. Und er greift zu einem sehr perfiden Mittel, um mich das spüren zu lassen. Er stellt mir nämlich in einem fort die Frage, was ich eigentlich genau mit der Geschichte vorhabe, wenn sie denn irgendwann einmal fertig ist.

Tja, das ist eine gute Frage.

Ich habe mir ja vor einiger Zeit quasi geschworen, dass ich nie mehr für die Schublade schreiben möchte. Aber heißt das auf der anderen Seite, dass ich alles, was ich schreibe, auf Teufel komm raus direkt in irgendeiner Form verwerten muss?

Ich denke, dass genau hier ein weiterer Grund dafür begraben liegt, dass meine Kreativität zwischendurch so einschlafen konnte. Das Gefühl, mit dem, was ich schreibe, unbedingt etwas – womöglich auch noch gewinnbringendes – anstellen zu müssen.

In einem einfachen Satz formuliert heißt das nichts anderes, als dass ich mir selber massiven Druck mache. Oder gemacht habe.

Die meisten meiner Romane habe ich geschrieben, ohne ein konkretes Ziel mit ihren zu verfolgen. Ich habe sie geschrieben, weil sie einfach an der Reihe waren und auf die Welt gebracht werden wollten. Viele Kurzgeschichten schreibe ich einfach aus Spaß an der Freude, um sie hier im Blog zu veröffentlichen.

Aber je mehr man sich unter Autoren bewegt, desto mehr beginnt alles, auf einen abzufärben. Und dazu gehört auch dieser Drang, vorrangig mit dem Ziel der Veröffentlichung zu schreiben.

Ich will den Drang gar nicht schlecht machen, denn er ist es, der in manchen Punkten den Antrieb setzt für das, was ich tue. Ansonsten hätte ich nie einen Text von mir überarbeitet und schon gar nicht versucht, ihn für eine Veröffentlichung zu platzieren. Aber das kam immer im Nachgang, wenn die Geschichte schon geschrieben war.

Und so weit bin ich eben diesmal noch nicht.

Ich muss also für mich feststellen, dass meine Geschichte sich weiterentwickelt hat. Damit sprengt sie den ursprünglichen Rahmen und die zumindest vage Idee, was ich mit ihr anfangen wollte. Das führt zu einer Anzahl an Fragezeichen, die zuerst blockierend gewirkt haben. Der Kreativitätsschub hat mich aus dieser Blockade geführt und jetzt schreibe ich, ohne groß nachzudenken. Und stelle fest, dass es mir Spaß macht.

Damit könnte doch eigentlich alles gut sein. Sollte es sein. Wird es sein.

Wenn ich das, was ich nun für mich glaube, erkannt zu haben, festhalte und mich daran erinnere, wenn ich wieder in Gefahr gerate, mich selber in Gefangenschaft zu setzen.

Das passende Schlusswort gebührt diesmal Julia: »Was soll daran nicht toll sein?«